Antifaschismus und Antirassismus

Gemeinsam gegen die rechte Gefahr

Jens Knoll

Am 6.6. wollten die elitären und faschistischen „Identitären“ in Favoriten, einem der ärmsten Bezirke, aufmarschieren. Die SLP organisierte im Vorfeld zwei Kundgebungen, die auf großen Zuspruch stießen. Besonders Jugendliche mit migrantischem Hintergrund waren sehr interessiert. An der von der Offensive gegen Rechts organisierten Gegendemo beteiligte sich die SLP mit einem lautstarken Block und AktivistInnen aus vier Bundesländern. Immer wieder gab es Zuspruch von AnrainerInnen. Sebastian von der SLP moderierte die Demonstration und motivierte PassantInnen, sich gemeinsam gegen die rechte Gefahr zu stellen. Frustriert, weil sie den Marsch nach der Hälfte abbrechen mussten, griffen identitäre Schläger am Abend gezielt und brutal SLP-AktivistInnen an. Doch sie mussten bald wieder abziehen....

 

Erscheint in Zeitungsausgabe: 

Flüchtlinge bleiben, Strache vertreiben!

Es ist die blaue Truppe um HC die für Kürzungspolitik und Sozialabbau verantwortlich ist.
Theresa Reimer

Im Wahlkampf in Wien und Oberösterreich versuchen Strache & Co, die Schuld an vorhandenen sozialen Problemen MigrantInnen und speziell Flüchtlingen zuzuschieben - Menschen, die vor Krieg und Elend geflohen sind, um zu überleben. Dabei steht gerade die FPÖ für eine Politik der Banken, Konzerne und Reichen. Sie ist gegen eine Vermögenssteuer, stimmt wo sie kann Kürzungen zu und hetzt gegen Arbeitslose. Nicht zu vergessen die 17 Mrd. €, die unter der Koalitionsregierung Schwarz-Blau ab 2000 für die Hypo in den Sand gesetzt wurden und die massive Verschärfung der Asylgesetze. Nicht Flüchtlinge, sondern die etablierten Parteien, und eben auch die FPÖ, sind verantwortlich für Kürzungspolitik und Sozialabbau.

Darum ist es wichtig, dass wir gemeinsam, InländerInnen und AusländerInnen, ÖsterreicherInnen und Flüchtlinge, für bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen, leistbares Wohnen und gleiche Rechte für alle kämpfen. Rassismus schafft keine Jobs, Klassenkampf schon. Denn von geflüchteten Menschen unterscheidet uns vielleicht das Land, wo wir geboren wurden. Von Chefs, die Löhne kürzen und Stellen abbauen, oder FPÖ-PolitikerInnen, die Sozialabbau betreiben, trennt uns eine ganze Welt.

 

Erscheint in Zeitungsausgabe: 

Vom Kampf gegen die FPÖ in Wels

Jan Millonig

Rund 200 Leute marschierten in Wels am Vortag der Bürgermeister-Stichwahl. Lautstark wurde gegen die Gefahr eines FPÖ-Bürgermeisters protestiert. Die Wahl bestand zwischen Wimmer (SPÖ) und Rabl (FPÖ), also zwischen Pest und Cholera. Das Fronttransparent machte mit „Rassismus bekämpfen! Soziale Alternative aufbauen!“ klar, dass eine echte Alternative zur etablierten Politik nötig ist, um die FPÖ und ihre Politik zu stoppen. In Reden und Flugblättern erklärte die SLP, wie so eine Alternative mit sozialistischen Programm aussehen kann. Denn „Wer über den Kapitalismus nicht reden will, soll zum Faschismus schweigen.“, wie Franz (SLP-Aktivist aus Wels) meinte. Im Anschluss gab es noch ein Konzert u.a. mit Dominik (SLP Linz) aka Disorder, der mit Abstand den politischsten Rap hinlegte.

 

Erscheint in Zeitungsausgabe: 

„Die SLP begleitet die FPÖ, wie ein Wanderzirkus.“ (FPÖ)

Jan Millonig

Die FPÖ macht in Linz immer wieder Strassenaktionen. Die SLP organisiert regelmäßig Kundgebungen dagegen. Ob mitten in der Stadt oder in ArbeiterInnenvierteln weiter draußen, die SLP und sympathisierende AktivistInnen lassen die FPÖ nicht in Ruhe. Mit Reden durchs Megafon und mit Flyern, die wir um den FPÖ-Stand herum verteilen, machen wir klar, wofür die FPÖ wirklich steht: Rassismus und Sozialkürzungen. Neben der großen Zustimmung von PassantInnen, ist eines besonders beachtlich: Wir konnten schon ein paar FPÖ-WählerInnen zu ehemaligen FPÖ-WählerInnen machen. Einer davon verteilte, nach einer langen Diskussion, schlussendlich sogar unsere Flyer. Eine fand gar nicht gut, dass die FPÖ den Kürzungen im Spitalsbereich, in dem sie arbeitet, zugestimmt hat. Komm zur nächsten Aktion.

 

Erscheint in Zeitungsausgabe: 

Aktionstag gegen Rechtsextremismus in Graz!

Am Dienstag, dem 22.9, veranstaltete die Sozialistische LinksPartei in Graz einen Aktionstag zum Thema Rechtsextremismus und Sexismus. Im Vorfeld bewarben AktivistInnen die Veranstaltung vor mehreren Schulen und bei linken Events und verteilten mehrere hundert Flyer.

Der Grund für den Aktionstag ist eine Kundgebung der rechtsextremen Partei des Volkes (PDV), die für den 26.9 in der Grazer Innenstadt geplant ist. Die PDV gibt sich, so wie auch die FPÖ, gerne ein soziales Antlitz und fordert beispielsweise die Einführung einer Reichensteuer oder die Senkung von Mieten. Diese Forderungen verbindet sie aber mit rassistischer Hetze. Wie SLP- und OGR-Referent Christoph Glanninger in seinem Vortrag klar machte, löst Rassismus keine sozialen Probleme, sondern spaltet die Gesellschaft nur.

Die Offensive gegen Rechts – Steiermark organisiert eine Demonstration gegen die rechten Hetzer, an der sich auch die SLP mit einem lauten und kämpferischen Block beteiligen wird und der Aktionstag war wohl die beste Vorbereitung die frau/man sich für die Gegendemonstration nur vorstellen kann. Wenn auch du dabei sein willst, dann komm zu unserem Treffpunkt (Sa, 26.9, 10:45 vor der „Scherbe“, Stockergasse 2).

 

Der Rechter Rand - rechte KandidatInnen bei den Wahlen in OÖ und Wien

Helga Schröder

Die Fundamentalistin und radikale Abtreibungsgegnerin Gudrun Kugler kandidiert wieder für die ÖVP in Wien. Diesmal im 14. Bezirk als Spitzenkandidatin und auf Platz 13 der Landesliste, inklusive Vorzugsstimmen-Wahlkampf. Sie war lange Vorsitzende von „Jugend für das Leben“, einer Organisation fundamentalistischer AbtreibungsgegnerInnen und kämpft seit langem gegen das Recht von Frauen, über ihren Körper zu bestimmen. Auf die FPÖ-Liste in Wels wurden die führenden RFJler Mark Paulusberger und Ralph Schäfer geholt. Spitzenkandidat ist Andreas Rabl, der auf Facebook mit jemandem befreundet war, der mit "88" (Code für "Heil Hitler") grüßte und schrieb: „Türken klatschen, das ist fein, drum lade ich euch alle ein". Der Wiener FPÖ-Kandidat Wolfgang Aigner, zuvor ÖVP, sieht muslimische Flüchtlinge generell als „Jihadisten“. Sonst dort die üblichen Verdächtigen: Johann Gudenus, RFJ-Blut-und-Boden-Ideologe, schlagender Burschenschafter und Sproß von Gaskammernleugner John Gudenus, der schlagende Burschenschafter Maximilian Krauss und Dagmar "Denn dann könnten sie da drinnen schreien, so laut sie wollen" Belakowitsch-Jenewein (fordert Abschiebungen mit Militärmaschinen). Der Innviertler FPÖ-Spitzenkandidat David Schießl vergleicht die Unterbringung von Flüchtlingen mit „Vergewaltigung“. Noch grauslicher geht’s bei der Christenpartei: OÖ-Spitzenkandidat Daniel Dragomir hatte bereits 2009 in Atzbach klargemacht, wohin es seiner Meinung nach gehen soll: „Es darf keine Schwulen geben in der Gemeinde“.

 

Erscheint in Zeitungsausgabe: 

Röszke – ein Feld, ein Weg und über 1.500 Frauen, Männer und Kinder auf der Flucht.

Ein Augenzeuginnenbericht
eine SLP-Aktivistin

Gemeinsam mit etwa 15 anderen Freiwilligen – verteilt auf mehrere schwer beladene Autos – machten wir uns am Mittwoch auf den Weg nach Röszke. Die Informationen aus Ungarn waren viele und widersprüchlich, bis zuletzt war nicht sicher welche Hilfsgüter vor Ort tatsächlich gebraucht werden. Die Lage als chaotisch zu beschreiben wäre Untertreibung. Die wenigen (ehrenamtlichen) OrganisatorInnen vor Ort und in anderen Städten leisten Arbeit von unschätzbarem Wert, geben Alles und tun ihr Bestes. Ich möchte mich hier noch einmal bei Allen, die ich auf der Reise getroffen habe, für ihr Engagement bedanken. Es ist unglaublich schön und rührend zu sehen, dass so viele Menschen aus den unterschiedlichsten Lebenslagen ihre Zeit und Kraft aufwenden um zu Helfen.

Unser erster Stopp war der Bahnhof von Szeget, einer Kleinstadt etwa 20 Autominuten von Röszke entfernt. Dort werden – wie auch an vielen österreichischen Bahnhöfen – Spenden gesammelt und die Verteilung dieser organisiert. Unmittelbar vor unserer Ankunft konnte eine Lagerhalle für Sachspenden organisiert werden, also luden wir alles Unverderbliche dort ab und direkt benötigte Spenden wie Wasser, Nahrungsmittel und Medikamente auf, bevor wir weiter nach Röszke fuhren.

Dort angekommen sahen wir zunächst nichts, außer einem immensen Polizeiaufgebot. Obwohl es keine Absperrungen gibt, gleicht das Lager einem Freiluftgefängnis. Bei der Anfahrt konnten wir beobachten, dass die Polizei systematisch die umliegenden Felder durchforstet. Täglich werden Gruppen von Flüchtlingen in Busse Richtung anderer Lager gesetzt, meist ohne zu wissen, wohin die Reise geht. Obwohl die meisten PolizistInnen vor Ort nicht inhärent aggressiv sind, ist die Art und Weise wie diese Transporte organisiert werden gerade für bereits traumatisierte Menschen nicht hilfreich.

Das Flüchtlingslager Röszke ist ein Feld. Es wurde bereits dunkel, als wir gegen halb sieben das Lager erreichten. Strom gibt es keinen, vereinzelte Lichtquellen sind Taschenlampen und Autoscheinwerfer. Es gibt wenige Zelte, die größeren unter ihnen werden als Ausgabestellen für Wasser, Nahrungsmittel und Medikamente verwendet. Die Menschen leben und schlafen auf dem Boden. Die Situation ist verheerend.

Obwohl eine beeindruckende Zahl von freiwilligen HelferInnen und mittlerweile auch Organisationen wie die Caritas und das Rote Kreuz vor Ort sind, fehlt es einfach an Resourcen und Organisation. Es gibt keine überdachten Bereiche im Lager, in denen etwa Kleiderspenden gelagert werden könnten. Als Resultat liegt alles, was nicht unmittelbar angezogen wird, im Schlamm und wird dadurch unbrauchbar. Die Tatsache, dass Flüchtlingshilfe auf die Individualbevölkerung ausgelagert wird, ist der eigentliche Skandal. Es wäre an den betreffenden Staaten und in übergerodneter Weise an der EU, für den Schutz und die Versorgung von Flüchtlingen zu sorgen. Die Art und Weise wie (nicht nur in Ungarn!) von offizieller Seite mit schutzsuchenden Menschen umgegangen wird bzw. auch weiterhin versucht wird zu verhindern, dass diese nach Europa kommen grenzt an Massenmord.

Es braucht dringend Unterkünfte, medizinische Versorgung und schlicht und einfach ein bisschen Normalität. Doch die lassen die politisch verantwortlichen einfach nicht zu, nicht einmal dann, wenn die normale Bevölkerung helfen will! 

 

Mehr zum Thema: 

Konzerne sind verantwortlich für die Fluchtverursachen – sie sollen zahlen!

Das Sterben muss ein Ende haben! Rüstungskonzerne, Unternehmen, Reiche und Banken sollen zahlen!
Sascha Stanicic und Moritz C. Erkl

Jeden Tag scheint die Unmenschlichkeit einen neuen Höhepunkt zu erreichen. Unzählige Ertrunkene im Mittelmeer. 71 tote Geflüchtete in einem zugeschweißten LKW in Österreich. Brutale Internierung von Flüchtlingen in Käfigen durch ungarische Polizei. Und der Tod des kleinen Aylan Kurdi, der zum Symbol für das Leid von so Vielen geworden ist. Was muss noch geschehen, damit endlich wirkungsvolle Maßnahmen ergriffen werden, um dem unnötigen Sterben im Mittelmeer und auf anderen Fluchtwegen ein Ende zu bereiten? Aylan ist nicht das Opfer einer Tragödie. Aylan wurde umgebracht. Die 71 toten Geflüchteten in dem LKW in Österreich wurden umgebracht. Tausende wurden in diesem Jahr schon umgebracht. Sie sind Opfer einer mörderischen Politik, die solche Todesfälle nicht nur in Kauf nimmt, sondern sie als eine notwendige Abschreckung für Menschen betrachtet, die sich auch auf den Weg nach Europa machen könnten. Warum sonst wurde das, sicherlich nicht ausreichende, Seenotrettungsprogramm Mare Nostrum eingestellt und durch das Grenzschutzprogramm Triton ersetzt? Erinnern wir uns an die Worte des deutschen Bundesinnenministers Thomas de Maizière: „Mare Nostrum war als Nothilfe gedacht und hat sich als Brücke nach Europa erwiesen.” Die Brücke wurde eingerissen. Die PolitikerInnen in Europa, die die Festung Europa auf- und ausbauen, die die Grenzen versuchen dicht zu machen, sie gehören zu den Mördern des kleinen Aylan. Sie sitzen in den Regierungsetagen der EU-Staaten und den Chefetagen der Banken und Rüstungskonzerne, welche an den Kriegen und dem sozialen Elend verdienen, die Millionen Menschen zur Flucht zwingen. Diese Fluchtverursacher müssen zur Rechenschaft gezogen werden. Eigentlich gehörten sie alle auf die Anklagebank des Kriegsverbrechertribunals und für Verbrechen gegen die Menschlichkeit verurteilt.

Zwei Gesichter – Hilfe und Hetze

Deutschland, Österreich und Europa zeigen gerade zwei Gesichter. Da ist einerseits eine riesige Hilfsbereitschaft mit den Flüchtlingen. Wie der Sprecher des Roten Kreuzes in Süditalien vor einigen Monaten sagte, gilt dabei: „Je ärmer die Leute sind, desto mehr geben sie.“ Auf der anderen Seite gibt es in Deutschland tägliche Brandanschläge auf Flüchtlingsunterkünfte und auch in Österreich Hasspostings und tätliche Angriffe. Es gibt Behördenwillkür, es werden Grenzzäune und -mauern errichtet. Und die Abschiebungen gehen weiter. Die de facto Öffnung der Grenzen, das de facto Aussetzen von Schengen für einige Tage ist nicht der Menschlichkeit der Regierungen in Österreich und Deutschland zu verdanken, sondern dem enormen öffentlichen Druck. Lange wird das nicht anhalten, bald werden die Grenzen wieder dicht, und vielleicht noch dichter gemacht als bisher. Es ist nicht verwunderlich, dass eine Schicht von ArbeiterInnen und Erwerbslosen ehrliche Sorge vor einem nicht endenden Zustrom von Geflüchteten hat. Diese Sorge wurde durch die Propaganda der etablierten pro-kapitalistischen Parteien und ihren Schreiberlingen in den Massenmedien angeheizt. Zwar verhalten sich die üblichen Hetzer aus der FPÖ oder auch der Krone zur Zeit eher ruhig, doch das ist nur eine kurze Pause bis die Lügen über die angeblich „Wirtschaftsflüchtlinge“ oder die „teuren Flüchtlinge die uns auf der Tasche liegen“ etc. wieder losgehen werden. Mikl-Leitner hat durch ihre Strategie, Kirchentreuen völlig zu überfüllen und Flüchtlinge in Zelten unter zu bringen Bilder erzeugt die dazu dienen den Eindruck zu erwecken, Österreich sei angesichts der hohen Zahl geflüchteter finanziell und sozial überfordert. Was für eine dreiste Lüge! Es ist nicht zu wenig da – weder für Flüchtlinge noch für jene, die schon lange hier leben! Egal, wie hoch man die „Kosten“ für die Unterbringung und Versorgung der Schutzsuchenden beziffert – die Superreichen hierzulande könnten diese Kosten für mehrere Jahre übernehmen und blieben dennoch reich! Das reichste Prozent der ÖsterreicherInnen besitzt 470 Milliarden Euro. Der Reichtum der reichsten 10% der österreichischen Bevölkerung wächst fast dreimal so schnell wie jener der restlichen 90% - um rund 930€ pro Sekunde bei einem Gesamtvermögen von 960 Milliarden Euro. D.h. sie werden pro Tag um 80 Millionen Euro reicher. Geld ist also genug da, um Wohnraum, Versorgung bzw. die Existenzsicherung nicht nur der Hilfssuchenden zu finanzieren sondern auch für alle die schon lange hier leben ordentliche Wohnungen, Jobs und soziale Absicherung zu schaffen! Wir haben kein Flüchtlingsproblem, sondern ein Reichtumsverteilungsproblem. Wenn wie in Oberösterreich so getan wird, als ob man sich entscheiden müsse, ob die öffentliche Hand Geld für Flüchtlinge oder für Behinderteneinrichtungen ausgibt, dann wird mit Falschinformationen Stimmung gegen Flüchtlinge gebracht. Denn Geld ist da, es ist nur in den falschen Händen. Wir haben kein Flüchtlingsproblem, sondern ein Reichtumsverteilungsproblem. Um aber an dieses Geld ran zukommen und es im Interesse der ganzen Gesellschaft einzusetzen, müssen sich die einfachen Leute – Lohnabhängige, Erwerbslose, Jugendliche, Flüchtlinge egal welcher Hautfarbe, Religion und Nationalität – zusammenschließen und gegen die kleine, aber mächtige Minderheit der Besitzenden mobilisieren. Weil Rassismus spaltet und die von Ausbeutung, Lohndumping und sozialer Benachteiligung Betroffenen vom gemeinsamen Widerstand abhält, wird dieser auch von den herrschenden Kräften aufrecht erhalten – auch wenn hin und wieder Krokodilstränen vergossen werden.

Aber kommen dann nicht immer mehr?

Niemand flüchtet aus Jux und Tollerei. Die Gründe und Ursachen für eine Flucht reichen von Krieg und mörderischer Gewalt über politische Verfolgung und die Diskriminierung von Menschen auf Grund ihrer Hautfarbe, Sexualität und/oder religiösen Überzeugung über (haus- bzw. konzerngemachte) Naturkatastrophen und Klimawandel bis hin zu Hungersnöten und existenzbedrohender Armut. Solange das Leben von Millionen Menschen durch Kriege, Verarmung und Umweltzerstörung zerstört wird, werden sich diese Menschen auf den Weg machen, um ein besseres Leben zu finden – oder um überhaupt zu überleben! Der Begriff „Wirtschaftsflüchtling“ wird verwendet, um Menschen zu diffamieren, die flüchten. Doch es geht nicht um Menschen, die sich halt ein bisschen besser stellen wollen, sondern um jene, die um das nackte Überleben kämpfen. Das kann kein Grenzzaun, kein Frontex-Regime, kein Mittelmeer verhindern. Denn das Risiko auf dem Weg nach Europa zu sterben, erscheint für viele angesichts der sicheren Verelendung oder des drohenden Todes in der Heimat nicht abschreckend. Wenn Regierungen den legalen Weg nach Europa immer stärker einschränken, treiben sie den Schleppern ihre Opfer in die Arme. Alle Erfahrungen zeigen: Flüchtlingsströme sind nur durch die Beseitigung der Fluchtursachen zu stoppen. Darum muss gelten: den Geflüchteten muss jetzt und hier geholfen werden und gleichzeitig der Kampf gegen die Fluchtursachen aufgenommen werden. Es ist ein Skandal, dass es keine sicheren Fluchtwege gibt, dass die europäischen Regierungen alles tun, um Flüchtlinge davon abzuhalten, nach Europa zu kommen. Millionen werden für die Aufrüstung der Festung Europa ausgegeben. Anstatt als „Friedens- und Demokratieunion“ die Fluchtursachen zu bekämpfen wird wieder über Grenzzäune, eine Aufstockung des Sicherheitspersonals der europäischen Grenzarmee Frontex und Auffanglager bereits in Afrika diskutiert. Aber es ist ebenso ein Skandal, dass weiterhin Waffen an Saudi-Arabien geliefert werden, westliche Konzerne dem Islamischen Staat Öl abkaufen, Privatisierungsorgien westlicher Konzerne im Kosova und dem Balkan insgesamt zu Armut und Arbeitslosigkeit führen. Solange das weitergeht, wird auch die Zahl der zur Flucht aus der Heimat gezwungenen nicht zurückgehen. Doch um das zu beenden, muss die Diktatur der Banken und Konzerne beendet werden.

Österreichs Waffen und auch Geld…

Österreich ist trotz seiner Kleinheit ein imperialistisches Land. Österreichische Firmen und v.a. Banken sind z.B. bei der Rekolonialisierung des Balkan mit seinen dramatischen sozialen Folgen ganz vorne dabei. Oder das österreichische Öl- und Gasunternehmen OMV, die seit Jahrzehnten mit diversen Diktaturen (Kasachstan oder auch Libyen) gewinnbringend zusammenarbeitet. 10% der Ölproduktion der OMV stammte zu Gaddafi-Zeiten aus Libyen. Angesprochen auf die Zeit unter Muammar al Gaddafi betrachtet die OMV ihre wirtschaftlichen „Beziehungen“ gar als friedensstiftend. Erst kurz vor dessen Sturz war die OMV gezwungen, sich zurückzuziehen – ist aber immer noch vor Ort. Die hunderttausenden Menschen, die aus Libyen flohen? Nebensächlich. Weitere Standorte sind beispielsweise in Tunesien oder der Region Kurdistan im Irak zu verzeichnen, auch dies Länder mit enorm hohen Flüchtlingszahlen. Jana Hybášková, Botschafterin der EU im Irak, erklärte 2014, dass mehrere Mitgliedsstaaten der EU Öl vom IS kaufen und ihn dadurch finanzieren. Wer sind diese Staaten? Wer sind diese Firmen? Warum werden sie geschützt? Das betrifft insbesondere auch die OMV: Der IS verkauft v.a. in der Türkei Öl unter Weltmarktpreis. Die OMV hat 2010 den größten Öl- und Gas-Konzern der Türkei 'Petrol Ofisi' übernommen. Firmengeheimnis und 'Diplomatie' schützen hier den IS und das österreichische Kapital. Der Österreichische Staat hält durch die ÖBIB (Österreichische Bundes- und Industriebeteiligungen GmbH) übrigens nach wie vor 31, 5% an der OMV. Ein weiterer Konzern, der Flüchtlinge „produziert“ ist die STRABAG AG. Diese verdient Milliarden, u.a. durch die Mitarbeit an diversen Staudamm-Großprojekten. Dass bereits 80 Millionen Menschen durch Staudämme ihre Heimat verloren haben und zur Flucht gezwungen werden – Peanuts? So soll beispielsweise in der Demokratischen Republik Kongo gemeinsam mit Südafrika das größte Wasserkraftwerk der Welt gebaut werden. Höchstwahrscheinlich in Zusammenarbeit mit STRABAG und Andritz (welche an fast jedem Wasserkraftwerk-Projekt der Welt beteiligt sind). Trotz des Wasserreichtums Kongos hat nur jedeR vierte KongolesIn Zugang zu unbedenklich genießbarem Wasser, sogar nur jedeR sechste verfügt über eine adäquate Sanitätsversorgung. Solche Megaprojekte und ihre dramatischen Folgen zwingen Menschen oft zur Flucht.

…morden auf der ganzen Welt!

Österreichische Waffenfirmen wie der Kärntner Waffenproduzent Glock oder die Steyr Mannlicher GmbH verdienen Milliarden mit dem Blut von Menschen. 2010 – also vor Ausbruch des arabischen Frühlings – wurden seitens des Innenministeriums Waffenexporte in der Höhe von 1,8 Milliarden Euro genehmigt. Glock verdiente beispielsweise 175.000 Euro durch den Handel mit Gaddafis Libyen bzw. 100.000 durch Exporte nach Tunesien. Und das sind nur die Zahlen die bekannt sind... Die wahrlich großen „Handelspartner“ lassen sich aber im mittleren Osten finden. 56 Millionen Euro wurde in den Vereinigten Arabischen Emiraten umgesetzt, in Saudi-Arabien 5,6 Millionen. Letztere unterstützen nachweislich islamistische Gruppierungen (wie den IS) und sind somit maßgeblich beteiligt an der aktuellen Flüchtlingskrise. Die Steyr Mannlicher GmbH wiederum bunkerte im arabischen Raum Gewehre, welche nun in den Händen der verschiedenen Kriegsparteien zum Einsatz kommen. Allen Vertuschungsversuchen zum Trotz wurde belegt, dass es sich nicht etwa um Nachbildungen oder Lizenz-Produktionen aus dem Ausland handelt, sondern um österreichische Fabrikate – welche wiederum nur mit Genehmigung des Innenministeriums verkauft werden konnten. Auch ausrangiertes Bundesheermaterial wurde und wird in diverse „Krisenregionen“ verkauft. Mit der angeblichen „Neutralität“ ist es, wenn Gewinne winken, nicht weit her. Alle diese Firmen sind verantwortlich für Armut, für Elend und auch für die Kriege. Sie verdienen Milliarden am Leid der Menschen. KapitalistInnen preisen sich hierzulande gerne mit „Corporate Social Responsibility“, also sozialem und humanem Wirtschaften. Doch tatsächlich geht es ums Geld, soziale Rüschen gibt es nur, wenn es sich rechnet. Wenn wir über die Flüchtlingskrise lösen wollen, dann gehört dazu auch die Verantwortung der kapitalistischen Unternehmen für diese Krise. Eine Offenlegung der Firmenbücher z.B. der OMV kann zeigen, ob mit dem IS Geschäfte gemacht werden und wer davon profitiert. Eine Übernahme dieser Firmen durch die öffentliche Hand und eine Verwaltung und Kontrolle durch die Beschäftigten und Vertretungen der Gewerkschaften sowie auch der Geflüchteten können sicher stellen, dass keine Geschäfte mit dem IS mehr gemacht werden und dass die bisherigen Gewinne auch verwendet werden, um Hilfssuchenden eine neue Zukunft ermöglichen.

Flüchtlinge bleiben – Reiche enteignen

Es ist selbstverständlich: die meisten Menschen, die den Flüchtlingen helfen wollen, spenden Geld, Kleidung, Lebensmittel, fordern ein wirkliches Asylrecht, sichere Fluchtwege, Seenotrettungsprogramme. Aber dem Elend kann nur ein Ende gemacht werden, wenn die tatsächlichen Ursachen bekämpft werden. Und auch wenn das weit weg oder abstrakt klingt: das bedeutet, den Kapitalismus durch ein System zu ersetzen, in dem der Mensch und nicht der Profit im Mittelpunkt steht.

Flüchtlinge: Von der Krise zur Bewegung – Was tun?

Gewöhnlich ist ein Leichnam ein stummes, unansehnliches Ding. Es gibt aber Leichen, die lauter reden als Posaunen und heller leuchten als Fackeln. – Rosa Luxemburg
Theresa Reimer und Sebastian Kugler

Es gibt Zeiten, in denen passiert in zehn Tagen so viel wie sonst in zehn Jahren. Seit dem 31. August befinden wir uns in so einer Zeit. Am Abend des 31. August fanden sich in Wien am Westbahnhof über 20.000 Menschen ein, um gegen die österreichische Asylpoltik und den unmenschlichen Umgang mit Flüchtlingen zu demonstrieren. Auch in Linz, Wels und Steyr fanden an diesem Tag Demonstrationen für Flüchtlingsrechte und gegen die Asylpolitik der österreichischen Regierung und EU statt. Auslöser dafür war die Flüchtlingstragödie auf der A4, die sich vier Tage zuvor im Burgenland ereignet hatte. 71 Menschen, darunter auch Frauen und Kinder, waren in einem Kühltransporter auf ihrem Fluchtweg erstickt. Nun war das Problem für die ganze Bevölkerung in fühl- und greifbarer Nähe, während die gekenterten Boote im Mittelmeer meist bereits in den nächsten Tagen wieder in Vergessenheit geraten sind – Die Toten waren vor unserer Haustüre angekommen.

Während der Demozug durch die Mariahilferstraße zog, kamen am Westbahnhof im Laufe des Abends 3.650 Flüchtlinge aus Ungarn an, die von solidarischen Menschen mit Grundnahrungsmitteln versorgt wurden. Bis auf sechs Personen, die einen Asylantrag in Österreich stellten, fuhren alle mit Zug weiter nach Deutschland. An diesem Tag wurde das erste Loch in die Mauer der Festung Europa geschlagen.

Die Festung Europa bröckelt

Dahinter stehen zwei Entwicklungen, die Hand in Hand gehen und sich gegenseitig aufschaukeln: Einerseits die katastrophale Situation der Flüchtlinge in Ungarn und weiter südlich, welche sie immer weiter nach Norden treibt. Diejenigen, die so viele Strapazen auf sich genommen haben, um es überhaupt bis nach Europa zu schaffen, die alles aufgegeben und FreundInnen und oft sogar die Familie verloren haben – sie werden durch keine Grenzzäune aufzuhalten sein. Diese Erkenntnis sickert auch langsam bei den Herrschenden Europas ein – wenn auch zeitversetzt und ungleichmäßig, was zu chaotischem Handeln der Regierungen andererseits führt. Die Dublin-Verträge, nach denen Flüchtlinge in das erste EU-Land, das sie betreten haben, abzuschieben sind, um dort ein Asylverfahren zu starten, sind in der Praxis nicht mehr durchsetzbar. Laut dem Schengen-Abkommen dürfen Flüchtlinge Ungarn nur mit gültigen Reisedokumenten und einem Visum des Ziellandes verlassen. Flüchtlingen ist es aber faktisch unmöglich in ihrem Erstankunftsland für ihr Wunschland ein Visum ausstellen zu lassen. Der ungarische „Viktator“ (Pester Lloyd) Viktor Orban scherte als Erster aus. Er ließ den ersten Schub Flüchtlinge passieren – jene, die von den AktivistInnen am Westbahnhof willkommen geheißen wurden. Dies versetzte die EU, allen voran Österreich und Deutschland, in helle Aufregung. Nach außen hin gab man sich menschlich, spuckte große Töne über Solidarität und Hilfsbrereitschaft. Aber die Äußerungen von Merkel, Kurz, Faymann usw. sind nicht etwa Ausdruck eines verloren geglaubten Restvorrats an Menschlichkeit in den Herzkammern dieser Personen – sondern ein Zurückweichen vor dem Druck der Gesellschaft, die sich mit den Flüchtlingen solidarisiert. Hinter dem Rücken der Öffentlichkeit wurden jedoch ganz andere Töne angeschlagen: Orban wurde gerügt und aufgefordert, sofort wieder dichtzumachen, schließlich seien die bestehenden Verträge einzuhalten. Gesagt, getan: Bereits am nächsten Tag wurde die kurzfristige Ungültigkeit des Dublin II Abkommens wieder außer Kraft gesetzt, Orban veranlasste, den Budapester Bahnhof von Polizeitruppen kontrollieren zu lassen und so ein Weiterkommen der Flüchtlinge zu verhindern. Die Skrupellosigkeit der EU und der ungarischen Regierung wurde unübersehbar, als Flüchtlinge, die es in einen Zug geschafft hatten, damit nicht nach Österreich, sondern in ein Lager gebracht wurden – in einem Zug, dessen Außenwände „20 Jahre grenzenloses Europa“ zum Jubiläum des Falls des eisernen Vorhangs propagierten.

Doch auch dieser Zustand hielt nicht lange. Die Bereitschaft der Flüchtlinge, alles zu riskieren um weiterzukommen, blieb ungebrochen. Sie hielten der Misshandlung der Polizei sowie den Angriffen der faschistischen Jobbik heroisch stand. Gleichzeitig demonstrierten tausende UngarInnen unter der Parole „Not in my name!“ (Nicht in meinem Namen!). In Österreich erklärten sich Tausende bereit, das Gesetz zu brechen, nach Ungarn zu fahren und Flüchtlinge nach Österreich zu bringen. Schließlich entschieden mehrere hundert Flüchtlinge, zu Fuß die über 170 Kilometer zur österreichischen Grenze zurückzulegen und die Fesseln aus eigener Kraft zu sprengen. Die Herrschenden waren wieder unter Zugzwang: Österreich richtete ein Auffanglager im burgenländischen Nickelsdorf ein und stellte Busse und Züge. Am Wochenende des 5.-6. September überquerten etwa 16.000 Menschen die ungarisch-österreichische Grenze. Die Festung Europa bröckelt. Einerseits wird sie aufgrund ihrer inneren Widersprüche - den immer weiter auseinanderklaffenden Interessen der jeweiligen Herrschenden – morsch. Andererseits wird sie von verzweifelten bzw. kämpferischen Flüchtlingen und solidarischen Einheimischen niedergerissen.

Solidarität und Selbstorganisation

Die Solidarität der Bevölkerung ist ungebrochen. An allen größeren Bahnhöfen finden sich Freiwillige, um selbstorganisiert die ankommenden und durchreisenden Flüchtlinge zu unterstützen. Die HelferInnen berichten von unglaublicher Solidarität der Bevölkerung: Die Spendenlager füllen sich beständig. Im Supermarkt stecken Leute den HelferInnen Geld zu, wenn sie merken, dass für Flüchtlinge gekauft wird. Schaffner drücken ein Auge zu, wenn HelferInnen zwischen den Bahnhöfen pendeln. Überhaupt zeigen Beschäftigte in den betroffenen Bereichen, was an Solidarität in der arbeitenden Bevölkerung da ist. Stellvertretend für die hunderten Beispiele und Geschichten der letzten Tage sei der Fall von Mohamed Hassan, der seit 20 Jahren für den Reinigungsdienst der ÖBB am Wiener Westbahnhof arbeitet, erwähnt. Mohamed blieb, als die ersten Flüchtlinge ankamen, noch stundenlang nach Dienstschluss und arbeitete als Übersetzer.

Die Selbstorganisation sprang ein, wo staatliche und staatsnahe Strukturen schlicht versagten. Keime einer sozialen Bewegung, die an den besten Traditionen der Flüchtlingsproteste 2012/13 anknüpft, entwickeln sich nach wie vor an den Bahnhöfen. Dies hinderte das „offizielle Österreich“ natürlich nicht daran, sich mit fremden Federn zu schmücken: Wieder spielten Mikl-Leitner und Co international die solidarische Grinsekatze. Selbst der Kettenhund der Kronen Zeitung, Michael Jeannee, präsentierte sich in seiner Kolumne als Menschenfreund. Die Wiener Stadtregierung ließ an den Bahnhöfen Plakate anbringen, in denen sie davon schreibt, dass „wir“ (also die Regierung) ihr bestes tut, um zu helfen, und dabei „von vielen WienerInnen unterstützt wird“ – dieselbe Stadtregierung, die bis dahin tatenlos zusah, dieselbe Stadtregierung, die das Protestcamp der Flüchtlinge 2012 abreißen ließ, dieselbe Stadtregierung, die nach wie vor nicht einmal annähernd die notwendigen Ressourcen zur Verfügung stellt! Am deutlichsten wurde die Heuchelei der Herrschenden, als Innenministerin Mikl-Leitner das Lager in Nickelsdorf besuchte. Sie wollte sich als Freundin der AktivistInnen und Flüchtlinge zu präsentieren. Sie versuchte, einer der KoordinatorInnen der Selbstorganisierten, Anahita Tasharofi, medienwirksam die Hand zu schütteln. Tasharofi, selbst verdiente Aktivistin, weigerte sich selbstverständlich und ließ sich auch nicht durch körperliche Gewalt dazu zwingen. Daraufhin wurde sie von einem Mitarbeiter des Ministeriums zu Boden gestoßen. Das ist die „Solidarität“ der Herrschenden!

Konkrete Solidarität ist jetzt besonders wichtig, um die Grundversorgung der Flüchtlinge sicherzustellen, da die österreichische Regierung teilweise mit Absicht Probleme, wie z.B.: in Traiskirchen produziert, um Flüchtende davon abzuhalten, nach Österreich zu kommen. Aber Mitleid alleine reicht leider nicht aus um gemeinsam Widerstand zu leisten und Kämpfe zu organisieren. Diese sind jedoch bitter nötig, um aus dem Teufelskreis der Flüchtlingskrise auszubrechen. Denn selbst wenn alle Flüchtlinge, die hier ankommen, mit Kleidung und Medikamenten versorgt werden (und wir betonen, dass dies absolut notwendig ist!): Was dann? In Deutschland beginnen sich ähnliche Entwicklungen wie in Österreich, nur in noch größerem Maßstab abzuzeichnen – Solidarität der Bevölkerung und Heuchelei der Herrschenden. Doch die Regierungen arbeiten bereits fieberhaft an Mechanismen, den Strom zu stoppen und die Angekommenen wieder abzuschieben. In Deutschland brennen fast täglich Flüchtlingsheime. Selbst Flüchtlinge, die es hierher und nach Deutschland schaffen, sind mit Rechtlosigkeit, Unterdrückung und drohender Abschiebung in den Tod konfrontiert. Außerdem ist auch die konkrete Hilfe politisch. Von Staat und staatsnahen Institutionen müssen die Ressourcen eingefordert und erkämpft werden, da auf Dauer auch die beste Improvisation nicht hält. Gleichzeitig muss die Kontrolle darüber von selbstorganisierten demokratischen Strukturen, der HelferInnen wie der Flüchtlinge ausgeübt werden. Ansonsten entpuppt sich die scheinbare „Hilfe“ von Staat, Caritas und Co, sobald der politische Wind sich dreht, als effektive Maschine gegen Flüchtlinge und ihre UnterstützerInnen. Am Westbahnhof hat mittlerweile die Caritas die Organisation der konkreten Hilfe völlig übernommen. Der Einsatz der Caritas ist selbstverständlich zu begrüßen, da sie Zugang zu Ressourcen hat, die den Selbstorganisierten fehlen. Doch beweist sie in ihrem Zugang wieder, dass sie kein Interesse am Aufbau einer echten Bewegung hat und die Flüchtlingsfrage auch entpolitisiert. Sie schickt Freiwillige nach Hause und versucht, das Ganze „unter Kontrolle“ zu bekommen. Böse Erinnerungen an die letzte Flüchtlingsbewegung werden wach, wo die Caritas faktisch die Rolle des verlängerten Armes der Polizei spielte (siehe: https://www.slp.at/artikel/caritas-ben%C3%BCtzt-fl%C3%BCchtlinge-4535). Am Wiener Hauptbahnhof zeigen die AktivistInnen von „Train of Hope – Hauptbahnhof Wien“ (https://www.facebook.com/hbfvie), wie effektiv Selbstorganisation ohne Bevormundung funktionieren kann. Die AktivistInnen wehren erfolgreich Abtötungsversuche ab. Ständig sind 100-400 Menschen vor Ort. Ein Büro wurde eingerichtet, das nicht nur die konkreten Hilfskativitäten koordiniert und Fahrpläne studiert, sondern auch Recherchearbeit leistet und Hintergrundinfos zur Verfügung stellt. Eine eigene Struktur wurde geschaffen, um auf die fatale Situation in Ungarn aufmerksam zu machen und sie zu verändern – konkrete Hilfe wird auch nach Ungarn organisiert. Die Meldungen der Initiative auf Facebook haben mittlerweile eine Reichweite von einer halben Million Menschen.

Flüchtlinge müssen sich selbst organisieren können, um Widerstand zu leisten und gesellschaftlich nicht immer als hilfsbedürftige Opfer ohne Mitspracherecht dargestellt zu werden. HelferInnen brauchen eigene demokratische Strukturen, um die Unterstützung koordinieren und gemeinsam mit den Flüchtlingen Strategien entwickeln zu können. Es darf nicht vergessen werden, dass der Wahnsinn in Traiskirchen unbehindert weitergeht und die Flüchtlingslager und die Missstände darin im ganzen Land fortbestehen. Es muss also gelingen, die konkrete Hilfe mit einer politischen Strategie zu verbinden. Eine Möglichkeit wäre es, HelferInnen an den Bahnhöfen, die gerade nicht unmittelbar gebraucht werden (also abseits der Stoßzeiten, in denen Züge mit Flüchtlingen ankommen), nicht nach Hause zu schicken, sondern beim Bahnhof eine Kundgebung, Demonstration, Straßentheater o. Ä. zu organisieren, um PassantInnen aufmerksam zu machen und miteinzubinden. Spendensammelaktionen in Bezirken, Schulen usw. können ebenfalls mit öffentlichen Protesten gegen die Flüchtlingspolitik von EU & Regierung verbunden werden. In Betrieben können Beschäftigte nicht nur Spenden sammeln, sondern auch mit dem Betriebsrat gemeinsam Druck auf den ÖGB aufbauen, selbst aktiv zu werden.

Den ÖGB in die Verantwortung zwingen

Der ÖGB ist die größte und wichtigste Interessensvertretung von Arbeitenden und Arbeitslosen in diesem Land, egal welcher Herkunft. Er nimmt diese Verantwortung nahezu gar nicht wahr – doch gerade jetzt ist es notwendig, ihn in die Pflicht zu nehmen.

Laut der Presseagentur APA dankte zwar der ÖBB-Konzernbetriebsratsvorsitzende des Fachbereichs Eisenbahn in der Gewerkschaft Vida, Roman Hebenstreit, im Namen der Belegschaftsvertretung den MitarbeiterInnen des ÖBB. Allerdings gab die Gewerkschaft Vida weder eine politische Stellungnahme zu den konkreten Vorfällen ab, noch waren Vida, andere Gewerkschaftfraktionen oder der Dachverband ÖGB sichtbar auf der Demonstration vertreten, wobei es gerade jetzt so wichtig wäre, solidarisch mit allen ArbeitnehmerInnen zu sein, egal welche Nationalität diese haben. In einer aktuellen Presseaussendung schreibt ÖGB-Vizepräsidentin Anderl: „ÖGB-FunktionärInnen und Beschäftigte helfen und sind an vielen Projekten beteiligt: Spenden werden gesammelt und nach Traiskirchen gebracht, Veranstaltungen für Flüchtlinge werden organisiert. Dort wo es möglich ist, versucht der ÖGB auch mit Unterbringung, wie zum Beispiel in Salzburg, zu helfen.“ – Das ist zwar schön zu lesen, jenseits dieser Presseaussendung ist davon jedoch relativ wenig zu sehen. Wo ÖGB-Strukturen aktiv sind, muss dies auch den Mitgliedern und der Öffentlichkeit mitgeteilt werden, um Beteiligung zu ermöglichen! Klammheimliche und symbolische Aktionen sind einer echten Gewerkschaft unwürdig. Der ÖGB muss seine Ressourcen offen zur Verfügung stellen: zum Helfen und zum Kämpfen! Nur durch eine aktive Beteiligung des ÖGB an den aktuellen Kämpfen kann verhindert werden, dass Flüchtlinge, wenn der Kampf um Bleiberecht erfolgreich ist, zur rassistischen Spaltung der Bevölkerung und als Lohndrücker benutzt werden.

Raus zum 3. Oktober! Mobilisierung in Betrieben und Schulen

Die Demonstration am 3. Oktober wird der nächste große Prüfstein der Bewegung. So wie es aussieht, werden wohl mehrere zehntausend Menschen demonstrieren. Es ist notwendig, in Betrieben, Schulen usw. dafür zu mobilisieren. Hier kann der ÖGB, jenseits schöner Presseaussendungen, zeigen, wie solidarisch er ist. Mobilisierungsaktionen für die Demo können mit Spendensammlungen einhergehen. Flüchtlinge können in Betriebe und Schulen eingeladen werden, um von ihrer Situation zu erzählen. Viele Flüchtlingskinder werden diese Tage eingeschult. Ihnen fehlt es am Notwendigsten, um am Unterricht tatsächlich teilnehmen zu können. Aktionskomittees an Schulen können Hilfe vom Bleistift bis zum Wörterbuch organisieren, aber auch für mehr Ressourcen an den Schulen kämpfen. Die Gewerkschaft GÖD hat zurecht die Forderung nach mehr Betreuungspersonal und LehrerInnen mit denselben Muttersprachen wie die Flüchtlingskinder erhoben. Die SPÖ verleumdet diese Forderungen skandalöserweise als „billige Polemik“. Auch an den Schulen wird also konkrete Hilfe, Mobilisierung für die Demo und politischer Kampf darüber hinaus Hand in Hand gehen müssen.

Aktionskomittees an Schulen und Betrieben können also eine wichtige Rolle für konkrete Hilfe und die Mobilisierung für den 3. Oktober spielen. Eine solche erfolgreiche Mobilisierung würde auch den Charakter der Demonstration prägen. Am 31. August wollten die OrganisatorInnen, dass die TeilnehmerInnen als „unpolitische Einzelpersonen“ teilnehmen. Sie scheuten die politische Konfrontation und stellten keine klaren Forderungen auf. In der Realität sind wir alle aber weder unpolitisch noch Einzelpersonen: Wir kommen mit unseren Ideen, und Ansichten einerseits, mit unseren FreundInnen und KollegInnen andererseits auf die Demo. Und wir wollen nicht nur gemeinsam spazieren gehen, sondern diskutieren und mit gemeinsamer Stimme fordern. Dies passierte auch bei den letzten Demonstrationen, egal, was die VeranstalterInnen davon hielten. Als Sozialistische Linkspartei intervenierten wir mit Flyern, verkauften rund 200 Zeitungen und führten viele gute Diskussionen mit DemoteilnehmerInnen. Am 3. Oktober braucht es nicht „unpolitische Einzelpersonen“, sondern möglichst viele Organisationen, Belegschaften und andere Zusammenhänge, die Forderungen formulieren und die Bewegung weitertragen können!

Das bedeutet auch unweigerlich, die Wien-Wahlen in die Strategie der nächsten Wochen miteinzubeziehen. Wien hätte ohne Probleme die Kapazitäten, genügend Wohnraum, Jobs und Bildungschancen für alle – Flüchtlinge und WienerInnen – zur Verfügung zu stellen. Zum Beispiel stehen ca. 80.000 Wohnungen aus Spekulationsgründen leer. Der Druck auf die Stadtregierung muss erhöht werden, um konkrete Verbesserungen zu gewinnen – v.a. im Wahlkampf wollen SPÖ und Grüne nicht im schlechten Licht erscheinen und können zu Zugeständnissen gezwungen werden, auch weil viele ihrer WählerInnen gerade jetzt in der Bewegung aktiv sind. Angesichts der sich ständig zuspitzenden Lage ist es noch bitterer, dass es nicht gelungen ist, eine ernsthafte linke wienweite Kandidatur, die soziale Kämpfe ins Zentrum stellt, aufzubauen. So eine Kraft hätte Flüchtlingen und HelferInnen eine wichtige Stimme verschaffen können. Auf der Liste der SLP kandidiert mit Mohammad Numan ein verdienter Flüchtlingsaktivist auf einem Spitzenplatz – so wollen wir im Kleinen zeigen, wie eine größere linke Kandidatur aussehen kann. In unserem Wahlkampf werden wir konkrete Hilfsaktionen für und mit Flüchtlingen setzen und diese mit einem politischen Programm verbinden.

Doch auch über den Horizont der Wahlen hinaus müssen wir denken und handeln. Es gibt keinen Grund zur Annahme, dass sich die Situation mittelfristig tatsächlich entspannen wird. Die Flüchtlingswellen werden weiterrollen, solange blutige Barbarei in Nordafrika weitergeht. An dieser Barbarei ist der imperialistische Westen hauptschuld und er profitiert nach wie vor von ihr. Um den Wahnsinn tatsächlich zu stoppen, müssen wir eine Bewegung aufbauen, die die kapitalistischen Todesmaschine brechen kann. Dies bedeutet einen konsequenten Kampf aller von Armut, Arbeitslosigkeit, Krise und Krieg betroffenen gegen diese Regierung, diese EU und dieses System. Es bedeutet, „alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist.“ - Karl Marx

Money for Refugees, not for the rich!

Hungarians and Refugees together against the politics of Orban and the EU

Refugees are fleeing from war, poverty and persecution. Orban but also the other governments in the EU attack them, trying to use a “divide and rule” tactic to consolidate support because they are not confident that the current economic growth will last. But the truth is: Refugees are not responsible for unemployment and social problems in Hungary. The war is at least partially the result of the western military interventions in the Middle East. At the same time war is very profitable for big companies, some of which also even trade with Isis. It is big companies, that exploit the working people in Hungary. And it is Orban and his gang who attack the trade unions, the public sector workers and the social system. Orban and his racist politics play the old game of "divide and rule". Jobbik and other far right or Nazi-Organisation make it even worse. But the other European governments are not much better. The political leaders do not only not help refugees but try to build the Fortress Europe.

On the other side is the helpfulness of the "normal" people, young people, workers, pensioners, manly by people who themselves do not have much.

There needs to be an emergency plan to both help the refugees. But this must not be at the expense of ordinary working people. The big companies and rich should pay for the results of the crisis that their international policies have caused. The refugees are fleeing from the Middle East but not one EU government demands that the hugely rich feudal elites ruling most Middle East countries use their immense wealth to help the refugees. The Middle East elite’s wealth in Europe should be seized to pay for looking after the refugees from their regimes.

We must organize ourselves:

  • For democratic self-organization of refugees!
  • For democratic self-organization of the people who are helping together with refugees. Build support groups in schools, in the areas, together with colleagues and trade unions!
  • Help is political. It's not just to fill the gap that the policy leaves, but in the longer term to achieve a human refugee policy!

Our "natural" allies in the struggle for a humane refugee policy are not bourgeois politicians. ALL parliamentary parties are supporting the horrible logic of capitalism. Shop Stewards, trade unions, classmates and people who help refugees and other vulnerable groups - together with them we have to organize ourselves and become active.

There is enough money:
Houses are empty for speculation. The rich are getting richer. Orban made sure that his friends earn a lot of money. At the same time the income of working class people is dropping, poverty is rising.
The capitalists want us to pay for their crisis. And they use refugees to divert attention from their responsibility for this situation.
Europe, but Hungary as well, are rich enough to pay for a job and decent housing for everyone. But the economy and big money is in the hands of a small elite. An elite, that has its political representation with the ruling parties - including Orban.
We need a movement to get the country’s wealth from the rich and use it for housing, investments in health, social services, education and a better life for all, including a human refugee policy.
Capitalism constantly generated refugees as well as poverty in this country. Instead of this capitalist system that is geared to profit interests of a few, we need a democratic, socialist society that is based on the needs of all people for housing, jobs and security.
Fight with us for refugees' rights and against the madness of capitalism!

The CWI is an international socialist organisation which is active in about 45 countries all over the world. Also in Hungary, a real socialist organisation, based on the principle of working people democratically controlling their own lives, has to be built. We want to invite you to do that together with us! http://www.socialistworld.net/

Mehr zum Thema: 

Seiten