Antifaschismus und Antirassismus

Der Kampf gegen Rechts geht weiter!

Sebastian Kugler

Trotz des Dämpfers bei der Wahl: Im Windschatten der FPÖ formieren sich gewaltbereite Rechtsextreme

Die Erleichterung, dass kein Rechtsextremer in die Hofburg einzieht, ist verständlich – aber trügerisch. Die FPÖ ist nach wie vor im Aufwind. Abgehobenheit und Kürzungspolitik der Regierung werden sie weiter stärken. Die FPÖ dominiert die politische Debatte und wird wohl in der nächsten Regierung sitzen. In ihrem Fahrwasser gewinnen Rechstsextreme und neofaschistische Gruppen an Selbstvertrauen. Im Netz explodiert der Hass von rechts. Doch es ging nie nur um Hasspostings: Im ersten Halbjahr 2016 gab es mindestens 24 Angriffe auf Asylheime. Seit Jahren steigt die Zahl rechtsextremer Gewalttaten rasant an, 2015 auf 1.156 dokumentierte Fälle – die Zahlen von 2016 werden noch alarmierender sein. Nach einer Phase der Zurückhaltung während des Wahlkampfes droht nun die Zunahme rechtsextremer Aktivitäten. Im Wahlkampf waren viele gegen Hofer aktiv. Sie können Teil des künftigen Widerstandes sein. Das bedeutet konsequente Kampagnen gegen die FPÖ und andere Rechtsextreme auf der Straße, in Betrieben, beim AMS, in Schulen, Lehrwerkstätten und Unis – aber auch eine klare Absage an den „Anti“-Rassismus des Establishments und einen Kampf gegen seine Kürzungspolitik. Für uns gibt es keine Winterruhe. Bauen wir jetzt eine starke Alternative zu Rassismus und Sozialabbau auf!

Erscheint in Zeitungsausgabe: 

Widerstand gegen Rechte Hetze und Sozialabbau in Salzburg!

Am 14.1. fand das Neujahrstreffen der FPÖ in der Salzburg Arena statt. Diese Veranstaltungen werden stets genutzt, um besonders hart auf den Tisch zu hauen. Die dortigen Rundumschläge richten sich gegen alle, die nicht in ihr rechtes elitäres Weltbild passen: MigrantInnen, Frauen, LGBTQI Personen, ArbeiterInnen und sozial Benachteiligte. Diese Hetze bleibt aber nicht unwiedersprochen. Mehrere Dutzend Menschen trafen sich trotz der Kälte um 10 Uhr am Hauptbahnhof, um mittels einer Kundgebung auf das rechtsextreme Treffen aufmerksam zu machen. Das „blaue Hetzrad“ stellte dar, gegen welche Gruppen die FPÖ hetzt und Politik betreibt. Dabei wurde vor allem auch der unsoziale Charakter der FPÖ dargestellt. Zum einen konnte aufgezeigt werden, dass die FPÖ ArbeiterInnen und sozial Schwache durch ihren Rassismus spaltet und damit einen gemeinsamen Kampf für deren Interessen verhindert. Darüber hinaus wurde aber auch klargestellt, dass die FPÖ an vorderster Front gegen soziale Verbesserungen und für die Aufhebung sozialer Rechte steht. Die Kürzungen durch den FPÖ-Bürgermeister in Wels, die Kürzungen bei der Mindestsicherung durch die FPÖ oder ihre Befürwortung, das Pflegegeld für Behinderte zu kürzen, waren waren nur ein paar von vielen Beispielen anhand derer der Charakter der FPÖ als Partei der Reichen und Eliten aufgedeckt wurde.

„Viele sind zurecht sauer über die immer größer werdenden soziale Ungleichheit. Doch die FPÖ ist nicht die Lösung, sondern Teil des Problems.“, machte Lukas Kastner klar, der als SLP-Aktivist die Moderation der Kundgebung übernahm. Von PassantInnen gab es durchwegs positive Reaktionen. Gegenüber SLP-AktivistInnen wurde mehrmals erwähnt, dass die Aktion gut sei. Dass die FPÖ allerdings nicht, wie von uns vorgeschlagen, direkt konfrontiert wurde, muss ganz klar als eine Schwäche der antifaschistischen Kräfte gewertet werden. Schon in der Planung wurde befürchtet, dass eine größere Aktion nicht möglich sein würde. Es ist sehr gut möglich, dass dies zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung geführt hat und eine kleine Aktion ohne direkte Konfrontation auch AntifaschistInnen nicht angesprochen hat. Viel tiefer legt jedoch das Problem der unzureichenden Organisierung und Mobilisierung. Die Planung der Aktion war viel zu kurzfristig (obwohl sie bereits im Dezember von der SLP angeregt wurde). Dazu kommt vor allem, dass die antifaschistischen Kräfte in Salzburg kaum Praxis bei der Mobilisierung haben. Die SLP ist de facto die einzige Kraft, die versucht auch außerhalb der bereits bekannten Szene (z.B. auf der Straße, oder vor Schulen) zu mobilisieren. Ein effektiver Widerstand gegen Rechtsextremismus und die FPÖ kann aber lediglich mit den bereits aktiven Leuten nicht erfolgreich sein. Sich frustriert zurück zu ziehen, würde nur einen Sieg für die FPÖ bedeuten. Auch wenn es schwierig und mühsam sein mag, so ist es notwendig zu versuchen, KollegInnen in Betrieb, Schule, Uni etc. für den Kampf gegen Rechts zu motivieren. Es steht umso mehr auf der Tagesordnung, ArbeiterInnen eine Alternative zur FPÖ, mit der tatsächlich für soziale Verbesserungen gekämpft werden kann, anzubieten. Nur so kann den Rechtsextremen das Wasser abgegraben werden. Ein erster wichtiger Schritt wäre, antifaschistische Arbeit auf eine besser organisierte, kontinuierliche Basis zu stellen und bei ihr die soziale Frage in den Mittelpunkt zu stellen. Dies kann unter anderem durch regelmäßige Veranstaltungen geschehen, die sich gezielt an ArbeiterInnen, Jugendliche, oder sozial Benachteiligte richten und die Gefahr, die für diese Gruppen von der FPÖ ausgeht, thematisieren. Diese könnten wiederum zur Mobilisierung für größere Protteste gegen die FPÖ genutzt werden. Wenn die Aktion vom 14.1. eines gezeigt hat, dann dass Antifaschismus nach wie vor – trotz Gegenwind – von vielen positiv aufgenommen wird, die antifaschistischen Kräfte aber endlich wieder aktiv außerhalb der eigenen Reihen mobilisieren müssen.

Der rechte Rand: Die Medien der FPÖ

Nicolas Prettner

 Das offizielle Parteiorgan der FPÖ ist die wöchentlich erscheinende „Neue freie Zeitung“. Darüber hinaus erscheinen noch zahlreiche andere Blätter des rechten und rechtsextremen Lagers. So z.B. in Oberösterreich „Info-DIREKT“, das Putin und Assad unterstützt. Herausgeber ist der „Verein für Meinungsfreiheit und unabhängige Publizistik“, dessen Obmann Karl Winkler auch Vorsitzender der rechtsextremen „Österreichischen Landsmannschaft“ ist. Ebenfalls aus Oberösterreich kommt der „Wochenblick“, der durch Schlagzeilen wie „Muslime machen Jagd auf Christen“ auffällt. Diese Zeitschrift gehört der „Medien24 GmbH“, deren Eigentümer ein ehemaliges FPÖ Mitglied ist.

Sowohl „Info-Direkt“ als auch „Wochenblick“ orientieren sich stark an Zeitungen wie „Heute“. So kann man in ihnen Horoskope, Kochrezepte oder Sportartikel finden. Beide werden regelmäßig gratis verteilt. Genau das macht sie so gefährlich. Da werden hinter scheinbar harmlosen Artikeln Verschwörungstheorie und rechtsextremes Gedankengut verbreitet.

„Wochenblick“ kommt trotz Gratis-Verteilung fast ohne Inserate aus, die wenigen Inserate, die zu finden sind, kommen von der FPÖ Linz, dem RFJ OÖ und der freiheitlich regierten Stadt Wels. Woher diese Zeitschriften ihr Geld haben ist unklar, doch allein schon der Druck dieser Hochglanzmagazine zeigt, dass es in der rechten Szene sehr viel Geld gibt. Ob es von reichen Einzelpersonen und Unternehmen kommt oder über Parteien aus Steuergeldern abgezweigt wird: Dass solche rechten Schmuddelblätter über ihre Geldgeber schweigen, ist bezeichnend.

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Neuer Schwung im Kampf um Flüchtlingsrechte?

Sebastian Kugler

In den letzten Wochen gab es mehrere Mobilisierungen im Kampf gegen Abschiebungen, für die Rechte von Flüchlingen und mehr Ressourcen im Flüchtlingsbereich. Mehrere Hundert nahmen an Mahnwachen gegen Abschiebungen in verschiedenen Orten Österreichs teil und etwa 2.000 demonstrierten am 26.11. in Wien auf der Demonstration „Lasst sie bleiben – Let them stay!“. Besonders positiv war die Teilnahme zahlreicher Flüchtlinge selbst aud der Demonstration. Leider versäumten die VeranstalterInnen, über allgemeine Appelle an Solidarität und Menschlichkeit hinausgehend Strategien zu präsentieren, wie nicht nur konkrete Abschiebungen verhindert werden können, sondern auch grundlegende Verbesserungen erzielt werden können. Dafür ist mehr nötig, als „Refugees welcome“ zu rufen. Es braucht einen konsequenten Kampf für gleiche Rechte, Wohnungen, Jobs und Bildung für alle – und der kann nur erfolgreich sein, wenn es eine massive Umverteilung von oben nach unten gibt. Die SLP war mit einem lautstarken Kontingent im Block von Aufbruch vertreten – auf unsere Initiative hin entwickelte sich der Slogan „Flüchtlinge bleiben – Reiche enteignen!“ zum populärsten Ruf des kämpferischen Blocks.

Am Montag darauf, am 28.11., organisierten FlüchtlingsbetreuerInnen und DeutschtrainerInnen einen wichtigen Schritt in Richtung eines solchen Kampfes. Sie haben sich zur Initiative „Fight Together“ zusammengeschlossen und riefen zur Kundgebung vor dem Fond Soziales Wien. Ihre Forderungen für den Flüchtlingsbereich:

● Menschenwürdige Lebensbedingungen für alle Migrant*innen, mit Aufenthaltstitel oder ohne!
● Keine isolierten/isolierenden Massenunterkünfte! Keine desolaten, kaputten, schimmligen Unterkünfte. Recht auf private und soziale Räume! Mehr Unterstützung für privates Wohnen!
● Qualitative Betreuung, keine Abfertigung!
● Selbstbestimmung statt Fremdbestimmung!
● Geld, das den Bewohner*innen zusteht, auszahlen – in bar, keine Gutscheine!
● Erhöhung des Essensgeldes und der Tagessätze im Allgemeinen durch den Fonds Soziales Wien!
● Kostenlose Öffi-Tickets für Geflüchtete
● Schulplätze und gratis Deutschkurse für alle, unabhängig von Aufenthaltstitel und Meldezettel in Wien

● Nein zu Kündigungen, nein zu Hire & Fire!
● Erhalt der Häuser und Anpassung an Bedürfnisse – der Wohnraum wird weiter benötigt!
● Benötigte Vor- und Nachbereitungszeit sowie Zeit für Administration muss entlohnt werden!
● Gleiche Rechte für Scheinselbständige wie für Angestellte, insbesondere das Recht, Kritik zu üben und sich zu organisieren:
keine Einschüchterung & Kündigungen!
● Betriebsrat und echten gewerkschaftlichen Einsatz auch für Freie Dienstnehmer*innen!
● Deutsch-Institute müssen gutes Material bereitstellen: Schluss mit reaktionärem, kapitalistischem Menschenbild und Integrations-Zwang!
● Transparente und faire Gehalts-Einstufung und Abrechnung

Trotz eisiger Kälte beteiligten sich viele KollegInnen, Flüchtlinge und solidarische Menschen am Protest, der danach weiter vor den Österreichischen Integrationsfond zog. Die SLP unterstützte die Kundgebung und SLP-Aktivist und Flüchtlingsbetreuer Michael Gehmacher sprach als einer der OrganisatorInnen. Solche Initiativen, in denen sich Beschäftigte und Flüchtlinge zusammenschließen, um für bessere Bedinungen zu kämpfen und konkrete Forderungen stellen, haben das Potential, den Kampf gegen den staatlichen Rassismus auf eine neue Ebene zu heben und die Basis der Solidarität zu verbreitern.

 

Nach der Wahl: Jetzt Widerstand gegen Rassismus und Sozialabbau organisieren und eine politische Alternative aufbauen!

Obwohl Hofer verloren hat, ist nichts gewonnen.

Natürlich freuen wir uns, dass die FPÖ die Wahl verloren hat - doch Van der Bellen steht für ebenjene Politik, die dazu geführt hat, dass ein Rechtsextremer 46,7% bekommt: für abgehobene neoliberale Politik, für Sozialabbau und für das Kürzungsdiktat der EU. Die Offensive der Unternehmen und der Politik auf soziale Standards wird weitergehen - in Van der Bellen, der CETA unterschreiben wird und die Kürzung der Mindestsicherung befürwortet, haben sie einen Verbündeten in der Hofburg. Die Erleichterung, dass doch kein Rechtsextremer in die Hofburg einzieht, ist verständlich – aber trügerisch. Van der Bellen, Haselsteiner, Mitterlehner und Kern sind Teil des Problems, nicht Teil der Lösung. Es gibt keine „gemeinsame Front“ mit ihnen gegen die FPÖ. Im Gegenteil, vor allem die offizielle VdB-Kampagne hat das Wahlkampffinale genutzt, um AntifaschistInnen einzuschüchtern und ihnen das Demonstrationsrecht zu verweigern.

Der Aufstieg der FPÖ wurde heute höchstens kurzfristig gebremst - bei den nächsten Nationalratswahlen wird sie stark abschneiden und höchstwahrscheinlich in der nächsten Regierung sitzen. Sowohl ÖVP als auch SPÖ wollen mit ihr koalieren und damit eine Regierung des offenen Rassismus und des brutalen Sozialabbaus bilden. Innenpolitisch gibt die FPÖ den Ton an: Egal ob rassistische Grenzpolitik oder Angriffe auf MindestsicherungsbezieherInnen -  inhaltlich legt die FPÖ vor, die anderen ziehen nach.Wir müssen jetzt beginnen, den Widerstand dagegen aufzubauen. Ein weiteres Mal wird das kleinere Übel die FPÖ nicht aufhalten. Was wir jetzt brauchen ist:

- einen konsequenten Kampf gegen die Kürzungspolitik und die Aushöhlung sozialer Standards, vom rot-grünen Wien bis zum blau-schwarzen Oberösterreich

- kämpferische Kampagnen für höhere Löhne, Arbeitszeitverkürzung, leistbares Wohnen und gleiche Rechte für alle, die hier leben und leben wollen

- kompromisslosen Widerstand gegen Rassismus, Sexismus, Homo- und Transphobie und Antisemitismus statt Anbiederung

- eine politische Kraft, die diesen Widerstand vorantreibt, ihn verallgemeinert und eine systemüberwindende, also antikapitalistische Perspektive gibt

Dafür kämpfen wir - werde mit uns aktiv!

 

Gegen Hofer, die Regierung und das System der Superreichen und der Eliten!

Stellungnahme der SLP-Bundesleitung

Seit Juli hat Österreich offiziell keinE BundepräsidentIn. Er oder Sie wurden auch nicht weiter vermisst. Das Amt ist weit mehr als eine Repräsentationsaufgabe, es hat auch ein gefährliches und anti-demokratisches Potential: BundespräsidentInnen sind mit der Macht ausgestattet, die Regierung und den Nationalrat aufzulösen, mit Notverordnungen zu regieren und das Bundesheer zu befehligen. Eine solche Machtfülle, die bisher nicht genutzt wurde, aber künftig durchaus zum Einsatz kommen kann, erinnert an die Rolle des Kaisers vor 1918. Von allen Institutionen der Republik ist der/die BundespräsidentIn die undemokratischste. Die SLP tritt seit vielen Jahren für die ersatzlose Abschaffung des Amts ein. Diese Möglichkeit sehen die Stimmzettel für den 4.12. aber nicht vor. Wir werden gezwungen, uns zwischen zwei widerlichen Kandidaten zu entscheiden, ungültig oder nicht zu wählen. Was also ist für ArbeiterInnen und Jugendliche die beste aus dieser Auswahl an schlechten Möglichkeiten?

 

Ein gespaltenes Land?

Allerorts hört man davon, dass Österreich „gespalten“ sei. Beide Kandidaten beteuern, die Wunden schließen zu wollen und das Land wieder zu vereinen. Es gibt tatsächlich eine Spaltung, doch diese verläuft nicht zwischen Hofer und VdB. Viele, die Hofer wählen, tun dies mit dem Ziel, gegen „die da oben“ ein Zeichen zu setzen. Der Rassismus, für den Hofer steht ist für viele nicht das vorrangige Motiv, doch ist dieser Rassismus auch kein Hindernis – was auch die Folge der Normalisierung von Rassismus durch alle etablierten Parteien ist. Viele, die VdB wählen werden, tun dies ausschließlich, um Hofer zu verhindern. Und viele, die gar nicht wählen tun das, weil keiner der Kandidaten ihre Interessen vertritt. Denn was es bei dieser Wahl nicht gibt, ist die Möglichkeit, für die Interessen der ArbeiterInnen, der Arbeitslosen, der Armen zu stimmen. Eine solche braucht es jedoch dringend. Die Spaltung in Österreich, wie in jedem anderen Land, verläuft zwischen oben und unten. Zwischen dem reichsten 1%, das beinahe 40% des Reichtums besitzt, und den ArbeiterInnen, Arbeitslosen und Armen jeglicher Herkunft, die diesen Reichtum erst ermöglichen - aber selbst nichts davon haben.

Sowohl Hofer als auch VdB sind Kandidaten der Herrschenden. Es ist nicht egal, wer von beiden Präsident wird, doch für beide gilt: die Offensive der Unternehmen und die Kürzungspolitik werden weitergehen. Wo die FPÖ an der Macht ist, wie in Oberösterreich, wird die arbeiterInnenfeindliche Politik brutaler, rassistischer und sexistischer durchgepeitscht – aber auch die rot-grüne Regierung in Wien plant ein gigantisches Kürzungspaket und die Ausgliederung des Krankenanstaltsverbundes (KAV). Ob Hofer gewinnt oder nicht: die ist FPÖ auf dem Weg, bei den nächsten Wahlen die stärkste Partei zu werden. SPÖ und ÖVP liefern sich bereits ein Wettrennen, wer von beiden mit der FPÖ die nächste Regierung stellen wird.

Die politische Krise der Regierung und der Republik ist unabhängig davon, wer Präsident wird, tief und vertieft sich weiter. Dass ein Kandidat der FPÖ voraussichtlich um die 50% der Stimmen erreichen wird und keiner der Kandidaten einer Regierungspartei angehört ist eine Quittung für die fast nur von gelegentlichen Verschlechterungen und Skandalen unterbrochene Stillstands-Politik der Regierung. Dass der Staat nicht mal mehr in der Lage ist eine Wahl halbwegs ordentlich zu organisieren ist Ausdruck einer tiefen Krise der bürgerlichen Demokratie selbst. Eine deutliche Mehrheit will kein „weiter so“ - und das zurecht.

Besonders seit der Stichwahl im Frühjahr ist VdB weit nach rechts gegangen. Statt die Regierung von links anzugreifen und so auch Hofers Scheinantworten auf die Probleme in Österreich zu entlarven überließ er die berechtigte Wut besonders unter ArbeiterInnen und Jugendlichen der FPÖ. Nach dem Motto „die Linken wählen mich ja eh um Hofer zu verhindern“ bemüht sich VdB um die Stimmen des Griess- und ÖVP-Publikums. Je mehr Teile des Establishments hinter VdB stehen, desto besser für Hofer. Aufgabe eines linken Wahlkampfs wäre es gewesen jenen, die Hofer wählen in der Hoffnung, etwas „gegen die da oben“ zutun, ein echtes linkes Programm gegen Armut, Arbeitslosigkeit und die Herrschaft der Reichen zu bieten. Doch VdB, der für „weiter so“ steht, konnte und wollte diesen Wahlkampf nicht führen. Es gibt sehr gute Gründe VdB nicht zu wählen, der ein Ausdruck der Unfähigkeit und Ratlosigkeit des politischen Establishments ist und wesentliche Verantwortung für einen möglichen Wahlsieg Hofers und einen weiteren Aufstieg der FPÖ trägt. Auch als Präsident wird VdB den Aufstieg der FPÖ nicht stoppen. Er ist kein Teil der Lösung, sondern ein Teil des Problems. In Zeiten, in denen sich die EU als brutales Instrument des internationalen Kapitals zur Zerschlagung erkämpfter sozialer Standards in ganz Europa offenbart, stellt sich VdB kritiklos hinter die EU. Dass VdB CETA unterschreiben wird, kann mittlerweile als sicher gelten.

Mit einem VdB-Sieg wäre das Signal für ein „weiter so“ gegeben, das hat er in seinem Wahlkampf sehr deutlich gemacht. Sollte am 4.12. VdB siegen, wird die Erleichterung darüber bei vielen greifbar sein – doch es wäre falsch, sich dann in Ruhe zu wiegen. VdBs Sieg wäre bestenfalls ein Aufschub - es ist die Politik, für die auch VdB steht, die die FPÖ überhaupt erst so stark hat werden lassen.

 

Hofer ist Teil des Establishments

Hofers Anti-Establishment-Wahlkampf andererseits ist völlig aufgesetzt: Hofer ist Mitglied im elitären Burschenschafter-Netzwerk. Ein Netzwerk, das dafür sorgt, dass wichtige Positionen in Wirtschaft und Politik einer kleinen Gruppe Männer aus wohlhabenden, rechten Familien vorbehalten werden. Hofer ist Mitglied im monarchistischen „St. Georgs-Orden“, der „elitär“ sogar offiziell in der Selbstdarstellung hat und Hofers Wahlkampf unterstützt hat. "Norbert Hofer ist nicht gegen das Establishment" hat der selbsternannte „Freiherr“ van Handel, Mitglied der „St. Georgs-Ordensregierung“ in der ZIB2 zutreffend bemerkt. All das passt so gar nicht zur Selbstdarstellung Hofers als Kandidat der „einfachen Österreicher“.

Auch Hofers EU-kritische Positionierung ist nichts als plumper Nationalismus. Er wendet sich nicht gegen die undemokratische Kürzungspolitik Brüssels. Er will nur dieselbe arbeiterInnenfeindliche Politik auf nationalstaatlicher Ebene selbst organisieren. Im tatsächlichen Widerstand gegen die EU sind unsere Verbündeten die ArbeiterInnen, Arbeitslosen und Armen Europas, nicht die österreichischen KapitalistInnen. Angesichts der Abgehobenheit der PolitikerInnen ist der Wunsch, gegen „die da oben“ zu stimmen sehr gut nachvollziehbar. Wer sich aber von Hofer Politik gegen die Eliten oder das Establishment erwartet, wird bald bitter enttäuscht werden. Hofer und die FPÖ wollen das Gleiche wie die jetzige Regierung der Reichen, nur aggressiver, schneller und mit noch mehr Rassismus durchsetzen.

Ein Sieg Hofers würde nicht den Faschismus an die Macht bringen. Wer das verbreitet schürt Ängste, die letztlich von der eigentlichen Gefahr ablenken: dem aggressiven Sozial-Kahlschlags- und Privatisierungskurs, für den die FPÖ-Praxis nun mal steht, und einer rassistischen und sexistischen Offensive. Sicher würde ein Hofer Sieg das Selbstbewusstsein der Rechtsextremen und RassistInnen stärken. Ähnlich wie nach dem Sieg Trumps in den USA würde es zu gewalttätigen Übergriffen gegen MigrantInnen, Muslime/Muslimas und Linken kommen. Vor Allem aber würden sich RassistInnen bestärkt fühlen offener als bisher aufzutreten. Beleidigungen und Übergriffe würden an Schulen, Arbeitsplätzen, Sportvereinen usw. zunehmen. Dagegen brauchen wir eine aktiv geführte Kampagne im Sinne von „Hände weg von meinen KollegInnen! Gemeinsam für Arbeitsplätze und höhere Löhne“ mit Demonstrationen und anderen öffentlichen und betrieblichen Aktionen. So kann gegen den sich breit machenden Rassismus gekämpft werden. Es ist die Aufgabe der Linken und besonders der Gewerkschaften, eine solche Kampagne aufzubauen. Sie kann auch die Grundlage für den Widerstand legen, der gegen die Angriffe durch die aktuelle und jede folgende Regierung nötig sein wird.

Ein Sieg Hofers wäre eine unmittelbare Gefahr, weil er den Rassismus und die brutale Kürzungspolitik stärken würde. Auch die bisherigen Bundespräsidenten waren keine Freunde der ArbeiterInnenklasse und auch Van der Bellen wäre das sicher nicht. Mit einem Präsidenten Hofer würde aber ein elitärer Rechtsextremer das Amt ausfüllen und besonders im Zusammenhang mit einem möglichen Kanzler Strache einen Prellbock gegen Gewerkschaftsrechte und erkämpfte Fortschritte von ArbeiterInnen, Jugendlichen, Frauen aber auch MigrantInnen darstellen. Das ohnehin schon unter Beschuss stehende Recht auf straffreien Schwangerschaftsabbruch würde noch mehr ins Visier der Politik geraten. Aktive Rückendeckung aus der Hofburg für die Politik, wie sie die FPÖ im Bund 2000-05 und derzeit auch im Burgenland oder Oberösterreich gezeigt hat, würde eine Beschleunigung von Angriffen auf MigrantInnen, Erwerbslose und Sozialleistungen bedeuten und eine Welle von Kürzungen bei Gesundheit und Bildung und Privatisierungen begünstigen. Natürlich sind diese Prozesse bereits im Gange. Hofer würde diese Entwicklung zwar nicht auslösen, aber beschleunigen.

 

Gegen Hofer stimmen! Widerstand organisieren! Linke Alternative aufbauen!

Um die Verschlechterung der Bedingungen, unter denen wir den Widerstand gegen die Politik der Reichen aufbauen müssen, nicht noch mehr zu beschleunigen, werden die Mitglieder der SLP am 4.12. gegen Hofer stimmen. Dies ist jedoch der am wenigsten bedeutende Teil des Kampfes gegen den Aufstieg der FPÖ. Dessen Wurzeln liegen in der Kürzungspolitik der Regierung, dem Mangel an Widerstand gegen die Angriffe von oben und dem Fehlen einer echten, kämpferischen politischen Alternative. Es ist unbedingt notwendig, die Gewerkschaften aus dem Tiefschlaf zu rütteln, um die Angriffe auf Mindestsicherung, Arbeitszeiten und Löhne zurückzuschlagen. Jede weitere Niederlage schwächt die Ausgangsposition für Widerstand. Egal wer Präsident wird, die Gewerkschaft muss jetzt Initiativen setzen, um in die Offensive kommen – etwa durch den sofortigen Beginn einer Großmobilisierung für eine Demonstration im Frühjahr, die sich gegen alle Angriffe auf soziale Standards richtet.

Die Frage von vorgezogenen Neuwahlen steht seit Monaten im Raum und kann sich nach dem 4.12. verschärfen. Der Wahlmüdigkeit steht das „es muss sich endlich was tun“ entgegen. Deutlich ist, dass sich sowohl ÖVP (Loptaka ruft für Hofer auf) als auch SPÖ (Kerns Kuschelkurs mit Strache) auf Neuwahlen und eine Koalition mit der FPÖ vorbereiten. Die Linke muss die nächsten Wahlen nutzen um eine Alternative zu dem Einheitsbrei der etablierten Parteien von Grün bis Blau anzubieten. Diskussionen mit KollegInnen und auf der Straße zeigen uns: Die Leute sind nicht „politikverdrossen“, sie sehen nur keinen Sinn darin, sich weiterhin zwischen verschiedenen Übeln entscheiden zu müssen. Wir müssen die Reichen und ihre Regierung wo wir können, auf der Straße und in den Betrieben, unter Druck setzen, aber eben auch auf der Wahlebene. Wir sind überzeugt, dass wir im Rahmen einer solchen kämpferischen Kampagne auch auf viele treffen werden, die für Hofer gestimmt haben. Der oft arrogante Zugang gegen Hofer-WählerInnen ist gänzlich falsch. Vielmehr ist es notwendig, die Gründe für eine solche Stimmabgabe zu verstehen. Es gibt neben den überzeugten Rechtsextremen viele, die für eine kämpferische Politik gegen die Reichen und für ArbeiterInnenrechte zu gewinnen sind. Das bedeutet nicht, rassistische und sexistische Stimmungen, die sich gesetzt haben, zu ignorieren. Gerade im Kampf gegen die Kürzungspolitik braucht es kompromisslose Überzeugungsarbeit und aktiven Antirassismus und Antisexismus, um die Spaltungen in der ArbeiterInnenklasse zu überwinden und kampffähig zu sein.

Die SLP tritt dafür ein in kämpferischen Kampagnen Themen wie Wohnungsnot, Armut, Niedriglöhne etc aufzugreifen um eine politische Alternative aufzubauen. Und die SLP tritt dafür ein, dass sich aus und mit dem Aufbruch-Projekt so eine Wahlalternative bildet. Mit einer Reihe motivierter Gruppen und vielen neuen AktivistInnen in ganz Österreich ist Aufbruch von allem linken Strukturen derzeit noch am ehesten in der Lage, diese Aufgabe zu übernehmen. So ein Wahlkampf gegen die mit Millionen Euros gerüsteten Parteien der Reichen wird nicht leicht, aber er kann der Ansatzpunkt für eine Bewegung gegen Hofer, die FPÖ, die Regierung und das System der Superreichen und der Eliten werden!

 

US-Sport: Zeichen gegen Rassismus

Sarah Krenn

 Die seit rund zwei Jahren aktive Black Lives Matter (BLM) Bewegung hat auch den Sport erreicht. Viele v.a. schwarze SportlerInnen kommen aus der ArbeiterInnenklasse und haben diese Verbindung nicht ganz verloren. So protestieren auch US-SportlerInnen gegen die aktuelle politische Lage im Land. Sie geben einen stillen Protest bei den verschiedensten Sportevents ab. Wie z.B., sich bei der Nationalhymne demonstrativ hinzusetzen oder bei Siegerehrungen den Gruß der Black Panther zu machen. Dies stößt auf viel Zustimmung, wird aber auch stark kritisiert. Präsidentschaftskandidat Donald Trump fordert jene SportlerInnen sogar auf, auszuwandern. Denn SportlerInnen seien nicht dafür da, politische Äußerungen zu tätigen, sondern sollen nur als gut funktionierende Werbefiguren in unserer kapitalistischen Welt existieren. Auch darum erregen diese kleinen Aktionen so große mediale Aufmerksamkeit. Dass die Bewegung dabei nicht stehen bleiben darf, sondern weitergehen muss, ist vielen klar. Darum sind für den 5. Dezember (Jahrestag des Beginns des Montgomery Bus Boykott 1955) Aktionen geplant. Daran wird sich auch unsere Schwesterorganisation, Socialist Alternative, beteiligen. "Es gibt keinen Kapitalismus ohne Rassismus." wie Malcolm X schon bemerkte.  

 

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Linz stellt sich quer: Gegen Rechts

Petra Oirer

Am 29. Oktober fand der rechtsextreme Kongress in den Linzer Redoutensälen statt, wo sich Rechtsextreme und Neofaschisten aus ganz Europa trafen. Das Bündnis „ Linz gegen Rechts“ rief zu einer Gegendemo auf - Linz stellt sich quer - und forderte gleichzeitig auch die Auflösung des Mietvertrags vom Land OÖ für diese Veranstaltung. Die SLP organisierte bereits im Vorfeld eine Kampagne zur Mobilisierung. Auf der Großdemo gegen CETA & TTIP, verteilten wir Flyer im Rahmen der Kampagne, und luden zu den AktivistInnentreffen ein. Die wöchentlichen Kundgebungen am Taubenmarkt, wurden genutzt um die Menschen über die Teilnehmer des Kongresses, durch Steckbriefe aufmerksam zu machen. Das sich die rassistische und antisoziale Politik, der Schwarz-Blauen Regierung massiv auf unsere Leben auswirkt, wurde dabei immer wieder angesprochen. Dies Zog eine große Aufmerksamkeit auf sich und es entstanden coole Diskussionen mit den PassantInnen, viele trugen sich in den SLP Newsletter ein. Touren durch Jugendzentren und Lokale in Linz, wo die wir mit Plakaten, Flyer und der Vorwärts eingedeckt unterwegs waren, fanden einen sehr guten Anklang. Das Feedback war immer ein sehr positives, und man merkte, dass die Kampagne schon weite Kreise zog und bereits viele Unterstützer hatte. In den sechs Wochen der Kampagne, wurden ca. 10.000 Flyer verteilt, etliche Zeitungen verkauft und neue Kontakte geknüpft.  Mit 3.500 Menschen (lt. Angaben der Organisatoren) war die Demo schließlich das absolute Highlight. Lautstark machte unser Block mit Sprüchen wie: „Was bedeutet schwarz und blau, Rassismus und Sozialabbau“  ordentlich viel Stimmung. „Hier in Oberösterreich sieht man ganz genau was FPÖ-Politik in der Praxis bedeutet, wie man zB bei den Budgetstreichungen in Kindergärten und der Jugendhilfe in Wels sieht!“ ,erklärte Franz Neuhold in einem Redebeitrag. Ein Flüchtling aus Pakistan, der auch vorher schon beim Flyer verteilen mithalf, meldete sich dazu zu Wort und berichtete über seine Erfahrungen. Der Erfolg dieser Demonstration zeigt, wie wichtig es ist, verschiedene Bereiche in eine aktive Kampagne miteinzubeziehen, um gegen die Angriffe der Etablierten Politik entschlossen Widerstand leisten zu können. 

 

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16.11.: Weg mit dem sexistisch-rassistischen FPÖ-Bezirksrat

Hofer hat es herausgegeben, Strache ein Vorwort beigesteuert, aber er hat es geschrieben: Michael Howanietz, Bezirksrat der FPÖ in Wien 20. Es geht um das rechte Schmuddelwerk "Für ein freies Österreich". Neben rassistischer Tiervergleiche findet sich auch ein reaktionäres Frauenbild ("Brutpflege", Frauen die "einen ganzen Kerl" wollen und dass Organisationen an Ansehen verlieren "je höher der Frauenanteil ist").

Ein worst-off Sexismus der FPÖ ist ja leider eine sehr lange Liste. Wir erinnern: Die FPÖ ist gegen das Recht auf Schwangerschaftsabbruch, aber auch gegen kostenlose Verhütungsmittel. Strache selbst unterstützt immer wieder die radikalen AbtreibungsgegnerInnen bzw. deren Forderungen. Frauenpolitik ist bei der FPÖ eigentlich meist Teil der Familienpolitik. Außerhalb der Familie sind Frauen für die freiheitlichen kaum existent. Das gefällt Howanitz der so gerne am Macho-Thron sitzen möchte. Die "Frauenpolitik" der FPÖ bedeutet nämlich, dass in Wels bei der Kinderbetreuung gekürzt wird (es also Frauen erschwert wird, einer Erwerbsarbeit nachzugehen) und dass bei der Altenbetreuung gekürzt wird (unbezahlte Pflege wird v.a. von Frauen geleistet und gepflegt werden auch viele Frauen die aber weniger Einkommen haben und daher auf öffentliche Pflege noch stärker angewiesen sind).

FPÖ-Bezirksrat Michael Howanietz steht ideologisch Schulter an Schulter mit radikalen Abtreibungsgegnern, Reaktionären wie Trump und religiösen Fundis (egal welcher Religion) für die Frauen sich nur im Dreieck Kinder-Küche-Religion bewegen sollen. Wer nicht Vater-Mutter-Kinder lebt ist "Familienzerstörer", Frauen haben v.a. einen "mütterlichen Brutpflegetrieb". Aber es geht noch schlimmer: Kinder brauchen nach seiner ultra-rechten Ideologie ein familiäres Umfeld, in dem „Ehre“ und „Treue“ noch nicht als Schimpfworte verkommen sind. Ach ja, "Meine Ehre heißt Treue" war der Spruch der SS - sicher nur ein Zufall...
Kommt also zahlreich am 16.11. zur Kundgebung von "Nicht mit Mir" vor das Bezirksamt Wien 20 - solche Bezirksräte sind mehr als entbehrlich!

Verbot von „Ausländer“-Demos?

Ein Verbot von „Ausländer“-Demos ist nur ein Schritt beim Demokratieabbau, der alle trifft.
Stefan Gredler

Nachdem es im August zu mehreren Auseinandersetzungen zwischen kurdischen AktivistInnen und türkischen NationalistInnen kam, wurde eine Debatte über ein Demonstrationsverbot von „Türkendemos“ losgetreten. Die ganze Diskussion wird auf rassistischem Boden geführt. Denn es geht dabei nicht um die politischen Inhalte, sondern alleine um die Herkunft der Menschen, die auf die Straße gehen. Nicht nur die FPÖ, sondern die gesamte etablierte Politik von Kanzler Kern abwärts machte klar, dass sie politische Aktionen von MigrantInnen verhindern möchte.

Wenn Erdogan-AnhängerInnen gemeinsam mit türkischen FaschistInnen durch die Straßen Wiens ziehen und kurdische Lokale und Vereine angreifen, sind das keine harmlosen Vorfälle. Doch denjenigen, die nun nach Verboten schreien, geht es nicht um das Zurückdrängen reaktionärer Strömungen. Rechte Demonstrationen von Menschen mit Migrationshintergrund müssen genauso wie rechte Demonstrationen von ÖsterreicherInnen mit Gegendemonstrationen gekontert werden, die sich gegen jeden Rassismus und für internationale Solidarität positionieren. Die ersten Rufe nach Verboten richteten sich in den letzten Jahren schon gegen linke Demonstrationen von KurdInnen. Die, die Verbote von „Türkendemos“ fordern, nehmen jeden beliebigen Vorfall zum Anlass, um Minderheiten Grundrechte zu entziehen. Eine Durchsetzung von Demonstrationsverboten für Menschen mit Migrationshintergrund würde somit vor allem die Linke treffen – und der verstärkte institutionelle Rassismus würde Erdogan und anderen Reaktionären noch mehr Nährboden bereiten.

Bereits jetzt haben Menschen ohne österreichischen Pass auf der Wahlebene (außer als EU-BürgerIn auf Bezirksebene) keine Rechte. Davon ist eine Million Menschen, die hier leben und arbeiten betroffen, in Wien sind es sogar 21% der Bevölkerung.

Doch auch auf anderen Ebenen wird MigrantInnen die politische Teilhabe verwehrt: Arbeitslosigkeit trifft MigrantInnen besonders hart. Der ÖGB hat es Jahrzehnte lang versäumt, mehrsprachiges Material zu produzieren und Menschen mit nicht-deutscher Muttersprache zu organisieren. Schlimmer noch, der Wiener AK-Präsident Werner Muhm redet Anfang des Jahres davon, dass der Arbeitsmarkt mit einer „Notfallsklausel“ vor Einwanderung „geschützt“ werden müsse. Es sind die Niedriglohn-Sektoren und Berufe mit prekären Arbeitsverhältnissen, in denen vor allem MigrantInnen arbeiten – und die am wenigsten von Gewerkschaften organisiert werden.

MigrantInnen wird auf allen Ebenen das Recht genommen oder Steine in den Weg gelegt, aktiver Teil dieser Gesellschaft zu sein, ihre Rechte wahrzunehmen und/oder für sie zu kämpfen. Im Versammlungsgesetz § 8. steht sogar ausdrücklich: "Ausländer dürfen weder als Veranstalter noch als Ordner oder Leiter einer Versammlung zur Verhandlung öffentlicher Angelegenheiten auftreten." Da ist es kein Wunder, wenn sich Betroffene primär über Entwicklungen in ihren Herkunftsländern oder denen ihrer Eltern politisieren. So eine Politisierung kann in verschiedene Richtungen funktionieren und kann auch zu einem wirkungsvollen Hebel werden, internationale Solidarität mit Kämpfen z.B. in der Türkei aufzubauen und gleichzeitig von Rassismus Betroffene zu bestärken, für ihre Rechte zu kämpfen.

Menschen passen nicht in Schubladen, und MigrantInnen sind alles andere als eine einheitliche Gruppe. Wenn MigrantInnen als MigrantInnen, also rassistisch, angegriffen werden, müssen österreichische Linke sie unterstützen. Doch das bedeutet nicht, sich mit reaktionären migrantischen Strömungen gegen den herrschenden Rassismus zu solidarisieren.

Menschen mit Migrationshintergrund sind, im Gegensatz zu dem, was uns die Politik weismachen will, nicht in erster Linie „MigrantInnen“. Sie sind Bekannte, KollegInnen und NachbarInnen von österreichischen ArbeiterInnen – Klassenbrüder und -Schwestern. Wir müssen für gleiche Rechte kämpfen, die erkämpften Rechte gemeinsam verteidigen und für weitere aktiv sein. Nur so kann es gelingen, eine Linke aufzubauen, die die ArbeiterInnenklasse in diesem Land in all ihrer ethnischen Vielfalt repräsentiert und verteidigt. Und nur so kann der Einfluss von rechtsextremen, fundamentalistischen und reaktionären Ideen in den verschiedenen Teilen der ArbeiterInnenklasse wirkungsvoll bekämpft werden

 

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