Antifaschismus und Antirassismus

Gedenken ist Kultur

Angesichts zunehmender Geschichtsfälschung durch Rechtsextremismus und Verschwörungs-Idiotien kommt aktiver antifaschistischer Gedenkkultur große Bedeutung bei. Einem Bündnis rund um das OÖ-Antifa-Netzwerk sowie Mauthausen-Komitee Österreich gelang bezüglich des Waffen-SS-Denkmals in Stillfüssing ein Durchbruch. Statt Pilgerort für Rechtsextreme zu sein, erinnert das neue Mahnmal an die Verbrechen der Waffen-SS und die Millionen Opfer des Nazi-Regimes. Am 4. Mai 1945, kurz vor Ende des 2. Weltkriegs, versuchte in Stillfüssing eine Einheit der 2. SS-Panzer-Division „Das Reich“ die vorrückende US-Armee aufzuhalten. Dabei wurden die 13 hier bestatteten SS-Männer getötet. Im Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess wurde die SS mit allen ihren Gliederungen zur verbrecherischen Organisation erklärt. Die Waffen-SS hatte zahlreiche Massaker an der Zivilbevölkerung in den von Hitler-Deutschland besetzten Gebieten verübt und ab 1940 stellte sie die KZ-Wachmannschaften. Sie war eine Hauptstütze des NS-Terrors. 
Der Erfolg ist aber angesichts unzähliger „Krieger“ und „Helden“ Denkmäler relativ - und angesichts der Tatsache, dass bis heute diverse Verbände Ewiggestriger öffentliche Gelder erhalten – auch in Oberösterreich und auch mit der Unterstützung von SPÖ und Grünen.

 

 

Erscheint in Zeitungsausgabe: 

Zahlen und Fakten zu rechten Parteien:

Fidesz/Ungarn: 117 von 199 Parlamentssitzen, schaltet die Medien gleich. Durch nationalistische & religiös-fundamentalistische Propaganda versucht sie abzulenken. Es wurde eine Vettern-Wirtschaft aufgebaut. Opposition hat es auch wegen des Wahlsystems schwer

Identitäre/EU-Weit/Österreich, neofaschistische Gruppierung, die Basis ist das radikale Kleinbürgertum. Über Verbindungen zu Parlamentsparteien findet ihre Politik den Weg ins Parlament. In Frankreich/Österreich droht den Identitären ein Verbot.

AfD/Deutschland, rechtsextreme Partei, im Bundestag & Landtagen vertreten. Keine einheitliche Partei, geprägt von Flügelkämpfen. Gerade der faschistische “der Flügel” bildet eine Gefahr. V.a. im Osten gibt es Verbindungen in die gewaltbereite rechte Szene, die sogar zu Hetzjagden führt.

Graue Wölfe/Türkei/Österreich, ist der außerparlamentarische Prügel der MHP, aber auch zunehmend in einem Naheverhältnis mit Erdogans AKP.

Goldene Morgenröte/Griechenland, ehemalige Parlamentspartei, 2020 als kriminell eingestuft, die Führung verhaftet, zu Gefängnis verurteilt, “Berühmtheit” erlangte sie durch Angriffe auf Linke und Morde.

Casapound/Italien, eine faschistische Organisation mit laut eigenen Angaben 20.000 Mitgliedern, kopiert Methoden der Linken wie Hausbesetzung und baut sich u.a. über „Hilfe vor Ort“ auf. Zogen sich taktisch teilweise für die Lega zurück, in ca. 100 Gemeinderäten vertreten.

Partei für die Freiheit/Niederlande, rechtsextreme, rassistische Partei, sind in div. Gremien vertreten. Programmatik: Zuckerl für Autofahrer*innen, soziale Rhetorik und Corona-Verharmlosung

Rassemblement National/Frankreich, rechtsextreme Parlamentspartei, Programmatik: Law-Order-Verschärfung, Rassismus und Protektionismus, um das Klientel am Land anzusprechen. Enge Verknüpfung zu den Identitären

Fortschritts-Partei/Norwegen, rechtspopulistische Partei, 26 von 169 Sitzen im Parlament, ca. 18.000 Mitglieder, ursprünglich neoliberal und konservativ, zunehmend offen rassistisch

 

Erscheint in Zeitungsausgabe: 

Was hilft gegen Rechts?

Beim Kampf gegen FPÖ, Identitäre und Demokratieabbau geht es um die Frage: Was funktioniert wirklich
Lukas Kastner

Bei einem Blick auf die Wahlergebnisse und Umfragen der letzten Jahre läuft einem schon mal ein Schauer über den Rücken. Der Rassemblement National (früher: Front National) ist zur Zeit in Umfragen stärkste politische Kraft Frankreichs, Fidesz scheint in Ungarn fest im Sattel zu sitzen. In Österreich denken noch viele mit Schrecken an Schwarz-Blau zurück. In Deutschland stellt die AFD eine massive Gefahr für Migrant*innen, Frauen, LGBT+ Personen und die Arbeiter*innenklasse insgesamt dar. Europaweit marschieren auf Anti Corona Demos Kleinbürger*innen, Verschwörungsmythiker*innen und faschistische Organisationen gemeinsam. In den USA stürmen Rechtsextreme das Parlament. Anschläge, wie im deutschen Hanau vor einem Jahr wiederholen sich in trauriger Regelmäßigkeit. Hinzu kommt eine zunehmende Verrohung der „normalen“ und sogar der vermeintlich fortschrittlichen bürgerlichen Parteien – was nicht zuletzt durch die Regierungsbeteiligung der Grünen und ihrer zumindest Duldung von Abschiebungen und den Zuständen in Moria etc. verdeutlicht wird.

Im Zuge der ökonomischen Krise und zu erwartendem Unmut gegen die Herrschenden von Seiten der Arbeiter*innenklasse werden zudem in vielen Ländern demokratische Rechte weiter eingeschränkt. So kann der Eindruck entstehen, dass sich die Gesellschaft ständig weiter nach rechts bewegt. Unter manchen Linken und Aktivist*innen im antirassistischen, im feministischen Bereich, sowie der LGBT+ Community geht gar die Angst vor einer Machtergreifung des Faschismus um. Oft wird auch von einem neuen Faschismus gesprochen. So bedrohlich die Lage auch ist: Aus marxistischer Sicht ist eine solche Entwicklung unwahrscheinlich. Der Faschismus basierte auf einer Massenunterstützung v.a. im Kleinbürgertum, welche sich auch auf den Straßen und in bewaffneten Organisationen (historisch die SA, die Heimwehren etc.) ausdrückte. Die rechten Parteien heute schielen eher auf Wahlerfolge, um an Regierungen beteiligt zu sein. Eine dauerhafte Massenmobilisierung abseits des Bierzeltes gelingt ihnen kaum. Im Gegenteil richteten sich die größten Proteste der letzten Jahre – Black Lives Matter, Fridays for Future – gegen rechte Politik und ihre Folgen.

Aber die Entwicklung macht zu Recht Angst. Die Frage, wie diese Entwicklung gestoppt werden kann, ist insbesondere für die Arbeiter*innenklasse von zentraler Bedeutung, da die Rechte der Arbeiter*innen stets zentrales Angriffsfeld für Rechte sind. Die Diskussion „wie die Rechten schlagen“ ist nicht neu, aber umso wichtiger. „Was funktioniert wirklich“ muss die zentrale Frage sein abseits von Wunschdenken und schönen Fantasien.

Wir stehen für eine möglichst große Einheit gegen Rechte und ihre Politik. Ist die Lösung also ein möglichst breites Bündnis, das sich - unabhängig von der Klassenzugehörigkeit, oder der politischen Ausrichtung ihrer Bestandteile – auf den kleinsten gemeinsamen Nenner „gegen rechts sein“ beschränkt? So sollen möglichst viele angesprochen werden. Klingt vielversprechend! Doch lassen sich hiermit eine Strategie und ein Programm gegen rechte Politik und Autoritarismus entwickeln? Sind es nicht gerade die Parteien wie Grüne oder SPÖ, die selbst rechte Politik mittragen (oder sogar vorantreiben), die „Österreich zuerst“ umsetzen und den Arbeiter*innen Sparprogramme verordnen? Kann ein Antirassismus, welcher nicht soziale Fragen wie überhöhte Mieten, zu niedrige Löhne, Stellenabbau und die allgemein ungerechte Verteilung von Reichtum und Vermögen anspricht, überhaupt massentauglich sein? Und: Kann der Kampf gegen rechts innerhalb des Kapitalismus, also einem System, das rechte Ideen und auch Regime auch immer mal wieder braucht und unterstützt, überhaupt zum Erfolg führen?

Mit diesen Fragen beschäftigt sich der folgende Schwerpunkt. Dabei ist es auch nötig, aus der Geschichte zu lernen, um zu sehen, was funktioniert. Für Sozialist*innen hat sich gezeigt, dass ein Kampf gegen rechts nur durch eine Überwindung des Kapitalismus nachhaltig erfolgreich geführt werden kann. Die Niederlagen der Linken nach der revolutionären Welle in Folge des 1. Weltkrieges und dann in den 1930er Jahren haben dies auf tragische Weise gezeigt. Heute gibt es eine neue Generation, die weltweit gegen sämtliche Aspekte rechter Politik – von Rassismus bis Homophobie, von Frauenunterdrückung bis Klimawandel – auf die Straße geht. Diese neue Generation sieht auch zunehmend die soziale Komponente, wir würden sagen, die Klassenfrage, in dieser Situation und stellt sich zunehmend gegen das ganze kapitalistische Wirtschafts- und Gesellschaftssystem. Dieses erwachende Verstehen gilt es aufzugreifen und mit einer Strategie zu versehen, die die Folgen und Ziele rechter Politik mit der Abschaffung ihrer Grundlagen endgültig in die Schranken weist.

 

Erscheint in Zeitungsausgabe: 

Wie richtig kämpfen? Bündnisfragen & Einheitsfront

Damals wie heute: Keine Illusion in bürgerliche Parteien im Kampf gegen Faschismus und seine Ursachen
Stefan Brandl

Wenn Rechte zur Bedrohung werden, bilden sich Gruppen, um was dagegen zu tun. Es kommt zwangsläufig zur Frage: Wie kann es gelingen und wer soll dabei sein. Dal werden sogar Bündnisse mit ÖVP oder NEOS “gegen die FPÖ” vorgeschlagen. Warum eine solche organisatorische “Breite” nicht die beste Antwort im Kampf gegen Faschismus, Rassismus oder Demokratieabbau ist, werden wir hier beantworten.

Seit den 1920er Jahren wurde in der 3. Internationale über die “Einheitsfront” diskutiert. Eine klare Taktik entstand erst aus der Erfahrung. Gemeint war die Bündelung der Kräfte von Organisationen der Arbeiter*innenklasse gegen die wachsende Bedrohung des Faschismus. Doch in den 1930ern beteiligten sich sozialdemokratische und stalinistische Parteien lieber an den letztlich gescheiterten “Volksfronten”, also an Bündnissen von Bürgerlichen und Arbeiter*innenparteien.

Ähnliche Diskussionen gibt es heute. In Russland oder Ungarn wird versucht, Putin und Orban zu schlagen, indem die jeweils aussichtsreichsten Kandidat*innen von der gesamten Opposition unterstützt werden. Da unterstützen dann Ungarns Sozialdemokratie und Grüne auch mal Jobbik.

Zentrales Ziel solcher Bündnisse ist der Schutz “der Demokratie”. Für Bürgerliche aber bedeutet das die bürgerliche Demokratie - und damit auch die kapitalistischen Eigentumsverhältnisse und alle Unfreiheiten einer kapitalistischen Gesellschaft. Dabei sind es doch genau diese Eigentumsverhältnisse, die Armut erzeugen und dem Faschismus die potenzielle Massenbasis liefern. Während faschistische Schlägertrupps Tatsachen schaffen, setzen bürgerliche “Demokrat*innen” auf Wahlen oder Klagen vor dem Verfassungsgerichtshof. Sie sehen hilflos zu, wie die Presse oder Versammlungen brutal von marodierenden Banden angegriffen werden. Sie hoffen auf eine Lösung durch mehr Sitze im Parlament oder eine Regierungsbeteiligung. Damit eng verbunden ist die Frage des “geringeren Übels”, also die Wahl einer Partei, die ein bisschen weniger mies als die ganz schlimme ist. So können zwar Parlaments- oder Gemeinderatssitze gewonnen werden, an der tatsächlichen Politik ändert das wenig bis gar nichts. Es werden Illusionen in eine Regierungsbeteiligung geschürt, die dann “alles richten” wird; Arbeitskämpfe, Mobilisierungen und Widerstand von unten wird sogar erschwert.

Die bürgerliche Demokratie, in all ihrer Beschränktheit (Ausschluss großer Teile der Bevölkerung von demokratischen Grundrechten, Bevorzugung von Profiten vor Menschenrechten…) ist dennoch für Arbeiter*innen ein Vorteil gegenüber (faschistischen) Diktaturen. Arbeiter*innen verteidigen auch gewerkschaftliche Rechte, das Recht zu demonstrieren und zu streiken. Es geht um den Kampf gegen Massenarmut und - elend. Und hier kommt es rasch zum Konflikt mit bürgerlichen “Demokrat*innen”, die sich hinter einer leeren Illusion der “Demokratie” verstecken. Tatsächliche Demokratie bedeutet aktive Entscheidungsgewalt in allen Bereichen des Lebens. Einen solchen Rahmen zu schaffen, steht aber im Widerspruch zu den herrschenden Eigentumsverhältnissen, denen Abhängigkeit und Unfreiheit folgen. Nur eine von ökonomischen Zwängen befreite Gesellschaft kann wirklich demokratisch sein. Eine Volksfront scheitert nicht an der Bereitschaft zur Breite, sondern an der Notwendigkeit, soziale und demokratische Kämpfe zu verbinden. Eine Einheitsfront ist kein Garant für Erfolg, aber die Basis, um Arbeiter*innen und Unterdrückten eine echte Chance im Kampf gegen Rechts zu geben.

Die Einheitsfrontmethode ist keine plumpe Formel, sondern eine konkrete Taktik, angepasst an konkrete Gegebenheiten. Auch in heutigen Bündnissen ist die Notwendigkeit, den Kampf für soziale und demokratische Rechte zu verbinden, zentral. Bei der Wahl unserer Bündnispartner können wir nicht auf die so wichtigen sozialen Forderungen verzichten, die nötig sind, um demokratische Grundrechte, den Lebensstandard und letztlich auch uns selbst gegen faschistische Übergriffe zu verteidigen. Bürgerliche Parteien sind verantwortlich für die Politik, die soziales Elend schafft - das durch rechtsextreme „Lösungen“ beantwortet wird. Wenn Bürgerliche verhindern wollen, dass antifaschistischer Kampf soziale Fragen aufwirft, entwaffnen sie ihn!

Wenn wir heute Einheitsfrontpolitik machen, schlagen wir ein Programm mit sozialen Forderungen vor, um so viele Menschen wie möglich (auch unorganisierte) für eine Kampagne gegen Kürzungspolitik und Demokratieabbau oder gegen Rechts zu gewinnen. Das Bündnisangebot ist dabei ein inklusives: Unabhängig von der politischen Mitgliedschaft am Papier, geht das Angebot an alle, die ein ernsthaftes Programm zur Verbesserung der Lage der Arbeiter*innenklasse unterstützen. Viele mögen noch Hoffnungen in den parlamentarischen Weg oder Bündnisse mit bürgerlichen Parteien haben, doch die Praxis zeigt, dass Orban nicht mit der Jobbik bekämpft werden kann.

Wir meinen: Statt täuschender “Breite” brauchen wir heute politische Klarheit und ein Programm nicht nur zur Verteidigung demokratischer Rechte, sondern für eine freie und wirklich demokratische Gesellschaft auch ohne soziale Unterdrückung.

 

Erscheint in Zeitungsausgabe: 

Gegen Rechts: Aus der Geschichte lernen

Kann in der heutigen kapitalistischen Klassenstruktur eine neo-faschistische Bewegung entstehen?
Franz Neuhold

In rechtsextremen Organisationen toben Richtungskämpfe. Es ist unerlässlich, sich einen Überblick für die Beurteilung der vielfältigen autoritären, rechtspopulistischen bis neo-faschistischen Gefahren zu verschaffen. Vergleichen wir dazu die 1930er mit heute.

Die Klassengesellschaften der Zwischenkriegszeit waren von einem sehr großen Kleinbürgertum in Stadt und Land geprägt. Dennoch dominierte in der Phase von Revolution und Gegenrevolution nach dem 1. Weltkrieg die Polarisierung zwischen den Hauptklassen: Arbeiter*innen und Besitzbürgertum. Der Faschismus trat als neues Phänomen dieser Verfallsepoche des Kapitalismus auf. Er verkörperte mehr als jene (groß)bürgerliche Unmenschlichkeit, die bereits im 1. Weltkrieg durchbrach. Die schweren Niederlagen der Arbeiter*innenbewegung seit 1914 waren für das Kapital nicht ausreichend zur Festigung seiner Macht. Die strukturelle Krise verlangte nach einem noch größeren Weltkrieg. Es durfte keinen Ansatz einer Opposition durch die Arbeiter*innenklasse mehr geben. Da das Bürgertum für diese Aufgabe allein auf Dauer zu schwach ist (trotz Polizei und diktatorischer Maßnahmen), brauchte es das in Rage versetzte Kleinbürgertum, welches ungeachtet seiner eigenen Illusionen im Wesentlichen zwei Aufgaben zu erfüllen hatte: die in der Defensive befindliche organisierte Arbeiter*innen-Bewegung zu zertrümmern und im ideologischen Wahn als Kanonenfutter für die anstehenden imperialistischen Schlachten bereit zu stehen. Beides konnte nicht mehr mit den bisherigen Parteien und Programmen erreicht werden.

Hier scheinen Ähnlichkeiten zum aktuellen Rechtspopulismus durch. Doch populistische „Anti-System-Haltung“ ist für eine Gleichsetzung mit Faschismus zu wenig. Entscheidend ist die Fähigkeit zu Massenmobilisierungen auf der Straße und nicht bloß Stimmabgabe bei Wahlen. Genau dieser scheinbare Anti-System-Kurs ist eine Quelle für Richtungskämpfe in rechtsextremen Parteien, die in sich auch Elemente neo-faschistischer Ideologie tragen; inkl. in Leitungs-Gremien. Hier sei auf die Lage der deutschen AfD (sowie FPÖ) hingewiesen. Selbst mit einer Spaltung oder Mehrheitsentscheidung weg von der Orientierung auf Regierungsbeteiligung und damit Töpfen voller Privilegien ist eine faschistische (Massen)bewegung noch nicht formiert. Welche Umwandlungsschritte braucht es von „Wutbürger*innen“ und „Protestwähler*innen“ hin zu jenem Abschaum, der keinerlei Hemmungen kennt, andere als minderwertig angesehene Menschen aktiv zu verletzen und zu töten? Dies ist nicht bloß durch Propaganda zu erreichen. Es hängt mit der weiteren Entwicklung des Krisen-Kapitalismus und den unvermeidlichen sozialen Kämpfen zusammen.

Sicherlich gibt es auch heute Kleinbürgertum bzw. Mittelschichten (im weiteren Sinn). Doch das Kleinbürgertum ist deutlich kleiner als vor einem Jahrhundert. Die Mittelschichten sind stärker „proletarisiert“, also zu einem guten Teil unselbständig oder schein-selbständig erwerbstätig. Dies ist ungeachtet der Tatsache, dass sich in Ermangelung einer starken kämpferischen Arbeiter*innen-Bewegung die wenigsten als Teil der Arbeitnehmer*innenschaft definieren. Dennoch: Das Klassengefüge entspricht nicht mehr jenem der Zwischenkriegszeit. Dies bedeutet nicht automatisch, dass es keine faschistischen Massenbewegungen mehr geben kann. Doch zumindest bedeutet es, dass die Spielräume dafür kleiner sind als damals ODER Faschismus heute in anderer Form auftreten und sich entfalten müsste. Jedenfalls ist zwischen „faschistisch“ (Ideologie sowie relativ kleine Organisationen) und „Faschismus als Massenbewegung des verzweifelten Kleinbürgertums“ zu unterscheiden.

In der Zwischenkriegszeit wurde von bürgerlichen Kräften inkl. den Führungen der Arbeiter*innen-Parteien das Konzept der „Volksfront“ durchgesetzt. Ein oberflächliches und falsches Argument war, dass die Arbeiter*innenklasse allein zu schwach wäre. Eine 'Volksfront' ist ihrem Wesen nach ein Bündnis, das sich zwar formal gegen den Faschismus stellt, jedoch nicht seine Ursachen bekämpft. Leo Trotzki nannte es eine “Koalition des Proletariats mit dem imperialistischen Bürgertum“. Während die politischen Kräfte dieses Bürgertums volle Handlungsfreiheit behalten, wird die der Arbeiter*innen brutal begrenzt. All das half letztlich dem Faschismus auf seinem Weg zur Macht. War damals schon die wirtschaftliche und gesellschaftliche Rolle einer geeinten und anti-kapitalistisch positionierten Arbeiter*innenschaft riesig, führen Entwicklungen der letzten Jahrzehnte zu einem noch klareren Bild. Blicken wir auf das ländliche Kleinbürgertum Frankreichs: damals wie heute machen die landwirtschaftlich bestellten Flächen 55% des Staatsterritoriums aus. Der Anteil am BIP beträgt jedoch heute magere 1,6 %, in den 30ern über 30%. Die Anzahl landwirtschaftlicher Betriebe drittelte sich 1970 bis 2007 von 1,6 Mio. auf 527.000. Die potentielle Dominanz der Arbeiter*innenklasse (inkl. ihrer Randschichten in den „Mittelklassen“) drückt sich auch durch die Erwerbsquote aus: obwohl sie in Frankreich im EU-Vergleich relativ niedrig ist, liegt sie dennoch bei ca. 72% (+ 10% Erwerbsarbeitslose)!

Ungeachtet des geschrumpften Kleinbürgertums gibt es Ansätze in neo-faschistischer Richtung, wie die Organisation „Génération Identitaire“. Elemente des Terrorismus sind bereits sichtbar (z.B. Schießerei bei einer rassistischen Attacke in Nizza 2020). Doch für neofaschistischen Terror sind die führenden Kapital-Fraktionen noch nicht zu erwärmen. Jegliches Durchwinken brachialen Rechtsterrorismus auf den Straßen würde auf eine Arbeiter*innen-Bewegung treffen, die trotz bisheriger Schwäche am aufsteigenden Ast sitzt. Die Anzeichen für eine Radikalisierung junger und besonders dynamischer Schichten gegen die Wirkungen der sozialen Krise UND die Gefahr von Autoritarismus und Neo-Faschismus häufen sich. Die Herrschenden können (noch) nicht jene Instabilität riskieren, die Neo-Faschismus für das gesamte System mit sich brächte. Das darf uns jedoch niemals in falscher Sicherheit wiegen.

Trotz der Gefahren, die durch Kräfte wie AfD (auch nach einer Spaltung), FPÖ und die bereits vorhandene Nazi-Terror-Szene ausgehen: über die letzten 30 Jahre war die organisierte Arbeiter*innen-Bewegung nur schwach präsent. Ihre Schwächen sind allerdings anderer Art als die schweren konterrevolutionären Niederlagen der Zwischenkriegszeit. Die Rückkehr einer internationalistischen und sozialistischen Stimmungslage kann in Verbindung mit der Mobilisierungsfähigkeit die Umwandlung von rechtsextremen Wahlparteien in neo-faschistische Bewegungs-Experimente entscheidend hemmen. Letztlich läuft jedoch alles auf einen direkten Kampf mit der herrschenden und besitzenden Klasse um die Eigentumsverhältnisse hinaus. Diese besitzt ihrerseits aufgrund globaler Widersprüche und dem Zusammenbruch etablierter Politik-Landschaften keineswegs die langfristige Stärke, die sie gegenwärtig in Form autoritärer Tendenzen zu zeigen versucht. Der im Kern völlig ausgehöhlte Kapitalismus kann tatsächlich pulverisiert werden, sobald sich die potentielle Stärke einer solidarischen globalen Bewegung mit klarem Programm und Handlungsanleitung formiert haben wird. Vom sozialen Fundament her kann sie sich auf etwa ¾ der Gesellschaft stützen.

 

Erscheint in Zeitungsausgabe: 

Der rechte Rand im Mai 2021

Katja

Martin Rutter ist zentraler Organisator der „Corona“-Demos. Am 10.4. hatten sie aufgerufen, mit Kindern zu kommen. Stattdessen kamen Rechtsextreme und Faschist*innen – u.a. der Identitäre Martin Sellner.

Rutter startete 2009 bei den Grünen, ging dann aber rasch zu Stronach, dem Team Kärnten und dann dem BZÖ, mit dem er 2019 als „Allianz der Patrioten“ antrat. „Stoppt die Rechten“ berichtet: „..bis er dort (beim Team Kärnten, Anm.) 2017 endlich wegen seines Auftritts beim rechtsextremen Ulrichsbergtreffen ausgeschlossen wurde.“ In seiner Rede zur „Migrationslüge“ erklärte er unter dem Applaus rechter Recken, mit Bezug auf „die Helden“ des 1. & 2. Weltkrieges und des (Kärntner) „Abwehrkampfes“: „es geht darum, das Feuer weiter zu tragen.“

Das sind einschlägige Codes, weitere, auch antisemitische, finden sich laut stopptdierechten.at auf seiner Facebook Seite: „Systemmedien“, „Volksverräter“, „Lügenpresse“, „Parasiten“ etc. Der Werbeunternehmer Rutter selbst war gut verdienender Abgeordneter zum Kärntner Landtag. Wie die Unterkärntner Nachrichten 2018 berichteten: „Aktuell verdient ein Landtagsabgeordneter in Kärnten 4.546,10 Euro brutto im Monat,...“

Als bei einer Corona Demo eine Regenbogenfahne zerrissen wurde, deutete er als „Sprecher“ gegenüber der APA diese Fahne zum Symbol der Pädophilie um und erklärte, dass „die Grünenbewegung…Pädophilie und Kindesmissbrauch straffrei stellen wollte“. Vor wenigen Wochen wurde er wegen Verhetzung - in erster Instanz und noch nicht rechtskräftig - schuldig gesprochen…

 

Erscheint in Zeitungsausgabe: 

Flüchtlingsbereich: Beschäftigte kämpfen

Die Lage an den EU Außengrenzen ist katastrophal (Moria, Kara Tepe…). Auch in Österreich verschlechtert sich die Unterbringungssituation Geflüchteter. Denn anstatt genügend Wohnraum zur Verfügung zu stellen, um menschenwürdige und corona-sichere Lebensbedingungen zu schaffen, werden hier Flüchtlingseinrichtungen aufgrund „mangelnder Auslastung“ geschlossen. Doch auch gegen diesen Zynismus regt sich Widerstand: Flüchtlingsbetreuer*innen waren schon in vergangenen Bewegungen wichtiger Teil antirassistischer Proteste – viele begannen im Zuge der Bewegung 2015 in diesem Bereich zu arbeiten. Kolleg*innen organisieren sich in Initiativen wie „Sozial, aber nicht blöd“ (mehr auf Seite 4), um für bessere Arbeitsbedingungen für Beschäftigte und bessere Lebensbedingungen für Geflüchtete zu kämpfen.

 

Erscheint in Zeitungsausgabe: 

Der rechte Rand - Gottfried Küssel

Katja

Gottfried Küssel tritt wie viele andere einschlägig Rechte bei den Corona-Demos wieder in Erscheinung und wie „Stoppt die Rechten“ berichtet: „Bei beiden Demos war der Neonazi Gottfried Küssel nicht bloß Zaungast, sondern…. in engem Austausch mit den Organisatoren Hannes Brejcha und Lucas Tuma“. Das Dokumentationsarchiv schreibt: “ VAPO-Vorsitzender Gottfried Küssel selbst bezeichnete sich auch öffentlich als Nationalsozialist. In einem Schulungsbrief der VAPO werden als Zielvorstellungen die ‚Neugründung der NSDAP‘ und die ‚erneute Machtergreifung‘ angegeben.“ Über Küssels Methoden berichtet Hans-Henning Scharsach, dass „Zur Vorbereitung der militärischen Machtergreifung Wehrsportübungen veranstaltet wurden, bei denen 13- bis 20-Jährigen‚ ‘militärische Tugenden‘ vermittelt werden sollten.” Wilhelm Lasek schreibt in "Funktionäre, Aktivisten und Ideologien der rechtsextremen Szene in Österreich", dass Küssel 1994 in einem „zweiten Prozess wegen NS-Wiederbetätigung zu 11 Jahren Haft verurteilt wurde.“ Küssel bleibt auf Linie und berichtet laut Standard in einem Interview mit einem Aktivisten aus dem Umfeld der Corona-Demos über seine Haft. Verbindungen zur FPÖ und den neofaschistischen Identitären, die ebenfalls kräftig bei den Corona-Demos mitmischen, verwundern wenig. Scharsach schreibt in “Stille Machtergreifung“ über Martin Sellner “von dem es Fotos gibt, wie er bei neonazistischen Veranstaltungen einträchtig mit Gottfried Küssel (...) marschiert.“ Auch 2021 marschieren die Kameraden wieder Seit an Seit...

 

Erscheint in Zeitungsausgabe: 

Die „Poor People’s Campaign“ wird 50 – Das radikale Erbe des Dr. Martin Luther King, Jr.

Der Artikel erschien erstmals am 29.01.2018 und wir veröffentlichen heute die deutsche Übersetzung anlässlich des Todestages von Martin Luther King
von Eljeer Hawkins, Socialist Alternative (ISA in den USA)

Am 4. Dezember 1967 kündigten Dr. Martin Luther King, Jr. und die Southern Christian Leadership Conference (SCLC) eine neue Kampagne und einen breiten Marsch an, um die endemische Armut, die unzureichenden Wohnverhältnisse und die strukturelle Arbeitslosigkeit zu thematisieren, die inmitten des enormen wirtschaftlichen Aufschwungs in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg herrschten. Um die Bedeutung dieser Initiative zu verstehen, müssen wir uns die Dynamik des schwarzen Freiheitskampfes zu diesem Zeitpunkt und die Entwicklung von Dr. Kings Meinung in eine radikale Richtung anschauen.

Der Nachkriegsboom hatte widersprüchliche Auswirkungen. Er verbesserte die materiellen Bedingungen eines Teils der schwarzen Bevölkerung und steigerte ihre Zuversicht, zu kämpfen, und machte die Rassentrennung und den beißenden Rassismus noch unerträglicher. Gleichzeitig blieben große Gruppen in entsetzlicher Armut auf dem Land und in den Städten zurück. Das Selbstvertrauen zum Kämpfen wurde im Norden durch die Erfahrung hunderttausender schwarzer Arbeiter*innen in militanten industriellen Massengewerkschaften, die im Congress of Industrial Organizations (CIO) zusammengeschlossen waren, weiter gestärkt. Hinzu kam die Erfahrung schwarzer Soldat*innen im Zweiten Weltkrieg und in Korea, die entschlossen zurückkamen, sich nicht länger damit abzufinden, als Untermenschen behandelt zu werden. Diese ehemaligen Soldat*innen spielten eine Schlüsselrolle in der Frühphase der Bürgerrechtsbewegung.

Die Bürgerrechtsbewegung geht in den Norden

Nach den enormen Erfolgen der Bewegung im Süden eröffnete sich im Norden eine neue Phase des Kampfes, die andere Herausforderungen mit sich brachte. Die städtischen Aufstände in Watts, New York, Detroit und vielen anderen Städten Mitte bis Ende der 1960er Jahre waren der Höhepunkt des Versagens des Kapitalismus und des Liberalismus von Präsident Lyndon B. Johnson, die systemischen Probleme zu lösen. Probleme, denen eine junge Generation der Afroamerikaner*innen ausgesetzt war, die in den 1920er und 40er Jahren in den Norden ausgewandert waren, um der ländlichen Armut, der weißen Vorherrschaft, der Gewalt und Jim/Jane Crow (Bezeichnung für rassistische Gesetzgebung, Anm. d. Übers.) zu entkommen. Allein im Jahr 1967 gab es von Januar bis September 160 Aufstände.

Der Bericht der Kerner-Kommission (von Präsident Johnson eingesetzte Kommission zur Untersuchung der Ursachen der Aufstände des Sommers 1967, Anm. d. Übers.) sollte bestätigen, was viele in der schwarzen Freiheitsbewegung und der schwarzen Gemeinschaft wussten – dass die städtischen Aufstände nicht von militanten Unruhestifter*innen verursacht wurden, sondern von den Bedingungen des Rassismus, der bitteren Armut und der systemischen Vernachlässigung durch die US-Regierung.

Dr. Kings Reisen nach Watts in Los Angeles und in die schwarzen Gemeinden in den Städten des Nordens halfen ihm zu erkennen, dass ihre Kultur, ihre Führung und ihre städtische Situation ganz anders waren als die Bedingungen, mit denen die Schwarzen im Süden konfrontiert waren. Die afroamerikanische Community im Norden stellte Dr. Kings Taktik des gewaltlosen zivilen Ungehorsams in Frage. Dr. King und die Bewegung investierten Zeit, um die Bedingungen der schwarzen Arbeiter*innen und armen Menschen im Norden genau zu verstehen. So mieteten Dr. King und seine Familie eine Wohnung in der überwiegend schwarzen West Side von Chicago.

Die Black-Power-Bewegung wurde von den revolutionären Kämpfen in Afrika, Lateinamerika und der Karibik inspiriert. Einzelpersonen wie Robert F. Williams und Malcolm X und Organisationen wie die Black Panther Party, das Student Nonviolent Coordinating Committee (SNCC) und das Radical Action Movement entfachten eine weitreichende Diskussion über Selbstbestimmung, Selbstverteidigung, politische und wirtschaftliche Macht. Die Black-Power-Bewegung umfasste verschiedene politische Strömungen, die vom Sozialismus über den revolutionären Nationalismus bis hin zum Maoismus und schwarzen Kapitalismus reichten. Das forderte Dr. King heraus, sein Denken neu zu formulieren und brachte seine radikale Seite zum Vorschein.

Die frühere Phase und der Charakter der Bürgerrechtsbewegung war mit dem liberalen Flügel der Demokratischen Partei verbunden und wurde von einem gradualistischen Ansatz dominiert, der die brutalen Realitäten der weißen Vorherrschaft und des institutionellen Rassismus im Süden in den Vordergrund stellte. Das Ziel der Bewegung war es, die US-Regierung in Verlegenheit zu bringen und die rechtliche Gleichstellung, einschließlich des Wahlrechts im Süden, durchzusetzen.

King und der Vietnamkrieg

Um die Entwicklung der „Poor People's Campaign“ vollständig zu verstehen, muss man sich mit Dr. Kings „Beyond Vietnam: A Time to Break Silence“-Rede am 4. April 1967 in der Riverside-Kirche in Harlem, New York, beschäftigen. „Beyond Vietnam“ (Jenseits von Vietnam) war eine kraftvolle Anklage gegen den US-Imperialismus. Sie markierte einen Wendepunkt in Dr. Kings öffentlichem Wirken und in der Bürgerrechts- und Antikriegsbewegung. Es waren Ereignisse wie die Umleitung von einer halben Milliarde Dollar aus kommunalen Aktionsprogrammen für Kriegsausgaben in Vietnam sowie die zunehmende Zahl von Todesopfern unter US-Soldat*innen – insbesondere unter schwarzen Soldat*innen, die unverhältnismäßig häufig in Kampfeinheiten eingesetzt wurden –, die Dr. King veranlassten, öffentlich und mit Nachdruck aufzutreten. Von Januar bis November 1966 war fast ein Viertel der Opfer in der Armee Schwarze.

Die Themen der „Beyond Vietnam“-Rede, die von dem Historiker und Reverend Vincent Harding mitverfasst wurde, sollten sich auf die Verflechtung des nationalen und internationalen Kampfes für Freiheit und wirtschaftliche Gerechtigkeit beziehen. Dr. Kings Verwendung der Begriffe Imperialismus, Kolonialismus, Rassismus, Atomkrieg, Militarismus und Armut – er bezeichnete das Großkapital und die amerikanische Regierung als den größten Verursacher von Gewalt und als Unterstützer einiger der brutalsten Diktaturen der Welt – zeigte, dass er begonnen hatte, die Grundlagen des globalen Kapitalismus und seinen gewalttätigen Ausdruck, den Krieg, zu analysieren.

In einer Rede im Jahr 1966 erklärte Dr. King: „Wir haben es mit Klassenfragen zu tun. Etwas stimmt nicht mit dem Kapitalismus. Vielleicht muss sich Amerika in Richtung demokratischer Sozialismus bewegen.“ Sein Sozialismus war jedoch nicht in einer ernsthaften Klassen- und marxistischen Analyse des Kapitalismus verwurzelt, trotz der Lektüre der Werke von Marx. Dr. King war inspiriert vom frühen Christentum und einer egalitären Interpretation des christlichen Glaubens. Dr. Kings christlich-demokratischer Sozialismus wurde nie auf öffentlichen Veranstaltungen oder von der Kanzel aus artikuliert, sondern nur bei privaten Treffen der SCLC. Er war unerschütterlich in seinem Glauben an eine menschlichere und spirituelle Vision der Welt.

Die Geburt der „Poor People's Campaign“

Die Geburt der „Poor People's Campaign“ (Kampagne der Armen) wurzelte in einer Kritik des US-Kapitalismus, einschließlich der Opposition gegen Konsumgesellschaft, Imperialismus, Militarismus, Rassismus und strukturelle Armut. Dr. King sprach davon, die Bedürfnisse der Menschen vor die Profitmargen zu stellen und warf damit die Frage nach politischer und wirtschaftlicher Macht auf. Die „Poor People's Campaign“ entstand aus einer intensiven Debatte und Diskussion innerhalb der SCLC über ihre Ziele und Absichten im Kampf gegen die Armut und über die Ressourcen, die für ein solch großes Projekt benötigt wurden.

Die „Poor People's Campaign“ sollte schließlich zu einer Spaltung innerhalb der SCLC führen, da viele der führenden Aktivist*innen sich ausschließlich als Organisator*innen für Schwarze sahen, und nicht für die breitere Arbeiter*innenklasse und die Armen. Der Plan war, am 22. April 1968 einen riesigen Marsch zu organisieren, der in einem permanenten Zeltlager in Washington, D.C. namens „Resurrection City“ gipfelte, bis ihre Forderungen erfüllt waren. Der Titel des Zeltlagers war eine religiöse Anspielung auf die Auferstehung Christi und diente als Zeugnis für die Auferstehung der Menschen.

Die Forderungen umfassten eine Reihe von radikalen und weitreichenden Reformen:

  • 30 Milliarden Dollar jährliche Mittel für die Armutsbekämpfung [heute 213 Milliarden Dollar];

  • Verabschiedung der Vollbeschäftigung durch den Kongress;

  • Garantierter Jahreslohn;

  • Bau von 500.000 preisgünstigen Wohnungen zur Beseitigung der Slums;

  • Petition an die Regierung zur Verabschiedung einer Economic Bill of Rights.

King erwartete gewaltsame Konfrontationen mit der Bundesregierung und ihren Truppen in Washington, D.C. Historisch gesehen wäre dies nicht das erste Mal gewesen, dass ein Aufmarsch in der Hauptstadt der USA stattfinden würde. Im Jahr 1932 marschierten Veteranen nach Washington D.C. und forderten die Zahlung von Prämien, die ihnen für ihren Militärdienst im Ersten Weltkrieg versprochen worden waren, und wurden von Bundestruppen gewaltsam angegriffen.

Der Streik der Arbeiter*innen im Sanitärbereich von Memphis im Jahr 1968 war ein Beispiel für den Kampf um wirtschaftliche Gerechtigkeit. Die Arbeiter*innen forderten ein Ende der Armutslöhne und griffen damit Dr. Kings Frage auf: „Was nützt es einem Mann, an einem integrierten Mittagstisch essen zu können, wenn er nicht genug Geld hat, um sich einen Hamburger zu kaufen?“ Der Streik forderte die Kultur der Unterdrückung und Minderwertigkeit heraus, die die schwarzen Arbeiter*innen, die schwarze Arbeiter*innenklasse und die Armen von der Sklaverei bis zu Jim und Jane Crow täglich ertragen mussten. Dr. Kings Teilnahme am Streik war kein Zufall; sie war in den politischen, wirtschaftlichen und sozialen Zielen der „Poor People's Campaign“ verankert.

Dr. King verstand politisch die Bedeutung der Verbindung zwischen der Arbeiter*innenbewegung und der Bürgerrechtsbewegung. Die Industriellen und das Großkapital bekämpften sowohl die Arbeiter*innen- als auch die Bürgerrechtsbewegung, indem sie die Löhne niedrig hielten und Streiks für gewerkschaftliche Vertretung und bessere Arbeitsbedingungen gewaltsam angriffen. Die Kapitalist*innenklasse der USA und ihre politischen Vertreter*innen haben immer Rassismus und Sexismus benutzt, um die Arbeiter*innenklasse zu spalten und den schwarzen Massen, Immigrant*innen und Frauen Menschenrechte, wirtschaftliche Gerechtigkeit und sozialen Aufstieg zu verweigern.

Die „Poor People's Campaign“ sollte eine multiethnische Koalition von Organisationen und Einzelpersonen aus der Gruppe der Puertoricaner*innen, Latinx, Indigenen, Schwarzen, Weißen aus den Appalachen, der Arbeiter*innen, der Kirchen und der Armen zusammenbringen. Die Einbeziehung von alleinerziehenden Müttern, sozialhilfeabhängigen Haushalten und Organisationen wie der National Welfare Rights Organization (NWRO) würde sexistische Vorstellungen in der Bewegung herausfordern und Dr. King über die Probleme von Frauen und Familien, die von Sozialhilfe abhängig sind, aufklären. Dr. King und die Bewegung versuchten, einen Weg zu finden, das dreifache Übel von Armut, Rassismus und Krieg zu beenden. Dr. King begann, eine militantere Herangehensweise an zivilen Ungehorsam und Taktiken der direkten Aktion zu propagieren als die, die in der Südstaatenbewegung gegen Jim Crow verwendet wurde.

Ein Beispiel dafür waren die Proteste, Boykotte und Sit-ins vor Firmensitzen, die der organisatorische Arm der SCLC, die „Operation Breadbasket“, unter der Leitung des damals radikalen Jesse Jackson in Chicago durchführte. Dies waren die Anfänge einer kämpferischen Antwort auf die Armut, in deren Mittelpunkt die Forderung nach einer radikalen Umverteilung von Reichtum und Ressourcen stand.

Dr. King reiste als Organisator für den Marsch der „Poor People's Campaign“ im ganzen Land hin und her. Der erste von Dr. King angeführte Marsch in Memphis zur Unterstützung der Arbeiter*innen am 28. März 1968 endete in Gewalt, als Polizeiprovokateure, Mitglieder der Organisation „The Invaders“ und Jugendliche begannen, Fensterscheiben einzuschlagen und Eigentum zu zerstören. Da Dr. King immer erklärt hatte, er würde niemals einen gewalttätigen Marsch anführen, verließ er den Marsch.

Am 3. April 1968 kehrte Dr. King nach Memphis zurück, um einen weiteren Marsch zu organisieren und kämpfte gegen eine Verfügung der Stadtverwaltung und des Großkapitals. An diesem Abend hielt er seine letzte Rede, „I've Been to the Mountaintop“, eine Rede, die er schon einmal gehalten hatte. Diese Version war jedoch von einer unheimlichen Stimmung erfüllt. Dr. Kings politischer Werdegang führte zu einer Zunahme der täglichen Morddrohungen und einer intensiven Überwachung durch das FBI. Dr. King war eine zunehmende Bedrohung für den US-Imperialismus im In- und Ausland. Am 4. April um 18:01 Uhr auf dem Balkon des Lorraine Motels wurde das Leben und die Mission eines Revolutionärs mit einem einzigen Schuss beendet.

Der Maultierzug nach Resurrection City

Die öffentliche Ermordung von Dr. Martin Luther King, Jr. war ein gewaltiger Tiefschlag für die Bewegung gegen Rassismus, Kapitalismus und Krieg. Der neue Marsch auf Washington verlor seinen wichtigsten Wortführer, dessen neue Richtung eine neue Phase der Freiheitsbewegung hätte einleiten können – die Vereinigung der arbeitenden und armen Menschen unabhängig von Hautfarbe, Glaubensrichtung und Nationalität. Im ganzen Land explodierten die schwarzen Gemeinden in berechtigter Empörung über Dr. Kings Tod. Die „Poor People's Campaign“ wurde unter der Führung von Dr. Kings engem Freund und Mitarbeiter, Rev. Ralph Abernathy, weitergeführt. Der Marsch auf Washington D.C. wurde auf den 12. Mai 1968 verschoben.

Die Kampagne begann in Marks, Mississippi, in einer der ärmsten Regionen des Landes, die Dr. King zweimal aufgesucht hatte. Mehrere Karawanen von Armen, die von verschiedenen Punkten des Landes aus starteten, sollten in Washington D.C. zu der von Coretta Scott King, Dr. Kings Witwe, angeführten Kundgebung zusammenkommen und danach sollte die Zeltstadt „Resurrection City“ errichtet werden.

Die Shanty-Stadt sollte an die Bedingungen der Armen unter dem US-Kapitalismus und Rassismus erinnern. Die nächste Phase der Kampagne zielte auf eine massenhafte Störung des Alltagsgeschäfts der staatlichen Institutionen ab. Die Demonstrant*innen würden sich in gewaltlosem zivilen Ungehorsam engagieren, der Verhaftungen provozieren sollte. Die zweite Phase würde zu einem landesweiten Boykott von Betrieben und Einkaufszentren in Großstädten führen, mit dem erklärten Ziel, Druck auf die Anführer*innen der Wirtschaft auszuüben, um den Kongress zu zwingen, die Fünf-Punkte-Forderungen der „Poor People's Campaign“ zu akzeptieren.

Auf dem Höhepunkt der „Poor People's Campaign“ gab es 7.000 Teilnehmende, was unter den geschätzten 50.000 lag. Schlechte Wetterbedingungen, Angriffe der Medien, Politiker*innen und organisatorische Querelen führten zum Untergang dieser mächtigen Initiative. „Resurrection City“ würde offiziell am 19. Juni 1968 enden, heimgesucht von Gewalt in der Zeltstadt und Provokationen der Strafverfolgungsbehörden.

50 Jahre später: Ein neues goldenes Zeitalter

Fünfzig Jahre nachdem Dr. King versuchte, eine Massenkampagne der Armen zu starten, ist die Realität der Ungleichheit in den USA und der Welt noch extremer. Fünf Milliardär*innen besitzen mehr Vermögen als die untere Hälfte der Weltbevölkerung, das sind 3,8 Milliarden Menschen. Oxfam hat gerade berichtet, dass 82% des im letzten Jahr erwirtschafteten Geldes an die reichsten 1% der Welt gingen. Wir leben wirklich in einem neuen goldenen Zeitalter, in dem der Reichtum und die Ressourcen der Welt in so wenigen Händen gehalten werden.

Vor kurzem hat der Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen für extreme Armut und Menschenrechte einen Bericht veröffentlicht, nachdem er durch die Vereinigten Staaten gereist war. Der Bericht hob das tiefe Ausmaß der Einkommensungleichheit, der Armut und der beklagenswerten Bedingungen in der reichsten Nation der Menschheitsgeschichte hervor.

In den letzten Jahren hat Black Lives Matter (BLM) schwarzen Arbeiter*innen, Jugendlichen und den am meisten Unterdrückten ein kraftvolles Beispiel für den sozialen Kampf gegen die Gewalt der Strafverfolgungsbehörden gegeben. Aber BLM hat sich schwer getan, sich wirklich in der schwarzen Arbeiter*innenklasse zu verwurzeln und eine anhaltende Bewegung um ein Programm herum aufzubauen, das die Bedürfnisse der Arbeiter*innen und Armen anspricht. Hinzu kommt, dass Trump und der rassistische Justizminister Jeff Sessions in die Offensive gegen die BLM-Bewegung und den Aktivismus gegangen sind. BLM steht heute an einem Scheideweg.

Rev. Liz Theoharis und Rev. Dr. William J. Barber II – die den NAACP Ortsverband in North Carolina und die Moral-Monday-Bewegung leiteten – haben zu einer 2018er Version der „Poor People's Campaign“ aufgerufen. Diese Initiative kommt zu einem entscheidenden Zeitpunkt, da die Republikaner versuchen, eine Tagesordnung umzusetzen, die sich direkt gegen die Armen, People of Color, Immigrant*innen und die breitere Arbeiter*innenklasse richtet.

Es ist schwer zu sagen, ob die neue „Poor People's Campaign“ wirklich durchstarten wird, aber ihre Organisator*innen gehen in die richtige Richtung – in Richtung der Notwendigkeit einer neuen multiethnischen Bewegung der arbeitenden Menschen, der Armen und der am meisten Unterdrückten. Bernie Sanders' Kampagne im Jahr 2016 hat auch die Notwendigkeit einer massiven Umverteilung der gesellschaftlichen Ressourcen zur Beendigung der Armut angesprochen. Aber wir werden noch weiter gehen und eine neue politische Partei schaffen müssen, die sich an den Interessen der arbeitenden Menschen und der Armen orientiert und die das gesamte kapitalistische Establishment herausfordern kann, das am Entstehen der Bedingungen, die wir heute sehen, mitschuldig ist. Wie Dr. King kraftvoll ausrief: „Unterdrückte Menschen können nicht ewig unterdrückt bleiben.“

Gewerkschaftliche Offensive als Alternative zu Corona-Leugner*innen und Regierung

Der nationale Schulterschluss der Gewerkschaftsführung mit der Regierung hilft weder gegen Leugner*innen und Rechtsextreme noch gegen Corona.
Sonja Grusch

Widerstand regt sich - aber wo bleibt der ÖGB?

Die Infektionszahlen bleiben hoch, die Übersterblichkeit ist Ausdruck des Versagens der Herrschenden. Arbeitslosigkeit, Zukunftsangst und damit einhergehend psychische Erkrankungen erreichen traurige Höchstwerte. Monatelange Lockdowns sowie mangelhafte oder sogar falsche Informationen durch die Regierung und dazu noch das Impfchaos - all das macht unsicher und wütend. Doch nichts davon musste so kommen! Im Gegenteil ist die aktuelle Situation weder “gottgegeben” noch “natürlich” oder “unvermeidbar”: sie ist das Ergebnis einer Politik, für die “die Wirtschaft” im Zentrum steht und Menschen nur das nötige Anhängsel sind. Die aktuellen Engpässe im Gesundheitswesen hätten vermieden werden können. Langfristig, indem der Kürzungswahnsinn z.B. im Gesundheitswesen schon vor Jahren gestoppt und umgekehrt hätte werden müssen. Aber auch kurzfristig, in den rund 12 Monaten seit Ausbruch der Pandemie, hätte mit den entsprechenden Maßnahmen die gesundheitliche, soziale, psychische und ökologische Katastrophe verhindert werden können. Und grundsätzlich: wenn nämlich nicht Profite, sondern Menschen im Zentrum stehen - doch das ist im Kapitalismus nicht vorgesehen und nicht möglich.

Von einer Regierung der Reichen und Kapitalist*innen war nicht zu erwarten, die notwendigen Maßnahmen zu setzen, hätte das doch bedeutet, Geld von oben nach unten umzuverteilen und die Politik an gänzlich neuen Parametern auszurichten. Doch es gibt ja nicht nur die Regierung, sondern eine Organisation mit über einer Million Mitglieder, die den Anspruch hat, die Interessen der Beschäftigten und ihrer Familien, die Arbeiter*innenklasse, zu vertreten. Die Rede ist vom ÖGB sowie den Fachgewerkschaften. Dieser ist Teil diverser Verhandlungen und kreidet auch einige der aktuellen Missstände an. Doch wir wollen hier ein paar zentrale Punkte aufzeigen, die nötig gewesen wären - und immer noch sind - um die Corona-Krise wirklich zu bekämpfen. Wir können hier nur einige Punkte anführen, weit mehr haben wir in zahlreichen anderen Artikeln zum Thema erarbeitet:

Schutz der Menschen, nicht der Profite

Die Maßnahmen der Regierung waren und sind halbherzig. Während wir private Kontakte einschränken sollen, werden bei den Öffis die Intervalle reduziert, was dazu führt, dass die Unzähligen, die nach wie vor in die Arbeit oder zur Schule fahren müssen, in vollen Bussen, Straßenbahnen und Zügen stecken. Unternehmen bleiben offen und in vielen Betrieben wird dicht an dicht gearbeitet. Wäre es in der ersten Welle zur Schließung von nicht systemrelevanten Unternehmen wie z.B. den Waffenproduzenten Glock bei Jobgarantie und voller Bezahlung der Beschäftigten gekommen, hätte eine weitere Ausbreitung vielleicht überhaupt gestoppt werden können. Doch je länger die Pandemie andauert um so weniger ist das komplette Runterfahren der Wirtschaft eine Option - auch weil die meisten Beschäftigten froh sind, überhaupt noch einen Job zu haben. Nun brauchen wir einen Überblick, Koordination, Umstellung und Planung der gesamten Wirtschaft: was ist sinnvoll und soll weiter produziert werden? Wo kann Produktion umgestellt werden? Welche Sicherheitsmaßnahmen können gesetzt werden Und wo kann die Arbeitszeit bei vollem Bezug gekürzt werden. Eine solche Planung kann nicht “Expert*innen” von außen überlassen werden sondern muss von Beschäftigten selbst gemeinsam mit Vertreter*innen von Gesellschaft und Arbeiter*innenklasse erfolgen. Wofür hätte die Gewerkschaft stattdessen einen Kampf organisieren müssen:

  • Das Recht, bei vollem Bezug bei den Kindern zuhause bleiben zu können.

  • Zentrale Planung für gestaffelte Anfangszeiten in Firmen und Schulen, mehr Ressourcen für die Öffis und Nulltarif.

  • Umfassende Schutzmaßnahmen, inklusive ausreichender Pausen für alle Beschäftigten, erarbeitet von Sicherheitsteams aus Kolleg*innen vor Ort die die Situation am besten kennen. Überwachung dieser Maßnahmen durch Beschäftigte, Betriebsrät*innen, zusätzliche Kräfte bei den Arbeitsinspektoraten, AK und Gewerkschaft. Voller Schutz für Beschäftigte, die Missstände aufzeigen, vor Schikanen durch die Firmen.

  • Ein gesamtgesellschaftlicher Plan, erarbeitet durch Gewerkschaften, Betriebsräte und Beschäftigte zur Kontrolle, wie Wirtschaft und Produktion im Interesse von Gesundheit und Erhalt von Arbeitsplätzen organisiert werden können. 

Insbesondere im Gesundheits- und Bildungswesen waren die Bedingungen schon vor Corona mehr als Mangelhaft: zu wenig Personal, zu wenig Ressourcen, zu wenig Zeit. Viele Beschäftigte im Gesundheitswesen fühlen sich zu recht verarscht, wenn ihnen als “Held*innen” auf die Schulter geklopft wird, dann aber kein zusätzliches Personal angestellt wird. Die Überlastung des Gesundheitswesens hat nicht erst mit Corona begonnen sondern ist das Ergebnis von Jahrzehnten von Kürzungen und Sparmaßnahmen. Im Bildungswesen ignoriert die Gewerkschaft das Sicherheitsbedürfnis der Beschäftigten weitgehend und argumentiert für “Öffnung”, ohne sich um den gesundheitlichen Schutz von Beschäftigten, Schüler*innen und ihren Angehörigen zu kümmern. Dabei geht es nicht um “die Kinder”, wie gerne behauptet wird, sondern die Schule wird im wesentlichen als Aufbewahrungseinheit für Kinder gebraucht, damit die Eltern arbeiten können. In diesem Bereich wird besonders deutlich, dass die Gewerkschaft, als Folge ihres staatstragenden Agierens, weit hinter den Notwendigkeiten zurück bleibt. Anstatt die breite Solidarität und Wertschätzung mit den Beschäftigten in den “systemrelevanten” Bereichen zu nutzen um durch breite Kampagnen endlich notwendige Verbesserungen durchzusetzen, beschränkt sich die Gewerkschaft im großen und ganzen auf Presseaussendungen. Wofür hätte die Gewerkschaft stattdessen einen Kampf organisieren müssen:

  • Corona-Zulage pro Monat erschwerter Arbeit unter Corona-Bedingungen, ohne Schlupflöcher für die Firmen

  • Zusätzliches Personal auf Basis eines Bedarfs-Planes, erstellt von den Beschäftigten selbst, die am besten wissen, was nötig ist.

  • Bessere Bezahlung und Arbeitsbedingungen, um ehemalige Pflegekräfte und Lehrer*innen zurück zu gewinnen.

  • Bezahlte Ausbildung und Jobgarantie, um zusätzliches Personal zu schaffen.

  • Nutzung der Ressourcen in den Ministerien, Bildungsdirektionen und bei Lehramtsstudierenden, um alternatives Unterrichtsmaterial für Distance-Learning, Outdoor-Unterricht und Projektunterricht zu schaffen.

  • Längerfristige Planung um gestaffelten Unterricht, ausreichend Personal, zusätzliche Räume etc. rechtzeitig bereit zu stellen - diese Planung nicht durch “Expert*innen” die keine Ahnung von der Praxis haben, sondern von Schüler*innen, Lehrer*innen etc. selbst.

  • Ausreichend finanzielle Mittel um sicherzustellen, dass notwendiger Schutz und gute Betreuung nicht an Finanzierungsfragen scheitern

Seit Monaten herrscht das Chaos, sei es bei Schutz- und Sicherheitsmaßnahmen, bei der Schule und nun beim Impfen. Der Grund ist, dass die Interessen “der Wirtschaft” im Vordergrund stehen - bei der Frage “Skifahren” wird das überdeutlich. Zwei Probleme kommen hier zusammen: ein Föderalismus, der den Mangel verwalten soll, und der heilige Markt, dem die Regierung letztlich alles überlässt. Im 21. Jahrhundert, mit Internet und Großrechnern ist es geradezu absurd, welches Chaos beim Impfen herrscht. Wofür hätte die Gewerkschaft stattdessen einen Kampf organisieren müssen:

  • Die Information nicht den Medien und den Verschwörungs-Schwurblern überlassen, sondern selbständig regelmäßige, mehrsprachige, wissenschaftlich fundierte und niedrigschwellig aufbereitete Informationen aus dem Blickwinkel der Arbeiter*innenklasse produzieren und über Betriebsräte, aber auch Zusendung an Gewerkschaftsmitglieder (bzw. über die Arbeiterkammer), öffentliche Informationskampagnen und Diskussionen auf Betriebsversammlungen verbreiten.

  • Kampf für die Umstellung der Produktion, wo dies möglich ist (und das wissen die Beschäftigte der Firmen sehr genau) auf Schutz (Masken, Desinfektionsmittel, Test etc.) und Behandlung (Beatmungsgeräte, Impfstoff etc.) - auch in Österreich gibt es Pharmaunternehmen!

  • Kampf für die Offenlegung aller Patente und Forschungsergebnisse, damit diese für alle genutzt werden können.

  • Kampf für die kostenlose Abgabe von Masken, Schnelltests, Impfungen etc. in ausreichender Menge

  • Kampf für einen nationaler Impfplan auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse und nicht von Freunderlwirtschaft

  • Kampf für eine Kontrolle der Produktion und Verteilung durch demokratisch gewählte Vertreter*innen der Arbeiter*innenklasse und der Beschäftigten - keine Profite mit Corona, keine Chance der Korruption!

Corona hat die tiefste Wirtschaftskrise seit 100 Jahren ausgelöst die zu Pleitewelle und Massenarbeitslosigkeit führen wird, wenn die Gewerkschaftsführung weiter ihre Politik des nationalen Schulterschlusses fährt. Die Wirtschaftskrise ist kein Naturereignis und wird auch mit dem Ende von Corona, so es denn kommt, zu Ende sein, weil sie in den tieferliegenden Widersprüchen des Kapitalismus wurzelt. Die Gewerkschaftsführung ist sich bewusst, dass sie im Rahmen der kapitalistischen Logik wenig Möglichkeiten hat, die Interessen der Arbeiter*innenklasse (der Beschäftigten, der Arbeitslosen und ihrer Familien) durchzusetzen, wenn die Krise an Fahrt aufnimmt. Deshalb hofft sie mit pseudo-cleveren Argumenten wie “mehr Beschäftigte bedeuten mehr Nachfrage” Regierung und Unternehmen zu “überzeugen”. Sie übersieht dabei aber völlig, dass jedes Unternehmen will, dass die anderen gut zahlen, damit deren Beschäftigte den eigenen Kram kaufen, aber selbst billig produzieren muss, um konkurrenzfähig zu bleiben. Auch wenn die Herrschenden von neoliberalen Dogmen abgehen und auf stärkere Staatsintervention setzen, bedeutet das nicht das Ende von Angriffen auf Löhne, Soziales und Jobs. Es gibt keine “gemeinsamen” Interessen, sondern widersprüchliche, es gibt daher auch keine gemeinsamen Lösungen! Die Zahlen zeigen: Österreich hat trotz des Stillhaltens der Gewerkschaft (die z.B. Anfang 2020 den Streik im Sozialbereich abgewürgt hat) den tiefsten wirtschaftlichen Einbruch in der EU. Es braucht  also ganz andere Maßnahmen! Wofür hätte die Gewerkschaft stattdessen einen Kampf organisieren müssen:

  • Job- und Einkommensgarantie für alle Beschäftigten, egal ob Firmen wegen Corona und/oder Wirtschaftskrise geschlossen sind.

  • Angesichts der steigenden psychischen Belastung: mehr Zugang zu psychologischer Betreuung, Recht auf voll bezahlten Krankenstand, ohne Schikanen von AMS oder ÖGK. 

  • Offenlegung der Unterlagen über Reserven, Ausschüttungen und die wirtschaftliche Lage der Firmen insgesamt. Diese müssen herangezogen werden, um Jobs und Einkommen der Beschäftigten zu sichern, dabei müssen auch die Vermögen der Eigentümer herangezogen werden. 

  • Gibt es keine Mittel mehr, Übernahme dieser Firmen durch die öffentliche Hand und unter Kontrolle und Verwaltung der Beschäftigten. So kann die Basis für den Aufbau eines öffentlichen Sektors gelegt werden, der genutzt werden kann, um die zentralen Herausforderungen unserer Gesellschaft, wie die ökologische Transformation, zu bewältigen.

  • Unterstützung für Kleinstunternehmen und Ein-Personen-Unternehmen bei erwiesener Bedürftigkeit.

  • Eine internationale Vernetzung und einen länderübergreifenden Kampf, um weltweit zu verhindern, dass Superreiche, Banken und Konzerne die Krise auf dem Rücken von Arbeiter*innen und Jugendlichen abladen. Dazu braucht es auch gemeinsame, demokratische Planung der Produktion und Verteilung.

Wir alle erleben Tag für Tag, wie unsere Erfahrungen nicht zur Propaganda der Regierung passt. Wir sehen, dass Kranke, selbst mit Corona, zum Arbeiten gezwungen werden, dass in den Schulen die versprochenen Tests nicht da sind, dass die Pensionist*innen die versprochenen Masken nicht erhalten haben, dass Kolleg*innen aus dem Krankenstand zurückgeholt werden obwohl sie krank sind… Wir alle erleben Tag für Tag, dass die Einhaltung der Maßnahmen nicht daran scheitert, dass die Menschen kein Verständnis dafür haben, sondern keine Möglichkeit. Gemeint sind hier nicht die “reichen und schönen” Freund*innen der ÖVP in ihren Luxuswohnungen, sondern Menschen, denen in zu kleinen Wohnungen die Decke auf den Kopf fäll,t oder Alleinerzieher*innen, die Arbeiten gehen müssen und kein Recht auf Sonderbetreuungszeit haben. 

Die Gewerkschaft macht auf staatstragend

Zu vielen der Missstände schweigt die Gewerkschaft - viele Kolleg*innen gerade im Gesundheits- und Bildungswesen fühlen sich von “ihrer” Gewerkschaft allein gelassen. Wo ist der Aufschrei über fehlende Unterstützung angesichts der monatelangen Dauer-Überlastung? Wo sind die Aktionen gegen die Schikanen gegenüber Kranken? Wo die Kampfmaßnahmen gegen Betriebsschließungen und Massenarbeitslosigkeit? Nicht einmal die sonst zum ohnehin zahnlosen Arsenal gehörenden Klagen werden eingereicht, sondern die Beschäftigten schutzlos der Willkür von Chefs, Behörden und Krankenkassen überlassen.  Der Deutsche Kaiser sagte 1914 bei Kriegsbeginn: “Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur noch Deutsche! " und meinte damit, dass die Arbeiter*innenklasse für die Interessen des deutschen Kapitals in den Schützengräben verrecken soll. Und die SPD trug diesen Kurs mit. Ähnlich agiert die ÖGB-Führung heute: wie in einer Kriegssituation stellt sich die Gewerkschaftsführung fast bedingungslos hinter bzw. neben die Regierung und damit die Interessen der Unternehmen und der herrschenden Klasse. Es ist ein Trugschluss zu glauben, angesichts von Corona und Wirtschaftskrise würden die unterschiedlichen Interessen zwischen Reich und Arm, zwischen Oben und Unten, zwischen Kapital und Arbeit in den Hintergrund treten. Das Gegenteil ist der Fall: Ja, Corona trifft alle, aber eben nicht alle gleich!

Die aktuelle Situation verunsichert, und zwar nicht nur, weil wir alle die Lockdowns satt haben, sondern weil die Perspektive einer sich weiter vertiefenden Wirtschaftskrise Angst macht. Die Corona-Leugner*innen und Maßnahmen-Skeptiker*innen versuchen hier anzusetzen. In den letzten Wochen haben ihre Aufmärsche an Fahrt und Stärke aufgenommen. Der organisierte Kern dieser Mobilisierungen sind Rechtsextreme und Neofaschist*innen, Kräfte aus der FPÖ, christliche Fundamentalist*innen, Verschwörungsmythiker*innen und Mischformen daraus. Aber die Teilnehmer*innen  repräsentieren mehrheitlich andere Schichten - die allerdings offensichtlich zumindest in Kauf nehmen , gemeinsam mit dem rechten Sumpf zu marschieren, anstatt diesen aus den Demos zu entfernen. Radikal sind die Aufmärsche auch nur vermeintlich, decken sich ihre spärlichen Forderungen doch im wesentlichen mit jenen der kurzsichtigeren Wirtschaftsvertreter*innen. Doch sie können sich als “Opposition” darstellen, weil es sonst keine Opposition gibt. Eben weil die Gewerkschaft im nationalen Schulterschluss erstarrt, können Rechtsextreme, Neofaschist*innen und Verschwörungsmytiker*innen sich eine Bühne verschaffen. Klar ist aber auch: das Vertrauen in die Regierung ist im Keller, der Unmut über das Missmanagement ist enorm und viel, viel größer als diese “Demonstrationen”. Das zeigt, dass die meisten sehr genau verstehen, dass dort keine Lösungen angeboten werden, sondern bestenfalls wirres Zeug oder gar Hetze und Gewalt. Die Regierung kann sich noch halten, weil sie in einer verqueren Logik des “kleineren Übels” nicht gestürzt wird. Der überwiegenden Mehrheit ist klar: wir brauchen Sicherheit und Schutz vor Corona, die Leugner*innen und Skeptiker*innen können das nicht anbieten. Die wirkliche “schweigende Mehrheit” sind die Millionen Arbeiter*innen, Jugendlichen und ihre Familien, die Schutz vor Corona, Schutz vor der Wirtschaftskrise wollen und mit Rechtsextremen nichts am Hut haben. Bisher hat der ÖGB hier auf voller Linie versagt, es ist dringend an der Zeit endlich aktiv zu werden. 

So geht Widerstand aufbauen

Seit Jahren wächst der Unmut besonders im Gesundheits- und Sozialbereich. Nun kommt ein gesteigertes Bewusstsein über die Bedeutung dieses Bereichs dazu. In vielen Betrieben gibt es hier Kolleg*innen, teilweise sogar Betriebsrät*innen, die für einen kämpferischen Kurs stehen. Sie können um die Forderung nach “Ausfinanzierung des Sozial- und Gesundheitsbereichs” und “Mehr Personal” sowie “Sichere Jobs, sicheres Arbeiten” organisiert und mobilisiert werden. Eigentlich wäre es die Aufgabe der Gewerkschaften, diese Organisierung und diesen Kampf zu führen - doch wir wissen, dass das von den Gewerkschaftsspitzen nicht zu erwarten ist. Darum müssen wir selbst aktiv werden und gleichzeitig am Aufbau einer organisierten kämpferischen Opposition in den Gewerkschaften arbeiten: Beginnend mit Betriebsgruppen, die selbst die Sicherheitsmaßnahmen organisieren und festlegen was nötig ist, kann hier der Widerstand organisiert werden. Gerade beim Impfen hat sich gezeigt, dass Mangel dazu führt, dass manche - und das sind in der Regel Reiche und Mächtige - es “sich richten”. Nicht die Vorstände, sondern die Beschäftigten “an der Front” müssen die ersten sein, die geimpft werden - kontrolliert werden muss das von demokratisch gewählten Komitees. Gemeinsam mit Klient*innen und Patient*innen, solidarischen Menschen, mit Kolleg*innen in Ausbildung kann der Protest auf die Straße getragen werden. Spätestens der 1. Mai (“Tag der Arbeit” - nicht  Tag der Selbstbeweihräucherung der SPÖ!) und der 12. Mai (“Tag der Pflege”) sollten für große Mobilisierungen genutzt werden. 

Auch Streiks sind nötig - und möglich. Natürlich schlägt niemand vor, in Corona-Stationen zu streiken, aber das Gesundheitswesen umfasst noch ganz andere Bereiche - z.B. die Buchhaltung, wo es u.a. um das Verschicken von Rechnungen an Patient*innen geht - kein Problem, wenn das mal steht… Als echte Opposition und Alternative zu den Corona-Schwurbler*innen können corona-sichere Menschenketten und Großdemonstrationen aufzeigen, wer die Gesellschaft wirklich am Laufen hält (weder Chefs noch Politiker*innen). Zu den Kolleg*innen im Gesundheits- und Sozialbereich kommen jene im Bildungsbereich dazu: auch hier ist die Wut über den Widerspruch zwischen Regierungspropaganda und der Wirklichkeit, nämlich allein gelassen zu werden, riesig. Ein Funke kann das zum Explodieren bringen. Auch hier gilt: Komitees an Schulen, durchaus von Lehrer*innen, Schüler*innen, Eltern und Verwaltungs- und Reinigungspersonal gemeinsam kann die Missstände öffentlich machen, aufzeigen was es braucht und Widerstand organisieren. Dazu noch die Beschäftigten bei den Öffentlichen Verkehrsmitteln, die Sicherheit und mehr Ressourcen brauchen um ÜBerlastung zu verhindern. Und die hunderttausenden, die arbeitslos sind oder um ihren Job fürchten, müssen Teil des Widerstandes sein und können sich organisieren. Die Gefahr an der aktuellen Herangehensweise der Gewerkschaft ist auch, dass sie einen letztlich nationalistischen Standpunkt einnimmt,  in Richtung “unsere Leute zuerst”. Das Problem ist: in einer Wirtschaftskrise, aber auch bei Mangel an Impfstoff und ähnlichen Situationen, wird das gerne als Problem zwischen Ländern dargestellt, obwohl es doch ein Problem zwischen Arm und Reich, Oben und unten, Kapital und Arbeit ist. Überall drängt sich die Elite beim Impfen vor, überall sind es prekär Beschäftigte, Frauen und Junge, die zuerst den Job verlieren. Die Lösung ist daher auch keine nationalstaatliche sondern eine internationale - all das, was an gesellschaftlicher Planung und Organisierung in einem Land nötig und möglich ist, muss auf internationale Ebene umgelenkt werden. Wenn Kurz behauptet “Das Virus kommt mit dem Auto” und damit meint, dass Menschen, die im Sommer ihre Familien am Balkan besucht haben, schuld wären an hohen Infektionszahlen, dann ist das ein rassistischer Ablenkungsversuch vom Versagen der Bundesregierung. Wer auf nationale Lösungen setzt findet sich bald Seite an Seite mit Rechtsextremen und Corona-Schwurbler*innen, während jene, die sogar noch von der Situation profitieren ungeschoren davon kommen.

Das Potential und  die Anzahl derer, die nicht mehr können und “was tun” wollen, ist groß. Statt sich staatstragend mit der Regierung zu verbünden, muss der die Gewerkschaft endlich wirklich die Interessen der Beschäftigten und ihrer Familien verteidigen. Es ist höchste Zeit, endlich Widerstand zu organisieren.  

Was  muss der ÖGB dringend tun?

  • oben genannte und noch weiter gehende Maßnahmen fordern und für deren Umsetzung entschieden kämpfen.

  • den Schulterschluss mit Regierung und Unternehmen umgehend beenden und stattdessen ein Programm aufstellen und umsetzen, das einzig die Interessen und Notwendigkeiten der Arbeiter*innenklasse als Ansatz hat.

  • Die Missstände aufzeigen und anprangern.

  • Umfassende Information auf wissenschaftlicher Basis in allen Publikationen von Gewerkschaft und AK sowie durch Betriebsrats-Strukturen.

  • Demokratische Komitees auf allen Ebenen aufbauen, in den Betrieben und Stadtteilen und an der Basis der Gewerkschaften um Corona und Wirtschaftskrise zu bekämpfen.

  • Corona-Sichere Proteste bis hin zu Streiks organisieren für eine Ausfinanzierung des Gesundheitswesens, für mehr Personal im Bildungswesen, für Jobgarantie und Delogierungsschutz für Arbeitslose etc.

  • Gemeinsamer Kampf mit allen, die die Interessen der Beschäftigten, Arbeitslosen und der Kleinst-Unternehmen vertreten - keine Bündnisse, keine Zusammenarbeit mit Rechtsextremen, Faschist*innen und Verschwörungsmythiker*innen.

Seiten