Ausbildung statt Ausbeutung! Unsere Forderungen für die Lehre!

Unsere Forderungen orientieren sich an den Bedürfnissen von Lehrlingen … und legen sich daher mit den Interessen der Unternehmen an.
Ein Schwerpunkt zum Thema Lehre von Albert Kropf (Berufsschullehrer), Christoph Glanninger (Lehrling) und ein ÖBB-Lehrling

Im Regierungsprogramm steht die „Aufwertung der Lehrberufe durch eine Imagekampagne für Lehrlinge“. Das Geld kann man sparen, es geht nicht ums „Image“, sondern um Verbesserungen bei Bezahlung, Ausbildung und Berufsschule.

Unternehmen und Lehrlinge haben unterschiedliche Interessen. Für Unternehmen sind Lehrlinge ein Kostenfaktor, der sich rechnen muss: sie sollen möglichst viel Zeit im Betrieb verbringen, möglichst lange arbeiten und möglichst leicht wieder entlassen werden können. Während Jugendliche, die eine Lehre beginnen, genug Geld, gute Arbeitsbedingungen und eine möglichst gute und umfangreiche Bildung brauchen

 

Ausbildungsplätze schaffen: Seit Jahrzehnten gehen die verfügbaren Lehrstellen zurück. Unternehmen weigern sich auszubilden. Sie lagern die Kosten für Ausbildung lieber aus und holen FacharbeiterInnen direkt von Fachhochschule oder HTL. Sie profitieren also von staatlich finanzierter Ausbildung. Eine Möglichkeit, um hier „Kostenwahrheit“ herzustellen, ist eine Ausbildungsabgabe für alle Unternehmen, deren Höhe von der Betriebsgröße und den Profiten abhängt. Betriebe, die nicht ausreichend Ausbildungsplätze besetzen, zahlen eine Abgabe. Mit dieser Abgabe können hochwertige staatliche Ausbildungsplätze geschaffen werden.

 

Hochwertige überbetriebliche Ausbildung: Früher galt eine überbetriebliche Lehre z.B. bei der Verstaatlichten, als qualitätsvoll und anstrebenswert. Den kapitalistischen Notwendigkeiten folgend wurde die Ausbildung aber zunehmend an den Staat ausgelagert. Doch dieser hat nicht erstklassige Ausbildungsstätten geschaffen, sondern Selbstbedienungsstrukturen, bei denen Jugendliche Zeit absitzen müssen und Private sich eine goldene Nase verdienen. Heute ist es für viele ein „Aufstieg“, aus so einer „Überbetrieblichen“ in eine normale Lehrstelle zu wechseln, selbst wenn das dort Ausbeutung als billige Arbeitskraft heißt.

Unsere Alternative sind durch die Ausbildungsabgabe finanzierte qualitativ hochwertige staatliche Ausbildungsplätze für dringend benötigte Berufe mit ordentlicher Bezahlung. So schaffen wir nicht nur genügend Ausbildungsplätze, sondern verhindern auch, dass Unternehmen permanent das Schaffen von Ausbildungsplätzen als Druckmittel zur Verschlechterung der Arbeitsbedingungen für Lehrlinge nutzen.

 

Bezahlung, die zum Leben reicht: In vielen Bereichen ist die Höhe der Lehrlingsentschädigung katastrophal – unabhängig von der Leistung der Lehrlinge. Auch sind viele Lehrlinge erwachsen. Reicht die Lehrlingsentschädigung für manche 15jährige, die nichts zuhause abliefern müssen, noch als üppiges Taschengeld, ist für Ältere, die eine eigene Wohnung oder sogar Kinder haben, an ein Auskommen nicht zu denken. Selbst die Aufstockung durch die Mindestsicherung bleibt vielen verschlossen, sofern sie schon eine Ausbildung (Fachschule, Matura etc.) abgeschlossen haben. Viele müssen die Ausbildung abbrechen und stattdessen irgendeinen Gelegenheitsjob machen.

Aber nicht nur zwischen den Lehrberufen (über 200!), sondern auch in der gleichen Berufsgruppe gibt es riesige Unterschiede bei der Lehrlingsentschädigung je nach dem, zu welchem KV sie gehören. Es braucht also nicht nur eine Zusammenfassung zu Flächenlehrberufen, sondern auch eine Vereinheitlichung der Lehrlingsentschädigung und Anpassung an die tatsächlichen Bedürfnisse der Lehrlinge. Die Gewerkschaftsjugend fordert eine Mindestlehrlingsentschädigung von 700€ ab dem 1. Lehrjahr. Das wäre ein wichtiger erster Schritt. Doch wir fordern eine Bezahlung, die sich an den Bedürfnissen der Menschen orientiert, und von der Lehrlinge auch unabhängig von Eltern & Co. leben können.

 

Ausbildung statt Ausbeutung: Diejenigen, die eine Lehre beginnen, sind zwar oft motiviert, aber dann rasch mit miesen Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen konfrontiert. Sie werden häufig als billige Arbeitskräfte missbraucht, bekommen kaum eine oder nur auf den Betrieb zugeschnittene Ausbildung („Systemgastronom“ bei Mc Donalds) und das Unternehmen interessiert sich nicht dafür (siehe Zahlen&Fakten). Die Ursache liegt nicht darin, dass die UnternehmerInnen „böse“ wären, sondern dass UnternehmerInnen in einer kapitalistischen Wirtschaft auf die Gewinne und nicht aufs Nett-sein schauen müssen. Deshalb müssen wir dafür sorgen, dass auch in den Betrieben die Kontrolle über die Ausbildung in den Händen jener liegt, die ein Interesse an einer guten Ausbildung haben und nicht nur an kurzfristigen Profiten. Gerade in größeren Betrieben wäre es leicht, Komitees bestehend aus Lehrlingen, GewerkschafterInnen und JugendvertreterInnen zu schaffen. Aber auch bei kleineren Unternehmen könnten betriebsübergreifende Komitees für eine ordentliche und umfassende Ausbildung sorgen.

 

Berufsschule erweitern: Beim Dauerbrenner Bildung wird nie über die Berufsschule diskutiert. Denn gerade die Berufsschule ist (finanziert aus Steuergeldern) nach den Interessen der Wirtschaft ausgerichtet. Dabei gibt es österreichweit 120.000 BerufsschülerInnen. Sie starten oft schon um 7:10 in der Früh, haben einen Schultag von bis zu zehn Stunden, bei dem die An- und Abfahrtswege noch gar nicht eingerechnet sind. Die Gegenstände sind weitgehend berufsbezogen, Allgemeinbildung und Sport sind im Pflichtprogramm nicht vorgesehen. Hirn- und Lernforschung sind sich einig, dass so lange, dichte und intensive Schultage sinnlos sind.

Trotzdem ist es eine wichtige Errungenschaft, dass es eine Berufsschule gibt. Für viele Lehrlinge ist sie der einzige Ort, wo sie zumindest etwas lernen. Es braucht eine Berufsschule, in der SchülerInnen eine umfassendere Bildung erhalten, die ihren Bedürfnissen entspricht. Dafür muss die Berufsschulzeit z.B. auf Kosten der Zeit im Betrieb auf mehrere Tage aufgeteilt und die Lehrpläne in Richtung von Flächenberufen und Allgemeinbildung mit Sport, Zeichnen etc. umgestaltet werden. Die echten ExpertInnen, SchülerInnen und LehrerInnen sollen gemeinsam diese Lehrpläne entwickeln.

 

Für eine Ausbildungsrevolution: Wir setzen uns aktiv für Verbesserungen für Lehrlinge in Betrieb und Berufsschule ein. Aber all diese Verbesserungen stoßen schnell an die Grenzen des Systems. Das gesamte Ausbildungs- und Gesellschaftssystem ist ein Hindernis für die Entwicklung von jungen Menschen. Durch Trennung in AHS, Neue Mittelschule und Berufsschule und wegen der fehlenden finanziellen Mittel (außer in Privatschulen) wird eine Zweiklassenbildung gefördert.

Was es braucht, ist eine grundlegende Neuausrichtung des gesamten Ausbildungs- und Schulsystems, bei dem nicht Profitinteressen, sondern die Bedürfnisse von jungen Menschen im Zentrum stehen. So könnten wir z.B. auch die strikte und bremsende Trennung zwischen schulischer, universitärer und beruflicher Ausbildung überwinden. Denn auch als Lehrlinge wollen wir uns mit allgemeinen Themen beschäftigen und auch SchülerInnen und Studierende wollen sich mit Praktischem beschäftigen.

Unser Ziel ist eine Gesamtschule aller 6-18 Jährigen, in der neben allgemeinen Bildungsaufgaben Jugendliche auch eine Berufsausbildung erlernen und ein Einkommen haben, das Unabhängigkeit ermöglicht. Das geht nur, wenn wir nicht nur die Ausbildung, sondern auch die Betriebe und die Wirtschaft selbst kontrollieren. Nur indem wir eine Gesellschaft erkämpfen, in der unsere Wirtschaft demokratisch durch alle Beschäftigten kontrolliert und auch nach deren Interessen organisiert wird, können wir auch ein Ausbildungssystem schaffen, in dem alle jungen Menschen die Möglichkeit haben, sich selbst zu verwirklichen.

 

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