Antifaschismus und Antirassismus

Der rechte Rand: Reichsbürger

Alois Hofer

Die „Reichsbürger“ sind keine homogene „Bewegung“, doch sie vereint ein Konstrukt aus rechtsextremer, rassistischer, antisemitischer und esoterischer Grundeinstellung mit Hang zu Verschwörungstheorien. Sie erkennen den Staat nicht an und stellen gegen ordentlich Entgelt auch „Reichspässe“ und „Reichsführerscheine“ aus. Viele sind keine „harmlosen Spinner“, sondern auch Neonazis und in Teilen gewaltbereit. Im Oktober 2016 kam es in Nürnberg beim Versuch, 31 Reichsbürgerwaffen zu beschlagnahmen, zu einem Schusswechsel, wo ein „Reichsbürger“ einen Polizisten tötete.

V.a. in der Steiermark tritt die österreichische Variante unter den Namen „Souveräner“, „Freemen“ oder eben auch „Reichsbürger“ auf. Rund 1.000 Menschen gerhören zu diesem Spektrum der Staatsverweigerung, weit mehr sind für die Staatskritik von rechts ansprechbar. Einer der bekanntesten „Freemen“ ist Johannes Kreißl, selbsternanntes „Staatsoberhaupt“ von „Erlösterreich“, eine Mikro“nation“ im Schloss Walchen in Oberösterreich. Kreißl führt den „Staat“ zusammen mit einem Dutzend Getreuer und der Schlossbesitzerin, Friedrun Hanreich, Tochter eines früheren FPÖ-Abgeordneten. Tassilo aus Lustenau, ein weiterer „Freemen“, meint, dass der wahre Ablauf der Geschehnisse im 2. Weltkrieg verheimlicht werde. Ähnlich bei Kreißl, der auf der Facebook-Seite „Freeman Austria“ in altbekannter rechtsextremer Manier schreibt: „… das von den so genannten ‘Gaskammern’ […] Fakt ist: Wir wissen es nicht!

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7. Mai: Befreiungsfeier Mauthausen

Jedes Jahr findet im ehemaligen Konzentrationslager Mauthausen die traditionelle Befreiungsfeier statt. Tausende AntifaschistInnen treffen sich dort, um den Opfern des Holocausts zu gedenken und die Befreiung vom Faschismus zu feiern. Es ist wichtig, dort an die zu erinnern, die den Kampf gegen Kapitalismus und seine Begleiter wie Rassismus, Antisemitismus und Faschismus schon vor uns geführt haben - und mit ihrer Freiheit und ihrem Leben dafür bezahlt haben. Deswegen organisieren wir im Rahmen unserer Kampagne „Eine Welt zu gewinnen“ eine Busfahrt zur Befreiungsfeier und nehmen an ihr teil.

Wir nutzen den Tag aber auch, um uns in der Geschichte des Faschismus und der Konzentrationslager schulen. Dafür haben wir mehrere HistorikerInnen dabei, die uns schon auf der Busfahrt und auch vor Ort erzählen werden was in Mauthausen passiert ist und wie es soweit gekommen ist. Wir werden aber auch darüber diskutieren, wie wir heute gegen Rechtsextremismus und Faschismus kämpfen können. Dieses antifaschistische Seminar ist ein freiwilliges Angebot zusätzlich zur Busfahrt und der Befreiungsfeier.

Abfahrt aus Wien: 7:00 Anton Kummerer Park (Spittelau)
Ankunft in Wien: ca. 17:00

Bus- und Seminarbeitrag: Freie Spende

Anmeldung ist nötig unter till@slp.at - wir organisieren auch aus einigen anderen Städten eine gemeinsame Anfahrt, auch hier bitte nachfragen.

 

Drängeln am rechten Rand

In ihrem Versuch, die FPÖ zu schwächen, machen SPÖ und ÖVP immer rassistischere Politik.
Flo Klabacher

Kern und Doskozil wettern gegen die Aufnahme von 50 minderjährigen Flüchtlingen aus Italien. Kurz wirft NGOs vor, mit Schleppern im Bunde zu sein, weil sie Flüchtlinge nicht im Mittelmeer ertrinken lassen. Sobotka will mit einer neuen Verschärfung des Asylrechts tausende Flüchtlinge aus der Grundversorgung und in die Obdachlosigkeit zwingen. SPÖ und ÖVP kopieren immer stärker FPÖ-Politik und -Rhetorik, um ihre WählerInnen zu gewinnen. Ohne Erfolg, aber mit dem Effekt, dass sich die gesellschaftliche Stimmung weiter nach rechts verschiebt. Probleme wie Arbeitslosigkeit, Armut, Wohnungsnot werden gleichzeitig von der Regierung durch neue Angriffe auf Arbeitszeit, Bildung, Gesundheit und Sozialleistungen verschärft.

Das „Integrationspaket“ ist Teil dieser Angriffe. Es folgt der „Teile und Herrsche“-Logik des Kapitalismus. Mit dem Burka-Verbot wird die Stimmung gegen Muslima aufgeheizt. Das Angebot von Deutschkursen soll verbessert werden, doch die Finanzierung ist unklar. Klar ist nur, dass bei Nicht-Teilnahme Sozialleistungen entzogen werden. Das gilt auch für 0-Euro-Jobs: Ein Jahr lang sollen Flüchtlinge bzw. Asylberechtigte ohne Lohn arbeiten müssen. Unternehmen, die diese Einladung zum Lohndumping annehmen, bekommen pro beschäftigtem Flüchtling €120/Monat vom Staat geschenkt.

Dass die ÖGB-Führung diese Maßnahmen begrüßt, grenzt an Wahnsinn – und sagt viel über den Zustand der Gewerkschaften aus. Der Glaube, die neu eingeführte Arbeitspflicht würde auf gemeinnützige Tätigkeit und AsylwerberInnen beschränkt bleiben wird sich bald als Illusion herausstellen. Jobs könnten so vernichtet werden und die Qualität der Betreuung durch Laien ist fraglich. Die Zwangsarbeit für österreichische MindestsicherungsbezieherInnen wird nicht lang auf sich warten lassen! Es ist Aufgabe der Gewerkschaften, die Spaltung in „Österreicher“, MigrantInnen und Flüchtlinge zu bekämpfen. Ein gemeinsamer Kampf gegen Lohndumping, für Mindestlohn und Arbeitszeitverkürzung ist der beste Weg zur Integration.

Zuerst gegen AsylwerberInnen, dann gegen alle

  • Sozialleistungen werden an (oft schwammige) Auflagen gebunden. Wie beim „Integrationsbonus“ für asylberechtigte BezieherInnen der Mindestsicherung in Oberösterreich. Die Auszahlung ist völlig willkürlich. Ansprüche werden so zu Almosen. Bei Nicht-Teilnahme an Wertekursen kann die Mindestsicherung gestrichen werden. Was kommt als nächstes – Kürzung, wenn man die Bundeshymne nicht auswendig kann?
  • Verpflichtende 0-Euro-Jobs: Es geht nicht um Qualifikationserweiterung, sondern um billige Arbeitskräfte. Statt Lohn vom Unternehmen gibt´s Mindestsicherung/Grundversorgung vom Staat. Ab jetzt betrifft das Asylberechtigte, die „gemeinnützige Arbeit“ machen müssen. Eine Ausweitung der Regelung auf alle MindestsicherungsbezieherInnen und größere Teile der Wirtschaft wird u.a. von der ÖVP gefordert.
  • Kürzungen der Mindestsicherung: Zuerst wurde in Oberösterreich für Asylberechtigte auf €365/Monat gekürzt. Kurz darauf folgte eine Deckelung für Familien - egal welcher Herkunft. Andere Bundesländer sind nachgezogen bzw. diskutieren ähnliches. SPÖ-Häupl kann sich Gutscheine und Sachleistungen statt Bargeldauszahlung für Asylberechtigte vorstellen. Auch diese Entmündigung würde schnell ausgeweitet werden.
  • Auch das Kindergeld für Kinder im Ausland soll – nach unten - an dortige Lebenshaltungskosten angepasst werden. So sollen Sozialleistungen stärker an verschiedene Bedingungen gekoppelt und eingeschränkt werden. Weitergedacht könnte das Kindergeld durch die Bezahlung ausgewählter Leistungen ersetzt werden, für deren Bewilligung man erst bürokratische Hürden überwinden muss.
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Der rechte Rand: Identitäre geleaked

Moritz Bauer

Bei einem Treffen der Identitären Bewegung (IB) im Allgäu wurden sechs Identitäre von AntifaschistInnen konfrontiert, flüchteten und vergaßen dabei ein internes Dokument. Dieses bestätigt, dass es sich bei der IB um „Alten Wein in neuen Schläuchen“ handelt.

Im Dokument schreiben sie über „taktische“ Fehler der alten Rechten und empfehlen, diese zu vermeiden. Die Ideologie bleibt unbehelligt. Es wird erst gar nicht versucht, das Bild von harmlosen Patrioten zu zeichnen. Im Gegenteil: Im Dokument steht: „Die alte Rechte […] ist kein vernünftiger Flügel des Spektrums, sondern nur eine ausgediente und unzulängliche Version der IB. Wir verrichten ihre Arbeit viel besser.“

Das Papier zeigt, dass sie eine Gruppe straff organisierter Überzeugungstäter aufbauen wollen. Das ist eine reale Gefahr für Menschen, die nicht in ihr Weltbild passen. Diese Gewaltbereitschaft zeigt sich auch in der Warnung vor staatlichen Provokateuren, die „als Hypernationalsozialist in Erscheinung“ treten, versuchen, Identitäre für NS- Gruppen abzuwerben oder Waffen und Sprengstoff für Aktionen anbieten. Scheinbar attraktive Angebote für Leute in den Reihen der Identitären, wenn davor gewarnt werden muss.

Auch wie die Identitären „überzeugen“ wollen, kommt nicht vor. Vielmehr geht es um rhetorische „Tricks, um [Diskussionen] zu gewinnen“, um Design usw. Die Identitären wollen „den Mainstream durch […] Aktivismus“ beeinflussen. Funktionieren tut das nicht, sie profitieren vom Aufstieg von FPÖ, AfD & Co. und machen v.a. heimliche Aktionen.

 

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Sozialistische LinksPartei goes Vöcklabruck

Als eine erste Antwort auf den ersten Stammtisch der faschistischen Identitären in Vöcklabruck (VB) am 18.2. formiert sich ein antifaschistisches Bündnis. Die SLP beteiligt sich daran und setzte sich nicht nur für Straßenaktivität ein, sondern betont auch, dass der Kampf gegen die Identitären mit Widerstand gegen die Kürzungspolitik und den Rassismus der Regierung verbunden werden muss.

Deshalb haben wir uns auch beim ersten Treffen der SLP in VB damit beschäftigt, wie der Aufstieg der Identitären mit dem allgemeinen Rechtsruck in Österreich zusammenhängt. Die Diskussion unter den 17 TeilnehmerInnen hat gezeigt, dass es auch in VB ein großes Interesse an linken Ideen gibt. Darum wird die SLP natürlich auch weiter in VB gegen die Identitären und für den Aufbau einer sozialistischen Alternative aktiv sein.

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Alle Jahre wieder gegen rechts!

Jens Knoll

Jedes Jahr tanzt die FPÖ mit Rechtsextremen und Nazis: in der Hofburg in Wien, wie auch in anderen Bundesländern.

Und solange es nötig ist, ist die SLP mit einem lautstarken und aktiven Block vertreten. In Graz kamen am 21.1. trotz dem pseudo-lustigen Slogan “Was ist das für 1 Ball vong Rechtsextremismus her” rund 300 Leute zu diesem wichtigen Event. Die SLP war Teil davon und brachte die soziale Frage als Thema in die Demo ein. In Graz und Wien sorgten SLP-Demo-Moderatoren für gute – und v.a. politische – Stimmung.

In Wien zogen am 3.2. über 2.000 Menschen friedlich und lautstark von der Uni zum Stephansplatz. Die von der Boulevardpresse und Konservativen herbeigeschriebene “linksextreme Gewalt” fehlte hier wie auch bei den anderen Demonstrationen. Die SLP engagierte sich als lauter Teil des noch lauteren Aufbruchblocks.

Trotz der vielen Versuche, die Demonstration in Linz polizeilich (und ohne rechtliche Basis) zu verbieten, fanden sich am 4.2. auch in Linz über 300 AntifaschistInnen ein. Besonders hervor stach der starke Redebeitrag von SLP-Aktivist Jan. “Die schwarz-blaue Landesregierung in Oberösterreich nützt die Hetze gegen Flüchtlinge als Vorwand, um dann die Mindestsicherung nicht nur für ebendiese, sondern auch für alleinerziehende Frauen zu kürzen. Das ist rassistische Ablenkung! Die Kürzungen von SPÖ&Partnern im Sozialbereich sind ebenso eine Gefahr für die Bevölkerung.” Denn die Regierungen, die FPÖ-Programm umsetzen machen genau diese stark!

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Der rechte Rand: Umweltschutz von rechts

Fabian Lehr

"Grün" ist nicht automatisch links. Man muss gar nicht zurückgehen bis zur Umwelt-und Tierschutzgesetzgebung der Nazis. Rechte suchten auch nach 1945 Anschluss an die grüne Bewegung wie August Haußleiter, der auch nach 1945 der CSU zu rechts war und dann bei den Grünen landete. Nicht, dass Umweltanliegen Neigungen nach rechts implizieren würden. Aber sie schließen sich auch nicht aus und sind gelegentlich Ausdruck von nach rechts anschlussfähigen antimodernistischen Vorurteilen, die von einer (ökologisch wie gesellschaftlich) vermeintlich heilen vorindustriellen Welt träumen. In Österreich fand sich der esoterisch-verschwörungstheoretische Zugang u.a. bei den seit den 50er Jahren aktiven ehemaligen SS-Mitgliedern Wilhelm Landig, Rudolf Mund und Erich Halik, deren publizistische Bandbreite von Umwelt- bzw. "Heimatschutz" bis zu den "Reichsflugscheiben" reicht. Auch der spätere "Weltbund zum Schutz des Lebens" (WSL) verband Umweltschutzphrasen mit rechtsextremer Ideologie und war Teil der Proteste gegen das AKW Temelin. Heute loben die Identitären die Schweizer Kampagne gegen "Masseneinwanderung" dafür, auf eine Verbindung von Zuwanderung und Umweltschäden hingewiesen zu haben. Die FPÖ sagt zwar „Umweltschutz ist Heimatschutz“, baut aber in der Praxis Umweltschutzmaßnahmen ab. "Ökologie" ist eben ein weites Feld und hat keinen Klassenstandpunkt an sich. Sie kann rechter Mystizismus sein oder sinnvolle Forderung nach ökologisch verantwortungsvoller Produktion in einer sozialistischen Planwirtschaft.

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Antifaschismus in der … KRISE … des Kapitalismus

Einladung zur Diskussion
Franz Neuhold

Auf unserem Treffen am 7.2. um 19:00 in der alten Welt (https://www.facebook.com/events/214678962330977/) wollen wir über Perspektiven für die antifaschistische Bewegung diskutieren. Hier ein Beitrag zu dieser Diskussion.

Antifaschismus bringt regelmäßig tausende Menschen auf die Strasse. Gleichzeitig wachsen Rechtsextremismus und rassistische Bedrohung in wesentlich höherem Tempo. Dies hat unserer Einschätzung zufolge zwei Hauptgründe. An einem dieser Gründe kann man unmittelbar nichts ändern. Man muss ihn zuerst verstehen: Es ist die Tatsache, dass der Kapitalismus in einer grundlegenden Krise steckt. Diese Krise einer brutalen Gesellschaftsordnung wird nicht durch oberflächliche Korrekturen oder „kleinere Übel“ beherrschbar. Der zweite Grund ergibt sich aus der Breite der antifaschistischen Bewegung und der sie derzeit dominierenden Strömungen. Antifaschismus kann alles mögliche bedeuten. Er erstreckt sich über viele Meinungen, politische Lager, Organisationen und selbst etablierte Parteien. In diesen Parteien – SPÖ, ÖVP, Grüne – existieren gleichzeitig Fraktionen, die sich immer stärker den Standpunkten der rechtsextremen FPÖ annähern oder zumindest für jene Sozialabbau-Politik verantwortlich sind, die das Wachstum der FPÖ fördert. Das erzeugt eine widersprüchliche und verrückte Situation.

Derzeit bereiten sich sowohl ÖVP als auch SPÖ hinter den Kulissen darauf vor, Juniorpartner eines künftigen FPÖ-Kanzlers zu werden. Welche Glaubwürdigkeit werden dann AktivistInnen haben, die bislang Jahr für Jahr dazu aufgerufen haben, doch SPÖ als „kleineres Übel“ zu wählen, um „die FPÖ zu verhindern“? Jene SPÖ, die bereits seit langem für staatlichen Abschiebe-Rassismus steht. Mehr noch: was tun Gruppen, die von einer Partei finanziert werden, die eine bundesweite Koalition mit Strache, Hofer, Kickl und deutschnationalen Burschis eingehen könnte oder gar wird?

Die Chefin der SPÖ-OÖ sprach kürzlich offen von einer Arbeitsgruppe, die die „Bedingungen für eine Koalition mit der FPÖ“ ausarbeitet. Wer glaubt ernsthaft, dass dies ein antirassistisches und soziales Programm sein wird? Viel Zeit bleibt vielleicht nicht mehr, bis aus einer vagen Möglichkeit eine schockierende Tatsache wird. Das mag eine unangenehme Wahrheit sein. Doch gerade solche Dinge müssen offen ausgesprochen werden.

Die Entwicklungen scheinen hauptsächlich unerfreulich und machen vielen (zu recht) Angst. Die Lösung heißt: weder verzweifeln noch „weiter wie bisher“. Ein kritisches Hinterfragen alter Gewohnheiten und eine Neuausrichtung sind nötig. Die antifaschistische Bewegung darf nicht der verlängerte Arm bürgerlicher Parteien oder gar des Staates sein. Mehr noch sollte sie sich selbst zum Bestandteil und Beitrag zur Entstehung einer echten Alternative gegen Rassismus, Gewalt, Sozialabbau und den Kapitalismus als Ganzes weiterentwickeln.

Eine weitere Bruchlinie sehen wir in der oft anzutreffenden Überheblichkeit gegenüber jenem Teil von FPÖ-WählerInnen, die keineswegs vorrangig rassistisch, frauenverachtend und bewusst deutschnational sind. Diesen Menschen die Schuld am Rechtsextremismus zuzuschieben, ist falsch und gefährlich. Dass Menschen Illusionen haben, unter der FPÖ werde eine "sozialere Politik" stattfinden, mag uns allen absurd erscheinen. Doch es ist schlicht ein Ergebnis jahrzehntelanger SPÖ- und ÖVP-Politik, der Schwäche der "Linken", der Dominanz bürgerlicher Massenmedien und Alternativlosigkeit. Interessanterweise hört man solche Vorurteile oft von jenen, die nun Rechtfertigungen für künftige Koalitionen mit der FPÖ als Partei und ihrer Führung (!) suchen.

FPÖ und extreme Rechte bergen eine enorme Bedrohung für Leib und Leben vieler Menschen – von Angehörigen sogenannter „Randgruppen“ und Minderheiten bis hin zu gewerkschaftlichen sowie politischen AktivistInnen. Das große ABER: Die FPÖ wird auf lange Sicht von sozialen Widersprüchen und Interessen gegensätzlicher Klassen (Superreiche & Konzerne gegen Arbeitende, Jugendliche & Arbeitslose) zerrissen werden. Die Krise des Kapitalismus wird auch für einen Kanzler Strache oder Hofer oder Haimbuchner keine großen Spielräume zulassen. Die weitere Zuspitzung sozialer Probleme wird die Chance eröffnen, in konkreten Kämpfen und Bewegungen zu zeigen, dass Rassismus und Nazisprüche keine Jobs schaffen, sondern uns allen schaden. Die FPÖ kann durch offensive Kampagnen von unten als das enttarnt werden, was sie eigentlich ist: ein besonders ekelerregender Rammbock eines überkommenen und ungerechten Systems, des Kapitalismus. Im Gegenzug kann wieder echte Solidarität zwischen den "sozial Schwachen", den "ArbeiterInnen" und den "Minderheiten" entstehen. Ein solcher Antirassismus könnte allen Betroffenen die Erkenntnis bringen, dass wir zusammen alles andere als eine Minderheit darstellen.

Die Bewegung benötigt ausdrücklicher als bisher ein klares anti-kapitalistisches Image. Dies bedeutet nicht, dass AntifaschistInnen, die weiter an der Hoffnung auf einen friedlichen und gerechten Kapitalismus festhalten möchten, nicht Teil der Bewegung sein können. Bisher ist es jedoch oft so, dass man sich als unabhängige SozialististIn für die Infragestellung der beschränkten bürgerlichen Demokratie und seiner staatlichen Einrichtungen rechtfertigen muss. Radikalität würde "abschrecken" - so ein Quatsch!

Ein solches anti-kapitalistisches Image darf sich unserer Ansicht nach nicht in bloßen Bekenntnissen und Verkündigungen erschöpfen. Entscheidend werden Moblisierungen von all jenen Menschen sein, die durch Sozialabbau, Arbeitslosigkeit und Armut betroffen sind. Dies umfasst Menschen unterschiedlicher Herkunft, Erstsprachen und Hautfarben genauso wie auch jene, die mangels Alternativen, aus Angst vor sozialem Abstieg und beeinflusst vom allgemeinen politischen Strom und dem Gift des vorherrschenden Rassismus derzeit FPÖ wählen.

Der Antifaschismus muss auf alle betroffenen „Schichten“ und „Gruppen“ (oder wie man es nennen mag) hinarbeiten. Er darf sich nicht überheblich als bloße moralische Vorgabe präsentieren. Oder gar als Stütze der gegenwärtigen „Ordnung“. Denn dieses etablierte System, die Arroganz der Superreichen & Herrschenden sowie ihre Parteien-Landschaft werden immer stärker hinterfragt und abgelehnt. Gerade hier punktet die radikale und populistische Rechte mit scheinbarem „Anti-Establishment“ und falschem, meist blank antisemitischem „Anti-Kapitalismus“. Selbst Milliardär Donald Trump konnte mit dem Slogan „Trockenlegen des Sumpfes“ in Washington und der Wall Street triumphieren. Dabei ist er ein führendes kapitalistisches Sumpf-Monster.

Wir sind davon überzeugt, dass eine offen geführte Diskussion unter AntifaschistInnen unterschiedlicher Zugänge über Fehler, Ziele, Forderungen, Methoden und Taktik keineswegs „schädlich“ oder „schwächend“ ist. Im Gegenteil. Falls du/Sie daran Interesse hast/haben, laden wir herzlich dazu ein, dies mit uns anzugehen! Das sollte aber bald sein. Neuwahlen sind jederzeit möglich.

Komm vorbei und diskutiere mit uns gemeinsam.

 

Der rechte Rand: Erdogans Helfer

Manuel Schwaiger

GewerkschafterInnen und Linke werden entlassen oder verhaftet. KurdInnen werden vertrieben und Tausende getötet. In der Türkei ist die Rechte auf dem Vormarsch. Auch in Österreich können sich Rechtsextreme aus der Türkei offen organisieren. UnterstützerInnen Erdogans schließen sich in der Union Europäisch-Türkischer Demokraten UETD zusammen. Deren AnhängerInnen fallen u.a. mit Morddrohungen gegen eine ORF-Moderatorin und Angriffen gegen kurdische Lokale auf. Noch größere Gefahr geht von der Avusturya Türk Federasyon ATF aus, der Auslandsorganisation der türkischen MHP, besser bekannt als Graue Wölfe. Die Wölfe sind eine antisemitische und faschistische Bewegung, die nicht vor Gewalt zurückschreckt. In den 70ern ermordeten sie in der Türkei rund 700 Menschen, auch in Europa kam es zu Anschlägen. Die ATF stellt sich heute als harmloser Verband von Sport- und Kulturvereinen dar, tatsächlich greifen sie immer wieder politische GegnerInnen an. Das hindert die herrschende Politik nicht daran, mit ihnen zusammenzuarbeiten. In Linz kooperierte lange die SPÖ mit dem dortigen ATF Verein, der sogar einen Sitz im Integrationsrat der Stadt erhielt. PolitikerInnen aus ÖVP und SPÖ verhelfen der ATF regelmäßig zu Räumlichkeiten für Veranstaltungen, kürzlich für ein Konzert in Ried. Viele Inhalte ihrer Ideologie, wie Nationalismus, Gewaltverherrlichung und Sexismus, teilen türkische mit österreichischen Rechtsextremen. Deren rassistische Hetze bereitet Vereinen wie der ATF einen fruchtbaren Boden und umgekehrt.

 

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Frauen gegen rechte Hetzer

Shona Thompson

Für die Rechte der Frauen heißt: Gegen den Akademikerball, gegen Trump und gegen Kapitalismus!

Am 3.2. findet der Akademikerball der Wiener FPÖ in der Hofburg statt, am 4.2. tanzen die Rechten in Linz. Wieder werden hunderte Gäste, manche bekannte Rassisten, Antisemiten und Sexisten aus ganz Europa zusammentreffen. Die Wahlerfolge von Front National, AfD, Donald Trump und der FPÖ und die zunehmende Verbreiterung rechten Gedankengutes in den Medien machen es immer wichtiger, auf die Straße zu gehen. Wir müssen protestieren und v.a. auch die Zusammenhänge zwischen Kapitalismus, Rassismus und Sexismus aufzeigen. Die rechten Hetzer sind sehr aktiv gegen Frauenrechte: Dort, wo die FPÖ an Gesetzen mitwirkt, wurde nicht nur in der Flüchtlingshilfe und der Altenpflege eingespart, sondern auch ein reaktionäres Frauenbild propagiert. In Wels kürzt die FPÖ bei der Kinderbetreuung, was es Frauen erschwert, einer Erwerbsarbeit nachzugehen.

Doch weltweit stehen Frauen an der Spitze der Proteste gegen Trump, Gewalt gegen Frauen und Kürzungspolitik. Auch in Österreich ist die Situation von Frauen alles andere als rosig: Niedrige Löhne, Gewalt, erzwungene Teilzeitarbeit etc. Hilf mit, damit der kommende Internationale Frauentag am 8. März ein lauter wird: Für Frauenrechte, das Recht auf Schwangerschaftsabbrüche, gleiche Löhne und leistbare Wohnungen!

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