Antifaschismus und Antirassismus

Der Rechte Rand - Welches Gedenken unterstützt das offizielle Österreich

Alexander Svojtko

Wäre es nach Hitler gegangen, hätte die heimische Rechte heute eindrucksvolle Denkmäler. Nach dem „Endsieg“ – so der Plan – hätten die sechs Wiener Flaktürme als marmorverkleidete Ruhmeshallen den Heldenmythos des teutschen Soldaten in alle Ewigkeit weitererzählen sollen. Daraus wurde nichts.

Trotzdem müssen die Ewig- und Junggestrigen auch 70 Jahre nach Kriegsende nicht auf ihre „Gedenkstätten“ verzichten – von der öffentlichen Hand finanziert. Z.B. das Grab des „Fliegerhelden“ und Parade-Nazi Walter Nowotny am Wiener Zentralfriedhof. Zwar legen die FPÖ-nahen Rechtsausleger vom Kameradschaftsbund über Burschis bis hin zu Blood&Honour-Skins ihre Kränze seit 2003 an keinem von der Stadt Wien bezahlten „Ehrengrab“ mehr nieder; dafür aber an einem „Soldatengrab“ – und deren Pflege zahlt das Innenministerium (BMI). Rund 900 derartige Anlagen werden von Bund, Ländern und Gemeinden finanziert. Dazu kommen fragwürdige Förderungen: So wurde bis heuer das berüchtigte „Ulrichsbergtreffen“ vom Land Kärnten mit 11.000 € gesponsert.

Andererseits setzt das offizielle Österreich gerne den Rotstift an, wenn es um das Gedenken an Opfer und Widerstand geht. So kürzte das BMI 2012 die Pauschale für jene Zivis, die als Holocaust-Gedenkdiener im Ausland arbeiten um 10%.

„Private“ Gedenkinitiativen sind weitgehend auf private Geldmittel angewiesen. Wer sich die Unterstützerliste etwa des Vereins „Steine des Gedenkens“ ansieht, muss zu dem Schluss kommen: Das offizielle Österreich denkt offenbar, „die Opfer sollen sich ihre Gedenkstätten gefälligst selber zahlen.“

 

 

Erscheint in Zeitungsausgabe: 

Nach Spielfeld – Rückblick, Perspektiven und Aufgaben der Linken

Stefan Gredler

Am Sonntag dem 15. November marschierte die extreme Rechte zum zweiten Mal in Spielfeld auf. Sie schafft es vermehrt ihr Gift unter breitere Schichten der Bevölkerung zu versprühen und dabei an Stärke zu gewinnen. Aus Wien, Graz, Linz und Slowenien kamen AntifaschistInnen angereist um dem rechten Aufmarsch die Stirn zu bieten. Trotzdem war die Linke diesmal in der Unterzahl

Die Rechte marschiert

Unter der Führung der neo-faschistischen Identitären wurden unter dem Motto „Grenzen dicht“ zahlreiche Rechtsextreme, Schläger-Nazis und „besorgte BürgerInnen“ nach Spielfeld mobilisiert. Schon zum zweiten Mal schafften sie es, mehrere hundert TeilnehmerInnen auf ihre Demonstration an die österreichisch-slowenische Grenze zu bringen. Zwar waren es wohl nicht die von ihnen propagierten tausend TeilnehmerInnen, doch auch mehrere hundert stellen eine der größten rechten Mobilisierungen der letzten Jahrzehnte dar. Das ist alarmierend, denn es zeigt, dass das Mobilisierungs-Potenzial der Rechtsextremen wächst. Sie schaffen es vermehrt auch bei Menschen außerhalb der rechten Szene Ängste aufzugreifen, zu schüren und durch ihre Hetze zu instrumentalisieren. In diesem Fahrwasser können nun auch organisierte Rechtsextreme und Neonazis marschieren, die früher nur isoliert und klar als das erkennbar was sie sind – nämlich Ultrarechte am Rande der Gesellschaft – auf die Straße gehen konnten. Während die Versuche Pegida in Österreich zu etablieren und so bekannten Neo-Nazi Gesichtern eine Bühne zu bieten daran scheiterten, dass es zu großen linken Gegenmobilisierungen kam (und die FPÖ dieses Klientel ebenfalls bedient), so sahen die Kräfteverhältnisse in Spielfeld anders aus. Die gesellschaftliche Stimmung ist eine andere. Die Hetze gegen Flüchtlinge seitens der FPÖ und zahlreicher Medien, eine Reihe von polarisierenden Wahlen mit starken Zuwächse für das rechte Lager, die rassistische Politik der Regierung, die geplanten Grenzzäune,... all diese Faktoren haben es möglich gemacht, dass rechte Aufmärsche vom Establishment toleriert, wenn nicht von Teilen willkommen geheißen werden, um die eigene fremdenfeindliche Politik bestätigen zu lassen. Die Politik der etablierten Parteien schafft die Stimmung einer angeblichen „Überflutung“. Somit haben viele Menschen das Gefühl, mit der Anzahl an Flüchtlingen nicht mehr zurecht zu kommen. Das verstärkt berechtigte Ängste um Jobs, Wohnungen, um die Zukunft – und richtet sie gegen jene, die am wenigsten dafür können. Durch das Fehlen einer breiten ArbeiterInnenpartei gibt es keine politische Kraft, die verhindert, dass diese berechtigten sozialen Ängste auf Flüchtlinge projiziert und von Rechtsextremen ausgenützt werden. Die Rechten selbst reden von einer „einmaligen Chance“ und „einem Fenster“ das ihnen ermöglicht „patriotischen Protest endlich auf die Straße zu tragen.“ An uns liegt es, dieses Fenster mit aller Kraft zu schließen. Denn nicht Flüchtlinge sind schuld an Arbeitslosigkeit, Armut und Wohnungsnot, sondern die etablierten PolitikerInnen. Solange keine starke linke Kraft den Zusammenhang zwischen Kapitalismus und sozialen Problemen sowie zwischen Kapitalismus und Flucht aufzeigt, solange können rechte Hetzer von diesen Ängsten profitieren.

Rechte Gewalt

Diese Situation führt dazu, dass die Rechte selbstsicher auftritt. Als in Spielfeld eine Gruppe von AntifaschistInnen eine Straße in den steirischen Weinbergen blockierte, um Rechte daran zu hindern, zu ihrer Auftaktkundgebung zu kommen, kam es zu einer gezielten und brutalen Attacke auf die friedlich Blockierenden. Eine Gruppe von 40 Identitären und Prügel-Nazis rannten auf die antifaschistische Menschenkette zu und durchbrachen sie. Danach schlug der rechte Mob wahllos auf alles ein was sich um sie herum bewegte, selbst auf die eigenen Leute, die gleichzeitig von der anderen Seite heran gestürmt kamen. Über zehn AntifaschistInnen wurden verletzt.Großem Glück und mutigem Selbstschutz ist es zu verdanken, dass es nur zu leichten Verletzungen kam und nicht mehr passierte.

Es ist ein Skandal, dass die Behörden den rechten Marsch überhaupt zuließen, ein noch größerer, dass die Polizei bei dem brutalen Angriff tatenlos blieb. Nach zehn Minuten griff sie ein, aber nicht etwa, um AntifaschistInnen vor den rechen Schlägern zu schützen, sondern um die linken DemonstrantInnen auf die Seite zu drängen und den Rechten eine reibungslose Passage zu ermöglichen. Ein ähnliches Verhalten zeigte die Polizei später am Bahnhof, als rechte Gruppen ungehindert an den AntifaschistInnen vorbei ziehen konnten. Auch hier kam es zu rechten Provokationen und Auseinandersetzungen. Als Folge wurden AntifaschistInnen eingekesselt, mehrere Stunden festgehalten und einer Identitäts-Feststellung unterzogen, die Rechten konnten ungehindert abfahren. Grund dafür waren jedoch nicht die Ereignisse am Bahnhof, sondern, wie sich später herausstellte, der Vorwurf von Sachbeschädigung. Dafür wurden jedoch willkürlich AntifaschistInnen kontrolliert, die nicht einmal alleine auf die Toiletten durften.

Fehler der Linken – Was tun?

Vieles ist an jenem Sonntag in Spielfeld falsch gelaufen. Die linke Gegendemonstration war zahlenmäßig unterlegen, ging nicht geschlossen genug vor und war somit in zahlreiche kleine Gruppen auf gesplittert. Das war eine Strategie, die den rechten Aufmarsch nicht erfolgreich blockieren konnte und darüber hinaus die AntifaschistInnen selbst großer Gefahr aussetzte.

Doch der größte Fehler war das Fehlen einer breiten Mobilisierungskampagne sowie das Fehlen wichtiger Organisationen und Parteien der Linken. Die Rechten haben es nicht nur auf Flüchtlinge und Linke abgesehen, sondern auch auf Frauenrechte, auf MigrantInnen, auf LGBTQ-Personen, auf GewerkschafterInnen - auf all jene, die sich für ihre Rechte einsetzen, für eine andere Gesellschaft kämpfen und somit den Hetzern nicht in ihr Weltbild passen. An all jene hätte sich der Aufruf richten müssen, nach Spielfeld zu kommen. Bei all diesen liegt auch die Verantwortung, ganz im Sinne von „Wehret den Anfängen“, die selbstbewusster werdende extreme Rechte in die Schranken zu weisen. Es wäre nötig gewesen den ÖGB und seine Fachgewerkschaften dazu zu drängen, sich an den Protesten gegen den rechten Aufmarsch zu beteiligen und dafür aufzurufen. Die Arbeiterkammer Wien und die größte Fachgewerkschaft GPA-djp hatten kurz vor den Protesten auf ihrer Vollversammlung bzw. Bundesforum beschlossen, ihre Solidarität mit Flüchtlingen mit dem Kampf für Vermögensumverteilung zu verbinden und sich in dieser Thematik klar zu positionieren (siehe http://www.slp.at/artikel/gpa-djp-sagt-fluchtverursacher-und-superreiche...). Auch in der Woche nach Spielfeld unterschrieben dutzende GewerkschafterInnen des ÖGJ und der GDG-KMSfB dieselbe Resolution. Sich durch Worte zu positionieren ist ein erster Schritt, doch auf solch klare Worte müssen Taten folgen. Am Spielfelder Sonntag sind diese ausgeblieben. Auf Initiative der SLP wurde versucht die Gewerkschaft Vida dazu bewegen, Sonderzüge von Graz nach Spielfeld zur Verfügung zu stellen, damit so Hunderte von AntifaschistInnen gratis nach Spielfeld gelangen könnten. Tatsächlich wurde kaum mobilisiert, weder in Spielfeld, noch bundesweit. Aber gerade in der Steiermark gäbe es eine starke linke Kraft: die KPÖ. Sie sitzt mit zwei Abgeordneten im Landtag, hat durch 19,86% bei den vergangenen Wahlen in Graz zehn GemeinderätInnen, vier RätInnen in der Arbeiterkammer und zahlreiche GLB-BetriebsrätInnen, unter anderem auch in großen Betrieben wie MAGNA, der Voest oder Judenburg Stahl. Viele klassenbewusste Menschen, ArbeiterInnen, Jugendliche, Arbeitslose und PensionistInnen blicken mit Hoffnung und Vertrauen auf die KPÖ-Steiermark. Diese Menschen sind das Fundament für ein Erstarken der Linken in der Steiermark und in ganz Österreich. Deshalb darf auch die KPÖ in der Steiermark nicht davor zurückschrecken, sich klar in der Flüchtlingsfrage mit einem internationalistischen Klassenstandpunkt zu positionieren. Sie hätte durch eine breite Kampagne Hunderte von Menschen mobilisieren können und mit ihren gewählten VertreterInnen der verschiedensten Bereiche in der ersten Reihe stehen müssen, um Rechtsextreme, Schläger-Nazis und Neo-Faschisten daran zu hindern ihre widerliche Hetze zu verbreiten. Doch sie waren nicht da. So auch ihre Jugendorganisationen, zumindest waren sie als solche nicht sichtbar. Die KP-Steiermark schreckt vor einer klaren Positionierung zurück aus Angst, so WählerInnen zu verschrecken. Abgesehen davon, dass diese Taktik linke WählerInnen abschreckt, wird damit auch verabsäumt, wirkliche Antworten auf brennende Fragen zu geben. Die KP-Steiermark beschränkt sich darauf, zu helfen, statt darauf Missstände abzuschaffen. Die KP-Steiermark könnte eine breite Kampagne organisieren, wo das Flüchtlingsthema mit den sozialen Problemen der „Hiesigen“ und v.a. der Finanzierung verknüpft wird. Sie könnte klar machen, dass Geld nicht für das eine oder das andere da ist, sondern bei Superreichen und Unternehmen zu holen ist. Mit so einer Kampagne könnte die KP Steiermark auch und gerade in einer Gemeinde wie Spielfeld (wo sie bei den vergangenen Wahlen lediglich 39 Personen wählten) die Unterstützung auch ausbauen. Eine starke Präsenz, welche den Menschen vermittelt, man wolle sowohl Flüchtlinge als auch die Ortschaft davor schützen, dass Rechtsextreme einen Konflikt hineintragen, könnte SpielfelderInnen dazu bewegen gemeinsam mit steirischen Linken aktiv zu werden.

Der Aufmarsch der Rechten war besonders eine Bedrohung für Flüchtlinge, die in Spielfeld in eisiger Kälte und unter widrigsten Umständen darauf warten, weiterreisen zu können. Doch wenn wir sie wirklich schützen wollen, müssen wir dafür sorgen, dass auch die lokale Bevölkerung miteinbezogen wird, denn wer sonst außer den SpielfelderInnen selbst kann auf lokaler Ebene dauerhaft Solidarität mit Flüchtlingen zeigen und Rechte daran hindern Übergriffe zu begehen? Viele Menschen helfen ehrenamtlich in Spielfeld und an jenem Sonntag kauften AnrainerInnen SLP-AktivistInnen unsere Zeitung „Vorwärts“ ab und bedankten sich für die kurzen Diskussionen die mit ihnen geführt wurden. Sie müssen für unsere Sache gewonnen werden!

Wie weiter?

Die extreme Rechte marschierte eine Woche nach Spielfeld in Wien auf und die Identitären haben für zwei Wochen nach ihrer letzten Demonstration an der Grenze, die nächste Demonstration angekündigt. In Wien waren am 21.11. weniger Rechtsextreme als von den Veranstaltern erwartet gekommen. Sie trampelten auf dem Deserteurs-Denkmal für NS-Verfolgte herum, riefen dazu auf, die Grenzen zu schließen und sich zu bewaffnen. Entwarnung kann also keine gegeben werden. Offen ist noch, wie viele am 28.11. auf den neuerlichen Aufruf der neofaschistischen Identitären kommen werden. Ein neuerlicher erfolgreicher Aufmarsch der extremen Rechten wird ihr Selbstbewusstsein anwachsen lassen. Die rechtsextremen Hetzer sind aus ihren Löchern gekrochen und sie sind gefährlich. Nur eine breite Bewegung kann und wird sie dorthin befördern, wo sie hingehören: auf den Misthaufen der Geschichte.

Mehr und größere Aktionen von Rechten sind zu befürchten. Es gibt kein geradliniges Wachstum der Rechten und kein automatisches, aber die Situation muss dennoch ernst genommen werden. Das ist die Rechnung dafür, dass große Teile der Linken die Verbindung von Rassismus zu immer brennenderen sozialen Problemen wie Armut und Arbeitslosigkeit weitgehend ignoriert haben. Egal ob staatstragend oder autonom – man hat den Antifaschismus zu einer moralischen Angelegenheit reduziert. Das müssen wir ändern. Der Kampf gegen Rechts gehört in die Bezirke, Wohngebiete und Betriebe hinein getragen. Und die Menschen, die die rechte Gefahr bekämpfen, müssen aus genau diesen Bereichen kommen. All die HelferInnen, die auf den Bahnhöfen und den Unterkünften ehrenamtlich, oft neben der eigenen Arbeit, geholfen haben, brauchen ein Angebot auch politisch aktiv zu werden - sowohl für Flüchtlingsrechte, als auch gegen Rassismus. Die Linke muss klarmachen, dass es keine Frage von Moral, sondern eine Frage der Notwendigkeit ist, dem erstarkten Rechtsextremismus die Stirn zu bieten. Denn Rassismus löst keine sozialen Probleme und Ängste, er verschlimmert sie nur und sorgt dafür, dass die ArbeiterInnenklasse gespalten wird, statt vereint gegen die wirklichen Verursacher von Krieg, Armut und Elend Widerstand zu leisten.

Wenn die Linke es schafft, die Solidaritätsarbeit mit Fliehenden sowie den Kampf für Flüchtlingsrechte mit dem Kampf gegen Rassismus und für soziale Verbesserungen zu verbinden, wenn sie es so schafft eine breite und starke Bewegung aufzubauen und verschiedenste Teile der ArbeiterInnenklasse zu vereinen, dann kann die extreme Rechte einpacken, denn dann bekommt ihr Hass kein Fußbreit mehr an Boden.

Rechte Gewalt stoppen!

Regierung baut Festung Österreich, FPÖ hetzt, Nazis werden gewalttätig – wo ist die Gewerkschaft?
Lukas Kastner

Aus Deutschland erreichen uns immer wieder ekelerregende Bilder von rechtsextremen Angriffen auf Flüchtlingsheime. Doch auch in Österreich scheuen die Rechten nicht vor Gewalt zurück. Hasspostings sind nur der Anfang. Diesen Juli wurden sieben Flüchtlinge in Wiener Neustadt durch Schüsse mit einer Softgun verletzt. Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte, Flüchtlinge und HelferInnen nehmen zu. Im August wurde ein Brandanschlag auf ein Heim des ÖGB verübt, in dem Flüchtlinge untergebracht werden sollten.

Gestärkt werden die Rechten durch die FPÖ mit ihrem „man wird es ja noch sagen dürfen“. Auch vom Staat wird die rechte Gewalt verharmlost, wenn z.B. Brandanschläge (Traiskirchen, Dornbirn) oder Angriffe (Alberschwende) als „nicht politisch motiviert“ bezeichnet werden. FPÖ und Regierung bereiten den Boden für die Gewalt: sie versuchen Flüchtlinge als Ursache für soziale Probleme darzustellen und heizen damit die Stimmung an.

Darum steht gerade der ÖGB in der Pflicht, gemeinsam mit lokalen Verteidigungskomittees gegen Rassismus und rechte Gewalt aufzutreten. Denn rechte Gewalt ist eine Bedrohung für alle ArbeiterInnen und muss daher umso härter bekämpft werden. Und soziale Verbesserungen können nur von ArbeiterInnen gemeinsam erkämpft werden.

 

 

Erscheint in Zeitungsausgabe: 

Spielfeld: Rechte Hetzer und Gewalttäter werden von der Polizei geschützt - AntifaschistInnen werden kriminalisiert und bedroht

Seit Wochen hetzen selbsternannte „Grenzschützer“ gegen Flüchtlinge. Für heute hatten sie wieder zu einer Demonstration ins steirische Spielfeld aufgerufen. Gekommen waren neben den elitären und neofaschistischen „Identitären“ auch zahlreiche Schlägernazis. Gemeinsam attackierten sie AntifaschistInnen brutal, es gab mehrere verletzte AntifaschistInnen. Die Polizei wusste nichts besseres zu tun, als den rechten Aufmarsch durchzusetzen.

Doch damit nicht genug, wurden dutzende friedliche AntifaschistInnen in Spielfeld am Bahnhof von der Polizei eingekesselt. Ihnen wurde die Abreise verweigert. An den Haaren herbei gezogene Anschuldigen werden konstruiert, um Menschen zu kriminalisieren die das tun, wozu Polizei und Staat nicht in der Lage sind oder nicht sein wollen: nämlich Menschen, die hier bei uns nach Frieden und Hilfe suchen vor den Angriffen und Anfeindungen der rechten Hetzer zu schützen. Zur Zeit ist noch nicht bekannt, ob es neben den zahlreichen Angriffen der Rechten auf AntifaschistInnen auch welche auf Flüchtlinge gegeben hat.

Wir fordern:

  • Sofortiges Ende der Kesselung bzw. Anhaltung der AntifaschistInnen
  • Schluss mit der Kriminalisierung – Keine Aufnahme von Personalien
  • Gewerkschaften, Arbeiterkammern und Organisationen mit einem antifaschistischen Anspruch in der Steiermark und Österreichweit müssen sich gegen die Aufmärsche der Rechten und die Kriminalisierung von AntifaschistInnen stellen
  • Eine unabhängige Untersuchungskommission von GewerkschafterInnen und demokratischen NGOs um das Verhalten der Behörden vor Ort zu Untersuchen

 

Von Promis, PolitikerInnen und Hilfe

Nikita Tarasov

Auch an Promis geht die Flüchtlingskrise nicht vorbei. Die prominenten Stimmen für eine menschlichere Asylpolitik und gegen rassistische Hetze häufen sich. Und das ist gut und richtig! Es ist menschlich, dass sie den Menschen, die fliehen helfen wollen. Bei einigen folgen auf Worte auch Taten. Es werden Unterkünfte für Flüchtlinge geboten und Stiftungen, die das Leid lindern sollen, gegründet. Dagegen ist nichts einzuwenden. Doch auch wenn wir außer Acht lassen, dass es für manche auch ums Imageaufpolieren geht, bleibt da ein weiteres Problem - unmittelbares Helfen alleine wird keine langfristige Lösung bringen. Es braucht eine politische Lösung.

Die bringt das gemeinsame Posieren von Til Schweiger, der sich für Flüchtlinge engagiert, mit der SPD-Spitze, die ihrerseits für Abschiebungen, Waffenexporte und die Festung Europa mitverantwortlich ist, sicher nicht. Auch österreichische PolitikerInnen, wie Pilz&Co wirken ehrlich betroffen, packen auch an. Und tragen doch auch für die aktuelle Situation eine Teilverantwortung. Für alle, die wirklich helfen wollen, gilt es nicht nur akute Probleme zu lösen, sondern auch für eine langfristige Lösung im Rahmen einer radikalen Massenbewegung zu kämpfen.

Erscheint in Zeitungsausgabe: 

Der rechte Rand: Orban Fans in Österreich

Thomas Hauer

Orbán baut einen Grenzzaun, lässt Flüchtlinge niederknüppeln, setzt Tränengas ein und erteilt dem Militär eine Schießerlaubnis. Die Unterbringung und Versorgung der Flüchtlinge in Ungarn ist katastrophal. Den meisten ist klar: Gegen Orbán, das Monster, muss etwas gemacht werden! Oder doch nicht? Zumindest in der europäischen Politik hat er auch Fans. So hat z.B. Manfred Weber (CSU) Orbán einen Freibrief zum Grenzschutz erteilt und findet, dass die Zustände im fürchterlichen Lager Bicske den europäischen Mindeststandards entsprechen. CSU-Chef Seehofer hat Orbán zum Treffen der bayrischen Unionsspitze eingeladen und den Grenzzaun gutgeheißen. Der italienische Politclown Beppe Grillo, der in Umfragen um Platz 1 kämpft, unterstützt Orbáns Linie enthusiastisch. „Unser“ Strache findet Orbáns Vorgehen natürlich vorbildhaft. Er würde am liebsten auch um Österreich einen Zaun ziehen, der vom Bundesheer überwacht wird. Und die neofaschistischen Identitären, die auch eine Kandidatin auf der FPÖ-Liste haben, setzen den Vorschlag gleich in die Tat um – inklusive Ungarn-Fahne. Die ÖVP bringt ein „Asyl auf Zeit“ ins Gespräch und wedelt im FPÖ-Stil im Parlament mit Taferln („Kein Asyl à la carte!“). ÖVP-Chef Mitterlehner meint, dass Orbán „nicht unrecht“ hat und spricht von einer „Invasion“. Die SPÖ ist den ÖVP-Vorschlägen nicht abgeneigt. Und der deutsche Sozialdemokrat Thilo Sarrazin lobt auf einer FPÖ-Veranstaltung Orbáns „logisches Denken“. Auf Orbáns Spuren wandelt auch Mikl-Leitner, die schon den Einsatz von Gewalt an den Grenzen angedroht hat. 

 

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Keine Rede von Ausgrenzung der FPÖ

Karin Wottawa

Seit Jahrzehnten kommt es immer wieder zu Koalitionen mit der FPÖ: Rot-Blau 1983-86 und Schwarz-Blau (bzw. Orange) 2000-2006 im Bund. Und auch auf Landesebene wurde munter koaliert: 2004-06 in Kärnten (SPÖ-FPÖ bzw. BZÖ), wo man sich nach Verhandlungen in einer Nacht auf die “Chianti-Koalition” einigte. Das hatte Vorteile für die FPÖ: Die SPÖ unterstützte keine Untersuchungsausschüsse gegen Jörg Haider mehr. Dörfler (zuerst FPÖ, dann BZÖ) wurde 2009 mit den Stimmen der ÖVP zum Kärntner Landeshauptmann gewählt. 1974 und 2009 gab es in Vorarlberg eine schwarz-blaue Zusammenarbeit und 1999-2004 eine Koalition. Auch in der Steiermark wurde koaliert (2000-05) und aktuell gibt es Rot-Blau im Burgenland. Darüberhinaus saß die FPÖ aufgrund des Proporz-Systems in zahlreichen Landesregierungen.

In der SPÖ nehmen die BefürworterInnen einer Zusammenarbeit mit der FPÖ zu – von abgehobenen Funktionären, denen es primär um Machterhalt geht. Vida-Steiermark Chef Horst Schachner: “Die Ausgrenzung der FPÖ ist Blödsinn”, Salzburgs Arbeiterkammer-Präsident Siegfried Pichler: “„Gespräche mit der FPÖ wären sinnvoll”, der Vorarlberger Norbert Loacker: “„Die FPÖ hat gute Leute”.

Um das Wahlrecht in Wien zu kippen, gingen die Grünen einen Pakt mit ÖVP und FPÖ ein, auch in Wiener Neustadt wurde gepackelt. In Linz hat die SPÖ sogar der Einrichtung des OLS - Ordnungsdienst der Stadt Linz zugestimmt, ein Vorhaben der FPÖ. Nicht nur das: der rechte Detlef Wimmer (schlagender Burschenschafter) wurde mit Hilfe der SPÖ Stadtrat für Sicherheit und Ordnung, in dessen Bereich der OLS fällt.

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Gemeinsam gegen rechte Hetze und Fluchtursachen – Geld für Soziales und Bildung

AktivistInnen der SozialistischenLinksPartei - SLP aus Graz, Linz und Wien werden am Sonntag nach Spielfeld fahren! Wenn du Interesse hast mitzukommen und uns bei der Mobilisierung helfen willst melde dich bei uns über slp@slp.at oder http://www.facebook.com/slp.cwi

 

Bereits zum 3. Mal mobilisieren Rechtsextreme wie die elitären Identitäre nach Spielfeld. Sie hetzen gegen all jene Menschen, die nach bzw. durch Österreich fliehen. Sie verbreiten die Lüge, Flüchtlinge wären schuld an Armut, Arbeitslosigkeit und steigenden Mieten. Die Regierungsparteien folgen der Logik der Rechtsextremen, wenn sie erklären, die Flüchtlingskrise wäre nicht meisterbar, obwohl die Ressourcen für menschengerechte Unterbringung da sind. Sie rechtfer-tigen Kürzungen bei ÖsterreicherInnen mit den Kosten der Flüchtlingskrise, obwohl die Kürzungspläne schon lange stehen. Millionen werden für den Bau eines Grenzzauns kalkuliert, aber für Soziales und Wohnen soll kein Geld da sein?

Das reichste 1% der österreichischen Bevölkerung besitzt ca. 500 Milliarden Euro. Fluchtverdiener wie die steirischen Andritzwerke scheffeln Milliarden aus Not und Elend. Es gibt genug Reichtum in Österreich, um allen Menschen, die hier leben und leben wollen, Job, Wohnung und Perspektive zu garantieren. Doch dieser Reichtum ist in den Händen der Reichen, welche an unserer Armut und der Not der Flüchtlinge verdienen. Aus diesem Grund stellen wir uns am 15. November gegen die rechten Hetzer. Rassismus löst keine sozialen Probleme. Eine Spaltung in In- und AusländerInnen lenkt von den wahren Schuldigen an Fluchtursachen und Armut ab: Den Reichen und Mächtigen, die als einzige von diesem kapitalistischen Profitsystem profitieren.

 

 


Darum:

Am 15. November, 11:00, Spielfeld Bahnhof

Anreise aus Graz: Treffpunkt um 9:30 am Hbf Graz

Wöchentliche AktivistInnentreffen in Graz: Dienstags, 18:30, Bar 28, Gartengasse 28

 Infos zur Anreise aus Wien unter busauswien[at]riseup.net

 

Zäune und Rassismus lösen keine sozialen Probleme – gegen den rechten Aufmarsch! [Demonstration+Menschenkette]

 

Aufruf der Offensive gegen Rechts Steiermark

Angesichts der humanitären Katastrophe in Syrien gab es in den vergangenen Monaten eine eindrucksvolle Solidaritätsbewegung, die geflüchtete Menschen direkt unterstützte und sich für eine menschliche Asylpolitik einsetzte. Auf der anderen Seite gibt es viele Menschen, die sich Sorgen um ihre eigene Zukunft machen. Viele ÖsterreicherInnen, besonders in der Jugend, spüren den Hauch der Wirtschaftskrise: Arbeitslosenzahlen in Rekordhöhe, immer schlechter werdende Arbeits- und Lebensbedingungen und Sparmaßnahmen führen dazu, dass eine Generation heranwächst, die frustriert ist und wenige Perspektiven hat. In dieser Situation fällt es den Rechten leicht, die Schuld auf Menschen zu schieben, denen es noch schlechter geht: Menschen, die aus Kriegsgebieten geflohen sind und, sollten sie den gefährlichen Weg nach Europa geschafft haben, hier ein Leben am Existenzminimum fristen müssen, werden als Sündenböcke markiert. Dazu sind den Rechten keine Tricks zu schmutzig: Man erfindet Horrorgeschichten (die sich nach mühsamen Recherchen allesamt als falsch herausstellen), lügt über die Höhe der Bezüge für Flüchtlinge usw.. Über Facebook und andere soziale Medien verbreiten sich diese Lügen rasant.

Schuld an dem Desaster sind aber nicht MigrantInnen oder Menschen, die fliehen mussten. Seit der jüngsten Krise des Kapitalismus verschärfen sich die Lebensbedingungen weltweit. Sämtliche Errungenschaften, die in den letzten 150 Jahren erkämpft wurden, werden Schritt für Schritt abgebaut. Schuld daran ist das herrschende wirtschaftliche System, das unser aller Leben den Profitinteressen unterordnet und eine Politik, die sich dem Ziel verschrieben hat, dieses System um jeden Preis zu erhalten. Die rechten HetzerInnen leisten dafür einen wertvollen Beitrag, indem sie uns gegeneinander ausspielen wollen und so effektiv verhindern, dass wir zusammen für unsere gemeinsamen Ziele kämpfen.

So wollen auch die neofaschistischen „Identitären“, aus der aktuellen Situation Profit schlagen und rufen für den 15.11. in Spielfeld zu einem „patriotischen Protest“ auf, um die Grenzen „dichtzumachen“. Diese Bewegung, die vor allem versucht über Aktionismus und Social Media aufzufallen, versucht zwar, ihre widerliche rassistische und elitäre Hetze mit Popkultur zu verschleiern. Doch der schwarz-gelbe Lack ihres Logos blättert immer weiter ab und zum Vorschein kommt das altbekannte Braun: Ihre Mitglieder fallen immer wieder durch aggressive Aktionen gegen MigrantInnen und Flüchtlinge auf. In letzter Zeit haben sie immer wieder an verschiedenen Grenzübergängen versucht, Menschen die vor Krieg, Terror und Vertreibung fliehen mit Feuerwerkskörpern, Transparenten und bedrohlichem Auftreten einzuschüchtern. Das ist auch ihr Ziel am 15.11. und das dürfen wir nicht zulassen! Mit einer Menschenkette wollen wir uns daher im Anschluss an die Demonstration friedlich den HetzerInnen von den „Identitären“ in den Weg stellen.

Aber wer vom Rassismus der „Identitären“ spricht, darf auch den staatlichen Rassismus nicht verschweigen. Bereits jetzt müssen schutzsuchende Menschen, die unter den widrigsten Umständen aus ihren Heimatländern flüchten mussten, unter fürchterlichen Bedingungen an den Grenzen ausharren. Tausende sind bereits im Mittelmeer gestorben. Und jetzt kommt der Winter. Die Situation verlangt eine sofortige, solidarische Antwort – keinen Stacheldraht und keine Gewalt gegen Flüchtlinge.

Daher fordern wir:
Kein Zaun in Spielfeld oder sonst wo! Für sichere und legale Fluchtwege!
Fluchtursachen bekämpfen, nicht Flüchtlinge! Keine Profite mit dem Krieg!
Für eine Kampagne der Gewerkschaften, um Geflüchtete und MigrantInnen gewerkschaftlich zu organisieren, damit sie nicht als LohndrückerInnen missbraucht werden können.
Kämpfen wir gemeinsam mit allen Menschen die hier leben für gute Lebens- und Arbeitsbedingungen!

Kommt zur Demonstration und anschließenden Menschenkette am 15.11.! Treffpunkt 10 Uhr, Bahnhof Spielfeld

Infos zur Anreise aus Wien unter busauswien[at]riseup.net und für die Anreise aus Graz unter ogrsteiermark@riseup.net

Von Ljubljana nach Spielfeld

Stefan Gredler, Christoph Glanninger, Nicolas Prettner

Internationale Vernetzung und Protest gegen Rassismus und das europäische Grenzregime

Seit Monaten kommen Tausende Flüchtlinge die vor Krieg, Terror und Unterdrückung fliehen über den Balkan nach Europa. Die etablierte Politik versagt völlig dabei ausreichende Versorgung und Infrastruktur zur Verfügung zu stellen (oder hat kein Interesse zu helfen). Hunderte freiwillige HelferInnen versorgen Flüchtlinge entlang der Route und sorgen für den Weitertransport.

Europäische Regierungen wenden immer repressivere Maßnahmen an. Militär und Polizei werden gegen Flüchtlinge eingesetzt und die österreichische Bundesregierung plant einen Zaun an der Südgrenze.

Deshalb fand am Samstag dem 31. Oktober fand ein internationalen Kongress in Ljubljana statt. Es wurde über die derzeitige Situation von Flüchtlingen in Europa und an den Grenzen der jeweiligen Mitgliedsstaaten diskutiert und Aktionen geplant. Auch Aktivisten der Sozialistischen LinksPartei- SLP kamen nach Slowenien um sich an dem Treffen zu beteiligen, sich zu vernetzen und mit politischem Material präsent zu sein.

Unter dem Motto „Ljubljana calling“ rief die „Protirasistična fronta brez meja“ („Antirassistische Front gegen Grenzen“, frei übersetzt) dazu auf, sich international zu vernetzen. Der Kongress fand in der ehemaligen jugoslawischen und heute besetzten Fahrradfabrik „Tovarna Rog“ statt.

Diese liegt in einer sichtlich linken und alternativen Straße in der Innenstadt Ljubljanas. Im Innenhof der des Geländes versammelten sich 150 AktivistInnen aus verschiedenen Ländern (Slowenien, Italien, Deutschland, Schweiz, Österreich). Zahlreiche Gruppen die Solidaritätsarbeit für Flüchtlinge organisieren trafen zusammen um über die Lage der Fliehenden zu diskutieren. SLP-Aktivisten unterstrichen die Notwendigkeit, dass Hilfe für Flüchtlinge und eine langfristige Verbesserung nur durch einen breiten politischen Kampf erreicht werden können. Dafür war das Treffen ein extrem wichtiger Schritt, denn ein solcher Kampf muss und kann nur auf internationaler Basis geführt werden. Durch das Treffen konnten sich die AktivistInnen vernetzen und untereinander Kontakt knüpfen. Nach einem zweistündigen Plenum wurde beschlossen gemeinsam nach Spielfeld zu fahren, um einerseits mit österreichischen AktivistInnen eine Aktion gegen die rechte Demonstration, die am selben Tag stattfand, durchzuführen. Andererseits Hilfsgüter und gesammelte Spenden in die „graue Zone“ zwischen Slowenien und Österreich zu bringen. Natürlich wäre es wichtig gewesen, längere Diskussionen zu führen, in Arbeitskreisen weitere Schritte auf verschiedenen Ebenen zu planen und ein gemeinsames Statement zu verfassen. Doch auf Grund der rechten Mobilisierung in Spielfeld war die zu Zeit knapp, um den Kongress ausführlicher durchzuführen und die Notwendigkeit nach Österreich zu fahren zu groß. Nichts desto trotz war dieses Treffen ein guter Ansatz für weitere gemeinsame Arbeit!

 

Spontane Gegendemonstration in Spielfeld

Spielfeld. Die Rechte hatte mobilisiert und das erfolgreich. Mehr als 500 Personen waren gekommen. Darunter waren klar erkennbare oder bereits bekannte Rechtsextreme aber auch einige AnrainerInnen und Menschen aus der Umgebung Spielfeld. Die PDV („Partei des Volkes“), welche einige Wochen zuvor versuchten in Graz zu marschieren (sie scheiterten kläglich), war präsent, so auch die Identitären. Als die rechte Demonstration zu Mittag startete waren es sie, die mit ihrem widerlichen Transparent den Menschenzug anführten. Eine tapfere Gruppe von 20 AntifaschistInnen war schon seit Vormittag in Spielfeld und baten dem rechten Aufmarsch Parole. Auch hier war ein Aktivist der SLP dabei. Als der Aufmarsch vorbei war wurden Urkunden an die restlichen TeilnehmerInnen verteilt. Für jede Minute welche die Rechten demonstrierten wurden 10 Euro an die Flüchtlingshilfe gespendet. Insgesamt kamen so ca 2.000 Euro zusammen. Das Geld stammt von diversen linke Organisationen und Privatpersonen. Somit konnte einigen Rechten der Tag etwas versaut werden, der aus ihrer Sicht jedoch sicherlich, in Anbetracht der regen Teilnahme, als Erfolg gewertet wurde.

Mit dem Eintreffen zahlreicher Autos aus Ljubljana stieg die Zahl der Linken erheblich. Einige Zeit stand die antifaschistische Gruppe und der Rest der rechten Demonstration nebeneinander. Glatzen und sichtlich Rechtsextreme pöbelten ein wenig, doch diese machten sich bald auf den Heimweg. So vermischten sich ein paar AnrainerInnen die an dem Tage schon demonstriert hatten mit der Gruppe von Linken und es kam zu Diskussionen. Einige hatten nicht gewusst, dass die Mobilisierung für den Aufmarsch von Rechtsextremen selbst organisiert wurde und versicherten, sie würden bei einer nächsten rechten Aktion sicherlich nicht beteiligen. Das zeigt, dass sich natürlich viele von Rechtsextremen vereinnahmen und instrumentalisieren lassen, es jedoch auch einige gibt, die der Demo im Endeffekt kritisch gegenüberstanden, obwohl sie sich beteiligten.

Die Rechten waren marschiert. Dabei wollte man es nicht belassen und so kam es zu einer spontanen Gegendemonstration mit ca. 150 AntifaschistInnen. Über eine wenig besiedelte Straße ging der Demozug zum Lager, um klar zu machen, dass wir Flüchtlinge willkommen heißen. Als der Zug an der Biker-Bude „Las Vegas“ vorbeizog wurde die Demo grundlos mit einem Pfefferspray angegriffen. Die Rechten hatten sich in der Bar verkrochen. Auch die Identitären waren vor Ort. Doch einige hundert Meter weiter war die Stimmung eine ganz andere. Die Busfahrer vor dem Eingang zum Lager zeigten uns ihre Daumen und klatschten als die linke Demonstration eintraf. Vorbeifahrende Busse hupten. Flüchtlinge winkten, die Demonstration klatschte zurück. Weit genug vor dem Eingang sperrte die Polizei die Straße ab. Ein SLP Aktivist wurde von dem Kamera-Team von „Am Schauplatz“ interview und unterstrich, dass genügend Reichtum da wäre, um jeden Menschen, egal ob Flüchtling, MigrantIn oder in Österreich geboren ein sicheres Dach über den Kopf und einen gut bezahlten Arbeitsplatz bieten zu können. Dafür müsse der Reichtum jedoch durch eine kämpferische und breite Bewegung von oben hinab verteilt werden. Rechte und rassistische Kräfte bieten hier keine Lösung, sie verschlimmern die Probleme nur, indem sie uns spalten.

 

Antirassistische Demonstration am 15. November

Deshalb ist es wichtig, dass wir weiter gegen rassistische Spaltung auf die Straße gehen und klarmachen, dass wir soziale Verbesserungen nur gemeinsam erkämpfen können. Die erste Gelegenheit dazu ist die Demonstration gegen den von den neofaschistischen Identitären organisierten rassistische Aufmarsch in Spielfeld am 15. November. Unter dem Motto Zäune und Rassismus lösen keine sozialen Probleme – gegen den rechten Aufmarsch.

 

Genauere Infos unter

https://www.facebook.com/events/998240270241034/

 

 

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