Frauen und LGBT

VORWÄRTS-Schwerpunkt zum rechten Kulturkampf gegen LGBTQIA+

vom Juni 2023
"Als Trans-Menschen werden wir erst frei sein, wenn wir für eine Gesellschaft kämpfen und sie gewinnen, in der keine Klasse davon profitiert, Hass und Vorurteile zu schüren…" - Leslie Feinberg, Trans-Aktivist*in

Rechter Kulturkampf gegen LGBTQI+

Man muss die letzten Wochen in einer Höhle gelebt haben, um diesen Nachrichten zu entgehen: Die Angriffe auf LGBTIQ +Personen sowie deren Rechte nehmen international zu. Noch vor kurzem sorgten die neuen, extrem-konservativen Gesetze in den USA für Empörung. Beginnend mit jenen zu Schwangerschaftsabbruch wurde in vielen US-Bundesstaaten, unter dem Vorwand des Kinderschutzes, das Recht auf geschlechtsangleichende Maßnahmen genommen, Gesetze, die v.a. jugendliche, queere Menschen sowie deren Familien hart treffen. Medizinische und psychologische Versorgung ist nun illegal, das “don’t say gay”-Gesetz verhindert Bildung an Schulen, Dragshows erst ab 18 Jahren, usw. Die Regierungen in Polen, Ungarn und der Türkei unterbinden mit Polizeigewalt Pride-Paraden, zensieren Bücher, richten LGBTIQ+-freie Zonen ein um sie unsichtbar zu machen. Alltägliche Anfeindungen werden durch solche Gesetze legitimiert. Dem internationalen Trend folgen nun auch Rechte in Österreich: so rotteten sie sich z.B. vor der Rosa-Lila-Villa zusammen, um eine Kinderbuchlesung mit einer Dragqueen zu verhindern.

Dieser “Kulturkampf” der Rechten hat systemerhaltende Aufgabe: Kapitalismus ist untrennbar mit patriarchaler Ordnung verbunden, wo Frauen sich um die Familie kümmern (spart Kosten im Care-Sektor) und Migrant*innen billige Arbeitskräfte sind. LGBTQI+ stellen diese Ordnung in Frage. Zusätzlich steckt die etablierte Politik in der Krise und zumindest ein Teil setzt auf reaktionäre Themen, um entsprechende Wähler*innen zu mobilisieren und von wirtschaftlicher wie sozialer Krise abzulenken.

Neben der Hetze sind queere Menschen mit der Realität konfrontiert: Nachteile bei Job und Wohnen und die Gesundheitsversorgung für LGBTIQ+ Personen ist schon jetzt teuer, umständlich zu bekommen und wird schnell mal eingespart (siehe Pandemie). Manche Parteien stellen sich am Papier als Verbündete der LGBTQI+ Community dar, kürzen aber aktiv z.B. an Gesundheitsversorgung und Schutzzentren. Regenbogen-Themen sind im österreichischen Lehrplan zwar verankert, jedoch gibt es kaum Ausbildung dafür. Warum wir sowohl gegen Hetze und Gewalt, als auch ein System, das kein Interesse an tatsächlicher Gleichstellung hat, kämpfen, erklären wir in diesem Schwerpunkt.

Queere Befreiung muss Kapitalismus überwinden

von Nico Rastelli

Vor allem Transpersonen, aber auch andere queere Menschen, Frauen und Migrant*innen werden wieder verstärkt von rechts bis rechtsaußen angegriffen. Das ist kein Zufall, denn im Rahmen der wirtschaftlichen, sozialen und politischen Krise und der Krise im Sozialsektor wird immer mehr darauf gebaut, die Arbeiter*innenklasse zu spalten und sich auf alte Rollenbilder bzw. die „traditionelle Familie“ zu stützen.

Die Krise und der Verfall dieses Systems wird immer deutlicher: Corona, Krieg, Flucht, Klimawandel und Teuerung. Es gibt Massenproteste, Streiks und sogar revolutionäre Bewegungen, kombiniert mit dem sinkenden Vertrauen in die politischen Institutionen. Das alles erzeugt Raum für linke Antworten (siehe Babler-Kandidatur und KPÖ-Erfolge) aber eben auch für reaktionäre (d.h. rückwärtsgewandte) Antworten, die die Schuld an den Krisen z.B. Migrant*innen, “dem Feminismus” oder der “globalen Homolobby” geben. Durch die große Unzufriedenheit mit dem gesamten politischen System, dem potentiellen Wachsen von linken Ideen, sowie Streik und Widerstand setzt in der Krise ein wachsender Teil der Herrschenden auf diese reaktionären Kräfte und dadurch auf ein altes Prinzip: Teile und herrsche. Eine gespaltene Arbeiter*innenklasse kann nicht so gegen Bosse und Regierungen kämpfen wie eine geeinte. Eine der Gruppen, gegen die gerade verstärkt gehetzt wird, sind Trans-Personen. Unter dem Vorwand des Kinderschutzes wird gegen „Genderwahn“, „Cross-Dressing“ und Hormontherapie gewettert. Mehr noch, Transpersonen wird vorgeworfen, die traditionelle Familie zu zerstören. Das ist nicht zufällig.

Was hat die Familie mit der Care-Krise zu tun?

Die Unterdrückung von queeren Personen ist eng verbunden mit sexistischen Rollenbildern und der Rechtfertigung von unbezahlter Sorgearbeit, wie z.B. Pflege von Angehörigen oder Kindererziehung, die meist von Frauen getan wird. Pro Jahr sind das über 9 Milliarden Stunden an unbezahlter Arbeit, die über 100 Milliarden Euro wert wären, würden sie bezahlt! Der Sozialsektor steckt schon lange in der Krise. Die Situation wurde durch Pandemie und Wirtschaftskrise noch verschlimmert. Pflegebedürftige, die wegen des Ressourcenmangels in einer Krankenanstalt/Pflegeeinrichtung nicht versorgt werden können, werden dann von einem oft weiblichen Familienmitglied betreut. Nicht nur diese Art von Care-Arbeit wird immer öfter ins Private gedrängt. Während der Corona-Lockdowns waren Eltern gezwungen, gleichzeitig zu arbeiten und sich um ihre Kinder zu kümmern, die sonst in Schule oder Hort wären; nun können sich manche Familien keine Kinderbetreuung mehr leisten und haben dasselbe Problem. In den meisten Fällen führt das dazu, dass die größte zusätzliche Arbeit auf die Frauen zurückfällt. 

Dies ist von der Politik unterstützt und gewünscht; dadurch, dass von Frauen unbezahlte Hausarbeit geleistet wird, können sie mit dem Geld, mit dem sonst der Sozialsektor finanziert wird, Unterstützung für Konzerne oder das Militärbudget aufstocken. Ein weiterer Grund für den Versuch der Politik zur Rückkehr zu „alten Familienwerten“ sind fallende Geburtenraten, die dazu führen, dass es in den nächsten Generationen weniger Arbeiter*innen zum Ausbeuten geben wird. 

Die Dämonisierung von Trans-Personen liegt auch an ihrem Bruch mit dem Geschlecht, welches sie laut Gesellschaft haben sollten, oder sogar durch eine Ablehnung der binären (zweiteiligen) Geschlechtereinteilung. So stehen sie im Gegensatz zu den Geschlechterrollen, die zur Unterdrückung von v.a. Frauen gebraucht werden. Queer- und Trans-Rechte stehen also nicht im Widerspruch zu Frauenrechten sondern im Gegenteil: es wird gezielt die schwächste Gruppe am härtesten angegriffen. Der Kampf für Frauen und queere Rechte geht Hand in Hand!

Was hat das mit Kapitalismus zu tun?

Alle Gründe für die Attacken gegen die Rechte von queeren Personen sind in der  kapitalistischen Klassengesellschaft verwurzelt. Der Versuch zur Spaltung inmitten einer Systemkrise, die Situation im Sozialsektor, die Verlagerung von Care-Arbeit nach Hause – all diese Probleme gibt es nur aufgrund des Kapitalismus: Im Moment besitzt eine kleine Minderheit von Reichen, die ihr Geld nicht durch Arbeit, sondern durch Ausbeutung von Arbeiter*innen bekommen, die Macht in der Welt. Dies ist aber eine sehr instabile Angelegenheit – nicht nur, weil ihr System alle paar Jahre in eine Krise kippt, sondern auch, weil die Mehrheit der Menschen nicht von ihnen ausgebeutet werden will – was dazu führt, dass sie die Arbeiter*innen ständig gegeneinander aufbringen müssen, um nicht selbst gestürzt zu werden. 

So leiden z.B. unter der Situation im Sozialbereich alle Menschen, allen voran Frauen, Migrant*innen und Trans-Personen. Bessere Arbeitsbedingungen und kürzere Arbeitszeiten, um eine Versorgung mit weniger Druck möglich zu machen, sind dringend nötig. Dazu kommt, dass es spezifische Maßnahmen bräuchte, um die Situation von Frauen und LGBTQI+ Personen zu verbessern, wie z.B. einfachen und kostenlosen Zugang zu Abtreibung, Psychotherapie sowie geschlechtsangleichende Maßnahmen – all das will uns dieser Staat gerade jetzt nicht geben. Um davon abzulenken, werden rechte Kräfte, die vor allem gegen unterdrückte Gruppen hetzen, von zumindest Teilen der herrschenden Klasse gezielt unterstützt. Sie bekommen viel Platz in Medien und ihr Wahlkampf wird finanziert. Das verschlechtert die gesellschaftliche Lage weiter – queere Personen und Migrant*innen erfahren am Arbeitsplatz sowie bei der Wohungssuche ständig Diskriminierung und sind vermehrt Übergiffen ausgesetzt. Antidiskriminierungsgesetze sind in Österreich v.a. in Bezug auf queere Personen extrem rückständig – so kann man z.B. noch immer Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität aus der Wohnung werfen. Doch auch entsprechende Gesetze sind keine Garantie, solange Wohnraum eine Ware ist, die möglichst viel Profit bringen soll. Wirtschaftliche und soziale Krisen gehen oft einher mit der verstärkten Unterdrückung von Minderheiten und Frauen.

Doch Kapitalismus muss nicht sein! In einem System ohne Krisen und Mangel - ein sozialistisches System, indem die Menschen, die den Reichtum schaffen, auch demokratisch verwalten und kontrollieren - könnte man den Wohlstand zum Wohle aller statt zur Bereicherung einer Elite nutzen. So wäre es z.B. möglich, Spitäler mit genügend Betten zu schaffen, um allen Personen die Pflege zu geben, die sie benötigen. Wenn der vorhandene Reichtum der Gesellschaft für alle verwendet wird, gibt es keine Notwendigkeit mehr Gruppen zu unterdrücken, um das System aufrechtzuerhalten. Dann wird es möglich, den Schutz von Minderheiten zu gewährleisten und wenn jede*r erhält was sie*er braucht, gilt das auch für spezielle Bedürfnisse (z.B. Hormontherapie für Trans-Personen, Deutschkurse für Migrant*innen usw.). Und für die Hetze von rechten Kräfte in Staat, Medien oder Schule ist dann kein Platz mehr.

Ein Beispiel dafür sieht man in den Entwicklungen nach der Russischen Revolution 1917. Auch im russischen Zarenreich gab es unterdrückte Gruppen, wie die Völker West- und Zentralasiens, jüdische und auch queere Menschen. Die Bolschewiki erkannten, dass die Diskriminierung dieser Gruppen der herrschenden Klasse hilfreich war, und bekämpften sie. Nach der Revolution war es für sie ein wichtiger Schritt, den unterdrückten Völkern ein Recht auf nationale Selbstbestimmung zu geben, Homosexualität zu legalisieren, Trans-Rechte einzuführen und die Situation von Frauen zu verbessern. Diese Veränderungen wurden zwar während der Stalin-Ära zurückgerollt, jedoch bietet die Russische Revolution uns noch heute ein Beispiel dafür, was möglich ist, wenn der Kapitalismus gestürzt wird.

Marx aktuell:

von Peter Hauer

Engels erklärt in “Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staates”, dass die heutige Familienstruktur mit der Entstehung des Privateigentums geboren wurde. Als mehr produziert als unmittelbar verbraucht wurde, konnte eine Elite den Überschussbeanspruchen. So entstand die Klassengesellschaft mit dem Privateigentum und so der Wunsch, dieses an die nächste Generation weiterzugeben. Die Aufgaben der Frauen wanderten zunehmend ins Haus und eine monogame Beziehung sollte sicherstellen, dass der Mann weiß, welche Kinder ihm “gehören”. Mit der Klassengesellschaft wurden  binäre (zweiteilige) Geschlechterrollen nötig. Auch war die Kernfamilie immer ein Ort der Disziplinierung und Erziehung im Sinne der herrschenden Ideologie und Geschlechterrollen.

Im Kapitalismus hat die traditionelle Familie v,a.. zwei Aufgaben. (Re)Produktion und Erziehung künftiger Arbeiter*innen und Pflege der nicht (mehr) Arbeitsfähigen. Rollenbilder stellen das sicher: Es braucht eine Person (die Frau), die sich um die Arbeit in der Familie kümmert. 

Doch der Kapitalismus braucht Frauen ebenfalls als (billige) Arbeitskräfte, auch weil das Einkommen einer Person (des Mannes) im kapitalistischen Normalzustand nicht für die ganze Familie reicht (die 50er- und 60er-Jahre waren  v.a. für weiße Arbeiter*innen die Ausnahme). Ein Widerspruch im System, unter dem v.a. Frauen immer gelitten haben, und der sich in Zeiten von Sparpolitik bei Pflege, Kinderbetreuung und Bildung zuspitzt. So geraten sie zunehmend durch schlechte Arbeitsbedingungen (die ebenfalls mit dem Geschlechterbild gerechtfertigt werden) und mehr Arbeit zu Hause unter Druck. Die Folgen: häusliche Gewalt verstärkt durch ökonomische Spannungen oder psychische Probleme der Kinder wegen Vernachlässigung.

Ausgerechnet jene, Konservative, die “die Familie” retten wollen, verschärfen selbst die Situation derselben durch ihre unsoziale Politik, wie längeren Arbeitszeiten oder sinkende Einkommen. Was Menschen selbst wollen, ignorieren diese Konservativen ohnehin, weil es ihrer Propaganda zuwieder läuft.

Ein Kampf um Leben und Tod

von Anna Hiermann und Jan Millonig

LGBTQI+ Rechte sind keine Angelegenheiten, die ausschließlich “Minderheiten” etwas angehen. Es geht um Spaltung und den Kampf für soziale Gerechtigkeit. Wenn “Linke” wie Sarah Wagenknecht behaupten, der Kampf um die Gleichbehandlung queerer Menschen würde von den „wahren Problemen ablenken“, haben sie den Zusammenhang mit der Agenda der Rechten nicht verstanden. Es sind keine „Luxusprobleme“, wenn Trans-Personen ermordet werden, wie Brianna Ghey in Britannien dieses Jahr. Somit beginnt dieser Kampf bereits beim Recht auf Leben. 

Pride is a protest!

Das Problem der LGBTQI+ Bewegung ist die unklare Vorstellung, wie dieser Kampf gewonnen werden kann. Die Prides wurden zu unpolitischen Partys. Konzerne, die sich in Regenbogenfarben präsentieren, verrieten uns in der Sekunde, wo es nicht mehr in ihrem Interesse war. Jedoch beobachten wir in den letzten Jahren eine zunehmende Politisierung v.a. unter jungen Pride-Teilnehmer*innen. Mit ihnen wollen wir den politischen Kampf zur Verteidigung unserer Rechte und für konkrete Verbesserungen aufbauen.

Bei den Prides muss z.B. die Ausfinanzierung des Gesundheitssystems im Allgemeinen, was ebenso geschlechtsangleichende Maßnahmen inkludiert, gefordert werden. Das gilt auch für kostenlose Psychotherapie. Für queere Menschen deren psychische Gesundheit aufgrund der Stigmatisierung gefährdet sein kann, können lange Wartezeiten bis zum Suizid führen. Deshalb nahmen wir als ISA und ROSA bei der Pride 2022 mit “Pflege-Blocks” teil.

Kampf für soziale Verbesserungen

Es gilt aber auch, Forderungen der LGBTQI+ Community in anderen Kämpfen einzubringen. Ein Beispiel ist die Gründung von Gewerkschaften bei Starbucks in den USA. Das Unternehmen bot Trans-Personen zwar an, ihnen geschlechtsangleichende Operationen zu bezahlen, zwang sie jedoch dafür in schlechte Arbeitsverhältnisse. Ein besonders zynisches Beispiel von “Regenbogen-Kapitalismus”. So forderten die großteils weiblichen und queeren Beschäftigten nicht nur bessere Arbeitsbedingungen, sondern auch Trans-Gesundheitsleistungen und Maßnahmen gegen Gewalt am Arbeitsplatz. Im Endeffekt geht es immer um ein selbstbestimmtes Leben. Dazu gehört die Geschlechtsidentität wie auch Löhne, von denen frau*man leben kann.

Rechte nutzen gezielt Feindbilder, um einen vereinten Kampf zu verhindern und den aktuellen Missstand zu erhalten. Wohnraum z.B. schafft man nicht durch Abschiebungen, sondern durch Enteignung von Immobilienkonzerne. Leistbarer öffentlicher Wohnraum verhindert, dass Immobilienkonzerne und Vermieter*innen nur aufgrund einer ablehnenden Haltung Migrant*innen oder queeren Personen rauswerfen können. Deshalb ist es wichtig, dass gerade feministische, antirassistische und queere Bewegungen Kämpfe wie z.B. “Deutsche Wohnen und Co. enteignen” in Berlin aktiv unterstützen.

Solidarität macht uns stärker!

Die Attacken der Rechte treffen zuerst die (scheinbar) schwächsten Gruppen der Gesellschaft in besonderer Härte, aber früher oder später uns alle. Wenn wir uns von den Rechten spalten lassen, wird es uns allen nicht besser gehen und insbesondere für Minderheiten wird sich die Lage weiter verschlechtern. Der vereinte Kampf gegen einen gemeinsamen Feind schafft auch Solidarität und gegenseitiges Verständnis. So hat die Initiative „Lesben und Schwule unterstützen die Bergarbeiter*innen“ in den 1980er Jahren den Bergarbeiter*innenstreik in Britannien mit Spendensammlungen unterstützt. Das führte unter den Arbeiter*innen dazu, Vorurteile abzubauen und direkt danach unterstützten die britischen Gewerkschaften den Kampf gegen Diskriminierung der queeren Community.

Im Endeffekt müssen wir ein System überwinden, das Profit vor die grundlegendsten Bedürfnisse von Menschen stellt, siehe Teuerung für viele und (Über)Gewinne für Wenige. Gerade die weiblichen, schwarzen, migrantischen und queeren Teile der Arbeiter*innenklasse sind davon besonders hart betroffen. Der gemeinsame Kampf gegen Angriffe auf diese Gruppen wird es erst möglich machen, die herrschende “Ordnung” zu bekämpfen. Das heißt, der Kampf gegen die Diskriminierung einzelner braucht immer auch die Perspektive, den Kapitalismus insgesamt zu überwinden und für eine Gesellschaft zu kämpfen, in der alle frei und gut versorgt sind.

 

Erscheint in Zeitungsausgabe: 

25.11.: Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen & LGBTQI+

Das ganze System ist schuldig! Machen wir Wut zu Widerstand!
ROSA - kämpferisch.sozialistisch.feministisch

 

DEMOS UND AKTIONEN:

Wien: 17:00 * U3 Ottakring

Linz: 16:00 * Martin-Luther-Platz

Salzburg: 12:00 * Hanuschplatz 

 

Krieg, Armut, #metoo, Rechtsruck: Gegen jeden Angriff auf unsere Rechte!

Nehammer meint, dass arbeitende Mütter in Armut Schuld am Hunger ihrer Kinder sind - wenn wir hungrig sind, sollen wir Burger essen. Die Lebenshaltungskosten steigen weiter, 58% haben Probleme ihre Fixkosten zu bezahlen. Wir zahlen den Preis für die Krise des Kapitalismus - die Regierung verteilt das Geld an Milliardäre, aber steht bei Krankenhäuser, Schulen, Kindergärten und Schutzeinrichtungen mit “leeren Händen” da. Meistens sind es Frauen, die diese stressigen, unterbezahlten und überlasteten Jobs in der Erziehung, Pflege und Sozialarbeit leisten. Bei langen und stressigen Arbeitszeiten, geringer Bezahlung, einem kollabierenden Sozialsystem sind viele Frauen gezwungen Teilzeit zu arbeiten. 
Überall auf der Welt werden rechtsextreme Kräfte stärker und greifen Frauen, Migrant*innen, queere Menschen und alle arbeitenden Menschen an. Die FPÖ macht sich die Frustration der Menschen über eine tiefe Krise des Systems zunutze. Durch Angriffe auf das Recht auf Abtreibung und gendergerechte Sprache erzeugt die FPÖ eine hasserfüllte Stimmung und bereitet den Boden für weitere Gewalt und Angriffe gegen uns. Dazu sagen wir: Nein! Bauen wir den Kampf gegen jeden Angriff, gegen alle rechten Kräfte, gegen rassistische Politik und imperialistische Kräfte und Diktaturen überall auf!

Organisieren wir uns und gehen in die Offensive!

Die Herrschenden und Regierenden haben keine Antworten: Weder auf die zunehmende Gewalt, noch auf die sozialen Probleme. Sie sind direkt verantwortlich für zunehmenden Sexismus, Rassismus, Queerfeindlichkeit und Krieg! Es ist klar - um echte Veränderungen zu erreichen, müssen wir selbst kämpfen. Am Arbeitsplatz, in den Schulen und auf den Straßen - bauen wir international eine organisierte Bewegung gegen jede Unterdrückung, Ausbeutung und das dafür verantwortliche gewalttätige kapitalistische System auf!

Internationale Solidarität gegen Krieg und Imperialismus

Die schreckliche Eskalation von Krieg und Terror in Israel / Palästina schockiert. Auf den reaktionären Angriff von Hamas folgt jetzt das Massaker in Gaza und die brutale kollektive Bestrafung der unterdrückten palästinensischen Bevölkerung. Hier wird die Situation genutzt, um antimuslimische Hetze zu verbreiten. Diese Eskalation macht klar, dass weder Hamas noch Netanjahu, weder Biden noch die Mullahs den Arbeiter*innen, Armen und Unterdrückten ein sicheres und gutes Leben ermöglichen können. Dafür brauchen wir eine internationale Massenbewegung aus unterschiedlichen Communities gegen die reaktionären Kriegstreiber*innen. Der “Frau, Leben, Freiheit”-Aufstand im Iran, die Massenproteste gegen Netanjahus Justizreform und die internationale Solidarität mit Palästinenser*innen zeigen das Potenzial dafür.

Gehen wir am 25.11. gemeinsam dagegen auf die Straße!

Allein in diesem Jahr gab es in Österreich mehr als 20 Femizide! Die Regierung bleibt untätig, während die Wartelisten für Gewaltschutz und psychologische Hilfe immer länger werden. FPÖ, ÖVP und Co. nutzen die Zunahme von Gewalt an Frauen & LGBTQIA+ stattdessen für rassistische Hetze. Wir alle sind immer weniger in der Lage, einem gewalttätigen Zuhause zu entkommen, da die Preise für Wohnraum und Lebensmittel steigen. Es ist schwieriger, über Belästigungen am Arbeitsplatz zu sprechen, weil wir stärker auf unser Einkommen angewiesen sind. Eine neue mutige Welle von #metoo - gegen Lindemann, Russel Brand und viele andere, so wie der beeindruckende Streik der spanischen Fußball-Nationalmannschaft, aber auch in der Techno-Szene in Österreich - zeigen, dass Gewalt ein systematisches Problem ist - verbunden mit Ungleichheit, Machtverhältnissen und einem gewalttätigen System. Auch unter der weltweiten Zunahme militärischer Konflikte sind Frauen und alle Unterdrückten am stärksten betroffen.

Dafür gehen wir am 25. November auf die Straße:

-> Sofortige volle körperliche Selbstbestimmung! Legale, sichere, kostenlose Abtreibungen für alle! Unbürokratischer Zugang zu transinklusiver Gesundheitsversorgung!

-> #metoo in die Betriebe, in die Schulen und auf die Straßen! Beantworten wir jeden Übergriff und jede Form von Gewalt organisiert und kollektiv! Für eine gewerkschaftliche Offensive gegen Rechtsruck, Sexismus, Rassismus und jede Form der Ungleichheit!

-> Internationale Solidarität mit allen Opfern von Krieg, Imperialismus und Unterdrückung - in Kurdistan, Israel und Palästina, der Ukraine und weltweit. Gegen jeden Rassismus - gleiche Rechte und sofortiges unbürokratisches Bleiberecht für alle! Für eine internationale Bewegung gegen jede Unterdrückung!

-> Stoppen wir den Zusammenbruch des Bildungs-, Gesundheits- und Sozialbereichs! Solidarität mit den Beschäftigten - von der Freizeitpädagogik bis zur Krankenpflege! Diese Branchen sind für uns alle notwendig! Bauen wir Strukturen am Arbeitsplatz auf, um die Gewerkschaften zum Handeln zu bewegen und zu streiken! 

-> Milliarden für Notunterkünfte, Gewaltschutz, sofortigen öffentlichen Wohnungraum, hochwertige und kostenlose psychologische Betreuung für alle, queerinklusive Bildung und eine 30-Stunden-Woche bei vollem Lohn und mehr Personal! Wir wissen am besten, wie wir arbeiten und helfen können! All das, finanziert durch die Gewinne der Superreichen und Konzerne - Vergesellschaftung der Immobilien-, Pharma-, Energiekonzerne und der gesamten Wirtschaft unter Kontrolle der Bevölkerung, um allen eine lebenswerte Existenz zu sichern!

-> Für eine demokratische sozialistische Gesellschaft frei von Ungleichheit und Ausbeutung, in der Sexismus, Rassismus, Queerfeindlichkeit und Gewalt keinen Platz mehr haben. In der, der gesellschaftliche Reichtum zum Wohle aller genutzt wird, um uns allen eine sichere und friedliche Existenz auf einem bewohnbaren Planeten zu garantieren!

Werde aktiv mit ROSA!

Um den Rechtsruck, eine drohende FPÖ/ÖVP-Regierung und die Angriffe auf uns zurückzuschlagen, müssen wir jetzt Widerstand organisieren! Melde dich bei uns, um für den 25. November in deiner Schule, Universität, in deinem Betrieb oder in deiner Nachbarschaft zu mobilisieren! Komm zu unseren Treffen und Aktionen und schließ dich sozialistischen Feminist*innen an!

 

Kontakt: Instagram, FacebookE-Mail oder per WhatsApp unter: +43660 9543696

Bereits 24 Femizide und die Regierung schaut zu!

Andrea Gasperlmair, Studentin und ROSA-Aktivistin in Salzburg

Demos und Proteste am 25.11. | Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen und LGTBQIA+

Wien: 17:00 | U3 Ottakring * Linz: 16:00 | Martin-Luther-Platz * Salzburg: 12:00 | Hanuschplatz

Der nun 24. Femizid dieses Jahres in Österreich ist eine weitere traurige Eskalation des Frauenhasses in unserem Land. Zudem gab es 36 Fälle (!) von mutmaßlichen Mordversuchen bzw. schwerer Gewalt an Frauen (Stand 30.10.2023). Österreich hat ein tiefgreifendes Sexismusproblem - und unsere Politiker*innen schweigen nicht nur darüber, sondern sind Teil des Problems. Der Täter in dem jüngsten Femizid war FPÖ-Lokalpolitiker, ein trauriges Beispiel, das zeigt wie reaktionäre Hetze und Politik rechter Parteien und Femizide zusammenhängen. Konservative Rollenbilder, Hetzte gegenüber Gendern, Feminismus und LGTBQIA+ führt zu mehr Akzeptanz für Gewalt. Der Vorfall entlarvt auch die Heuchelei der FPÖ, wenn sie versucht sexualisierte Gewalt auf Migrant*innen zu schieben. 

Gewaltschutzorganisationen fordern mind. 250 Millionen zur Prävention, das Gesamtbudget des Frauenministeriums für Gewaltschutz ist gerade einmal 33,6 Millionen und das während die Regierung Milliarden für Eigenwerbung, Konzernhilfen und Aufrüstung ausgibt. Angriffe auf Teilzeitarbeit sind Angriffe auf Frauen (50,7% aller Frauen in Österreich arbeiten in Teilzeit) - Wir brauchen ausreichend Geld für ein selbstbestimmtes Leben, um uns von gewaltvollen Beziehungen und Familien zu befreien. Angriffe auf das Abtreibungsrecht sind Angriffe auf Frauen - Wenn wir nicht über unseren eigenen Körper bestimmen können, macht uns das dann zu einem Objekt, das man besitzt und an dem man beliebig Gewalt ausüben kann, wenn es nicht gehorcht? Angriffe auf Migrant*innen sind Angriffe auf Frauen - Feministische und antirassistische Kämpfe haben schon immer zusammengehört, denn der Ursprung unserer Unterdrückung liegt im profitorientierten, kapitalistischen System, welches Sexismus und Rassismus braucht, um zu funktionieren. 

Femizide sind die höchste Form von Gewalt an Frauen. Sie entstehen durch die Normalisierung oder Verharmlosung von Vergewaltigungen, sexueller Belästigung, sexistischen Rollenbildern und unbezahlter Care-Arbeit, die Frauen tagtäglich verrichten. Gewalt an Frauen kommt nicht bloß aus dem „Bösen des Menschen“ - ihre Grundlage sind sexistische Rollenbilder, unbezahlte Care-Arbeit, rechte Politik und das gesamte ungleiche und gewalttätige System. Um wirklich langfristige Verbesserungen in unserer Gesellschaft zu erkämpfen, braucht es eine sozialistische Antwort. Denn die Wurzel aller Unterdrückung liegt in unserer kapitalistischen Klassengesellschaft, in der wenige Reiche Profite aus der Arbeit der Mehrheit schöpfen. 

Unser binäres Frauen- und Männerbild ist nicht vom Himmel gefallen. Politik, Medien und Werbung stehen auf der Seite riesiger Konzerne, von denen sie finanziert werden. Umsatzlose, soziale Bereiche wie Kinderbetreuung, Gesundheitsversorgung, Gewaltprävention und Bildung leiden unter Unterfinanzierung. Durch diesen Mangel an Angebot leisten Frauen unbezahlte Care-Arbeit, indem ihnen die Arbeit von Kinderbetreuung und Haushalt zugeschoben wird. Dadurch bleibt oft nicht genügend Zeit für einen Vollzeitjob, sie müssen Teilzeit arbeiten, verdienen weniger. Und auch wenn Frauen Vollzeit arbeiten, verdienen sie trotzdem weniger (Der Equal-Pay-Day ist heute, am 31.10!). Frauen und Migrant*innen arbeiten vermehrt in Jobs, die unglaublich schlechte Bezahlung und Arbeitsbedingungen haben - sei es als Krankenpfleger*in, Elementarpädagog*in, Lehrer*in, Verkäufer*in, Putzkraft etc., die Liste ist lang. Wir kämpfen für unmittelbare Verbesserungen hier und heute - aber diese sexistische und rassistische Systematik kann nicht durch Bewusstseinskampagnen, Reformen oder Neuwahlen bezwungen werden. Es braucht eine sozialistische Alternative ohne jegliche Form von Unterdrückung, in der jede*r demokratisch mitbestimmen kann, und die sich nach den Bedürfnissen der Gesellschaft orientiert.

Sexismus hat System - Österreich ist ganz vorne mit dabei. Österreich ist das einzige Land in der EU, in dem jährlich mehr Frauen als Männer getötet werden. Österreich liegt bei der Anzahl der Frauenmorde im europäischen Vergleich an der Spitze. Österreich hat auch laut EU-Statistik mit 18,8 % den zweithöchsten Genderpaygap in der EU nach Estland. Deshalb ist es umso wichtiger, am 25.11 - dem Tag gegen Gewalt an Frauen und LGBTQ - auf die Straße zu gehen. Setzt mit uns ein Zeichen gegen Sexismus, Rassismus, Homo- und Transphobie, Krieg und Ausbeutung!

 

Quellen:

https://www.statistik.at/statistiken/arbeitsmarkt/arbeitszeit/teilzeitarbeit-teilzeitquote

https://www.aoef.at/index.php/zahlen-und-daten/femizide-in-oesterreich

https://apa.at/faktencheck/vergleich-der-frauenmord-rate-in-europa/

 

 

 

 

 

 

Kampf um Selbstbestimmung – Abtreibungsrecht in Gefahr

Info: Am 28. September ist Safe Abortion Day. Rund um diesen Tag veranstalten radikale Abtreibungsgegner*innen in Salzburg jedes Jahr ihren “Marsch für das Leben”. ROSA und die ISA organisieren am 30.9. eine Protestkundgebung dagegen.
Christina Schilcher

In Österreich eine Abtreibung durchführen zu lassen, ist gar nicht so einfach. Die mehreren hundert Euro, die diese kostet, muss die Person, die sie benötigt, selbst bezahlen. Vor dem 14. Lebensjahr wird die Einwilligung der Eltern benötigt. Ärzt*innen dürfen sich weigern, einen Schwangerschaftsabbruch durchzuführen.

Auch in Österreich gibt es genügend Tabuisierung, moralischen Druck sowie organisatorische Hürden. Dazu kommt noch der Zeitdruck, unter dem man steht – denn man darf nur bis zur 16. Schwangerschaftswoche abtreiben.

Im Burgenland gibt es keine Kliniken, in denen Abtreibungen durchgeführt werden. In Tirol will man nun ein "Schwangerschaftsabbruchregister" einführen. In Salzburg will man eine Informationskampagne zur Vermeidung ungewollter Schwangerschaften sowie zu Adoption und Pflegeelternschaft als Alternative zur Abtreibung ausarbeiten. Vor einem Schwangerschaftsabbruch muss man sich einem ärztlichen Aufklärungsgespräch unterziehen.

Die ÖVP und FPÖ sind gegen eine Streichung aus dem Strafgesetzbuch. Markus Wallner (ÖVP), Landeshauptmann von Vorarlberg, sagte, man müsse alles tun, um eine Abtreibung weder kostengünstig noch einfach zu machen.

Die sogenannten "Lebensschützer" riskieren das Leben von Personen, die dann illegale, lebensgefährliche Abtreibungen durchführen lassen, wenn sie keine legale und leistbare Möglichkeit dazu haben. Ihnen ist egal, wie es den Kindern nach der Geburt geht. Zeitgleich sorgen diese Politiker*innen mit ihrer aktiven Kürzungs- und Sozialabbaupolitik dafür, dass sich Menschen, die gerne Kinder hätten, keine mehr leisten können.

Die Angriffe auf das Recht auf Abtreibung lassen sich u. a. durch die Angst der Wirtschaft vor Arbeitskräftemangel erklären. Die Wirtschaft hat ein Interesse an einer "industriellen Reservearmee", die ihnen billige Arbeitskräfte und genügend Arbeitslose als Druckmittel liefert. Daher passt die Ideologie der Rechten in diesem Fall so gut zu den Kapitalinteressen.

Die Angriffe auf das Recht auf Abtreibung gehen Hand in Hand mit anderen Angriffen auf körperliche Selbstbestimmung. Kleidungsvorschriften an Schulen, Hürden im Zugang zu Hormonersatztherapie für transgender Personen – auf der ganzen Welt sehen wir Angriffe auf die Rechte von Frauen und queeren Personen.

Internationale Beispiele

Am 24. Juni 2022 wurde in den USA das "Roe v. Wade" Urteil, das den bundesweiten Zugang zu Abtreibungen regelte, aufgehoben. Seitdem sind Schwangerschaftsabbrüche bereits in 15 Bundesstaaten verboten. In anderen Bundesstaaten wurde die Zeitspanne, in der ein Schwangerschaftsabbruch erlaubt ist, auf 6 Wochen herabgesenkt.

In Polen sind Schwangerschaftsabbrüche seit 1993 fast komplett verboten. Ausnahmen bilden die Gefährdung des Lebens der schwangeren Person sowie Schwangerschaften aufgrund von Vergewaltigung. Ärzt*innen dürfen sich aus Gewissensgründen weigern, eine Abtreibung durchzuführen. Dadurch sind schon mehrere Menschen ums Leben gekommen.

In Irland galt eines der strengsten Abtreibungsgesetze in ganz Europa, laut dem Schwangerschaftsabbrüche auch bei Vergewaltigung, Inzest und einem kranken Fötus strafbar waren. ROSA-Aktivist*innen dort setzten sich dafür ein, dass die Abtreibungspille verfügbar und zugänglich ist, und fuhren sogar mit einem "Abtreibungspillen-Bus" durch das ganze Land. Nach weiteren jahrelangen Kampagnen wurde der Druck von unten schließlich so groß, dass es 2018 gelang, mit einem Referendum das Abtreibungsverbot zu kippen.

Auch Feminist*innen in Argentinien konnten nach jahrelangem Kampf und Massenmobilisierungen 2020 einen Erfolg verzeichnen - seit Ende des Jahres sind dort Schwangerschaftsabbrüche bis zur 14. Woche erlaubt.

Wir müssen uns auch in Österreich organisieren, um die Angriffe auf das Recht auf Abtreibung zurückzuschlagen und unsere körperliche Selbstbestimmung erhalten zu können.

Unsere Forderungen

Wir können uns nicht auf rechtliche Gleichstellung verlassen. Wir brauchen nicht nur ein echtes Recht auf kostenlose, jederzeit zugängliche Schwangerschaftsabbrüche in jedem größeren Krankenhaus, sondern auch Gewaltschutz, leistbaren und sicheren Wohnraum und eine gute Sexualaufklärung. Verhütungsmittel sollten kostenlos zugänglich sein. Weiters brauchen wir eine kostenlose, ganztägige Kinderbetreuung zur Unterstützung berufstätiger Eltern.

Im Kapitalismus werden wir das alles nicht erreichen. Unsere Rechte werden immer wieder angegriffen werden, solange das Kapital nicht davon profitiert. Wir brauchen eine Systemalternative!

 

 

 

Erscheint in Zeitungsausgabe: 

Feministischer Streik in der Schweiz

von Jan Millonig

Am 14. Juni 2023 haben in der Schweiz nach 1991 und 2019 erneut hunderttausende am feministischen Streik teilgenommen. Alleine in Zürich kamen über 120.000 zur Demo. Die feministische Bewegung in der Schweiz meldete sich nach der Pandemie eindrücklich zurück.

Ihre Forderungen hatten einen starken Fokus auf Umverteilung von unten nach oben, Einkommensgerechtigkeit und Verbesserungen im Pensionssystem (auch als Antwort auf die kürzlich verabschiedete Pensionsreform). Gewerkschaften und ihre Forderungen waren ein bestimmender Faktor in der Organisation des Streiks. Gleichzeitig spielten auch Basisinitiativen wieder eine wichtige Rolle - die 2019 zentral bei der Organisierung und Durchsetzung des Streiks gewesen sind. Z.B. hielt die Initiative „Kinderbetreuer*innen in der Trotzphase“ Streikversammlungen in Kindergärten ab.

Aufgrund der Forderungen und nicht zuletzt auch der Kampfform Streik wandten sich bürgerliche Organisationen von diesem ab und diffamieren ihn medial, linke Gruppen würden den Streik „kapern“. Doch schon der feministische Streik 2019 war hauptsächlich von gewerkschaftlichen Strukturen und linken feministischen Gruppen initiiert und organisiert.

Starke Mobilisierung ums Thema Pflege

Die „fehlende Breite“, die von bürgerlichen Kräften bemängelt wurde, tat dem Aktionstag keinen Abbruch. 351.850 Frauen und solidarischen Menschen über die ganze Schweiz verteilt war klar, dass Forderungen nach Umverteilung und Kampf am Arbeitsplatz mit dem Kampf gegen Sexismus und Gewalt verbunden werden müssen. So formierten linke Organisationen gemeinsam mit Basisinitiativen einen riesigen CareBlock auf der Demo, der Milliarden für Sorgearbeit, bezahlbaren Wohnraum, genügend Platz in den Frauenhäusern und emanzipatorische Gewaltschutzprojekte statt für Bankenrettungsprogramme forderte.

Der diesjährige feministische Streik in der Schweiz zeigte in einer großen Dimension den Unterschied zwischen bürgerlichem und kämpferischem Feminismus auf. Zweiterem geht es um reale Verbesserungen in den Lebens- und Arbeitsbedingungen für Frauen (und darüber hinaus). Ihnen ist klar, dass sie selbst dafür kämpfen müssen, auch gegen den Widerstand von oben. Die anderen bewegen sich in den engen Spielregeln der etablierten Politik und geben sich mit symbolischen Gesten zufrieden. Hier zeigt sich, dass uns eine scheinbare „Breite“ letztlich schwächt und es besser wäre, die Debatte um die richtige Kampfstrategie auszutragen, um letztlich stärker zu sein und zu gewinnen. Der feministische Streik in der Schweiz ist auch ein Vorbild für Österreich und andere Länder: Durch Organisierung an der Basis und Druck von unten auf die Gewerkschaften ist es gelungen, einen großen Protesttag mit zahlreichen Streiks aufzubauen.

Gleichzeitig zeigt uns das Beispiel Schweiz aber auch, dass wir nicht bei einzelnen Aktionstagen stehen bleiben können, um unsere Forderungen durchzusetzen. Wir brauchen feministische Streiks als Teil einer ganzjährigen Kampfstrategie, um unsere Forderungen an die Politik und in den Betrieben umzusetzen. Dazu gehört auch eine Ausweitung der Streiktage selbst, um durch langfristige Organisierung an der Basis in den Betrieben, Nachbarschaften und Gewerkschaften sicherzustellen, dass tatsächliche Arbeitsniederlegungen in vielen Betrieben wie möglich stattfinden. 

Für feministische Streiks in Österreich

In Österreich haben ISA und ROSA Anträge zum feministischen Streik in die Gewerkschaften eingebracht, 2022 den ersten Schulstreik am 8. März organisiert und 2023 gemeinsam mit anderen aus dem Gesundheits- und Sozialbereich öffentliche Betriebsversammlungen organisiert. Werde mit uns aktiv, um den 8. März auch in Österreich zu einem feministischen Streiktag zu machen.

 

Foto: Feministischer Streik in der Schweiz 2019, Meyer & Kangangi, CC BY 4.0 

Erscheint in Zeitungsausgabe: 

Filmanalyse: ein Beitrag zum (sozialistischen) Feminismus?

English version below
Celina Brandstötter, Sarah Moayeri, Roberta.F.

Der derzeit laufende Barbie-Film knackt zahlreiche Rekorde an den Kinokassen und wird überall heiß diskutiert. Er spielte nach nur 17 Tagen 1 Milliarde Dollar ein und machte Greta Gerwig zur ersten weiblichen Solo-Regisseurin, die einen solchen Rekord aufgestellt hat. Vor allem viele Frauen und Queers finden sich in den im Film dargestellten Problematiken wieder. Konservative und Rechte, besonders in den USA, erklären den Film zu linker, „woker“ Propaganda. Innerhalb antikapitalistischer, linker Kreise wird der Film eher belächelt: „Wo ist denn hier bitte die Kapitalismuskritik?!“ heißt es.  Barbie-Hersteller Mattel ist es in der Tat geschickt gelungen, Rekordprofite mit dem Film und dem dazugehörigen Merch einzufahren. Ein großer Imagewechsel aus reinem Profitinteresse. Konzerne wie Mattel haben kein Interesse an einer echten Emanzipation von Frauen und queeren Personen. Sie versuchen aus allem Profit zu schlagen, auch aus der neuen feministischen Welle. Wir finden allerdings, dass der Film trotzdem zahlreiche positive Elemente enthält und die weitgreifende Begeisterung nicht einfach abgetan werden sollte.

„Diese Barbie erzählt dir vom Patriarchat“

Der Plot des Films behandelt die schockierende Konfrontation von Barbie mit der realen patriarchalen Welt außerhalb des „Barbielands“ inklusive Alltagssexismus, Sexualisierung und Objektifizierung sowie der Konfrontation mit unerreichbaren Schönheitsnormen. Wie es so schön im Film heißt: “Es ist unmöglich, eine Frau zu sein” - Also unmöglich, allen Erwartungen zu entsprechen. Zu Beginn ihrer Reise verbreitet Barbie sehr aufgeregt die weibliche Solidarität, an die sie in Barbieland gewöhnt ist. Sie sagt den Frauen, wie schön sie sind, und versucht, ihnen Selbstbewusstsein zu geben; doch sie merkt schnell, dass die ikonische Barbiepuppe bei der Umsetzung der Fantasie in das reale Leben versagt hat. Das große Versprechen des Feminismus der letzten Jahrzehnte scheint sich nicht durchgesetzt zu haben. Barbie ist sich nicht sicher, wie es dazu kommen konnte; schließlich können Frauen heute dank Barbie "alles sein" .... oder etwa nicht?

Im Gegensatz dazu beschließt der ewig zurückgewiesene Ken, der Barbie auf ihrer Reise begleitet, das Patriarchat im Barbieland einzuführen. Er ist als den Schönheitsidealen entsprechender, weißer, hetero Mann beeindruckt vom Patriarchat und etabliert es tatsächlich auch im Barbieland. Während Barbie versucht, die Dinge in der realen Welt in Ordnung zu bringen, überzeugt Ken alle Barbies im Barbieland davon, ihre Überflieger*innen-Karrieren über Bord zu werfen, ihre Mädelsabende aufzugeben und ihre Zeit bloß damit zu verbringen, den Kens das Leben zu verschönern und dem neu errichteten Patriarchat zu dienen. Mit Hilfe eines Mutter-Tochter-Duos aus der realen Welt gelingt es Barbie jedoch, die Ordnung umzukehren und zu verstehen, was die Kens zur Revolte veranlasst hat.  Die Kens lebten in einer Welt, in der sie nur in der Umlaufbahn von Barbie existierten. Sie werden am Ende erlöst, als sie durch Barbies Ermutigung, sich selbst zu finden, befreit werden. 

Der Film schafft es mit Witz und Ironie auf Alltagsprobleme vieler Frauen und Queers im Kapitalismus zu verweisen und sie gekonnt zu reflektieren. Angesichts einer sehr männlich dominierten Filmwelt, in der Frauen häufig nur als objektifizierte „Side-Character“ ,aus‘gestellt werden, ist das erfrischend. Und es ist nicht verwunderlich, dass viele Frauen sich davon angesprochen fühlen. Er schafft bewusst eine dystopische Welt, in der die Rollen vertauscht sind. Die Begeisterung um den Film drückt mitunter den verbreiteten Wunsch bei vielen Frauen und queeren Personen aus, dass ihre Lebensrealität tatsächlich auch im Kulturbetrieb wahrgenommen wird. Eben diese Form von Wahrnehmung und Repräsentation fand lange Zeit kaum im Mainstreamkino statt, nun greifen große Filmkonzerne diese Themen zunehmend auf.  Der Film richtet sich auch bewusst gegen Antifeminist*innen. Diejenigen, die ungeachtet der sehr realen gesellschaftlichen Missstände auf der Aufrechterhaltung des Status Quo bestehen. Und er tut das, indem er an Empathie appelliert und sagt: Wenn Männer es schaffen, die Gefühle, die Erfahrungen und die Unterdrückung von Frauen und queeren Personen zu verstehen und wirklich zu begreifen, werden sie sich auch solidarisch dem Kampf anschließen. 

Zudem bricht der Film das Stigma um vermeintlich schädliche oder “lächerliche” pinke „girly things“. Diese werden häufig entweder als negative, antifeministische Verkörperung von Genderstereotypen angesehen oder als typisches Mädchenspielzeug für „eitle“ Mädchen. Dahinter verbirgt sich ein sexistischer Kern, der Mädchen und queeren Personen abspricht, eigenständige Entscheidungen treffen zu können und sich auch mit vermeintlich typischen Mädchenkram zu befassen und trotzdem aus Genderstereotypen auszubrechen.  Die Wiederaneignung der Farbe Rosa und aller "mädchenhaften" Dinge ist im Film sehr gut gelungen und spricht vielen aus der Seele. Selbst der Teenager, der zu Beginn ganz in Schwarz gekleidet ist, trägt am Ende des Films Rosa. Diese Symbole sind keineswegs negativ konnotiert, sondern stehen im Film für die Stärkung von Frauen und Mädchen. Als Reaktion auf den Film haben wir im Internet eine Welle sexistischer Anti-Feminismus-Propaganda erlebt. Unter den vielen Artikeln, Tweets und Beiträgen auf den verschiedenen Social-Media-Plattformen stachen uns jene besonders ins Auge, die nach dem Motto argumentierten: "Um Oppenheimer zu verstehen, braucht man Kenntnisse in Physik, Psychologie, Kriegsführung, Geschichte und Kultur. Um Barbie zu sehen, muss man einfach nur woke sein." Barbie hat sich als kontroverser Film erwiesen, der in der Lage war, die negativen Vorurteile gegenüber allem, was als "weiblich" wahrgenommen wird, zu entfachen und an die Oberfläche zu bringen. Wie tief Sexismus eigentlich verankert ist, zeigt sich genau hier.

Die Rezeption des Films und die Polarisierung verweisen aber auch auf veränderte Rollenbilder im Bewusstsein vieler Menschen, an die sich auch große Filmkonzerne wie Warner Bros. oder Barbie-Konzern Mattel anpassen. Firmen, die selbst bis vor wenigen Jahren noch Milliardengewinne mit der Verbreitung von toxischen Genderrollen verdient haben und nun „pink-washing“ betreiben. Sie versuchen, diesen Feminismus zu vermarkten. Das löst Unterschiedliches bei uns aus: Wir freuen uns, dass unsere Lebensrealität einen Platz auf der Leinwand findet. Aber wir sind auch wütend über dieses Pinkwashing. Schließlich sind es unsere Kämpfe, es sind Kämpfe von unten, die Veränderungen erwirkt haben. Die Tatsache, dass feministische Ideale nun in den Mainstream-Medien vertreten sind und große Unternehmen sie nutzen, hängt mit dem Effekt riesiger feministischer Protestwellen zusammen. Die letzten Jahre waren von zahlreichen feministischen Kämpfen geprägt, von Lateinamerika bis Polen, von Südkorea bis in den Iran: Kämpfe für Abtreibungsrechte, gegen Gewalt und Femizide, für LGBTQIA+ Rechte, gegen sexuelle Übergriffe und vieles mehr. Diese neue feministische Welle drückt einen Trend der Radikalisierung gegen patriarchale, ausbeuterische Zustände aus. Diese radikalen Veränderungen politisieren nicht nur Jugendliche, sondern breite Schichten weltweit. Deshalb ist die große Begeisterung für den Film, den viele als Ausdruck von ihren täglichen Erfahrungen mit Sexismus begreifen, nicht überraschend. Sie zeigt, dass sich zwar im Bewusstsein, also in der Einstellung von Menschen vieles getan hat, aber die realen gesellschaftlichen Zustände diesen radikalen Wandel eben nicht widerspiegeln.

Die „Manosphere“: ein antifeministischer Backlash 

Der Film ist aber auch in einer Zeit der tiefen Polarisierung erschienen. Dass die konservative rechte „Manosphere“, insbesondere in den USA, ein „wokes“ Feindbild in „Barbie“ erkennt, ist nicht weiter verwunderlich. Dass ein fiktionaler Film schon so viel Empörung und Angst unter Konservativen und Rechten auslösen kann, zeigt wie wenig “woke” Kapitalismus eigentlich sein “darf”. Selbst der durchaus begrenzte Feminismus, der im Zentrum des Films steht - Frauen sollten mehr an der Spitze von Unternehmen und Regierungen stehen, sollen gleichberechtigt mit Männern leben und sich frei ausdrücken können - wird zunehmend angegriffen. Die rechte Propaganda gegen den Film ist mit der stetig wachsenden rechtskonservativen Bewegung zu erklären. Nicht nur in den USA gibt es einen Backlash gegen aufbrechende Geschlechterrollen, auch in Europa findet diese bewusste Rückkehr zu traditionellen Rollenbildern statt. Diese reaktionären Ideen werden auch abseits von Internetforen und Demonstrationen verbreitet, um binäre Geschlechterrollen und die “traditionelle” Familie aufrechtzuerhalten. Es findet eine aggressive und beängstigende Re-Etablierung von Sexismus, Rassismus und Queerfeindlichkeit in der Mainstreampolitik weltweit statt. Damit verbundene verheerende Folgen sind unter anderem Angriffe auf Abtreibungsrechte, queere Rechte (insbesondere Transrechte) und Rechte von weiblichen und queeren Arbeiter*innen.  

Dieser antifeministische Backlash, ganz besonders gegen LGBTQIA+-Personen, hängt mit der Angst der Herrschenden um den patriarchalen Status-Quo zusammen. Die Härte des reaktionären, antifeministischen Backlash ist allerdings nicht einfach mit der Angst vor dem Verlust der patriarchalen Macht von Männern oder „gekränkten Männeregos“ erklärbar. Als sozialistische Feminist*innen sehen wir das patriarchale System als notwendiges Element des Kapitalismus, das dazu dient, diesen aufrechtzuerhalten. Dieses System drückt sich unter anderem in der “traditionellen” Familie oder unbezahlter bzw. unterbezahlter Care- und Reproduktionsarbeit aus. Die heftige Wiederkehr von ultra-konservativ-bürgerlichen Rollenbildern ist mit der allgemeinen Krise des Kapitalismus verbunden, in der feministische Errungenschaften angegriffen werden müssen. Diese Geschlechterbilder sind letztlich nicht nur ein „kulturelles Phänomen“, sondern haben darüber hinaus eine ökonomische Grundlage. Das globale kapitalistische System steckt zurzeit in einer tiefen Krise, die sich in zunehmender Ungleichheit und Armut, Klimawandel, Kriegen, ökonomischen Tiefflügen und anderen Katastrophen ausdrückt. Dieser Krisenzustand macht es notwendig, hart erkämpfte feministische Zugeständnisse zurückzunehmen und den Status Quo versuchen zu sichern, um damit die Gewinne der Kapitalist*innen zu sichern.

„Where is working class - Barbie?!“

Natürlich wird im Film keine Kritik am Kapitalismus geübt, geschweige denn das Patriarchat, von dem im Film sehr viel die Rede ist, mit ihm in Verbindung gebracht. Geld und Profit werden im gesamten Film mit keinem Wort erwähnt. Barbie macht alle Jobs, es gibt eine Barbie-Astronautin, eine Barbie-Präsidentin, einen Barbie-Bauarbeiter, aber wofür arbeiten sie? Bekommen sie ein Gehalt? Oder arbeiten sie einfach für das Wohl von Barbieland? Aber diese Frage wird im Film nicht beantwortet - es scheint eher so, als wären die Widersprüche des Kapitalismus, das auch in Barbieland zu herrschen scheint, auf zauberhafte Art verschwunden. 

Das Gleiche gilt für das Beispiel aus der realen Welt. Das Teenager-Mutter-Duo kann einfach, wer weiß für wie lange, abhauen, die Arbeit und die Schule schwänzen. Die Männer, die den Mattel Konzern führen, scheinen sich ausschließlich der Aufrechterhaltung des Patriarchats verschrieben zu haben, während man argumentieren könnte, dass der Grund dafür, dass sie den Status Quo aufrechterhalten wollen, der wirtschaftliche Gewinn und die Macht ist, die ihnen das sichert. Selbst der Mann, der als Assistent arbeitet und den mächtigen Bossen die Nachricht von Barbies Flucht überbringt, müsste eigentlich feststellen, dass er und viele andere für den Profit und das Wohlergehen sehr weniger Menschen, die von Barbie profitieren, ausgebeutet werden. Im Gegenteil, er schließt sich ihnen an, um Barbie zurück nach Barbieland zu bringen, und ist scheinbar blind für den Spott und die sarkastischen Urteile, die er von seinen Vorgesetzten zu hören bekommt.

Auch als Barbie im Film realisiert, dass Frauen in der realen Welt keineswegs frei sind, sondern einem patriarchalen System unterworfen werden, wird kein wirklicher ökonomischer Bezug aufgeworfen, geschweige denn das kapitalistische System kritisiert. Der Film stellt das patriarchale System auf einer ausschließlich soziokulturellen Ebene dar. Patriarchale Strukturen werden über Wertvorstellungen thematisiert. Dass feministische Fragen einen ganz zentralen ökonomischen Kern haben, bleibt weitgehend ausgeblendet. Wo ist die alleinerziehende Barbie, die mit drei Jobs über die Runden kommen muss? Wo ist die Krankenpflegerin-Barbie, die mit Niedriglöhnen, Personalmangel und Burnout zu kämpfen hat? Wo sind die PoC Barbies, die täglich mit Rassismus und Sexismus zu kämpfen haben? Das kapitalistische System zu ignorieren, in dem Sexismus, Rassismus, Queerfeindlichkeit ihre Wurzel haben, kommt einem Film, der versucht, den Verkauf von Barbiepuppen anzukurbeln und einen neuen Kund*innenstamm zu erschließen, natürlich sehr gelegen. 

Die Kens können von heute auf morgen ein Patriarchat im „Barbieland“ einführen, es wird dadurch als etwas von Männern "Ausgedachtes" dargestellt. Diese Männer sind im Barbieland übrigens nur erträglich, weil sie Barbie unterworfen sind, in der realen Welt werden sie als dumm und unfähig dargestellt.  Wie können solche unterwürfigen oder dummen Kreaturen ein so kompliziertes, unterdrückerisches System geschaffen haben? Ein System, das sehr reale und schädliche Auswirkungen hat, wie in der Szene zu sehen ist, in der Barbie auf der Straße einen Klaps auf den Hintern bekommt, ein System, das jeden Tag überall Frauen tötet? Alles auf das verletzte männliche Ego und die Schwäche der Männlichkeit zu schieben, scheint die einzige Möglichkeit zu sein, wie der Film diese Fantasie erzeugen kann, ohne das unterdrückerische kapitalistische System zu erwähnen. Das Patriarchat ist eben nicht einfach eine "Idee" von Männern, sondern ein reales, historisch gewachsenes System. Dass das Patriarchat letztendlich Männern auch nur Dinge verspricht, die es nicht halten kann und nur eine Illusion von "Macht" gibt, wird doch gleichzeitig sehr gut im Film thematisiert, unter anderem in dem gehypten "I'm just Ken" Song. Ken ist überhaupt eine der spannendsten Figuren im Film. Ständig zerbricht er an seinen eigenen Ansprüchen, ist enorm verletzlich und auch einsam. Diese Auseinandersetzung mit Männlichkeit öffnet viel Raum und Sichtbarkeit für eine Diskussion darüber, warum die Überwindung von patriarchalen Rollenbildern und Strukturen auch im Interesse von Männern ist. Einige der stärksten Szenen des Films sind die, in denen wir Männer weinen sehen, sehen, wie sie auch schwach sein dürfen. Wenn man bedenkt, dass Barbie sich nicht über dieses Verhalten lustig macht, für wen sind dann die Männer "Machos"? Auch die Thematisierung von alternativen Männlichkeitsvorstellungen, wie das von Alan vertretene, die keinen Platz in der Gesellschaft finden, ist spannend. Das zeigt sich auch daran, dass die Figur des Alan, der von Männern und Frauen, Kens und Barbies, verspottet wird, versucht zu entkommen, aber am Ende unerlöst in Barbieland stecken bleibt.

Dass “Barbie” einen Arbeiter*innenbezug aufweist, ist selbstverständlich kaum zu erwarten. Dass jedoch beinahe jegliche Verbindungen abseits der kulturellen Ebene von Rollenbildern und Sexismus ausgeblendet werden, vermittelt den Eindruck, das Patriarchat sei nur eine Frage kultureller Einstellungen. Der Kampf um die Befreiung von toxischen Geschlechterrollen, Sexismus und anderen Ausprägungen zutiefst patriarchaler Gesellschaftsstrukturen und Kultur ist untrennbar und unvermeidlich mit dem Kampf gegen den Kapitalismus verbunden. Diese Kämpfe bedingen sich gegenseitig. Eine "feministische Entscheidung" kann nicht die Lösung sein, um umfassende Rechte für gefährdete und unterrepräsentierte Gruppen zu erreichen. 

Die „Lösung“ der Barbies im Film ist es, die „Kens” auszutricksen und sich ihrer eigenen unterdrückten Rolle bewusst zu werden. Dass sich beispielsweise Frauen in Teilzeitarbeit oder in Niedriglohnbranchen nicht einfach gegen ihre Unterdrückung entscheiden können, greift der Hollywoodfilm nicht auf. Strukturelle Probleme von weiblichen und queeren Arbeiter*innen können nicht allein durch mehr Aufklärung gelöst werden, auch wenn ein feministisches Bewusstsein extrem wichtig für diesen Kampf ist. Die Barbies führen einen “Aha”-Effekt herbei, indem sie über die strukturelle Unterdrückung, die sie im neu errichteten Patriarchat erleben, sprechen. Sie machen sie sichtbar und verbreiten die Botschaft, dass das kein lebenswertes Leben ist, keine freie Entscheidung. Sie öffnen den Barbies die Augen. Der Film schafft es sehr gut zu zeigen, wie viel Wert das eigentlich ist. Zu sehen und zu verstehen, was die eigene Unterdrückung bedeutet. Dass wir nicht alleine sind mit Catcalling, Männern, die uns die Welt erklären wollen, sexistischen Übergriffen und Gewalt. Dieser “Aha”-Effekt hat in der Realität schon bei sehr vielen Menschen eingesetzt und drückt sich eben deshalb zunehmend in Kämpfen aus: Allein die Erkenntnis reicht also nicht. 

Auch wenn der Film den Kapitalismus ignoriert, ist es gut und wichtig, dass eine solche Erzählung in die Mainstream-Popkultur Eingang gefunden hat. Sehr viele Frauen und Queers haben allein das Kino-Erlebnis gefeiert, das eine Umgebung geboten hat, in der es okay ist, Pink zu tragen und „girly“ zu sein, ohne dafür verurteilt zu werden. In der es akzeptiert, ja sogar gefeiert wird, Barbie irgendwie cool zu finden. Etwas, wofür viele von uns als kleine Kinder verspottet wurden. Viele haben es als kleinen Moment des Empowerments und der gegenseitigen Solidarität erlebt - ein Element, das auch immer wieder im Film vorkommt, wenn zum Beispiel Barbie einer älteren Frau in der realen Welt auf der Straße sagt, wie schön sie ist. Wir möchten für eine Welt kämpfen, in der dieses Gefühl allgegenwärtig ist, in der wir angstfrei leben und unser Leben in vollen Zügen genießen können - abseits von Geschlechter- und Schönheitsnormen, Ausbeutung und Unterdrückung. Auch Barbie entscheidet sich am Ende trotz der Widrigkeiten für die reale Welt, dafür, Mensch zu sein. Sie stellt fest, dass ihre Arbeit im Barbieland getan ist, während der Kampf in der realen Welt noch nicht vorbei ist und sie ein Teil davon sein muss. Wir kämpfen gegen reale, unerträgliche Bedingungen, gegen die tägliche Gewalt und die Bedrohung unseres Lebens durch Sexismus, Rassismus und Kapitalismus - weil wir keine andere Wahl haben.

 

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Review: Is this Barbie (socialist) feminist?!

Celina Brandstötter, Sarah Moayeri, Roberta F.

The blockbuster Barbie film currently showing in theatres breaks numerous records at the box office and is hotly debated everywhere. It earned $1 billion after just 17 days, making Greta Gerwig the first woman solo director to reach such a record. Above all, many women and queer people find themselves reflected in the problematic experiences lived by the characters in the film. Conservatives and members of the right-wing, particularly in the US, declare the film to be leftist, "woke" propaganda. Whilst within anti-capitalist left-wing circles, the film is mostly ridiculed: "Where is the criticism of capitalism here?!" they say. Mattel has indeed cleverly succeeded in ranking in record profits with the film and the accompanying merchandise. A big image change out of pure profit interest. 

Corporations like Mattel have no interest in real emancipation of women and queer people. They try to profit from everything, including the new feminist wave. However, we find that the film contains numerous positive elements and that the widespread enthusiasm for it should not be simply dismissed.

"This Barbie tells you about the patriarchy"

The film sarcastically shows Barbie's shock when confronted with the real world outside of "Barbieland". To Barbie’s confusion, the real world is a patriarchal society dominated by rampant everyday sexual harassment, sexism, sexualization and objectification of human bodies. As it is so beautifully said in the film: "It is impossible to be a woman" - In other words, impossible to meet all expectations.

In the start of her journey, she very excitingly spreads the female solidarity she is used to in Barbieland. She tells women how beautiful they are and tries to empower them; yet, she quickly realises how the iconic Barbie doll has failed in bringing the fantasy to real life. The mentality switch has failed to represent itself in the institutions. The great promise of feminism in recent decades doesn't seem to have taken hold. Barbie is unsure of how this could have happened; after all, thanks to Barbie, women today "can be anything".... can they not? 

On the contrary, tagging along on Barbie’s mission, Ken, as a white good-looking cis man, is astounded by the Patriarchy and proceeds to learn about it. In the course of the film, the eternally rejected Ken decides to bring "the patriarchy" to "Barbieland" and, whilst Barbie is trying to fix things in the real world, Ken proceeds to convince all Barbies in Barbieland to ditch their high-flying careers, and their girls nights, and to instead focus on spending their time serving and supporting the creation and growth of the newly established Patriarchy in Barbieland. 

Nonetheless, with the help of a real-world mother-daughter duo, Barbie manages to revert the order and understand what led the Kens to revolt.  The Kens lived in a world where they only existed in the orbit of Barbie. They are redeemed at the end when they are freed through Barbie’s encouragement to go find themselves. Barbie apologises admitting that “less nights could have been only girls’ nights ”. 

With ironic humour, the film manages to refer to the everyday experiences of many women and queer people living under capitalism. In view of a very male-dominated film world, in which women are often only 'exhibited' as objects of the men-gaze, it is not surprising that many women feel attracted to this film that wittingly creates a dystopian world in which the roles are reversed. The enthusiasm around the film expresses a widespread desire among many women and queer people that the reality of their lives actually be perceived in the culture industry. For a long time, this very form of perception and representation hardly took place in mainstream cinema, but now major film companies are increasingly taking up these issues.  Feminism should be viewed as a political movement in dialogue with the thinking of its time. In broader mainstream culture the film is also addressed at anti-feminists. Those who, regardless of the very real failures of the patriarchy, insist on maintaining the status quo. And it does so by appealing to empathy, saying that if men manage to understand and truly comprehend the feelings, experiences, and oppression of women and queer people, they will be able to truly comprehend the damages that the patriarchy does to us all and hopefully join the struggle in solidarity. 

The reappropriation of the colour pink and “all things girly” is very well achieved in the film and speaks to many from the soul. Even the hostile teenager dressed in all black, by the end of the film is wearing pink. Far from having a negative connotation, these symbols come to represent empowerment for women and girls in the film. Therefore, countering the sexist argument that denies girls and non-binary people the freedom to make their own decisions. We have witnessed waves of sexism anti-feminism propaganda as a response to the film online. Among the many taglines and posts on the various social media platforms, one that popped out for us was "to understand Oppenheimer you need to have a knowledge of physics, psychology, warfare, history and culture... to see Barbie you need to be woke." Barbie has proven to be a controversial movie that has had the capacity to ignite and bring to the surface the negative bias towards everything that is perceived as "feminine". How deeply entrenched sexism actually is can be seen here.

However, the reception of the film and the polarization also point to changing gender roles in the consciousness of broad masses, to which even large film companies such as Warner Bros. or Barbie company Mattel are adapting. Companies that even until a few years ago earned billions in profits from the dissemination of toxic gender roles and now engage in "pink-washing." They are trying to market this feminism. This triggers different things in us: We are happy that the reality of our lives finds a place on the screen. Cultural representation is an important step to influence the necessary mindset change. But we are also angry about this pinkwashing. After all, these are our struggles, they are struggles from below. The fact that feminist ideas are now represented in mainstream media and big companies are using them is related to the effect of huge feminist protest waves. The last few years have been marked by numerous feminist struggles, from Latin America to Poland, from South Korea to Iran: struggles for abortion rights, against violence and femicide, for LGBTQIA+ rights, against sexual assault, and much more. This new feminist wave expresses a trend of radicalization against patriarchal conditions. These radical changes politicize not only young people, but broader layers worldwide. Therefore, the great enthusiasm for the film, which many see as an expression of their daily experiences with sexism, is not surprising. It shows that although much has changed in people's consciousness and attitudes, the real social conditions do not reflect this radical change.

The “Manosphere”: the anti-feminist backlash

But the film also appeared at a time of deep polarization. It is not surprising that the conservative right and the "Manosphere", especially in the US, see in this “woke” Barbie an enemy. That a fictional film can already trigger so much outrage and fear among conservatives and the right-wing shows how little "woke" capitalism is actually "allowed" to be. Even the quite limited feminism that is at the center of the film - women should be more at the top of companies and governments, should live on an equal basis with men and should be able to express themselves freely - is increasingly under attack.

The right-wing propaganda against the film can be linked to the steadily growing right-wing conservative movement. It is not only in the US that there is a pushback against expansion of the traditional gender binary but also in Europe where a conscious effort to maintain gender as a binary concept and the “traditional” family can be witnessed. On the internet, at demonstrations and beyond right-wing mainstream politics is trying to maintain the traditional gender binary. The devastating consequences can be seen in the attacks on abortion rights, queer rights, trans rights and rights of women and queer workers and the working class in general.

This anti-feminist backlash, especially against the LGBTQIA+ community, can be explained by the fear of the ruling class that these movements and sentiments might be strongly shaking the patriarchal status quo. However, it would be simplistic to excuse this anti-feminist reactions to the film simply to the “offended male egos”. As socialist feminists, we see the patriarchal system as a necessary element of capitalism that serves to sustain it. This system is expressed, among other things, in the structures of the family, in underpaid care work and the exploitation of reproductive work or work as women’s third burden. The violent resurgence of ultra-conservative, bourgeois gender ideas can be linked to the general crisis of capitalism, in which feminist achievements have to be withdrawn. Those bourgeois-conservative gender norms are ultimately not just a “cultural phenomenon” but have an economic basis that is expressed on a socio-cultural level. The global capitalist system is currently in a deep crisis. This crisis is expressed in large issues such as widening inequalities, climate change, war, but also in economic low flights and the opacity of supply chains in all necessary products such as food or textiles. This state of crisis makes it necessary to withdraw hard-won feminist concessions in order to secure the economic gains of the capitalist class.

“Where is working-class Barbie?!"

Of course, there is no criticism of capitalism in the film, let alone linking patriarchy, to it. There is no mention of money and profit in the entire film. Barbie does all the jobs, there is Barbie Astronaut, Barbie President, Barbie construction worker, but what are they working for? Are they receiving salaries? Or are they simply working for the good of Barbieland? But this question is not answered in the film - it seems rather as if the contradictions of capitalism, which also seems to exist in Barbieland, have magically disappeared. 

Same goes for the real-world example. The teen-mother duo can just take off for who knows how long, skipping work and school, with their very nice car. The men in the Barbie’s board of trustees seem to be purely dedicated to the cause of maintaining the patriarchy, whilst one might argue that the reason for them to want to maintain the status quo is the economic profit and power that it ensures them. Even the man who works in the cubicle who breaks the news of Barbie’s escape to the powerful bosses, should be bitter in realising that him, and many others, are being exploited for the profit and welfare of very few people. On the contrary, he joins them in the quest to bring Barbie back to Barbieland and is seemingly blind to the mockery and sarcastic judgement he receives throughout by his superiors.

The fact that the question of feminism has a central economic core remains hidden in other aspects. Where is the single mother Barbie who has to make ends meet with three jobs? Where is Nurse Barbie struggling with low wages, staff shortages and burnout? Where are the PoC Barbies who struggle with racism and sexism on a daily basis? Ignoring the capitalist system that has given light to the patriarchy, seeing men as the only breadwinners, and using unpaid care work to sustain it, seems very convenient for a film that is trying to bring back its sales of Barbie dolls and tap into a new customer base.  

The Kens can introduce a patriarchy in Barbieland overnight, thereby presenting it as something "made up" by men who, by the way, in Barbieland are bearable only because they are subjugated to Barbie, and in the real world are depicted as stupid, incapable and offensive. How can such submitted or stupid creatures have created such a complicatedly oppressive system? A system that has very real and damaging effects, as seen in the scene where Barbie gets slapped on the ass in the street, a system that kills women everywhere every day? Blaming it all on the hurt male ego, and the weakness of masculinity, seems to be the only way that the film is able to create this fantasy without mentioning the way more oppressive capitalist system.

The fact that the patriarchy ultimately only promises men things that it cannot keep and only gives an illusion of "power" is nonetheless addressed in the film, including in the hyped "I'm just Ken" song. Ken is one of the most compelling characters in the movie. He is constantly broken by his own demands, is extremely vulnerable and also lonely.  This confrontation with masculinity opens up a lot of space and visibility for a discussion about why overcoming patriarchal role models and structures is also in the interests of men. Some of the strongest scenes in the film are where we see men cry, showing they can be weak. Considering that Barbie does not mock that behaviour, who are men being “machos” for? There is also no place for alternative ideas of masculinity, such as the one represented by Alan. This is also evident in the fact that the character of Alan, who is mocked by men and women, Kens and Barbies, tries to escape but ends up stuck in Barbieland, unredeemed.

That "Barbie" has a working-class connection is, of course, hardly to be expected. However, the fact that almost any connections beyond the cultural level of role models and sexism are left out gives the impression that patriarchy is only a question of cultural attitudes. The struggle for liberation from toxic gender roles, sexism, and other manifestations of deeply patriarchal social structures and culture is inextricably and inevitably linked to the struggle against capitalism. These struggles are mutually dependent. A "feminist choice" cannot be the solution to achieving comprehensive rights for vulnerable and oppressed groups.

The Barbies’ “solution” in the film is to psychoanalyse the “Kens” and let them free to discover who they are in this Barbieland. Yet, the Hollywood film does not address the fact that women in part-time work or in low-wage industries cannot simply decide against their oppression. Structural problems of female and queer working-class people cannot be solved by more education alone, even if a feminist consciousness is extremely important for this struggle, it should not be the individual’s struggle alone. The Barbies create an "aha" effect by talking about the structural oppression they experience in the newly established patriarchy. They make it visible and spread the message that this is not a life worth living, not a free choice. They open the Barbies' eyes. The film manages very well to show how much value that actually is. To see and understand what one's oppression means. That we are not alone with catcalling, men who want to explain the world to us, sexism and violence. This "aha" effect has already begun in reality for very many people and is increasingly expressed in struggles for this very reason: So just realizing it is not enough. 

Even though the film is capitalism-blind, it is an achievement for such a narrative to make into the mainstream pop culture. A great many women and queers have celebrated the cinema experience alone as an environment where it's okay to wear pink and not be judged for it. In which it's okay to think Barbie is cool and a reminder of childhood memories. Something many of us were mocked for as little kids. Many of us have seen this cinematic experience as a small moment of empowerment, mutual solidarity and sisterhood - an element that also appears again and again in the film, for example when Barbie tells an older woman in the real world on the street, wearing a sparkling pink hair band, how beautiful she is. We want to fight for a world in which this feeling is omnipresent, in which we can live without fear and live our lives to the full - away from gender and beauty norms, exploitation and oppression. In the end, despite the adversities of the real world, Barbie realises that her work is done in Barbie Land, whilst the fight in the real world isn’t over and she needs to be a part of it. She decides to be human. We fight against real, unbearable conditions, against daily violence and the threats to our lives posed by sexism, racism and capitalism - because we have no other choice.

 

 

 

ROSA in Salzburg gegen Sexismus aktiv

Andrea Gasperlmair

Seit Herbst 2022 finden auch in Salzburg regelmäßig ROSA-Treffen und Aktionen statt. In den Treffen wurden aktuelle Themen wie Queerfeindlichkeit aber auch die Geschichte der schwarzen Bürger*innenrechtsbewegung in den USA, und wichtige feministische Forderungen für unsere politische Arbeit diskutiert. Wir organisierten eine Protest-Kundgebung gegen den „Marsch fürs Leben“ von frauenfeindlichen Abtreibungsgegner*innen, bei der junge ROSA-Aktivist*innen Reden hielten und Diskussionen führten. Im Frühjahr 2023 veröffentlichten wir schließlich unsere Kampagne „Ein Bierdeckel ist nicht genug“, welche ihren Fokus auf sexualisierte Gewalt im Nachtleben in Salzburg setzt.

„Durch die schlechte Bezahlung in der Nachtgastronomie sind die Beschäftigten auf Trinkgeld angewiesen und können so lästige Gäste nicht einfach verweisen. Dies darf nicht länger toleriert werden...Die Kampagne „Ein Bierdeckel ist nicht genug“ wurde von ROSA initiiert, um aufzuzeigen, wie tief Sexismus in unserer Gesellschaft verankert ist und stellt konkrete Forderungen auf, wie wir gemeinsam für eine Zukunft ohne sexualisierte Gewalt kämpfen können.“

Es wurden klare Forderungen aufgestellt, z.B. nach bezahlten Schulungen, um Personal auf geeignetes Verhalten bei Vorfällen innerhalb der Arbeit auszubilden. Forderungen sind auch „Erhöhung der Stundenlöhne auf 15 €, damit Beschäftigte nicht auf das Trinkgeld (übergriffiger) Kunden angewiesen sind.“, „Einstellung von mehr Personal, damit dieses überhaupt die Zeit hat, auf Belästigungsfälle zu reagieren.“ und „Organisation und Kostenübernahme für eine sichere Heimreise des Personals“.

Des Weiteren wurde im Zuge der Kampagne eine Online-Umfrage erstellt, welche die Hotspots von sexueller Belästigung in Salzburg ermitteln soll. Nach reger Teilnahme lässt sich bereits feststellen, dass es in gewissen Lokalitäten eine Häufung von Vorfällen gibt. Nun steht es in unserer Aufgabe, sich an jene Lokale zu wenden und unsere Forderung in die Realität umzusetzen.

 

Erscheint in Zeitungsausgabe: 

Jeder Tag ist Frauentag!

Am Internationalen Frauenkampftag, dem 8. März gingen österreichweit 15.000 Menschen auf die Straße. Darüber hinaus fand, von ISA-Mitgliedern bzw. Betriebsrät*innen initiiert, eine öffentliche Betriebsversammlung mehrerer Sozialeinrichtungen in Wien statt.

In Linz mobilisierte die ISA gemeinsam im Bündnis „Do It Yourself: Frauentag Linz“ für eine lautstarke und politische Demo mit 10 konkreten Forderungen, von umfassender kostenloser Kinderbetreuung bis hin zum Sturz des kapitalistischen Systems - ganz im Geiste der Gründerinnen dieses Kampftages. Trotz des Versuchs von SPÖ, Grünen, NEOS und kirchlichen Strukturen, mit einer eigenen Demo das unabhängige DIY-Bündnis auszubooten, schlossen sich uns über 300 (vor allem junge) Menschen an.

Fast 10.000 Teilnehmer*innen demonstrierten in Wien - ROSA und ISA waren mit einem kämpferischen Block in Solidarität mit der revolutionären Bewegung im Iran dabei. Aber auch im Vorfeld machte die ROSA-Aktivist*innengruppe mit einer Aktion am Valentinstag auf die hohe Rate an Femiziden in Österreich aufmerksam.

Die Demo in Graz erreichte leider nicht die Größe, die sie in der Vergangenheit schon mal hatte. Hier hätte vor allem die KPÖ als stärkste und regierende Partei in der Stadt die Möglichkeit und Verantwortung, den 8. März zu einer Massenmobilisierung gegen Sexismus und das Kaputtsparen des Care-Sektors zu machen - eine verpasste Chance! Wir traten dort für einen sozialistischen Feminismus, der nicht nur redet, sondern auch kämpft, ein.

Insgesamt zeigte sich, dass der 8. März als Aktionstag international nichts an Bedeutung eingebüßt hat und immer mehr Menschen ihre Wut über Sexismus und ein System, das grundlegende Rechte nicht garantieren kann, ausdrücken.

Wir sind auch die restlichen 364 Tage aktiv - und das nicht nur mit Gruppen in Österreich, sondern weltweit: So trafen sich gleich zwei Wochen danach über 200 Aktivist*innen aus aller Welt bei der internationalen ROSA-Konferenz in Wien, um den Aufbau einer globalen sozialistisch-feministischen Bewegung zu diskutieren. Schließ dich dem Kampf an!

 

Erscheint in Zeitungsausgabe: 

Das Private ist politisch, das Psychische auch!

Celina

Die österreichische Podcasterin und Kulturwissenschaftlerin Beatrice Frasl hat in ihrem neuen Buch „Patriarchale Belastungsstörung: Geschlecht, Klasse und Psyche“ Fragen von psychischer Gesundheit mit Geschlechterverhältnissen und sozialer Ungleichheit verbunden - eine Verbindung, die das Buch erfolgreich gemacht hat. Dies zeigt, dass das Thema Psyche bewusster als politisch wahrgenommen wird.

Frasl beschreibt anschaulich, mit welchen Problemen Menschen, die therapeutische Hilfe benötigen, in Österreich (aber auch international) konfrontiert sind und welche Hürden ihnen in den Weg gelegt werden. Im Verlauf des Buchs zeigt sie die besonderen Verbindungen von Armut und geschlechtsspezifischen Unterdrückung mit dem Aufkommen psychischer Erkrankungen. Frauen sind aufgrund durchschnittlich niedrigerer Einkommen, vermehrter Arbeitslast durch Care-Arbeit und sexistischen Frauenbildern von vielen psychischen Erkrankungen häufiger betroffen.

Das Buch präsentiert einen guten Überblick über die Allgegenwärtigkeit psychischer Erkrankung, die katastrophale Behandlungssituation in Österreich sowie Formen von Diskriminierung und Ausgrenzung, denen Betroffene durch das System ausgesetzt sind. Zudem stellt Frasl wichtige Fragen zu gesellschaftlichen Ursachen - denn es ist kein Zufall, dass psychische Erkrankungen mit zunehmender sozialer Ungleichheit und steigender Ausbeutung bei einer gleichzeitigen Zerschlagung hart erkämpfter Arbeiter*innenrechte und sozialer Vereinzelung einhergehen. Ebenso stellt sie richtige Forderungen nach Kassenplätzen für alle und Arbeitszeitverkürzung auf.

Psychische Gesundheit ist eine Klassenfrage

Dennoch bleiben einige Aspekte offen oder unerwähnt. Zum einen blendet Frasl die psychische Gesundheitsversorgung von Menschen abseits binärer Geschlechterkategorien, insbesondere Trans-Personen, vollkommen aus, obwohl diese besonders von den im Buch behandelten Missständen betroffen sind. Zum anderen ist „Klasse“ für sie nur ein Begriff für soziale Benachteiligung – die Arbeiter*innenklasse erscheint damit als komplett passives Opfer des herrschenden Systems.

Damit hängt auch die größte Leerstelle des Buchs zusammen: das Fehlen von Lösungsstrategien. Um Frauenunterdrückung, Ausbeutung, Armut und psychische Erkrankungen in ihrer Wurzel bekämpfen zu können, reicht nicht nur eine allgemeine Kritik am kapitalistischen System und ein paar Forderungen – sondern eine Analyse, wie dies erreicht

werden kann. Sozialist*innen erkennen die Arbeiter*innenklasse nicht nur als eine benachteiligte Gruppe - sie ist die große Mehrheit der Bevölkerung und die Kraft, welche die Gesellschaft am Laufen hält. Das heißt auch: Sie hat das Potential, sich selbst aus ihrer Unterdrückung zu befreien und notwendige Verbesserungen zu erkämpfen. In der Organisierung dieser Kämpfe liegt die Chance für den grundlegenden Wandel, den Frasl will – nicht in notwendigerweise abstrakten Appellen an die Herrschenden, ein bedingungsloses Grundeinkommen einzuführen (wegen dem dann Sozial- und Gesundheitsleistungen erst recht gestrichen werden).

Darum braucht es einen sozialistischen Ansatz, der den Kampf um Frauenbefreiung, Gesundheit und Antikapitalismus miteinander verbindet und als Klassenkampf versteht. In diesem Sinne ist (Psychische) Gesundheit und Frauenbefreiung eine Klassenfrage: Wir müssen – und können – sie als vereinte Klasse erkämpfen.

 

Buch:

Beatrice Frasl: Patriarchale Belastungsstörung. Geschlecht, Klasse und Psyche Haymon Verlag, 2022, 384 Seiten, Preis: 19,90

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1. internationale Rosa Konferenz

Noah Koinig

Am 18. und 19. März fand die erste internationale sozialistisch-feministische Rosa Konferenz statt, und zwar in Wien. Anwesend waren knapp 200 ISA- und Rosa-Aktivist*innen aus 20 Ländern (ca. ¼ aus Österreich) wie Brasilien, Israel-Palästina, Indien und Südafrika, und Aktivist*innen aus weiteren 11 Ländern waren über Zoom vertreten. Die Konferenz startete am Samstag mit einem Plenum zum Thema „Frau, Leben, Freiheit weltweit“ mit Rednerinnen aus Belgien, Österreich, Brasilien, Iran und den USA. Abgeschlossen wurde das Plenum mit der Rede von Laura, Gründungsmitglied von Rosa Irland, wo sie die Notwendigkeit aufzeigte, verschiedene Kämpfe zu verbinden, da auch in jeder vergangenen Revolution Frauen und ihre Forderungen eine wichtige Rolle hatten.

 

Über die beiden Tage hinweg fanden mehrere Runden von Arbeitskreisen zu unterschiedlichen Themen statt. Die ersten beiden Blöcke waren zum Thema „Analyse der wichtigsten Themen unserer Kampagnen" und „Die aktuelle Welle der Frauenbewegung“.

Der Sonntag startete mit einem kurzen Plenum zu den Grundlagen von sozialistischem Feminismus und es folgten Blöcke zu den Themen „Historische sozialistisch-feministische Kämpfe“ und „Sozialistischer Feminismus in der Praxis“. Diese Arbeitskreise dienten dazu, wichtige Theorien aufzuzeigen und zu analysieren, wie wir sie heute auf verschiedenen Ebenen umsetzen können, wie z.B. im Pflege-Bereich oder bei der Gewerkschaftsarbeit.

Die Konferenz endete mit einer gemeinsamen Rally unter dem Motto „Wir kämpfen um zu gewinnen“. Auch hier sprachen mehrere Aktivistinnen über die Notwendigkeit einer sozialistisch-feministischen Organisation – genau weil es kein Vertrauen in bürgerliche Organisationen oder Parteien geben kann. Diese Organisation muss dann aktiv verschiedene Kämpfe aufgreifen und verbinden, beispielsweise wie Rosa Belgien, die ihre Initiative „Pride is a Protest“ mit dem Ukrainekrieg und jetzt mit der Care-Krise verbunden hat. Denn wie im Plenum schon gesagt wurde: „Es gibt einen Kampf zu gewinnen!”

 

Rosa international aufbauen

Während dieses Wochenendes wurde mehrfach hervorgehoben, wieso es notwendig ist, eine sozialistisch-feministische Organisation aufzubauen - beim Plenum, bei Workshops, aber auch bei privaten Diskussionen mit Aktivist*innen aus anderen Ländern. Diese privaten Gespräche haben nochmal das starke Gefühl unterstrichen, ein Teil von etwas Größerem zu sein. Immer wieder erzählten Aktivist*innen von Angriffen und Gewalt gegenüber Frauen, LGBTQ+ Menschen, People of Color und die indigene Bevölkerung in beispielsweise Kanada und Australien. Gleichzeitig aber erzählten sie enthusiastisch von ihren Kampagnen und Interventionen, wie in „Ni Una Menos“ in Lateinamerika, mit Solidaritätskampagnen zur Revolution im Iran und die geplante Intervention in die Bildungsstreiks in Rumänien.

Wie auch eine Aktivistin bei der Konferenz hervorhob: Sexismus ist kein individuelles Problem, sondern Teil eines globalen kapitalistischen Systems, das darauf aus ist, auch noch den letzten Besitz einer Frau zu kontrollieren - ihren Körper. Aus diesem Grund ist es wichtig, Rosa gemeinsam und international aufzubauen, um für Veränderung zu kämpfen. Dazu ein Zitat vom ersten Plenum: „Wie können wir erfolgreich sein? Organisieren!“, denn auch wenn dieses Zitat zu Beginn der Konferenz gefallen ist, ist es am Ende wichtiger denn je.

 

https://www.rosainternational.org/

 

Erscheint in Zeitungsausgabe: 

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