Antifaschismus und Antirassismus

Erfolgreiche Demo gegen die Identitären in Wien

Moritz Bauer, Christoph Glanninger

Die SLP hat sich am 09.09 in Wien gemeinsam mit rund 150 AntifaschistInnen an den Aktionen gegen die neofaschistischen Identitären beteiligt. Diese wollten mit dem „Gedenkzug Befreiung Wiens - Verteidigung Europas“ die Schlacht vom Kahlenberg 1683 für ihre rassistische Propaganda nutzen. Schon in den Wochen davor war die SLP in Heiligenstadt aktiv um Menschen über den drohenden Aufmarsch zu informieren und zu den Gegenprotesten einzuladen.

Mit einer Kundgebung direkt bei der U-Bahn-Station Heiligenstadt haben AktivistInnen der SLP die PassantInnen über die Identitären und die massive Gefahr, die von ihnen ausgeht informiert. Gleichzeitig haben wir aber auch klargemacht, wer die Verantwortung für das Wachsen von faschistischen Gruppen und den Anstieg an rechter Gewalt trägt: nämlich die Kürzungspolitik der etablierten Parteien und ihre rassistische Sündenbockpolitik. SPÖ, ÖVP und FPÖ versuchen, MigrantInnen für soziale Probleme verantwortlich zu machen um davon abzulenken, dass sie alle nur eine Politik im Interesse der Banken, Bosse und Konzerne machen. Auf Flugblättern, Plakaten und in Reden haben wir argumentiert, dass wir uns nicht spalten lassen dürfen - sondern gemeinsam für Jobs, Wohnungen und Soziales für alle kämpfen müssen. Unser Slogan war der unseres Wahlkampfs: „Gegen das System der Reichen – Jobs, Wohnungen und Soziales für alle statt Profite für wenige“

Dafür ernteten wir Zustimmung unter den PassantInnen und AnwohnerInnen. Viele waren schockiert darüber, dass in Wien FaschistInnen einen Fackelzug abhalten und der Meinung, dass wir endlich eine linke Alternative zum Einheitsbrei der etablierten Parteien brauchen.

Gleichzeitig hat am Kahlenberg eine Demonstration stattgefunden, die das Ziel hatte, die Identitären zu blockieren. Nach mehreren Stunden ausharren auf der Demo-Route der FaschistInnen wurde der Endpunkt dieser schließlich auf den Leopoldsberg verlegt. Die etwa 100 Identitären zogen daraufhin mit ihrer Demonstration komplett isoliert durch einen Wald, während die antifaschistische Demonstration weiter die Route der Identitären nahm. Mehrere Familien mit Kindern, viele davon mit Migrationshintergrund, haben ihr Wochenend-Picknick unterbrochen, um die Demonstration winkend zu begrüßen. Diese Menschen wären möglichen Angriffen und rassistischer Gewalt ausgesetzt gewesen, wenn die Demo der Identitären wie geplant stattgefunden hätte. Denn auch wenn die „Identitären“ sich harmlos geben: Im Umfeld ihrer Aufmärsche kommt es immer wieder zu Gewalt gegen MigrantInnen und Linke. Auch diesmal kamen Schlägernazis mit NS-Tattoos zu ihrem Aufmarsch. Einer dieser Nazis schrie am Weg zum Kahlenberg SLP-AktivistInnen entgegen, er hätte genug gesoffen, dass er seine Fäuste später nicht mehr spüren würde. Das zeigt einmal mehr wie wichtig antifaschistische Proteste sind, um unsere FreundInnen und KollegInnen vor rechter Gewalt zu schützen.

Widerstand gegen FaschistInnen und ihre Aufmärsche und Aktionen wird in Zukunft immer wichtiger werden. Vor dem Hintergrund des Rechtsrucks aller etablierten Parteien werden Rechtsextreme immer selbstbewusster, greifen Menschen auf offener Straße an oder attackieren Flüchtlingsunterkünfte. Erst im August wurde in Oberösterreich aus einer scharfen Waffe auf eine Unterkunft geschossen und vor allem eine drohende FPÖ-Regierungsbeteiligung wird diese Entwicklung noch weiter beschleunigen.

Wir müssen und schon jetzt organisieren um den um Widerstand gegen FaschistInnen und den Rassismus der etablierten Parteien aufzubauen. Werde auch du mit uns aktiv und hilf uns dabei!

 

 

 

Wels: Sozialistische Ideen herzlich Willkommen!

Im Rahmen unserer Kampagne gegen den Wahlkampfauftakt der FPÖ in Wels am 16. September organisierte die Sozialistische LinksPartei SLP am Donnerstag den 7.9.2017 eine Kundgebung gegen rechte Hetze und Sozialabbau in Wels, der Hochburg der FPÖ. Seit zwei Jahren ist FPÖ-Bürgermeister Rabl im Amt – und hat bewiesen, dass die FPÖ keine Alternative zur Kürzungspolitik von SPÖ & ÖVP ist und keine Lösungen für soziale Probleme wie Arbeitslosigkeit, Wohnungsnot, Armut und Perspektivenlosigkeit hat. Im Gegenteil: Sie ist nicht anders, sondern nur noch schlimmer als die „traditionellen“ Parteien. Kürzungen bei Kindergärten, im Alten- und Behindertenbereich, Kultur und Wissenschaft und einer Reihe anderer Bereichen stoßen vielen WelserInnen sauer auf. Die drohende Regierungsbeteiligung der FPÖ auch auf Bundesebene schickt viele auf die Suche nach einer Alternative zu rassistischer Hetze und Politik im Interessen der Banken und Konzerne.

Unsere Aktion in Wels fand viel Zuspruch von PassantInnen. Einige spendeten Geld für unsere Kampagne, viele kauften Zeitungen, Broschüren und Buttons und schrieben sich in unseren Newsletter ein. Ein Mann der extra darauf hinwies homosexuell zu sein erklärte, dass er es super finde, dass wir nicht nur über rechte Hetze reden, sondern auch auf die Straße gehen und etwas machen. Auch eine Flüchtlingsbetreuerin fand, es sei höchste Zeit, dass sich Widerstand gegen die Politik der FPÖ organisiert. Natürlich kam es auch zu Provokationen durch FPÖ-Anhänger, die uns mit „Hoits de Goschn“ und „Schleichts eich“-Rufen anstänkerten. Ein Mann der erklärte Gemeinderatsabgeordneter der FPÖ zu sein versuchte uns einzuschüchtern, indem er Videos und Bilder von unserer Kundgebung bzw. den AktivistInnen machte. Das alles änderte nichts am Erfolg der Aktion. Es wird nicht die letzte gewesen sein! Komm zur Kundgebung gegen den FPÖ-Wahlkampfauftakt am 16. September: https://www.facebook.com/events/260846707768579/?acontext=%7B%22ref%22%3A%223%22%2C%22ref_newsfeed_story_type%22%3A%22regular%22%2C%22feed_story_type%22%3A%2222%22%2C%22action_history%22%3A%22null%22%7D

Werde mit uns aktiv gegen rechte Hetze, Sozialabbau und die Parteien der Reichen!

AktivistInnentreffen: Dienstag, 18.00 Uhr, Gasthaus „Alte Welt“, Hauptplatz 4, Linz

weitere Termine hier: http://ttps://www.slp.at/kalender#kalender-today-date-box

Nazi-Gewalt in Charlottesville löst starken Widerstand aus

von Ty Moore, Socialist Alternative (Schwesterorganisation der SLP in den USA), 14.8.2017

Zum Kampf gegen die Rechte sind Massendemonstrationen und eine linke Alternative nötig

Die feindselige nationalistische Gewalt „weißer“ Rassisten, zu der es am Wochenende in Charlottesville und weiteren Orten der USA gekommen ist, hat wie ein kollektiver Weckruf gewirkt. Gegen rassistische Gewalt, einschüchterndes Vorgehen von Bürgerwehren und eine bigotte Politik der Regierung muss eine mächtige linke Gegenmacht aufgebaut werden.

Neben den Gewerkschaften, Bürgerrechtsbewegungen, migrantischen, sozialistischen und anderen progressiven Organisationen müssen Führungspersönlichkeiten wie Bernie Sanders einen Zahn zulegen, um in allen Städten Massenproteste zu koordinieren, mit denen rechtsextreme Kräfte isoliert und zurückgedrängt werden können. Um die große Mehrheit der arbeitenden Menschen gegen Rassismus und Fanatismus zu vereinen, sollten diese Proteste mit einem klaren Programm gegen Trump und konzerngeleitete Politik verbunden werden.

Rechtsextreme Gefahr

Seit der Wahl von Trump haben Gruppierungen der „white nationalists“ und Neonazi-Gruppen sowie die „alt-right“ (loser Zusammenschluss von Rechtsextremisten in den USA; Erg. d. Übers.) Demonstrationen organisiert, die in zunehmendem Maße rassistischer und aggressiver werden. Auch wenn sie gemessen an der Zahl ihrer Anhängerschaft weiterhin klein sind, so gewinnen diese „white nationalists“ und Neonazi-Gruppen an Mitgliedern. Sie treten mit immer größerer Entschlossenheit auf. Die mehrere hundert „weißen“ Nationalisten, die vergangenes Wochenende in Charlottesville eingefallen sind, um am „Unite the Right“-Treffen (dt.: „Vereint die Rechte“) teilzunehmen, verfolgten die Absicht, ihre Bewegung auf eine neue Ebene zu heben.

Nach dem brutalen Mord des Neonazis James Fields an Heather Heyer, die am Samstag von ihm mit einem Auto überfahren wurde, verkündete Trump in den bundesweit ausgestrahlten Fernsehnachrichten, dass er die Gewalt und den Hass „von vielen Seiten“ verurteile. Dass er es unterlassen hat, namentlich die „white nationalists“ und die Neonazi-Gruppen zu verurteilen, löste bei Millionen von Menschen umgehend Empörung aus. Wenigstens eine Internetseite der „alt-right“ begrüßte Trumps Äußerungen als „really, really good“.

Der weithin hörbare öffentliche Aufschrei gegen diesen Auswuchs an Gewalt und Fanatismus in Charlottesville zeigt, wie die politischen Kräfte in der US-Gesellschaft tatsächlich verteilt sind und sich gegen die extreme Rechte im Land richten. In den Städten des ganzen Landes kommt es zu spontanen Massenprotesten. Neben einem Plan für bundesweit koordinierte Massenproteste muss die Linke – wo immer dies möglich erscheint – demokratische örtliche Bündnisse zur Verteidigung der arbeitenden Menschen schmieden, um unsere Bewegung und unsere Wohnviertel physisch gegen Übergriffe zu verteidigen.

Immer klarer wird hingegen, dass antirassistischer Protest allein nicht reichen wird, um das Erstarken von Nationalismus und Rassismus in der Gesellschaft zu beenden. Wollen wir den Aufstieg des „weißen“ Nationalismus aufhalten oder effektiven Widerstand gegen Trump leisten, dann braucht es dafür eine bewusste politische Strategie, mit der die extreme Rechte isoliert werden kann.

An den Wurzeln des „Trumpismus“ ansetzen

Zwar versuchen sich die meisten VertreterInnen der „Republikaner“ von den Gruppen zu distanzieren, die der „alt-right“ zuzurechnen sind. In Wirklichkeit hat die Politik der Regierung, die sich durch codierte Intoleranz und Rassismus auszeichnet, das Erstarken rassistischer und reaktionärer Ansichten jedoch befördert. Eine seit Jahrzehnten von beiden Parteien betriebene und von den Konzernen unterstützte Politik, die unter dem Motto „hartes Durchgreifen“ stand, unter dem Deckmantel des „Anti-Terrorismus“ die Islamfeindlichkeit anheizte und eingewanderte Arbeitskräfte in immer größerer Zahl abgeschoben hat, hat ein rassistisches Klima geschaffen, das den Kräften der „weißen“ Nationalisten in die Hände spielt.

Grundsätzlich kann das Erstarken extrem rechter, reaktionärer und neofaschistischer Kräfte nur als ein internationales Phänomen verstanden werden; als Resultat der tiefgreifenden Krise des globalen Kapitalismus. Überall auf der Welt haben die kapitalistisch ausgerichteten Regierungen eine dramatische Zunahme der Ungleichheit zu verantworten. Es existieren Inseln des extremen Wohlstands, die umgeben sind von einem rasch größer werdenden Meer an Armut, ökonomischer Unsicherheit und sozialer Ausgrenzung. Da ihr eigenes System in der Krise steckt und angesichts des Widerstands der Arbeiterklasse greift ein Teil der herrschenden Klasse auf Rassismus, Nationalismus und Fanatismus zurück, um das Teile-und-Herrsche-Prinzip zur Anwendung kommen zu lassen.

Gleichzeitig hat das Versagen der Linken und der Arbeiterbewegung, die bislang keine entschlossene politische Alternative der Arbeiterklasse anzubieten hatten, dafür gesorgt, dass Rechtspopulisten wie Trump zum Zuge kommen konnten. Bei den letzten Wahlen erschien Trump als einzige Alternative „gegen das Establishment“, gegen die Herrschaft der „Wall Street“ und der korrupten politischen Elite. Zuvor war dem linkspopulistischen Wahlkampf von Bernie Sanders durch das Partei-Establishment der Demokraten ein Riegel vorgeschoben worden. Trump war es somit möglich, mit demagogischen Appellen an Millionen von „weißen“ WählerInnen aus Arbeiterklasse und Mittelschicht heranzutreten. Diese haben mit sinkenden Lebensstandards zu kämpfen und sind wütend aufgrund eines Polit-Establishments, das korrupt ist und unantastbar scheint. Das war der politische und gesellschaftliche Kontext, der es Trump ermöglicht hat, Zustimmung für seine zynischen Appelle an Nationalstolz zu bekommen. Er hat MigrantInnen zu Sündenböcken gemacht, ist offen frauenfeindlich aufgetreten und hat versprochen, „den Sumpf in Washington trockenzulegen“.

Nötig ist eine linke Alternative

Wenn die eigentliche Ursache des „Trumpismus“ die Krise des Kapitalismus ist, dann muss jede Bewegung, die im Kampf gegen Rechts effektiv sein will, den starken Widerstand gegen Rassismus und Bigotterie mit einem ebenso entschlossenen Programm gegen Armut, Erwerbslosigkeit, Wohnungsnot und die chronische Unterfinanzierung von Bildung, Infrastruktur und öffentlichen Dienstleistungen verbinden. Finanziert werden muss all dies durch höhere Steuern für Reiche. Will man die Unterstützung für Trump und die „alt-right“-Gruppen beschneiden, so muss man – kurz gesagt – eine Massenbewegung aufbauen, die eine klare, links ausgerichtete, politische Alternative anbieten kann.

Das dafür vorhandene Potential ist bereits sichtbar, wenn man an die breite Unterstützung denkt, die Bernie Sanders erhalten hat und immer noch bekommt. Das gilt vor allem für die „red states“, in denen Trump viele Stimmen erhalten hat. Der Mann, der sich selbst als demokratischen Sozialisten bezeichnet, ist zum beliebtesten Politiker Amerikas geworden. Er ist die bekannteste Stimme gegen Trump. Die Popularität von Sanders geht auf seinen Aufruf zu „einer politischen Revolution gegen die gesellschaftliche Klasse der Milliardäre“ zurück und auf seine Forderungen nach „Medicare for All“, kostenloser Hochschulbildung, einem breit angelegten Programm zur Schaffung von Arbeitsplätzen, das durch eine Reichensteuer finanziert wird, und auf seine Attacken nicht nur auf Republikaner, sondern auch auf das von den Konzernen finanzierte Establishment der Demokraten.

Leider hat Sanders es nicht vermocht, sein radikales Programm in Verbindung zu setzen mit dem Bedarf an einer neuen politischen Massenpartei der Arbeiterklasse. Das wäre ein entscheidender Schritt zur Vereinigung des wachsenden Widerstands gegen Trump mit einer zusammenhängenden Massenbewegung.

Massenproteste und lokale Verteidigungs-Bündnisse

Die Märsche von „Unite the Right“ in Charlottesville haben bei Millionen von arbeitenden Menschen Empörung ausgelöst. Sie suchen nach einer effektiven Möglichkeit der Gegenwehr. Verständlicherweise hat die heftige Gewalt der Neonazis dazu geführt, dass ein Teil der Aktiven sich verstärkt dafür ausspricht, auch mit physischen Mitteln darauf zu reagieren. Auf den Demonstrationen, die überall im Land stattfanden, war der Slogan zu hören: „Any time, any place, punch a nazi in the face“ (dt.: „Immer und überall – Nazis auf die Fresse!“).

Damit mag man an nachvollziehbaren Gefühlen ansetzen, riskiert aber, dass sich antirassistische AktivistInnen selbst isolieren. Das Potential, das wir haben, um die Massen in den Kampf gegen Rechts mit einzubeziehen, wir dadurch beschnitten. Wir brauchen aber die Unterstützung der Massen, um erfolgreich sein zu können. Unsere Macht, um Trump und die „alt-right“-Kräfte zu bezwingen, liegt in dem real existierenden Potential begründet, die Mehrheit der Gesellschaft gegen sie mobilisieren zu können. Wenn progressive Führungspersönlichkeiten wie Sanders sich mit aller Energie – zusammen mit Bürgerrechtsgruppen, SozialistInnen und Arbeiterorganisationen – für koordinierte, friedliche und massenhafte Demonstrationen einsetzen, dann können hunderttausende (möglicherweise sogar Millionen) von Menschen auf die Straße gebracht werden. Das wäre eine entschiedene Machtdemonstration gegen Fanatismus und Rassismus.

Gleichzeitig hat die bittere Erfahrung gezeigt, dass wir uns – wenn es um die Verteidigung unserer Bewegung geht – nicht auf die Polizei verlassen können. Noch viel weniger gilt dies für die schwarzen und migrantischen Bevölkerungsgruppen, die Opfer von rassistischer Einschüchterung und Gewalt werden. Um uns gegenseitig zu schützen, müssen wir damit beginnen, uns auf unsere eigene kollektive Stärke und Fähigkeit zur Selbstorganisation zu besinnen. Wo immer dies nötig ist, sollte die Anti-Trump-Bewegung demokratisch aufgebaute Bündnisse in den Wohnvierteln und Betrieben organisieren, um unsere Demonstrationen zu begleiten und zu verteidigen und um gefährdeten Wohnvierteln zur Hilfe zu kommen.

Seit Trumps ersten Stunden im Amt hat Socialist Alternative ganz vorne gestanden, um den Widerstand gegen seine rassistische, sexistische und konzernfreundliche Agenda mit aufzubauen. Dabei haben wir zu jedem Zeitpunkt versucht, die Bewegung gegen Trump und seine rechtsextremen Gefolgsleute mit einer Strategie und eine Programm zu verbinden, um die arbeitenden Menschen in einer multiethnischen Massenbewegung miteinander zu vereinen. Unsere zentrale Botschaft lautet: Wenn wir die Rechte effektiv bekämpfen wollen, dann darf es nicht dabei bleiben, einfach nur „Nein“ zu sagen.

Stattdessen müssen wir die Verteidigungskämpfe von heute mit einem Programm und einer Strategie verbinden, um die Kontrolle der Konzerne über die Gesellschaft herauszufordern und die ökonomische und soziale Unsicherheit zu beenden. Denn das ist die Grundlage, auf der Rassismus, Nationalismus und Fanatismus wachsen können.

 

Rechter Rand

Offiziell will sie nichts mit ihr zu tun haben und während des Wahlkampfes wurde jede Verbindung abgestritten. Die Rede ist von der FPÖ und der rechtsextremen identitären Bewegung (IB). Die Realität sieht aber anders aus. Schon 2010 kandidierte Alex Markovic, Mitbegründer der IB, für die FPÖ. Strache teilt auf Facebook Aktionen der IB und ließ sich 2015 gemeinsam mit führenden Mitgliedern der IB in einem Lokal ablichten. 2016 gab es einen Übergriff auf den Rektor der Uni Klagenfurt. Daran beteiligt war Luca Kerbl, bis vor der Aktion FPÖ-Bezirksobmann und ehemaliger FPÖ-Gemeinderat. Kerbl ist nun Leiter der IB Steiermark. Der Ex-Chef der IB Salzburg, Edwin Hintsteiner, engagierte sich früher beim FPÖ-Jugendverband RFJ, der gute Kontakte zu der IB pflegt. So arbeiteten etwa der RFJ und die IB offiziell an einer Kampagne namens „der große Austausch“. Der RFJ Burgenland lädt die IB regelmäßig zu sich ein. Am Kongress „Verteidiger Europas“, der offiziell nicht von der IB organisiert wurde, die aber durch mehrere Aufsteller sehr gut vertreten war, trat der FP–Stratege Kickl auf. Auch in Wiener Neustadt hieß der FPÖ-Vizebürgermeister bei einer Anti-Asyl Veranstaltung die IB offiziell „herzlich willkommen“. In Wien tritt mit Bernadette Conrads eine IB-Aktivistin für die FPÖ bei den Gemeinderatswahlen an. FPÖ Gemeinderatskandidat Sickl tritt als Vermittler zwischen FPÖ und IB auf, indem er Konferenzen organisiert. Außerdem vermietet er der IB in Graz ein Büro.

Erscheint in Zeitungsausgabe: 

Blaues Fest: ein lautes Nein zur FPÖ!

Philipp Chmel

Wir dürfen den Rechten nicht die Straße überlassen! Aus diesem Grund mobilisierte die Sozialistische LinksPartei wieder stark gegen das “Blaue Fest” der FPÖ am Wallensteinplatz. Wir machten in den Wochen vor dem 13. Mai mehrere Kundgebungen an der Friedensbrücke und vor Schulen, und betonten verstärkt die Verbindung zwischen antirassistischen, antisexistischen und sozialen Standpunkten, denn soziale Ungleichheit spaltet. Mit den Worten von Malcolm X: “Es gibt keinen Kapitalismus ohne Rassismus!”

Die FPÖ versucht ihre rechtsextreme Politik zu tarnen und sich als harmlose, soziale Familienpartei zu präsentieren. Dass dem nicht so ist, ist den meisten LeserInnen dieser Zeilen klar. Dass wir aber auch etwas dagegen unternehmen können vielleicht nicht allen. Aber direkte Konfrontation bringt’s! Nur zehn Minuten laute, linke Präsenz unsererseits reichten am 11. Mai, um die FPÖ komplett aus dem Konzept zu bringen - sie gaben die Hetze auf und verließen die Friedensbrücke.

Auf der Gegendemo selbst kamen AktivistInnen verschiedenster Organisationen (SJ Brigittenau, Junge Grüne, Aufbruch), die OrganisatorInnen der Wiener Anti-Vučić-Proteste, ungarische und iranische AntifaschistInnen, GewerkschaftsaktivistInnen und AnwohnerInnen zusammen. Gemeinsam setzten wir ein lautstarkes Zeichen gegen das stark geschrumpfte „Blaue Fest“. Weiter geht es in Wien mit der LGBTQ-Kampagne! Get active!

Erscheint in Zeitungsausgabe: 

Der rechte Rand: offene Armee für Rechtsextreme?

Alois Hofer

Der Fall Franco A., deutscher Bundeswehr-Offizier und Rechtsextremist, machte europaweit Schlagzeilen. A. führte ein Doppelleben als „syrischer Flüchtling“, wobei er offenbar Terroranschläge plante und die Verantwortung dafür Flüchtlingen unterschieben wollte. Dass rechtsextreme Tendenzen und Netzwerke beim Militär keine Seltenheit darstellen, zeigt sich auch im österreichischen Bundesheer. Bis 2008 nahm das Bundesheer offiziell an den Gedenkfeiern von HeimkehrerInnen teil. Weitere TeilnehmerInnen waren hierbei auch Rechtsextreme, Neonazis und ehemalige Angehörige der Waffen-SS. Es überrascht daher auch nicht, dass im Bundesheer unter den BerufssoldatInnen die FPÖ deutlich überrepräsentiert ist, dies zeigen auch die Personalvertretungswahlen. Ebenso betrifft dies das Heeresabwehramt: Ein Beamter beteiligte sich an zwei rechtsextremistischen Aktionen der Identitären Bewegung in Graz. Hierbei wurde die Parteizentrale der Grünen besetzt und eine Moschee mit Schweineköpfen geschändet. Rechte Tendenzen weist auch das Militärgymnasium in Wiener Neustadt auf. Unter den wehrpolitischen Vereinen, deren Mitglieder die Infrastruktur des Militärs (bspw. für Schießübungen) verwenden dürfen, gibt es auch Verbindungen zu den Identitären. Der Obmann eines solchen Vereins verglich „Muslime mit Nationalsozialisten“ und befand die Jahre „1933 bis 1939“ als die „erfolgreichsten und für die deutsche Seele schönsten Jahre ihrer Geschichte“. Im österreichischen Bundesheer wird undemokratische Hierarchie und eine bestimmte Form der Männlichkeit kultiviert – und eine Nähe zum Rechtsextremismus.

Erscheint in Zeitungsausgabe: 

Salzburg gegen Abschiebungen

Moritz Bauer

Am 09.06 fand in Salzburg eine Kundgebung gegen Abschiebungen nach Afghanistan statt. Rund 50 AntirassistInnen machten gemeinsam mit Flüchtlingen und MigrantInnen klar, was die Abschiebepolitik der Regierung wirklich ist: rassistisch und menschenverachtend. Angesichts der Terroranschläge in den letzten Wochen, bei denen hunderte Menschen starben, ist offensichtlich, dass Afghanistan kein sicheres Herkunftsland ist. Lukas Kastner, Aktivist der SLP betonte in seiner Rede: „Wir müssen uns gegen diese [Spar-] Politik massiv wehren und sie an allen Fronten bekämpfen. Sei es der Rassismus, sei es der ekelhafte Sozialabbau. Und das können wir nur gemeinsam schaffen, wenn wir darauf scheißen, ob jemand einen Migrationshintergrund hat oder nicht. Und das werden wir auch tun!“

 

FPÖ: Partei der Reichen & Eliten

Christoph Glanninger

Die FPÖ vertritt die Interessen von Banken, Bossen und Konzernen.

Rechtzeitig vor der nächsten Nationalratswahl will die FPÖ ihr neues Wirtschaftsprogramm präsentieren. Ziel ist, sich den Wirtschaftseliten als verlässlicher Regierungspartner anzudienen. In der Praxis wissen wir schon lange, für wen die FPÖ (Wirtschafts)Politik macht: für die Reichen und Mächtigen.

Das zeigt sich überall dort, wo sie bereits an der Macht ist oder war. Bekannt sind Hypo oder die kriminellen Privatisierungen unter Schwarz-Blau. Auch die FPÖ unter Strache zeigt ihr unsoziales Gesicht: In Linz ist sie gemeinsam mit SPÖ und ÖVP verantwortlich für die Schließung von Jugendzentren, während gleichzeitig das Werbebudget erhöht wird und Unsummen für Stadtwache, PolitikerInnengehälter und Konzernförderungen ausgegeben werden. Auch tritt die FPÖ gegen eine Millionärssteuer auf und ihr Wirtschaftsflügel will von Kollektivverträgen „abrücken“.

Genau diese Politik wird die FPÖ auch in der Bundesregierung umsetzen, egal was sie im Wahlkampf sagt. Sie ist keine Alternative, sondern noch unsozialer und elitärer – eine Partei der Reichen. Um sie zu bekämpfen, müssen wir auch die unsoziale Politik der Regierung bekämpfen und eine echte sozialistische Alternative aufbauen, die tatsächlich die Interessen der 99% vertritt.

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Von Dummheit und Überheblichkeit

Jan Millonig

Nur die dümmsten Kälber wählen ihre Schlächter selber“ - Wer wählt die FPÖ?

 

Trumps Wahlsieg, der Siegeszug von Le Pen, AfD oder FPÖ etc. - all das lässt Viele verzweifeln und die Hoffnung auf eine positive Zukunft verlieren. Wenn „die Leute“ so rechts, so voller Neid und Hass sind - wie soll dann eine Bewegung für eine bessere Welt entstehen? Wie sollen wir den Rassismus der etablierten Parteien und Medien bekämpfen, wenn „die Mehrheitsgesellschaft“ dem sowieso zustimmt? Wann werden Frauen in dieser Gesellschaft voller Alltagssexismus und übergriffigen Männern sicher sein?

Von „seriöser“ Seite wie auch auf Facebook & Co. sind die Schuldigen rasch gefunden: Das Wahlvolk, insbesondere „die Arbeiter“ sind einfach zu ungebildet oder schlichtweg „dumm“. Abgesehen davon, dass z.B. ein wesentlicher Teil der WählerInnen der extremen Rechten aus der Mittelschicht kommt, gibt es mehrere Gründe für dieses recht simple Erklärungsmuster. Neben bewusster Einseitigkeit und Vereinfachung zeigt sich hier ein Weltbild, indem „die Massen“ (und die sind weitgehend deckungsgleich mit „den Arbeitern“) der Elite halt nicht das Wasser reichen können. Wer was und wen aber warum wählt, wird in diesem Erklärungsmuster, das über eine moralische Ebene nicht hinausgeht, nicht erklärt.

Gleichzeitig mit der Wahl Trumps fanden auch diverse Volksabstimmungen in den USA statt, wo weitgehend linke, fortschrittliche Themen gewannen. Vor und nach der Wahl gab es eine Reihe von Bewegungen für soziale Verbesserungen, eine Massenkampagne für den linken Kandidaten Bernie Sanders und riesige Proteste gegen Rassismus, Sexismus und Trumps Präsidentschaft. In Österreich unterstützten 2015 über 100.000 Menschen Geflüchtete und forderten von der Regierung einen menschlichen Umgang mit ihnen. Weniger als ein Jahr danach erhielt Hofer fast 50% der Stimmen. Die Polarisierung findet rechts und links statt bzw. spiegelt das durchaus verwirrte Bewusstsein wider.

Bewusstsein existiert nicht im luftleeren Raum. Wenn es in der ArbeiterInnenklasse Rassismus und Sexismus gibt, dann ist das Ausdruck für die Schwäche der ArbeiterInnenbewegung in den letzten Jahrzehnten. Auch Regierungsparteien, große Medien und sogar der ÖGB tun so, als ob Flüchtlinge und MigrantInnen schuld an Arbeitslosigkeit und sozialen Problemen wären. Die Sozialdemokratie ist schon lange selbst zur Speerspitze rassistischer und neoliberaler Politik geworden und die Gewerkschaften tragen die „Österreich zuerst“-Konkurrenzlogik mit. Auch in Frauenbranchen ist der Vorsitzende ein Mann. Wenn hier keine starke ArbeiterInnenbewegung dagegen hält, setzen sich diese ebenso simplen wie falschen Erklärungsmuster durch. Es fehlen die Antworten von links. Es fehlt eine Kraft, die der neoliberalen Agenda etwas entgegenzusetzen hat. Keine Partei stellt Forderungen im Interesse der arbeitenden und armen Bevölkerung auf, gibt Antworten auf die wahren Probleme oder setzt sich in sozialen Bewegungen für die Rechte der Menschen ein. Dieses Vakuum füllt der Rechtspopulismus. Kämpferische Gewerkschaften, Parteien mit einem wirklich linken Programm und soziale Bewegungen könnten das Kräfteverhältnis verschieben, auch das Bewusstsein der Menschen. So verzögerte die Partei DIE LINKE in Deutschland die Entwicklung des Rechtspopulismus um Jahrzehnte.

Solidarität ist ein Grundprinzip der ArbeiterInnenbewegung und umso stärker, je stärker diese ist. Es geht nicht darum, dass die Menschen der ArbeiterInnenklasse prinzipiell bessere Menschen wären, sondern um ihre sozialen Interessen und deren Durchsetzbarkeit. Aufgrund ihrer Position in der Gesellschaft und gemeinsamen Lage in der Arbeitswelt liegt es für ArbeiterInnen und sozial Schwache in der Natur der Sache, sich zusammenzuschließen und zu organisieren.

In den Betrieben und Firmen kann nur der gemeinsame Kampf der KollegInnen gegen Verschlechterungen zum Erfolg führen. Solidarität wird zur Notwendigkeit. Was andere auf politischer Ebene erlernen, ist für ArbeiterInnen eine gemeinsame Erfahrung am Arbeitsplatz. Klar wird auch bald, dass es gemeinsame Interessen von „uns hier unten“ im Gegensatz zu „denen da oben“ gibt. Zahllose Beispiele zeigen, dass rassistische, sexistische oder homophobe Vorurteile unter ArbeiterInnen im Zuge von gemeinsamen Kämpfen überwunden werden. Weil sich im gemeinsamen Kampf gegen Entlassungen oder für höhere Löhne zeigt, dass einem der türkische Kollege oder die serbische Kollegin weit näher steht, als der österreichische Chef. Während für die KapitalistInnen Konkurrenz und Ellenbogendenken nützlich ist, steht beides im Widerspruch zu den Interessen der ArbeiterInnenklasse.

Solidarität ist lernbar. Aufklärung und Information an Schulen etc. ist nichts Falsches, aber absolut unzureichend. Die gemeinsame Erfahrung in sozialen Bewegungen und Klassenkämpfen ist das Mittel, um die Spaltung der Gesellschaft entlang religiöser, ethnischer oder geschlechtermäßiger Trennungen zu überwinden.

 

 

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Die Russische Revolution und die „Black Freedom“-Bewegung in den USA

Eljeer Hawkins, „Socialist Alternative“ (Schwesterorganisation der SLP in den USA)

Vor 100 Jahre Jahren: Eine Revolution, die die Welt erschütterte

Die Russische Revolution von 1917 unter der Führung der Bolschewiki war ein leuchtendes Beispiel für die ganze Welt. Das schwächste Glied in der Kette des Weltkapitalismus brach auseinander. In den Vereinigten Staaten beeindruckte die Idee, dass die Arbeiterklasse, die verarmten Schichten und die am stärksten Unterdrückten ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen und der Tyrannei, der Gewalt und dem Privateigentum der kapitalistischen Klasse ein Ende setzen. Die Russische Revolution und die Gründung der ersten demokratischen Arbeiterrepublik war eine Zäsur im politischen Denken, die starken Einfluss auf die karibische und afrikanische Diaspora hatte. Die führenden politischen und kulturellen VertreterInnen der historischen „Black Freedom“-Bewegung schauten auf die Revolution, um wertvolle Lehren für den eigenen Kampf zu ziehen und sich an den angewendeten Methoden zu orientieren.

Von Harlem nach Russland

Zu ihnen zählten auch bedeutende AktivistInnen wie A. Philip Randolph, schwarzes Mitglied der „Socialist Party“ und Gewerkschaftsführer, der zusammen mit Chandler Owens das in Harlem publizierte Magazin „The Messenger“ herausbrachte. Sie unterstützten die Revolution voll und ganz und wurden als „Lenin und Trotzki von Harlem“ bezeichnet.

Die Revolution beeinflusste das Denken und das politische Programm von Organisationen wie der „African Blood Brotherhood“ (ABB), die von Cyril Briggs gegründet worden ist, einem radikalen Denker und Verfechter der Rechte von Schwarzen, der aus der Karibik stammte. Die ABB war eine Organisation, die revolutionäre mit kommunistischen Ansätzen verband und dabei einen „schwarzen Nationalismus“ vertrat. Man knüpfte enge Verbindungen zur „Communist Party” (CP) und leistete einen bedeutenden Beitrag zur theoretischen Auseinandersetzung innerhalb der „Black Freedom“-Bewegung. Der Historiker Mark Solomon beschrieb es wie folgt: Die ABB von Briggs „wollte die Themen „schwarzer Patriotismus“, Antikapitalismus, Antikolonialismus miteinander in Einklang bringen und organisierte die Verteidigung gegen rassistische Übergriffe” (Solomon, The Cry Was Unity: Communists and African-Americans, 1917-1936).

Die Russische Revolution gab KünstlerInnen und politischen AktivistInnen eine neue ideologischen Grundlage, mit der sie nun der „National Association for the Advancement of Colored People“, die unter der Führung der reformistischen Mittelschicht stand, aber auch dem politischen Ansatz von Marcus Garvey und seiner pan-afrikanistischen „Universal Negro Improvement Association“ (UNIA) entgegentraten. Bei der UNIA handelte es sich zum damaligen Zeitpunkt um die größte Bewegung unter schwarzer Führung. Ein Beispiel ist der in Jamaika geborene Aktivist und Romanautor Claude McKay, von dem das berühmte Gedicht „If We Must Die“ stammt. Er nahm als Delegierter aus den USA am 4. Kongress der „Kommunistischen Internationale“ im Jahr 1922 teil und verbrachte über ein Jahr in Russland. Dort befand er sich im Austausch mit führenden Mitgliedern der „Komintern“, darunter auch Leo Trotzki.

Aus welchem Grund befassten sich die AktivistInnen der „Black Freedom“-Bewegung so stark mit der Russischen Revolution und dem Vorgehen der Bolschewiki? In unserer kürzlich erschienenen Broschüre „Marxism and the Fight for Black Freedom“ (vgl.: https://manifest-buecher.de/produkt/marxism-and-the-fight-for-black-free...) beantworten wir diese Frage folgendermaßen:

„Entscheidend für den Erfolg der Oktoberrevolution war die Position der Bolschewiki zur nationalen Frage. Dies gilt insbesondere aufgrund ihres energischen Eintretens für das Recht auf Selbstbestimmung aller Nationalitäten, die vom Zarenreich unterdrückt worden waren. Hinzu kam, dass die Bolschewiki sich jedem Anzeichen von groß-russischem Chauvinismus entgegenstellten. Das waren wesentliche Punkte, um im Verlauf der Revolution für die Einheit der Arbeiterklasse sorgen zu können.“

Mit dieser Herangehensweise richtete sich die Revolution auch an die radikalen Köpfe der anderen unterdrückten Völker in der Welt. Die Bolschewiki brachten die SozialistInnen in Amerika dazu, ihr bisheriges Verhältnis zur „race“ („Rasse“, auf deutsch würden wir heute von „Ethnie“ sprechen; Anm. d. Übers.) zu überdenken . In diesem Zusammenhang äußerte sich auch James Cannon, ein führender Vertreter des Marxismus in den USA. Er meinte: „Lenin und die Bolschewiki unterschieden sich von allen anderen in der internationalen sozialistischen und Arbeiterbewegung, weil sie die Probleme, denen sich die unterdrückten Nationen und nationalen Minderheiten gegenüber sahen, verstanden und ernst nahmen. Sie unterstützten ihre Kämpfen für Freiheit, Unabhängigkeit und das Recht auf Selbstbestimmung […] Die VertreterInnen Russlands in der Komintern wendeten sich mit energischen Forderungen an die amerikanischen KommunistInnen, diese sollten ihre unausgesprochenen Vorurteile ablegen, den besonderen Problemlagen und Entbehrungen der AfroamerikanerInnen Aufmerksamkeit schenken, sich ihnen widmen und sich auch unter der weißen Bevölkerung für ihre Belange einsetzen“ (On Black Nationalism and Self-Determination, Trotsky).

Die „Communist Party“ und die „Black Freedom“-Bewegung

Wenn es um den Aufbau einer Bewegung heute geht, ist die Rolle der frühen „Communist Party“ (CP, Kommunistische Partei) im Kampf für „Black Freedom“ für ArbeiterInnen, junge Leute und „People of Color“ äußerst aufschlussreich.
Es sollte bis in die 1930er Jahre dauern, bis die CP eine wirklich bedeutende Basis innerhalb der schwarzen Arbeiterklasse erreichen konnte. Die Arbeit der CP im Fall der „Scottsboro Boys“, in dem neun junge schwarze Männer gegen falsche Anschuldigungen verteidigt wurden (ihnen wurde die Vergewaltigung von zwei weißen Frauen in Alabama vorgeworfen) war wesentlich für den Aufbau ihrer Basis unter AfroamerikanerInnen.

Tragischerweise waren die Sowjetunion und die Komintern zu jenem Zeitpunkt vom Stalinismus dominiert, der dazu führte, dass alle nationalen Sektionen zum verlängerten Arm der Politik des Kreml wurden. Um die Herrschaft der Stalinisten zu sichern, wurde dem Klassenkampf eine untergeordnete Rolle zugewiesen. In den USA bestand die Rolle der CP in dieser Phase im Allgemeinen darin, als Hürde zu dienen, mit der es der Arbeiterklasse und den verarmten Schichten erschwert werden sollte, eine eigene Massenpartei zu formieren, die unabhängig von „Demokraten“ und „Republikanern“ sein würde. Die Folgen davon sind heute noch offensichtlich.

Doch trotz der umfassenden politischen Fehler, die auf das Konto der CP gehen, stellen ihre Bemühungen, die Tagesforderungen der schwarzen ArbeiterInnen aufzugreifen und sich zur Durchsetzung ethnischer Gleichberechtigung für den Aufbau des Klassenkampfs einzusetzen, immer noch ein beeindruckendes Beispiel dar.

Im Norden der USA befasste sich die Arbeit der CP in erster Linie damit, die Erwerbslosen zu organisieren, Zwangsräumungen abzuwehren, die Polizeigewalt zu beenden und darin, gewerkschaftliche Massenaktionen zu organisieren. In den Südstaaten beteiligte sich die CP an der Organisierung von Kampagnen in der Textil-, Stahl- und Verpackungsbranche. Ferner führte sie bedeutende Streiks an wie z.B. den Streik der TextilarbeiterInnen in Gastonia, North Carolina, im Jahr 1929 und den Bergarbeiterstreik in Harlan County, Kentucky, 1931. Die CP versuchte auch, eine Gewerkschaft für FarmpächterInnen zu organisieren.

Sie organisierten anti-rassistische Arbeit in den Gewerkschaften gegen „white supremacy“ (dt.: Ideologie von der Überlegenheit der „weißen Rasse“; Erg. d. Übers.) und Fanatismus. Das führte in den Südstaaten zu einem Mitgliederrückgang bei einigen weißen ArbeiterInnen. Dies war kurzfristig zwar unausweichlich. Beim Aufbau einer Massenpartei der ArbeiterInnen hat die CP aber eine korrekte Herangehensweise an den Tag gelegt. Auf diese Weise konnte sie einen großen Teil der weißen ArbeiterInnen in den Südstaaten für sich gewinnen. So wuchs die Mitgliedschaft der CP zu Hochzeiten auf 100.000 an. Vor allem im Norden hatte die Partei eine beträchtliche Basis unter schwarzen ArbeiterInnen.

Das Vermächtnis der bolschewistischen Russischen Revolution und die Arbeit der „Communist Party“ unter schwarzen ArbeiterInnen und jungen Leuten in den 1930er Jahren und vor allem im Zusammenhang mit dem Fall der „Scottsboro boys“ half, die Saat zu sähen, die zum Entstehen der „Black Freedom“-Bewegung in den Südstaaten der 1950er, ‘60er und ‘70er Jahre führte. Trotz aller Fehler, die die CP begangen hat, zeigte dies auch, was eine sozialistische Organisation mit einem antirassistischen Programm und Wurzeln in der Arbeiterklasse erreichen kann.

 

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