Bereits 24 Femizide und die Regierung schaut zu!

Andrea Gasperlmair, Studentin und ROSA-Aktivistin in Salzburg

Demos und Proteste am 25.11. | Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen und LGTBQIA+

Wien: 17:00 | U3 Ottakring * Linz: 16:00 | Martin-Luther-Platz * Salzburg: 12:00 | Hanuschplatz

Der nun 24. Femizid dieses Jahres in Österreich ist eine weitere traurige Eskalation des Frauenhasses in unserem Land. Zudem gab es 36 Fälle (!) von mutmaßlichen Mordversuchen bzw. schwerer Gewalt an Frauen (Stand 30.10.2023). Österreich hat ein tiefgreifendes Sexismusproblem - und unsere Politiker*innen schweigen nicht nur darüber, sondern sind Teil des Problems. Der Täter in dem jüngsten Femizid war FPÖ-Lokalpolitiker, ein trauriges Beispiel, das zeigt wie reaktionäre Hetze und Politik rechter Parteien und Femizide zusammenhängen. Konservative Rollenbilder, Hetzte gegenüber Gendern, Feminismus und LGTBQIA+ führt zu mehr Akzeptanz für Gewalt. Der Vorfall entlarvt auch die Heuchelei der FPÖ, wenn sie versucht sexualisierte Gewalt auf Migrant*innen zu schieben. 

Gewaltschutzorganisationen fordern mind. 250 Millionen zur Prävention, das Gesamtbudget des Frauenministeriums für Gewaltschutz ist gerade einmal 33,6 Millionen und das während die Regierung Milliarden für Eigenwerbung, Konzernhilfen und Aufrüstung ausgibt. Angriffe auf Teilzeitarbeit sind Angriffe auf Frauen (50,7% aller Frauen in Österreich arbeiten in Teilzeit) - Wir brauchen ausreichend Geld für ein selbstbestimmtes Leben, um uns von gewaltvollen Beziehungen und Familien zu befreien. Angriffe auf das Abtreibungsrecht sind Angriffe auf Frauen - Wenn wir nicht über unseren eigenen Körper bestimmen können, macht uns das dann zu einem Objekt, das man besitzt und an dem man beliebig Gewalt ausüben kann, wenn es nicht gehorcht? Angriffe auf Migrant*innen sind Angriffe auf Frauen - Feministische und antirassistische Kämpfe haben schon immer zusammengehört, denn der Ursprung unserer Unterdrückung liegt im profitorientierten, kapitalistischen System, welches Sexismus und Rassismus braucht, um zu funktionieren. 

Femizide sind die höchste Form von Gewalt an Frauen. Sie entstehen durch die Normalisierung oder Verharmlosung von Vergewaltigungen, sexueller Belästigung, sexistischen Rollenbildern und unbezahlter Care-Arbeit, die Frauen tagtäglich verrichten. Gewalt an Frauen kommt nicht bloß aus dem „Bösen des Menschen“ - ihre Grundlage sind sexistische Rollenbilder, unbezahlte Care-Arbeit, rechte Politik und das gesamte ungleiche und gewalttätige System. Um wirklich langfristige Verbesserungen in unserer Gesellschaft zu erkämpfen, braucht es eine sozialistische Antwort. Denn die Wurzel aller Unterdrückung liegt in unserer kapitalistischen Klassengesellschaft, in der wenige Reiche Profite aus der Arbeit der Mehrheit schöpfen. 

Unser binäres Frauen- und Männerbild ist nicht vom Himmel gefallen. Politik, Medien und Werbung stehen auf der Seite riesiger Konzerne, von denen sie finanziert werden. Umsatzlose, soziale Bereiche wie Kinderbetreuung, Gesundheitsversorgung, Gewaltprävention und Bildung leiden unter Unterfinanzierung. Durch diesen Mangel an Angebot leisten Frauen unbezahlte Care-Arbeit, indem ihnen die Arbeit von Kinderbetreuung und Haushalt zugeschoben wird. Dadurch bleibt oft nicht genügend Zeit für einen Vollzeitjob, sie müssen Teilzeit arbeiten, verdienen weniger. Und auch wenn Frauen Vollzeit arbeiten, verdienen sie trotzdem weniger (Der Equal-Pay-Day ist heute, am 31.10!). Frauen und Migrant*innen arbeiten vermehrt in Jobs, die unglaublich schlechte Bezahlung und Arbeitsbedingungen haben - sei es als Krankenpfleger*in, Elementarpädagog*in, Lehrer*in, Verkäufer*in, Putzkraft etc., die Liste ist lang. Wir kämpfen für unmittelbare Verbesserungen hier und heute - aber diese sexistische und rassistische Systematik kann nicht durch Bewusstseinskampagnen, Reformen oder Neuwahlen bezwungen werden. Es braucht eine sozialistische Alternative ohne jegliche Form von Unterdrückung, in der jede*r demokratisch mitbestimmen kann, und die sich nach den Bedürfnissen der Gesellschaft orientiert.

Sexismus hat System - Österreich ist ganz vorne mit dabei. Österreich ist das einzige Land in der EU, in dem jährlich mehr Frauen als Männer getötet werden. Österreich liegt bei der Anzahl der Frauenmorde im europäischen Vergleich an der Spitze. Österreich hat auch laut EU-Statistik mit 18,8 % den zweithöchsten Genderpaygap in der EU nach Estland. Deshalb ist es umso wichtiger, am 25.11 - dem Tag gegen Gewalt an Frauen und LGBTQ - auf die Straße zu gehen. Setzt mit uns ein Zeichen gegen Sexismus, Rassismus, Homo- und Transphobie, Krieg und Ausbeutung!

 

Quellen:

https://www.statistik.at/statistiken/arbeitsmarkt/arbeitszeit/teilzeitarbeit-teilzeitquote

https://www.aoef.at/index.php/zahlen-und-daten/femizide-in-oesterreich

https://apa.at/faktencheck/vergleich-der-frauenmord-rate-in-europa/