Frauen und LGBT

Kampagne gegen sexuelle Belästigung im Nachtleben

Nimm an der Umfrage und der Protestaktion teil!
ROSA - Internationale Sozialistische Feminist*innen

Partykultur geht oft Hand in Hand mit sexueller Belästigung und Gewalt an Frauen und queeren Menschen - sei es „belangloses“ Hinterherrufen, Stalking, körperliche Belästigung bis hin zu K.O.-Tropfen. Nicht nur Kund*innen sind davon betroffen, oft sind es ebenso die Angestellten, die sich mit Alltagssexismus bei der Arbeit abfinden müssen. Durch die schlechte Bezahlung in der Nachtgastronomie sind sie auf Trinkgeld angewiesen und können so lästige Gäste nicht einfach verweisen. 

Dies darf nicht länger toleriert werden. Unternehmen müssen alle Formen sexueller Übergriffe gegenüber ihren Kund*innen und Mitarbeiter*innen ernst nehmen und bekämpfen.

ROSA will mit dieser Kampagne aufzuzeigen, wie tief Sexismus in unserer Gesellschaft verankert ist und stellt konkrete Forderungen auf, wie wir gemeinsam für eine Zukunft ohne sexualisierte Gewalt kämpfen können.

Wir fordern:

Hilfe bei sexuellen Übergriffen

- Aufhängen von Info-Plakaten z.B. an Eingangstüren, Toiletten u.ä.

- Betroffene müssen Vorfälle leicht und komplikationslos melden können, z.B. durch Schutzkonzepte wie „Wo ist Luisa?“

- Schulungen und Sensibilisierung für Gewaltschutz für das Personal

- Klare Strategien der Clubs und Unternehmen, welche Schritte bei Meldungen von Übergriffen zu tun sind

- verfügbare Tests für K.O.-Tropfen für Personal und Kund:innen

- Organisation und Kostenübernahme für eine sichere Heimreise des Personals

Bessere Arbeitsbedingungen in der Gastronomie

- Erhöhung der Stundenlöhne auf 18 €, damit Beschäftigte nicht auf das Trinkgeld (übergriffiger) Kunden angewiesen sind.

- Einstellung von mehr Personal, damit dieses überhaupt die Zeit hat auf Belästigungfälle zu reagieren, Einstellung von geschultem Personal extra für diese Aufgabe in größeren Clubs.

- Betriebskomitees von Beschäftigten können (betriebsinterne) Übergriffe behandeln und den Kampf für bessere Arbeitsbedingungen führen

Stadt und Land müssen handeln

- Mehr Sensibilisierung, Prävention und Enttabuisierung in allen staatlichen Einrichtungen und Lokalen

- Verpflichtende Schulungen für Unternehmen und Personal von Clubs und Gastrobetrieben, aber auch im öffentlichen Dienst (Verkehrsbetrieben usw.), sodass in Fällen von sexueller Belästigung adäquat eingegriffen wird.

- Gratis Taxi für Frauen und queere Personen 

- Ausreichend finanzielle Mittel für Gewaltschutz und Unterstützungsangebote!

Wir kämpfen für eine Gesellschaft frei von Sexismus und Ausbeutung

Wir kämpfen für eine Zukunft ohne Unterdrückung, Sexismus, Rassismus und Queerfeindlichkeit. Es gilt den Kapitalismus zu besiegen und sich für fortschrittliche Gesetze und bessere Arbeitsbedingungen einzusetzen. Nur so können wir ein sicheres Umfeld für Frauen schaffen, welches alle Lebensbereiche beeinflusst und schließlich auch unsere toxische Partykultur positiv verändert.

Um diesen Kampf zu führen braucht es Aktivist*innen- und Basisgruppen in jeder Stadt, in jeder Schule/Uni und in jedem Betrieb. Diese Kampagne ist ein Anlaufpunkt für den Aufbau eines Kampfes für ebensolche feministischen und antikapitalistischen Perspektiven.

Melde dich, wenn du mitmachen willst! 

Umfrage:

Wurdest du jemals Opfer sexueller Belästigung oder sexualisierter Gewalt? Im Zuge dieser Kampagne gibt es eine anonyme Umfrage über sexuelle Belästigung. Hilf mit, die Kampagne aufzubauen und teile deine Erfahrungen (anonym) hier: www.bit.ly/rosa_umfrage 

Protestaktion:

Wann? Sa, 6. April - 16:00

Wo? Hauptplatz (Pestsäule / Bim-Station) - Linz

 

Internationaler Feministischer Kampftag 2024: “Trauern wir um die Toten und kämpfen wir um die Lebenden!” (Mother Jones)

von Sarah Moayeri

ROSA am 8. März 2024 in Irland

ROSA am 8. März 2024 in Mexiko

"Hier sitze ich nun auf der Straße in einem Zelt, ohne das Nötigste zum Leben. Kein Wasser, kein Strom, keine Toilette, keine sanitären Anlagen. Nichts. Die Frauen in Gaza haben die Hauptlast des Krieges getragen. Unsere Lasten haben sich vervielfacht, und unsere Privatsphäre ist verschwunden. Ich habe vergessen, was es bedeutet, eine Frau zu sein. Ich fühle mich Jahrzehnte älter als mein tatsächliches Alter.” (Nada Abdelsalam in einem Interview mit Al Jazeera, veröffentlicht am 8.3.2024. Ihr Haus wurde bombardiert, sie musste mit ihren Kindern aus einem Flüchtlingslager ins Zentrum des Gazastreifens fliehen.)

Wir sind den diesjährigen internationalen feministischen Kampf mit einem anderen Gefühl von Trauer und Wut und einer anderen Dringlichkeit begangen als sonst - in Gedanken beim anhaltenden Massaker in Gaza an 2.3 Millionen belagerten Palästinenser*innen.

"Ich bin nicht frei, solange noch eine einzige Frau unfrei ist, auch wenn sie ganz andere Fesseln trägt als ich” (Audre Lorde) - Die Bilder und Videos von den Protesten, Streiks und Demonstrationen am 8. März aus der ganzen Welt zeigen immer wieder dieses oder ähnliche Zitate. Sie beziehen sich auf die unerschütterlichen feministischen Kämpfe unter den schwierigsten Bedingungen wie in Afghanistan, Kurdistan, Pakistan, Kenia, Somalia. 

Die Botschaft ist klar: Der Kampf gegen das Massaker, gegen Besatzung, Krieg und Imperialismus und jede Form der Unterdrückung und Ausbeutung weltweit ist integraler Bestandteil der feministischen Bewegung. Diese Bewegung steht an einem entscheidenden Punkt in der Geschichte, zehn Jahre nach den Anfängen von #metoo und „Ni una menos“: Der Aufstieg rechter und rechtsextremer Kräfte und ihre rassistische, queerfeindliche und antifeministische Agenda, zunehmende geschlechtsspezifische Gewalt, Armut, Hunger und soziale Not als Auswirkungen der kapitalistischen Krise.

Die Zehntausenden, die am 8. März auf die Straßen von Buenos Aires strömten, nachdem Ende Jänner schon ein Generalstreik gegen Milei organisiert worden war, forderten unter anderem in ihrem Aufruf “den Kampf gegen Hunger und Kürzungspolitik, die Verteidigung des Rechts auf legale, sichere und kostenlose Abtreibungen, gegen Übergriffe und Macho-Kultur”. Daten der argentinischen Regierung selbst zeigen, dass monatlich 1 Millionen Menschen in die Armut rutschen. Milei hat sich Angriffe auf Abtreibungsrechte ganz zentral auf die Fahnen geschrieben, gerade weil der Kampf um körperliche und sexuelle Selbstbestimmung in den letzten Jahren entschlossen und erfolgreich in einer ganzen Reihe von Ländern geführt wurde.

In Frankreich verankerte die Regierung Macrons aus Angst vor dem angekündigten feministischen Streik am 8. März kurz zuvor “Die Freiheit zur Abtreibung” [nicht das Recht!] in der Verfassung. Ein historischer Schritt, der die Proteste nur befeuerte: Mindestens 90 Initiativen im ganzen Land, weit über 200.000 Menschen, allein 100.000 in Paris, schlossen sich dem Streiktag an, zu dem auch die Gewerkschaften von unten gezwungen worden waren aufzurufen.

In einigen Ländern, so auch in Österreich, fand der 8. März nach schockierenden Fällen von Femiziden und geschlechtsspezifischer Gewalt und Mobilisierungen als Antwort darauf statt. In Italien löste der herzzerreißende Mord an einer jungen Frau namens Giulia Ende 2023 eine riesige Welle von Protesten aus. Die Schwester von Giulia sagte in einem Interview: “Es sind nie ‘krankhafte’ Einzeltäter. Männer, die so etwas tun, sind tatsächlich sehr gesunde Söhne einer patriarchalen Gesellschaft”. 

Dieses System der geschlechtsspezifischen Gewalt erfordert eine systematische Antwort: Das ist bei den 8. März-Demos in Österreich deutlich geworden, die mit geschätzt über 17.000 Teilnehmer*innen, wahrscheinlich die größten Mobilisierungen seit den 70er Jahren, eine entschlossene Antwort, unter anderem auf den Versuch der rassistischen Instrumentalisierung dieser Gewalt waren.

Auf der Wiener Demonstration trugen wir mit ROSA das Banner “Das nennt ihr Gleichberechtigung?!” (Slogan des feministischen Streiks in Island 2023) und “Feministischer Streik! Gegen Rechtsruck, Kapitalismus und jede Unterdrückung”. Die Betriebsversammlungen aus dem Sozialbereich, die am Nachmittag stattfanden und die den Kampf für bessere Arbeitsbedingungen im Care-Sektor mit dem Kampf gegen geschlechtsspezifische Übergriffe und Gewalt verbanden, haben das Potential genau in diese Richtung gezeigt: Der 8. März hat seine Wurzeln in der Geschichte feministischer Streiks und im Kampf um eine sozialistische Gesellschaft, für Brot und Rosen - also nicht nur für das Grundlegendste, was wir zum Überleben brauchen, sondern auch für vollständige Freiheit, für ein Leben in Würde, um es in vollen Zügen genießen zu können.

 

 

Erscheint in Zeitungsausgabe: 

#boymath: Männer in der Krise?

von Christoph Glanninger

Am 23.2. wurden innerhalb von 24 Stunden 5 Frauen durch Männergewalt ermordet - insgesamt sind 84% aller Tatverdächtigen bei Morden an Frauen Männer. Anfang des Jahres zeigte eine Studie der “Financial Times" eine Kluft zwischen Männern und Frauen in der Gen Z in verschiedensten Ländern - die Tendenz: Junge Männer gehen nach rechts, junge Frauen nach links. Das Gleiche zeigt sich auch bei Phänomenen wie dem TikToker Andrew Tate oder bei Wahlen. Aber es gibt eine wachsende Schicht von Männern, die daraus ausbrechen wollen und ihr Verhalten und ihre Sozialisierung hinterfragen. Bücher, die eine feministische Auseinandersetzung mit der eigenen Männlichkeit liefern, werden neu entdeckt - z.B. die neue deutsche Übersetzung von bell hooks’ “Männer, Männlichkeit und die Liebe”. Das alles zeigt die Notwendigkeit einer sozialistisch feministischen Auseinandersetzung mit Männlichkeit und was diese für unseren Kampf gegen jede Unterdrückung bedeutet. 

Männlichkeit im Kapitalismus

Die Gewalt und ein gewisser Rechtsruck unter Männern hängen mit dem dominierenden Männerbild zusammen. Hier macht bell hooks viele wichtige Punkte und arbeitet heraus, wie Männern von Kindheit an durch Familie, Gesellschaft und Medien beigebracht wird, Stärke zu zeigen, keine anderen Emotionen außer Wut zuzulassen und wie sich das in Gewalt entlädt. Dabei ist es auch wichtig zu betonen, dass dieses Männerbild nicht klassenneutral, sondern ein bürgerlich-kapitalistisches Ideal ist. Es ist das Ideal von einem männlichen Versorger, der wirtschaftlichen Erfolg hat und alleine die Familie ernähren kann. Auch heute sieht man bei Andrew Tate und seinen Sportwagen wie eng die Propaganda von Männlichkeit mit kapitalistischer Propaganda von Erfolg, Reichtum, Konkurrenz verbunden ist. Für die meisten Männer aus der Arbeiter*innenklasse (und vor allem für die nicht weißen Teile) war dieses Ideal aber nie realistisch, weil sowohl Männer und Frauen arbeiten mussten und dort brutaler Ausbeutung ausgesetzt waren. Gleichzeitig haben Frauen und Queere Personen in den letzten Jahrzehnten durch die feministische Bewegung, durch eine größere Beteiligung am Arbeitsmarkt  und höhere Bildungsabschlüsse an Selbstvertrauen gewonnen und lassen sich dieses sexistische System immer weniger gefallen. Sie werden dadurch aber auch als Konkurrent*innen am Arbeitsmarkt wahrgenommen (obwohl Gender Pay Gap und Co. zeigen, dass es bei weitem keine gleichen Chancen gibt). In diesem Widerspruch führt die kapitalistische Krise zu einer Krise der Männlichkeit. Männer merken, dass sie das Ideal männlicher Rollenbilder nicht erfüllen können und eben nicht der Boss in ihrem eigenen Leben sind. Dieser Widerspruch entlädt sich in Frustration, Depression oder sogar Gewalt gegen andere oder sich selbst. Es ist kein Zufall, dass in Zeiten kapitalistischer Krisen Femizide und Gewalt ansteigen. Gleichzeitig bauen Andrew Tate, FPÖ und Co. genau darauf auf und verstärken diesen Trend auch noch mit ihrer reaktionären Ideologie. 

Männer und Feminismus

Männer haben in diesem Sinn eine große Verantwortung im Kampf gegen männliche Gewalt und tatsächlich, im Gegensatz zur Propaganda der Rechten, durch feministische Politik auch selbst viel zu gewinnen. bell hooks beschreibt, wie wichtig es für die persönliche Entwicklung von Männern sein kann, toxische männliche Sozialisierung zu überwinden, sich emotional zu öffnen und echte Verantwortung für die eigenen Gefühle und Menschen im eigenen Umfeld zu übernehmen. Und das Interesse von Männern an der feministischen Bewegung geht noch deutlich weiter: Es ist dasselbe sexistische System, das zu der Epidemie von Femiziden führt, das Männer zu Tätern macht, immer mehr Menschen in die Armut stürzt und unseren Planeten zerstört. Ein gemeinsamer Kampf für Systemveränderung - auf den bell hooks leider nicht wirklich eingeht - benötigt den Kampf gegen Sexismus und Queerfeindlichkeit innerhalb der Arbeiter*innenklasse. Dabei ist es auch die Aufgabe von männlichen Sozialisten, Gewerkschaftern und Aktivisten, die Auswirkungen unserer Sozialisierung zu hinterfragen - im Interesse unseres Umfeldes, im Interesse von uns selbst - aber vor allem, um den Kampf gegen dieses unterdrückende und ausbeuterische System gemeinsam aufzubauen.

Erscheint in Zeitungsausgabe: 

“Valentinstag”: Protest statt Blumen!

von Bianca Boros

Am 14.2., dem “Valentinstag”, veranstaltete ROSA Kundgebungen in Salzburg und Wien. Im Zentrum stand die Notwendigkeit zur Organisierung gegen geschlechtsspezifische Gewalt und den rassistischen und sexistischen Rechtsruck. Der 14.2. wird jährlich dafür genutzt, mit Blumen oder Rabatten zu locken, während die eigentlichen gesellschaftlichen Probleme unangetastet bleiben. Das beginnt bei der Belästigung auf Dating-Apps und reicht bis zu patriarchalen Bildern von Weiblichkeit und toxischer Männlichkeit. Femizide, Partner-Gewalt und sexuelle Belästigungen werden als individuelle Probleme kleingeredet, anstatt sie als im System verwurzelt zu verstehen und zu bekämpfen. 

Sie sind Teil der Krisen des Kapitalismus und wirken sich vor allem auf LBTQIA+ Personen, migrantische Personen und Frauen aus: Das geht von der sexuellen Belästigung am Arbeitsplatz bis zur Diskriminierung von migrantischen Schüler*innen. Bei unseren Aktionen haben wir zur Organisierung in Betrieben, Schulen, Unis und unter Nachbar*innen aufgerufen, um eine Bewegung von unten gegen diese Unterdrückungen aufzubauen. Einige Schüler*innen und Student*innen haben sich der Kundgebung angeschlossen und erklärten: “Wir haben es satt, morgens in der Zeitung von einem weiteren Femizid zu lesen”. Sie wollen sich mit uns gemeinsam für einen kämpferischen und sozialistisch-feministischen 8. März organisieren.

 

Erscheint in Zeitungsausgabe: 

8. März: Protest zum Streik machen

Interview mit Irene Mötzl, Betriebsrätin der Basisinitiative “be-wsw” beim Wohnservice Wien sowie ISA- und ROSA-Aktivistin

Ihr habt heuer am 8. März in Wien gemeinsam mit mehreren Betriebsrät*innen und Gruppen zu Betriebsversammlungen aufgerufen - was ist genau geplant und was sind die Forderungen?

Konkret geplant ist eine Kundgebung: einige der beteiligten Betriebsratsgremien - wie von “Bildung im Mittelpunkt” (Freizeitpädagogik), Diakonie Flüchtlingsdienst, GIN (Behindertenbereich), FSW Obdach, 9er Haus, die Sucht- und Drogenkoordination und andere - halten gleichzeitig vor Ort eine Betriebsversammlung im öffentlichen Raum mit ihren Kolleg*innen ab. 

Mittelfristiges Ziel ist es, den 8. März als Kampftag für feministische Forderungen auch wieder in die Betriebe zu bringen - wo er seinen Ursprung hat und wo auch sehr viel Kampfkraft liegt. Die zentralen Forderungen sind eine Arbeitszeitverkürzung auf 30 Stunden bei vollem Lohn- und Personalausgleich und eine Anhebung der Löhne im Care-Bereich. Damit hängen Fragen von gleicher Aufteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit, Unabhängigkeit bzw. einem Leben frei von Partnergewalt eng zusammen. Zudem trifft es Frauen doppelt und dreifach, wenn der Care-Sektor kaputtgespart wird: als Beschäftigte durch schlechte Löhne und Arbeitsbedingungen; als Angehörige, die Pflege, Betreuung und Bildung übernehmen müssen, weil es das System nicht mehr schafft; und als Betroffene selbst, wenn sie durch fehlende Ressourcen an Bildungschancen verlieren oder keine ausreichende medizinische oder psychosoziale Versorgung bekommen. 

Freizeitpädagogik, SWÖ, Kindergärten - Was sind die zentralen Lehren aus den jüngsten Streik- und Protestbewegungen im Care-Bereich?

Wir haben gesehen, dass Kämpfe möglich sind. Die Kolleg*innen sehen oft keine andere Möglichkeit mehr, als auf die Straße oder in den Streik zu gehen. Aber wir wissen auch, dass als bloße Warnstreiks angelegte Aktionen nicht reichen. Es braucht Eskalationsstrategien und entschlossene Streiks, um die Verantwortlichen zu einer Ausfinanzierung des Bereiches zu zwingen. Durch Organisierung der Beschäftigten innerhalb und außerhalb der Gewerkschaften müssen wir diese zum Handeln zwingen. Und wir haben gesehen, dass die Solidarität mit den Beschäftigten sehr groß ist. Das ist eine doppelte Stärke, weil es die Menschen, die für eine Ausfinanzierung kämpfen, vervielfacht. Und wir müssen die Kämpfe weiter verbinden. Es ist großartig, wenn die Freizeitpädagog*innen gemeinsam mit den Elementarpädagog*innen auf die Straße gehen. Aber es braucht auch die Lehrkräfte und die Beschäftigten aus dem Gesundheits-, Pflege- und dem Sozialbereich auf der Straße - als Beginn…

Was braucht es für einen umfassenden, bundesweiten, feministischen Streik am 8. März 2025?

Die gemeinsamen Betriebsversammlungen im öffentlichen Raum sind ein sehr guter Anfang. Es könnte sehr leicht gehen, wenn wir demokratische kämpferische Gewerkschaften hätten. Ohne die Gewerkschaften aus der Pflicht zu nehmen, müssen wir aber sehen, dass wir uns selbst organisieren werden müssen. Der Care-Bereich ist ein guter Anfang. Wenn wir es schaffen, in den nächsten Jahren immer mehr Betriebe auf die Straße zu bekommen, wird es auch gelingen, in einzelnen Betrieben am 8. März zu streiken. Für den Anfang ist das Wichtigste, den 8. März als gewerkschaftlichen Kampftag zu etablieren. Ab dem 9. März 2024 müssen wir für den 8. März 2025 mobilisieren. Z.B. bei Kämpfen im Rahmen der Kollektivvertragsverhandlungen.

Erscheint in Zeitungsausgabe: 

Das war der 8. März, internationaler feministischer Kampftag 2024!

ROSA - Internationale Sozialistische Feminist*innen

ROSA auf der Demo in Wien

Öffentl. Betriebsversammlung in Wien

ROSA und ISA auf der Demo in Linz

Demo in Graz

Wien: Hunderte nahmen an den öffentlichen Betriebsversammlungen organisiert von mehreren Betriebsrät*innen, aktiven Beschäftigten und Initiativen aus dem Sozialbereich (wie "Wir sind sozial aber nicht blöd.") teil, 3x so viele wie letztes Jahr. Ein unglaublich wichtiger Schritt Richtung feministischer Streik, besonders in den Care-Sektoren! Auf der Demo von "Take Back The Streets - Jeden Tag 8. März" waren über 10.000 Menschen - Wir hatten einen sehr lauten & großen ROSA-Block mit Sprüchen wie „Lasst Gaza leben, lasst Gaza frei“ - Palästina ist ein feministisches Thema & Feminismus geht nur international gegen jede Unterdrückung, gegen Femizide, Rassismus & Rechtsruck. Wir werden unseren Kampf für einen feministischen Streik gegen die Gefahr von FPÖVP fortsetzen!

Graz: Die Frage von Care-Bereich und Frauen als Träger*innen der Gesellschaft war sehr dominant. Es war schließlich auch das Motto der Demo: „We care! Wenn wir streiken steht die Welt still.“ Es haben auch einige Beschäftigte aus dem Sozialbereich geredet. Hier wurde das Potenzial eines Streiks im Care-Sektor deutlich - für bessere Löhne und Arbeitsbedingungen, allen voraus Verkürzung der Arbeitszeit bei vollem Lohnausgleich!

Linz: Die Demo von "Do It Yourself: Frauentag Linz" und "Bündnis 8. März - OÖ Frauen verbünden sich" war mit ca. 2.500 Teilnehmer*innen größer als die Jahre zuvor. Wir hatten einen dynamischen ROSA-Block und redeten mit Leuten über die Notwendigkeit eines feministischen Streiks gegen die Gefahr von Rechts, Rassismus und Sexismus. Zudem verteilten wir Flyer über unsere Kampagne gegen sexuelle Belästigung im Nachtleben (Mehr Infos dazu in den letzten Postings).

Du willst über den 8. März hinaus aktiv werden und gegen Sexismus, Queerfeindlichkeit, Rassismus und Rechtsruck kämpfen? Komm zu unserem nächsten großen Rosa-Event am 15.3 um 18:00 in der Bibliobox! (Rosa-Luxemburg-Gasse 1/9, 16. Bezirk in Wien) Wir freuen uns auf dich

 

 

ROSA-Veranstaltung am 15. März in Wien

ROSA - Internationale Sozialistische Feminist*innen

Feministisch Streiken gegen Femizide, Rechstruck und Rassismus! Wie bauen wir Widerstand gegen das gewalttätige System auf?

Komm am Fr., 15.03. zu unserem ROSA-Event in Wien und sprich mit Aktivist*innen aus verschiedenen Ländern über die Notwendigkeit, sich gegen das sexistische & rassistische System, gegen Rechtsruck & Femizide, gegen jede Form der Unterdrückung zu organisieren! Wie können wir feministische Streiks in Österreich aufbauen - inspiriert von Bewegungen in Lateinamerika, der Schweiz, dem Baskenland etc. 

Plane mit uns die nächsten ROSA-Aktionen und erzähle uns von deinen Erfahrungen aus Schule, Uni, Arbeit und Nachbarschaft!

Termin: Freitag, 15.3., 18:00

Ort: bibliobox, Rosa-Luxemburg-Gasse 1/9, Wien

Das Programm:

18:00 - Aus erster Hand - Beiträge von Beschäftigten & Aktivist*innen:  Gewaltschutz, Kampf gegen Rassismus & Sexismus: Berichte aus Brasilien, Indien, der Schweiz & Österreich. Teil der Diskussion: Kampf gegen das Massaker in Gaza, gegen Queerfeindlichkeit, FPÖVP & Rechtsruck, von #metoo bis zum Generalstreik in Argentinien - Lehren aus vergangenen und aktuellen Kämpfen

19:00 - Lern ROSA kennen! Informeller Austausch, künstlerische Beiträge Teile deine Perspektiven aus deinem Betrieb/Nachbar*innenschaft/Schule/Uni & plan mit uns die nächsten Aktionen (u.a. 21.03: Internationaler Tag gegen Rassismus)

20:00 - Ausklang & gemeinsames Feiern

 

 

VORWÄRTS-Schwerpunkt: Feministischer Streik!

aus der sozialistischen Zeitung VORWÄRTS Ausgabe 319 / Februar 2024

“Wenn Frau will, steht alles still”

von Christina Schilcher

In der Schweiz kam es am 14. Juni 1991 zu einem Streik unter dem Motto “Wenn Frau will, steht alles still”, welcher als die größte öffentliche Mobilisierung seit dem Landesstreik 1918 galt. Forderungen waren u. a. Lohngleichheit, Bekämpfung von sexueller Belästigung und Aufteilung der Hausarbeit.

2019 und 2023 demonstrierten dort erneut hunderttausende Menschen. Der Fokus der Forderungen lag auf einer Umverteilung von oben nach unten, Einkommensgerechtigkeit und Verbesserungen im Pensionssystem. In der feministischen Bewegung findet eine Radikalisierung statt - weg vom in den engen Regeln der etablierten Politik gefangenen bürgerlichen Feminismus, hin zum Kampf für reale Verbesserungen der Lebens- und Arbeitsbedingungen für Frauen.

Feministischer Streik als Kampfform gewinnt immer mehr an Popularität. Dies ist kein Zufall - die kapitalistische Krise spitzt sich zu, wodurch Gewalt und Unterdrückung zunehmen. Die Pandemie hat diese Entwicklung beschleunigt, da Beschäftigte in Care-Sektoren (z.B. Gesundheit, Soziales, Bildung) immer größeren Belastungen ausgeliefert sind und deutlich wurde, dass Care-Arbeit, welche überwiegend von Frauen durchgeführt wird, unverzichtbar ist. Dadurch haben Frauen und Beschäftigte in Care-Sektoren an Selbstbewusstsein gewonnen und wollen sich die Ausbeutung nicht länger gefallen lassen.

So ist der Care-Bereich ein wichtiger Mobilisierungspunkt für die feministische Bewegung. Am 30. November 2023 kam es im Baskenland zu einem historischen Generalstreik für bessere Arbeitsbedingungen im Care-Sektor. In über 100 Städten fanden Mobilisierungen statt, und in vier Städten gab es riesige Demozüge. Hauptforderung war der Aufbau eines öffentlichen, nicht profitorientierten Pflegesystems.

Frauen stehen oft an der Spitze von Revolutionen, da die fortschreitende kapitalistische Krise vor allem die Lebensrealität von Frauen angreift. Frauendominierte Berufe werden am schlechtesten bezahlt, unbezahlte Arbeit wird verstärkt auf Frauen abgeladen. Daraus ergibt sich oft ein verstärktes Bewusstsein. Das wohl beste Beispiel hierfür:

Am 8. März 1917 legten in St. Petersburg Textilarbeiterinnen ihre Arbeit für Brot, Gerechtigkeit und Frieden nieder. Sie lösten damit die Russische Revolution aus. Am nächsten Tag streikten bereits 200.000 Arbeiter*innen.

 

Für Brot und Rosen: Feministisch streiken - damals und heute

von Sarah Moayeri

“Der Märzentag bestätigt durch die Tat, dass das Bürgerrecht der Frau ein wesentlicher, unlösbarer Teil des proletarischen Klassenkampfes für die volle politische Demokratie bedeutet.” Aus dem Aufruf der “Gleichheit” in Deutschland zum ersten internationalen Frauentag 1911, der den Kampf um das Frauenwahlrecht im Zentrum hatte, geht deutlich hervor, welche Rolle Feminismus für den Klassenkampf spielt - und umgekehrt. 

Hundert Jahre später begann eine neue Periode: Die 2010er Jahre leiteten eine feministische Welle ein, die sich zunehmend in Massenbewegungen ausdrückt und den feministischen Streik als Kampfform immer präsenter aufgreift. In Chile kulminierte die Wut über die Explosion sexualisierter und staatlicher Gewalt und Femizide in einer neuen feministischen Revolte, unter anderem mit Besetzungen an den Universitäten und dem Aufflammen von feministischen Gruppen und Strukturen im ganzen Land - ein längerer Organisierungsprozess, der im historischen feministischen Streik am 8. März 2019 mit einer Million Teilnehmer*innen gipfelte. Kurz darauf streikten Lehrer*innen, ein von Frauen dominierter Beruf, gegen ihre untragbaren Arbeitsbedingungen, Straßenproteste brachen gegen Preiserhöhungen aus und im Oktober fand die größte Demonstration in der Geschichte des Landes in Santiago de Chile statt, die die Regierung zum Erschüttern brachte.

Der Streik als Kampfform der Arbeiter*innenklasse

Das Beispiel Chiles zeigt nicht nur, welche Radikalität die neue feministische Revolte angenommen hat; es zeigt auch, welche Kampf-, Protest- und Organisierungsformen effektiv sind und welche Wechselwirkung mit verallgemeinerten Kämpfen der Klasse besteht. Streiks sind nicht nur ein Mittel, ökonomischen Druck aufzubauen und die Wirtschaft zum Stillstand zu bringen, sondern auch eine breite, solidarische, politische Bewegung aller Geschlechter aufzubauen. Der Aufruf für den feministischen Streik am 14. Juni 2023 in der Schweiz macht beispielsweise deutlich, wie die Bewegung ausgeweitet werden muss, um Forderungen durchsetzen zu können:

“Frauen bekommen immer noch weniger Lohn und tiefere Renten. Sie übernehmen mehr unbezahlte Arbeit. Und sie sind mit Diskriminierungen und Belästigungen konfrontiert. [...] Deshalb haben wir am 14. Juni 2023 zu einem großen feministischen Streik aufgerufen! Und uns mobilisiert. Am Arbeitsplatz, weil viele Ungleichheiten ihre Wurzeln in der Arbeitswelt haben. Aber auch in der Öffentlichkeit, damit sich die ganze Gesellschaft bewegt.”

Überall dort, wo wir in den letzten Jahren schlagkräftige feministische Streiks gesehen haben, sehen wir auch Versuche, diese in Form von Organisierung am Arbeitsplatz, in den Nachbarschaften, Universitäten und Schulen gezielt aufzubauen. Über 1.500 betriebliche Komitees, unterstützt von allen großen baskischen Gewerkschaften, schlossen sich dem Aufruf für einen feministischen Streik am 30. November 2023 an. Aber auch dort, wo die Gewerkschaften / Gewerkschaftsführungen eine ambivalente, bremsende oder gar keine Rolle spielen, bahnen sich kämpfende Frauen und queere Personen ihren Weg - und setzen damit wiederum die Gewerkschaften unter Druck. Der berühmte Streik von über 20.000 New Yorker Näher*innen 1909 war exemplarisch für diese Wechselwirkung: Was als spontane Arbeitsniederlegungen für höhere Löhne und gegen Schikanen am Arbeitsplatz begann, wurde mit brutaler Unterdrückung durch die Chefs, die Polizei und die Gerichte beantwortet. Diese Repression veranlasste die Frauen, ihre Gewerkschaft - angeführt von männlichen Vertrauensleuten - zu einem Streik in der gesamten Branche zu treiben. Dieser Streik transformierte die gesamte Gewerkschaftsbewegung in den USA und diente Clara Zetkin und anderen als Inspiration für den internationalen Frauenkampftag.

Feministische Bewegungen heute haben einen riesigen Einfluss auf das Bewusstsein und Selbstbewusstsein von Frauen und queeren Personen weltweit - aber auch auf Männer und breitere Schichten der Arbeiter*innenklasse. Die Politisierung gegen Gewalt, Sexismus, Übergriffe und jede Form von Unterdrückung kombiniert sich beispielsweise mit der Wut über ausbeuterische Verhältnisse am Arbeitsplatz und beeinflusst und beschleunigt gleichzeitig Prozesse von Widerstand und Organisierung. Feministische Streiks heute sind daher auch das, was die revolutionäre Sozialistin Rosa Luxemburg 1906, inspiriert von den Erfahrungen der russischen Revolution ab 1905, über die Dynamik von politischen und ökonomischen Kämpfen schrieb: 

“Allein die Bewegung im Ganzen geht nicht bloß nach der Richtung vom ökonomischen zum politischen Kampf, sondern auch umgekehrt. Jede von den großen politischen Massenaktionen schlägt, nachdem sie ihren politischen Höhepunkt erreicht hat, in einen ganzen Wust ökonomischer Streiks um. [...] Mit der Verbreitung, Klärung und Potenzierung des politischen Kampfes tritt nicht bloß der ökonomische Kampf nicht zurück, sondern er verbreitet sich, organisiert sich und potenziert sich seinerseits in gleichem Schritt. Es besteht zwischen beiden eine völlige Wechselwirkung. Jeder neue Anlauf und neue Sieg des politischen Kampfes verwandelt sich in einen mächtigen Anstoß für den wirtschaftlichen Kampf, indem er zugleich seine äußeren Möglichkeiten erweitert und den inneren Antrieb der Arbeiter, ihre Lage zu bessern, ihre Kampflust erhöht.”

Ein notwendiger Schritt im Klassenkampf

Feminismus und Streikbewegungen in frauendominierten Branchen haben in diesem Sinne in den letzten Jahren eine zentrale Rolle in der Entwicklung der Arbeiter*innenbewegung gespielt: Das ist kein Zufall, sondern hat mit der Stellung von Frauen (und auch queeren Personen und von Rassismus betroffenen Beschäftigten) in Produktion und Reproduktion zu tun. Der feministische Streik als Kampfmittel hilft dabei, diese Kämpfe zu verallgemeinern, zusammenzuführen und zu vertiefen. Im spanischen Staat haben Streiks am 8. März zu einer gestiegenen Aktivität der Klasse allgemein und zu wichtigen Kämpfen bei konkreten Anlässen geführt, wie zuletzt gegen die Übergriffe von Luis Rubiales, Präsident des Fußballverbands. In Deutschland haben in den letzten Jahren Tarifverhandlungen (KV-Verhandlungen) einen Ausdruck in Mobilisierungen am 8. März gefunden, auch durch den Druck von Feminist*innen, was wiederum die gewerkschaftlichen Kämpfe politisch bereichert hat.

Sexismus, Rassismus, Queerfeindlichkeit - jede Form von Unterdrückung wurzelt in der zutiefst von Ungleichheit geprägten kapitalistischen Gesellschaft. Eine Gesellschaft, die auf der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen basiert. Wenn die neue feministische Revolte eines ausdrückt, dann die Tatsache, dass es im Rahmen dieses Systems nie zu einer wirklichen Gleichberechtigung der Geschlechter oder einem Ende der Gewalt kommen kann. Im Gegenteil, je tiefer die Krise des Systems wird, desto eher sind die Herrschenden darauf angewiesen, durch verschärfte rassistische und sexistische Unterdrückung, durch die Verfestigung von Rollenbildern und der “traditionellen” Familie, durch doppelte und dreifache Ausbeutung von Teilen der Arbeiter*innenklasse, die von Diskriminierung betroffen sind, ihre Macht zu stabilisieren. Der Kampf gegen dieses System muss daher auch umfassend sein: Feministische Streiks können das volle Potential der Arbeiter*innenklasse zum Ausdruck bringen und damit ein Motor des Klassenkampfs sein. Das Potential, als die gesellschaftliche Kraft, die den Reichtum überhaupt erst schafft, das System grundlegend umwälzen und in diesem Kampf jede Form der Ungleichheit und Spaltung zurückdrängen zu können. 

 

Marx aktuell: Reproduktionsarbeit

von Anna Hiermann

Care-Arbeit - ein weit gefasster Begriff. Darunter fällt alles zur Herstellung bzw. Wiederherstellung von Arbeitskraft. Dazu zählt der Gesundheitsbereich, der Bildungsbereich und der Sozialbereich. Um Lohnarbeit verrichten zu können, müssen Menschen medizinisch versorgt sein und Hilfestellung in bestimmten Lebenssituationen bekommen. Außerdem braucht es eine schulische bzw. berufliche Ausbildung, um auf die Arbeitswelt vorbereitet zu werden. So ist dieser Bereich für den Kapitalismus absolut notwendig. Doch all diese Tätigkeiten verursachen für den Staat oder private Anbieter*innen Kosten und bringen im Vergleich zum Produktionssektor meistens keinen oder nur wenig Profit. Gewinn zu erwirtschaften ist im Kapitalismus jedoch essenziell. Daher werden die Beschäftigten in diesen Bereichen meist schlechter bezahlt als ihre Kolleg*innen im Produktionsbereich. 

Da Kindergärten, Schulen oder Krankenhäuser oftmals sogar ein Verlustgeschäft darstellen, im Gegensatz zu Banken oder dem Metallsektor, wird gerade in wirtschaftlichen Krisen in den drei erstgenannten Bereichen zuerst eingespart. Einrichtungen werden meist nicht komplett geschlossen, jedoch werden die Bedingungen schlechter. Als Folge werden Tätigkeiten wie die Kinderbetreuung oder die Altenpflege wieder in die Hand der Familie bzw. in jene der Frauen gelegt (Stichwort “Herdprämie” oder Anstellung pflegender Angehöriger). Dadurch sind überwiegend Frauen entweder mehrfach belastet oder sie können gar keiner Lohnarbeit nachgehen. Zweiteres führt zu einer starken Abhängigkeit vom Partner und Trennungen, z. B. bei häuslicher Gewalt, sind so nur schwer möglich. Dieser Widerspruch führt dazu, dass rechte Kräfte wieder verstärkt traditionelle Geschlechterrollen propagieren. Sie rufen Frauen dazu auf, Kinderbetreuung und Altenpflege unbezahlt zu Hause zu übernehmen. Gegen den rechten Backlash müssen wir daher auf die Straße gehen und streiken, um den Care-Bereich nicht nur vor Einsparungen zu schützen, sondern für eine professionelle und von der Gesellschaft organisierte Betreuung und Pflege für alle, die sie brauchen, zu kämpfen!

 

Wie können wir feministisch streiken?

von Andrea Gasperlmair

Im Oktober legten mehr als 11.000 Freizeit-, Hort- und Elementarpädagog*innen die Arbeit nieder, im November und Dezember gab es zum ersten Mal in der österreichischen Geschichte bundesweit Streiks im Handel. Arbeitskämpfe in diesen Bereichen sind schon allein durch den großen Frauenanteil auch ein feministischer Kampf.

Wir haben mit ROSA diese Kämpfe unterstützt und uns solidarisch mit allen Streikenden gezeigt, in Wien sind sogar Thalia-Beschäftigte selbst mit uns in Kontakt getreten und haben um Unterstützung gebeten, weil sie sich auf die Gewerkschaftsführungen nicht verlassen konnten. Das zeigt einmal mehr, wie kämpferisch diese Branchen sind und wie wichtig die Erkenntnis ist, Druck von unten aufzubauen und nicht auf die Initiative der Gewerkschaften zu warten.

Ebenso haben die Kämpfe gegen Gewalt an Frauen und queeren Personen zugenommen. Das feministische Bewusstsein in Österreich ist durch die neueste Welle von #metoo gestiegen, und der 8. März hat sich als feministischer Kampftag etabliert, an dem jedes Jahr immer mehr Menschen auf der Straße protestieren. Auch der 25.11, int. Tag gegen Gewalt an Frauen und LGBTQ+, wird in Österreich endlich als feministischer Aktionstag wahrgenommen; ein großer Erfolg - und das, weil ROSA seit Jahren dafür mobilisiert und Demos sowie Aktionen organisiert.

Feminismus und Arbeitskampf gehören zusammen

Der 8. März war von Anfang an ein feministischer Streiktag, und ein Blick in die Gegenwart spiegelt wider, dass die frauendominierten Berufsfelder des Bildungs-, Gesundheits- und Sozialbereich weiterhin die kämpferischsten Streiks führen. Die Schwäche der Gewerkschaften und einiger Teile der Linken ist, Arbeitskämpfe und feministische Kämpfe separat wahrzunehmen. Doch Feminismus und Arbeitskampf sind im Kapitalismus verbunden, das betonen wir auf den Demos jedes Jahr.

Ein erster Schritt hierzu wäre es, demokratisch geführte Streikkomitees in den Betrieben zu bilden, sich auf den 8. März vorzubereiten und entsprechende (berufsspezifische) Forderungen aufzustellen. Ein Beispiel hierfür ist die Initiative „Sozial aber nicht blöd“, die letztes Jahr schon öffentliche Betriebsversammlungen im Sozialbereich am 8. März veranstaltete. Kurze Walk-Outs (Protestkundgebungen vor dem Betrieb) gegen Sexismus am Arbeitsplatz können ebenfalls ein erster Schritt sein. Das Potenzial liegt aber auch in Schulen und Unis, wo die Arbeitsbedingungen für das Lehrpersonal katastrophal sind, Migrant*innen von Anfang an unter dem rassistischen Bildungssystem benachteiligt werden und Schülerinnen bereits in jungen Jahren mit sexistischen Kleidervorschriften vermittelt wird, dass sie daran Schuld seien, wenn ihre Körper sexualisiert werden. ROSA hat deshalb den ersten Schulstreik am 8. März 2022 in Wien organisiert, bei dem über 200 Schüler*innen teilnahmen. Um in den kommenden Jahren weitere und größere Streiks zu planen, wäre ein erster Schritt, Aktionsgruppen für den 8. März unter Schüler*innen und Lehrpersonal zu gründen. Ein weiteres, enormes Potenzial haben Streiks im Care-Bereich, vor allem in der Kindergartenbetreuung und Freizeitpädagogik. Mit der richtigen Planung und Kommunikation kann ein Dominoeffekt an Arbeitsniederlegungen entstehen: Wenn die Kinderbetreuung streikt, wer passt dann auf die Kinder auf? Die Eltern, die ebenfalls streiken! Somit wird der wirtschaftliche Druck weiter ausgeweitet und echte Verbesserungen können erkämpft werden.

Es ist also nicht nur wichtig, am 8. März zu streiken - sondern absolut notwendig im Angesicht der steigenden Inflation, Rechtsruck, rassis- tischen Hetze und 26 Femiziden im Jahr 2023. Der 8. März wird von den etablierten Parteien genutzt, um ein paar leere Worte über „Sexismus in der Gesellschaft“ zu sprechen. Doch genau sie sind es, die dieses sexistische, frauenhassende System aufrechterhalten, indem sie kürzen und hetzen. Wir müssen zusammen Widerstand zeigen - wir müssen den 8. März wieder zu einem feministischen Streiktag machen und uns gemeinsam gegen das kapitalistische System der Ausbeutung auflehnen!

 

Erscheint in Zeitungsausgabe: 

8. März: Protestieren & Organisieren am feministischen Kampftag!

ROSA - Internationale Sozialistische Feminist*innen

-> Femizide und Gewalt an Frauen & LGBTQIA+

-> Rechtsruck und Rassismus

-> Massaker in Gaza

-> Teuerung, Armut, Sozialabbau, Care-Krise

Sozialistischer Feminismus gegen den kapitalistischen Horror: Notwendiger denn je!

“Das nennt ihr Gleichberechtigung?!” Mit diesem Slogan traten 2023 Zehntausende in Island in den feministischen Streik. Dieselbe Frage können wir auch in Österreich stellen. Freitag, der 23.2. erschütterte die Erde in Österreich - in nur 24h wurden nicht weniger als 5 Frauen ermordet. Alle 5 Morde waren ein erschreckendes Zeugnis für die Brutalität des Lebens im verrotteten Kapitalismus für Frauen - aber auch ein Aufruf zur Aktion, der Kampf gegen geschlechtsspezifische Gewalt ist notwendiger denn je . Jede dritte Frau erfährt physische oder sexuelle Gewalt, jede vierte Belästigung am Arbeitsplatz. Wie hoch die Dunkelziffer ist, wissen wir nicht! Femizide bilden die Spitze des sexistischen Eisbergs: 2023 wurden 27 Frauen getötet. Mehr als 70% der Femizide werden von Partnern oder Ex-Partnern begangen. Anstatt Unterstützungs- oder Präventionsmaßnahmen zu stärken, verwenden die Regierung und die Politiker*innen ihre Ressourcen für rassistische und sexistische Hetze, dafür, berufstätige Frauen für den Hunger ihrer Kinder verantwortlich zu machen, wie es Nehammer getan hat. Steigende Lebenshaltungskosten und niedrige Löhne machen es für Frauen noch schwieriger, sich aus missbräuchlichen Lebensverhältnissen zu befreien. Diejenigen, die von Armut und Diskriminierung betroffen sind, sind einem chronisch unterfinanzierten und kaputten Sozial- und Gesundheitssystem ausgesetzt.

Rassismus und Sexismus - Tief verwurzelt im kapitalistischen System!

Ganz besonders gilt das für Frauen und queere Personen, die auch von Rassismus betroffen sind. Rassistische Vorfälle haben seit 2012 stetig zugenommen. Der gefährliche Rechtsruck verstärkt Queerfeindlichkeit, Sexismus, (antimuslimischen) Rassismus und Antisemitismus auf allen Ebenen. Die FPÖ will Deutschkenntnisse als Voraussetzung für den Zugang zum Schulsystem einführen. FPÖ und Co wollen Frauen zurück an den Herd schicken und Menschen in Tod und Elend abschieben. Polizei und Behörden betreiben victim-blaming und verhöhnen Opfer von häuslicher und sexualisierter Gewalt und sind gleichzeitig eine zentrale Säule des staatlichen Rassismus. Ihre widerliche rassistische Propaganda stellt geschlechtsspezifische Gewalt als ein "importiertes" Problem von Migrant*innen dar, aber diese Gewalt ist nicht importiert - sie ist tief im patriarchalen, profitgetriebenen Kapitalismus verwurzelt!

Feminismus geht nur antirassistisch und international: Stoppen wir das Massaker in Gaza!

Der österreichische Staat hat nicht nur den Angriff der israelischen Regierung auf 2 Millionen belagerte Palästinenser*innen im Gazastreifen unterstützt, sondern auch die Finanzierung des UNRWA, eine wichtige Lebensader für die hungernde Bevölkerung, gestoppt. UN Women wies auf die Auswirkungen des Massakers auf Frauen und Kinder hin: "Jede Stunde werden zwei Mütter und alle zwei Stunden sieben Frauen getötet. (...) Jeden Tag gebären 180 Frauen in Gaza ohne Wasser, Schmerzmittel, Anästhesie für Kaiserschnitte, Strom für Inkubatoren oder medizinische Versorgung".  Wir kämpfen international für einen Waffenstillstand, ein Ende der Besatzung und Freiheit und Selbstbestimmung für alle Menschen in der Region. Wir brauchen eine Bewegung im Geiste von "Frauen, Leben, Freiheit" für einen grundlegenden, sozialistischen Wandel für beide nationale Communities in der Region. So ein Aufstand von unten ist auch direkt gegen die reaktionäre und frauenfeindliche Hamas gerichtet. Dieser Kampf gegen das Massaker in Gaza ist untrennbar verbunden mit dem Kampf gegen Rassismus, Antisemitismus und jeder Unterdrückung in Österreich. Dass Österreich Antisemitismus als "importiertes Problem" darstellt, verschleiert den gefährlichen Antisemitismus der österreichischen Rechtsextremen und der österreichischen Gesellschaft. Nehammers sexistischer, rassistischer, queerfeindlicher und unsozialer “Österreich-Plan”, rechtsextreme “Geheimtreffen”, zunehmende Abschiebungen und Asylrechtsverschärfungen und Hetze gegen muslimische Menschen im Schatten des Gaza-Krieges: Wir müssen dem Rechtsruck entschlossen den Kampf ansagen!

Das ganze System ist schuldig!

FPÖ & ÖVP planen ihre Politik gezielt gegen Geflüchtete, Migrant*innen, queere Personen und Frauen - und sie planen weitgehende Angriffe auf unser Sozialsystem, Erwerbslose, Pensionen, Bildung usw.. Damit lenken sie ab und spalten uns - dabei sind sie selbst für die Krisen verantwortlich! Es gibt keinen Plan für die notwendigen Milliarden für Notunterkünfte oder psychosoziale Betreuung für alle, die sie brauchen, für leistbaren Wohnraum oder die entscheidenden Mittel für Gesundheit oder Bildung. Die Teuerungskrise und Inflation bleiben unbehandelt. Während das Gesundheits-, Bildungs- und Sozialsystem verhungert und immer mehr Menschen in Armut und Not gestürzt werden, will die ÖVP Unternehmen mit Milliarden unterstützen und Menschen zur Vollzeitarbeit zwingen. Frauen, Migrant*innen und queere Menschen stehen in der ersten Schusslinie, wenn die öffentlichen Dienste stark unterfinanziert sind. Frauen machen die Mehrheit der Beschäftigten in diesen Bereichen aus, sind aber auch diejenigen, die die Arbeit zu Hause übernehmen, wenn Krankenhäuser, Schulen und andere Dienste unterfinanziert sind. Eine unzureichende Finanzierung der psychischen Versorgung, der Frauenhäuser und der sozialen Einrichtungen kann für viele Menschen die Frage von Leben und Tod bedeuten. Es geht auch darum, in welchem System wir eigentlich leben wollen. In einem System, dem Kapitalismus, in dem eine Handvoll Menschen den größten Teil des Reichtums besitzt, während Millionen dem Hungertod nahe sind, in dem Planet und Menschen für Profite ausgebeutet werden, kann es nie echte Gleichberechtigung und ein Ende der Unterdrückung geben.

Werde jetzt mit ROSA gegen den Rechtsruck aktiv!

Gegen den Rechtsruck hilft nur Organisierung und Widerstand von unten. In den letzten Jahren ist der 8.März zu einem großen Kampftag geworden, bei dem in vielen Ländern Care-Streiks stattfanden und Millionen von Menschen aus Wut auf die Straße zogen. Auch in Österreich brauchen wir feministische Streiks, um jeder Form der Unterdrückung und Ausbeutung begegnen zu können! Als ROSA organisieren wir uns gegen jede Form der Gewalt an Frauen und LGBTQIA+ - Personen, gegen Rassismus, gegen imperialistische Kriege und für den Aufbau einer Bewegung von Jugendlichen und Beschäftigten weltweit. Wir wollen uns an den Arbeitsplätzen und Schulen, unter Nachbar*innen und in unseren Universitäten organisieren, um eine echte Alternative zum Kapitalismus aufzubauen - eine Gesellschaft frei von Ungleichheit, Unterdrückung und Ausbeutung. Schließ dich jetzt sozialistischen Feminist*innen an!

  • Schluss mit sexueller Belästigung, rassistischen und transphoben Übergiffen und Co! Bauen wir Kampagnen dagegen in unseren Schulen und Arbeitsplätzen auf!

  • Volle körperliche Selbstbestimmung für alle! Ob Abtreibungsrechte oder transinklusive Gesundheitsversorgung: Öffentlich, kostenlos und barrierefrei zugänglich!​

  • Ausfinanzierung und Ausbau von Frauenhäusern, Schutzeinrichtungen, Soziales, Bildung, leistbaren Wohnraum und massive Aufwertung des gesamten Care-Bereichs, finanziert von den Profiten der Reichen und Superreichen!​

  • Nein zu Teilzeitfalle und Niedriglöhnen: Teil des Gewaltschutzes ist echte Unabhängigkeit! Für eine allgemeine Arbeitszeitverkürzung auf 30h bei vollem Lohn und mehr Personal!​

  • Bleiberecht für alle Geflüchteten, gleiche Rechte für alle und ein Ende von Abschiebungen, Diskriminierung und staatlichem Rassismus!​

  • Einen sofortigen Waffenstillstand in Gaza und das Ende von Besatzung und Belagerung! Ein Ende imperialistischer Kriegspolitik!​

  • Eine breite Bewegung von unten gegen rechte Hetze, ÖVP/FPÖ und Rechtsextremismus - Zeit für den Aufbau feministischer, antirassistischer Streiks! ​

  • Für eine feministische und antirassistische Gewerkschaftsbewegung - als größte Organisationen von Beschäftigten brauchen wir sie im Kampf: Für Streiks am 8.März und darüber hinaus, im Care-Sektor, für gleiche Löhne und gegen Diskriminierung!​

  • Aufbau von Initiativen und Komitees in unseren Betrieben, Schulen, Unis und Nachbarschaften gegen Rechtsruck, Sexismus, Rassismus und Queerfeindlichkeit als Antwort auf jeden Übergriff!​

  • Für eine Alternative zum verrotteten kapitalistischen System, das geschlechtsspezifische Gewalt, Unterdrückung von Queers und Rassismus hervorbringt! Lasst uns die Wirtschaft, die Ressourcen und die Gesellschaft in die Hände der Beschäftigten und Jugendlichen - der großen Mehrheit der Bevölkerung - legen, um ein System frei von Ungleichheit und Unterdrückung aufzubauen, das sich an unseren Bedürfnissen orientiert!

Mach mit bei ROSA, um am 21.März - dem internationalen Tag gegen Rassismus - Proteste gegen jede Form von Rassismus und rechte Hetze zu organisieren! Wir können diesen Tag nutzen, um Aktionen an unseren Schulen, Unis und Arbeitsplätzen zu organisieren und den Kampf gegen den Rechtsruck damit in unseren Alltag zu tragen! Meld dich bei uns, wenn du mitmachen willst!

 

 

Nachbar*innenschafts- & ROSA-Protest am Handelskai: Entsetzen und Trauer über 5 Femizide in 24 Stunden in Wien

ENGLISH BELOW
ROSA - kämpferisch.sozialistisch.feministisch

Keine einzige weniger!

Schock und Trauer erfassten Wien am vergangenen Freitag (23.2.), als innerhalb von weniger als 24 Stunden 5 Frauen brutal ermordet wurden. Bei zwei Frauen handelte es sich um eine Mutter und ihre 13-jährige Tochter in Simmering, die höchstwahrscheinlich von ihrem Vater bzw, Ehemann ermordet wurden. Drei Frauen wurden an ihrem Arbeitsplatz, einem Erotikstudio in der Brigittenau, brutal erstochen. Nur drei Tage später, am Montag, wurde eine weitere, ältere Frau von ihrem Partner getötet.

ROSA spricht den Angehörigen der Opfer tiefes Beileid und Solidarität aus.

Möge ihr Andenken ein Aufruf zum Widerstand sein!

Rund 700 Menschen, darunter auch Angehörige der Opfer, gingen am Montagabend mit Rosa auf die Straße, um unter dem Motto "Keine einzige weniger” ihre Wut gegen diese schrecklichen Femizide auszudrücken. Wir forderten ein Sofortprogramm, das von der Regierung massiv finanziert wird, für die dringend benötigten Schutzräume, Unterstützungszentren, Prävention und Versorgung zum Kampf gegen geschlechtsspezifische Gewalt in Österreich. "Man(n) tötet nicht aus Liebe, stoppt Femizide", "Keine Frau / kein Mensch ist illegal, Bleiberecht überall" und "Gewalt ist nie ein Einzelfall, Sexismus bekämpfen überall" hallten durch die Straßen.

Viele Frauen, die von geschlechtsspezifischer Gewalt betroffen sind, sprachen bei der Kundgebung, darunter auch ROSA-Aktivist*innen. Einige sprachen über die Hürden und Herausforderungen, mit denen Überlebende konfrontiert sind, wenn sie Hilfe suchen, und über den Rassismus und Sexismus, mit dem sie im Kontakt mit der Polizei und staatlichen Institutionen konfrontiert sind - einschließlich Täter-Opfer-Umkehr, Belästigung und Übergriffen durch die Polizei. Die Forderung nach demokratisch gewählten Ausschüssen, die die tatsächlichen Bedürfnisse der von geschlechtsspezifischer Gewalt betroffenen Menschen vertreten, um die Polizei zu beaufsichtigen und zu kontrollieren, wurde mit begeistertem Beifall aufgenommen.

Einige Reden betonten, dass Femizide nur die Spitze des Eisbergs eines Systems sind, das durch und durch sexistisch ist und in dem Belästigungen, Beschimpfungen und sexistische Einstellungen und Verhaltensweisen für die meisten Frauen zum Alltag gehören. Diese werden durch die frauenfeindliche Hetze und Hassrede von FPÖ, ÖVP & Co, aber auch durch Frauenarmut, Notstand im Care-Bereich, Gender Pay Gap vorangetrieben. Geschlechtsspezifische Gewalt ist keine individuelle Angelegenheit, sondern systematisch, geboren und gezüchtet innerhalb des verrottenden kapitalistischen Systems.

Während die FPÖ diese schrecklichen Femizide sofort nutzte, um mit der zu erwartenden kriminellen Heuchelei Rassismus zu schüren, setzten die Proteste ein deutliches Zeichen dagegen. In Redebeiträgen wurde darauf hingewiesen, dass geschlechtsspezifische Gewalt in allen Kulturen, auch in Österreich, verbreitet ist. Eine türkische StoP-Aktivistin und Überlebende von Partnergewalt sagte: "Als sie mir sagten, dass dies in meiner Kultur normal sei, sagte ich: Das ist in keiner Kultur normal".

Weder Sexismus, noch geschlechtsspezifische Gewalt und Femizide sind “importiert”. Sie sind tief im kapitalistischen System verwurzelt, in jeder Gesellschaft und in jedem Land. Die FPÖ, die ÖVP und ihre Freunde versuchen, die Schuld für ihr Versagen auf andere zu schieben, Asylbewerber*innen und Migrant*innen weiter zu marginalisieren und anzugreifen und den Widerstand gegen sie zu spalten - FPÖVP sind die wahre Gefahr für Frauen und für uns alle.

Als Reaktion auf diese schrecklichen Femizide erklärte die “Frauenministerin” der ÖVP, Susanne Raab, sie sei zufrieden mit den Ressourcen und der Unterstützung, die Menschen zur Verfügung stehen, die mit geschlechtsspezifischer Gewalt konfrontiert sind: "Leider bedeutet das nicht, dass jeder einzelne Fall von Gewalt verhindert werden kann, vor allem, wenn es im Vorfeld keine Anhaltspunkte gab.” Raab erwartet nicht nur, dass wir akzeptieren, dass die Epedimie an Femiziden unbeantwortet weitergeht, sie schiebt auch schamlos und die Schuld auf die Opfer ab: "Nur sehr wenige Frauen, die ermordet wurden, hatten vorher Kontakt zu einem Gewaltschutzzentrum oder einer anderen frauenspezifischen Beratungsstelle."

Aber wir werden die Epidemie von geschlechtsspezifischer Gewalt und Femiziden in Österreich nicht hinnehmen, und wir werden nicht akzeptieren, dass uns die Schuld dafür gegeben wird!

Es ist die ÖVP, die sexistisches Gift versprüht, das Sexismus und geschlechtsspezifische Gewalt aufrechterhält. Es ist die Regierung, die nicht bereit ist, in die Mittel zu investieren, die notwendig wären, um Opfern und Überlebenden echte Unterstützung zu bieten, die aber gerne Milliardäre und Großunternehmen mit Milliarden versorgt.

Dazu sagen wir: Jetzt eine Bewegung aufbauen für…

- Milliarden für ein Sofortprogramm zum Schutz und zur Prävention von Femiziden und geschlechtsspezifischer Gewalt

- Ob in der Sexindustrie oder in gewalttätigen Partnerschaften - es sind Maßnahmen wie bezahlbare öffentliche Wohnungen, ein soziales Netz und Löhne, von denen wir leben können, die Unabhängigkeit und Selbstbestimmung ermöglichen!

- Frauen und queere Menschen in der Sexindustrie brauchen besonderen Schutz vor Übergriffen, Gewalt und Rassismus: Zugang zu Pflege, Wohnraum und sozialer Versorgung. Für Bleiberecht, gleiche Rechte und Zugang zu guter Arbeit!

- Ob geschlechtsspezifische oder rassistische Gewalt: Polizei, Staat und Behörden schützen uns nicht, sondern sind Teil des Problems. Demokratisch gewählte Vertreter*innen von Frauenschutzorganisationen, Communities, antirassistischen Organisationen müssen kontrollieren, was diese Institutionen tun!

- Keine Wartelisten mehr für Frauenhäuser, Therapieplätze und andere Schutzeinrichtungen! Um die notwendigen Ressourcen für den Schutz vor Gewalt zu erkämpfen, brauchen wir Milliardeninvestitionen im Sozial- und Gesundheitsbereich und die Kontrolle der Betroffenen und Beschäftigten darüber, wie und wo diese Mittel eingesetzt werden!

Um dafür zu kämpfen, müssen wir uns organisieren!

Die ÖVP, FPÖ und alle Regierenden sind nur daran interessiert, die Taschen der Reichen zu füllen und Angriffe auf uns zu rechtfertigen.

Im spanischen Staat, der Schweiz, Island und Frankreich organisieren Frauen, Beschäftigte und Jugendliche den Kampf gegen die extreme Rechte, die Herrschenden und das verrottete kapitalistische System mit großen Streiks. An diesem 8.3. rufen wir dazu auf, für feministische Streiks in Österreich gegen die FPÖ, jeden Rassismus, Sexismus, LGBTQIA+-Unterdrückung, gegen Armutslöhne und Pflegenotstand aufzubauen!

Nicht nur am 8.3.!

Bringen wir den Kampf in die Schulen, an die Arbeitsplätze und in die Nachbar*innenschaften, um eine sozialistisch-feministische Bewegung von unten aufzubauen!

Eine solche Bewegung von unten, die unsere wirklichen Interessen und Forderungen vertritt, kann die Basis für den Kampf gegen das gesamte zerfallende kapitalistische System legen. Gegen imperialistischen Krieg, Besatzung, Unterdrückung und Ausbeutung international, um den Kapitalismus an der Wurzel zu packen und für eine sozialistische Alternative zu kämpfen - für Gleichheit, Wohlstand und Frieden statt Unterdrückung, Armut und Krieg!

Willst du den Kampf mit uns aufbauen? Willst du den Kampf an deinem Arbeitsplatz oder in deiner Schule organisieren?

- Kontaktier uns!

- Beteilige dich an der Organisation von ROSA-Kundgebungen und Aktionen in den Stadtteilen oder verteile mit uns Flugblätter

- Protestiere mit uns am 8.März!

- Komm zu ROSA-Treffen!

Du bist gerade noch nicht dazu in der Lage aktiv zu werden? Du kannst uns auf andere Weise unterstützen!

- Du bist gerade noch nicht dazu in der Lage aktiv zu werden? Du kannst uns auf andere Weise unterstützen!

- Teilen, liken und Freund*innen informieren!

- Unterstütz ROSA und den sozialistischen feministischen Widerstand mit einer Spende oder einem Dauerauftrag!

 

+++ ENGLISH: +++

Not a single one less!

Within the horror and grief of 5 femicides in 24 hours in Vienna

Community and Rosa Fight back in Handelskai!

Shock and grief gripped Vienna last Friday (23.2) as no less than 5 women were brutally murdered in less than 24 hours. Two women were a mother and her 13 year old daughter in Simmering, most likely murdered by the father and husband. Three women were brutally stabbed to death in their workplace, a studio offering sexual services in Brigittenau. It was only three days later, on Monday, that another, elderly woman was killed by her partner.

Rosa extends sincere condolences and solidarity to the relatives of the victims.

Let their memory be a call to arms!

Around 700 took to the streets with Rosa on Monday evening, including relatives of the victims, to express rage against these horrific femicides under the slogan “not a single one less”. We demanded an immediate program, massively funded by the government for the urgently needed shelters, support centers and mental health services for the prevention of gender based violence in Austria. “Men don’t kill from love, stop femicides”, “no woman / person is illegal, right to stay for all” and “violence is never an isolated incident, fight sexism everywhere” echoed through the streets of Brigittenau.

Many women affected by gender based violence spoke at the rally, including Rosa activists. Some spoke of the barriers and challenges survivors face in seeking help, and the racism and sexism that survivors face in contact with the police and state institutions - including with callous victim blaming, harassment and assaults by the police. The call for democratically elected committees that represent the real needs of the people affected by gender based violence to oversee and control the police was met with enthusiastic applause.

Some explained that femicides are just the tip of the iceberg of a system drenched in sexism to the bone, where harassment, catcalling and sexist attitudes and behaviors are a part of everyday life for most women. These are pushed on by the misogynistic agitation and hate speech of the FPÖ, ÖVP & Co, as well as by women’s poverty, crisis in the public sectors and the gender pay gap. Gender based violence is not an individual matter but systematic, born and bred within the rotting capitalist system.

While the FPÖ immediately utilized these horrific femicides to whip up racism, with expected criminal hypocrisy, the protests took a strong stand against this. Speeches addressed how common gender based violence is in all cultures, including among Austrians. One Turkish StoP activist and survivor of domestic violence said - "When they told me that this was normal in my culture, I said: this is not normal in any culture".

Neither sexism, nor gender based violence and femicides are “imported”. They are rooted deep in the capitalist system, in every society and in every country. The FPÖ, ÖVP and their friends try to blame others for their failures, to further marginalize and attack asylum seekers and migrants and split resistance - but the FPÖVP are the real danger to women and the real danger to all of us.

In response to these horrific femicides, ÖVP’s “Women’s Minister” Susanne Raab stated she is content with the resources and support available to people who face gender based violence, she said - "Unfortunately, this does not mean that every single case of violence can be prevented, especially if there was no evidence beforehand”. Not only is Raab expecting that we accept that the femicide epidemic continues unaddressed, she shamelessly, and criminally shifts blame onto the victims - "Very few women who were murdered had contact with a violence protection center or another women-specific advice center beforehand."

But we will not accept the epidemic of gender based violence and femicides in Austria, and we will not accept blame for it!

It is the ÖVP who spews poisonous sexist venom that perpetuates sexism and gender based violence. It is the government who is unwilling to invest the funds needed to offer real support to victims and survivors, but is happy to give handouts to billionaires and big business.

To this we say, build struggle for –

- Billions for an immediate program for protection and prevention of femicides and gender based violence

- Whether in the sex industry or in violent partnerships - it is measures like affordable public housing, a social safety net and wages we can live on that make independence and self-determination possible!

- Women and queer people in the sex industry need special protection from assault, violence and racism: access to care, housing and social services. For the right to stay, equal rights and access to good work!

- Whether gender-based or racist violence: the police, state and authorities do not protect us, but are part of the problem. Democratically elected representatives of women's protection organizations, communities, anti-racist organizations, must control what these institutions do!

- No more waiting lists for women's shelters, therapy places and other protective facilities! In order to fight for the necessary resources for the protection against violence, we need billions in investment in the social and health sector and control by those affected and employees over how and where these resources are used!

To fight for this we need to organize!

ÖVP-FPÖ and all forces in power are only interested in padding the pockets of the rich and justifying attacks on us!

In the Spanish state and the Basque country, Switzerland, Iceland and France - women, working people and youth are organizing the fightback against the far right, the rulers and the rotten capitalist system they work for. This 8.3 we call to build for a feminist strike in Austria against FPÖVP, every racism, sexism, LGBTQ+ oppression, against poverty wages and care crisis!

Not only on 8.3.!

Bring the struggle into the schools, workplaces and neighborhoods to build a socialist-feminist movement from below!

Such a movement from below, representing our real interests and demands, can lay the basis for the struggle against the whole decaying capitalist system. Against imperialist war, occupation, oppression and exploitation internationally, to root out capitalism at the root and fight for a socialist alternative - for equality, prosperity and peace instead of oppression, poverty and war!

Want to build the fightback with us? Want to organize the fightback in your workplace or schools?

- Get in touch!

- Take part in organizing Rosa rallies and stalls in neighborhoods or leaflet with us!

- March with us on International Women’s day!

- Come to a Rosa meeting!

Not quite ready to get active? You can support in other ways!

- Share, like and let your friends know!

- Make a donation or a standing contribution to support Rosa and the socialist feminist struggle!

 

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