Wir brauchen Geld statt schöner Worte

Die Regierung kündigt immer wieder „Ausbildungsoffensiven“ im Pflegebereich an. Neben der Umschulung von Arbeitslosen – die in niedrigqualifizierte Bereiche gedrängt werden, weil das billiger ist – ist eine Pflegelehre vorgesehen. Auch hier soll die Ausbildung gekürzt werden, so kommen rascher neue Pflegekräfte nach. Es geht also darum, Standards zu senken und stärker als bisher prekäre Bedingungen zu Lasten der Beschäftigten zu schaffen.

Angehende Pfleger*innen und Ärzt*innen, die direkt mit Patient*innen – teilweise sogar auf Covid-Stationen – arbeiten, waren im Impfplan nicht vorgesehen. Angst und Unmut ist hier groß. Nach Monaten der Hinhaltetaktik gab es bei Redaktionsschluss vereinzelt angenommene Anmeldungen, für manche sogar Impftermine. Lange nach dem restlichen medizinischen Personal und wohl ohne Wahl des Impfstoffes!
 
“Ausbildungsoffensiven” bleiben aber wirkungslos, solange sich an Arbeitsbedingungen und Bezahlung nichts ändert. Mangelndes Personal macht das Lernen schwer, Praktikant*innen werden zur zusätzlichen Belastung anstatt ausreichend angeleitet werden zu können. Es braucht mehr Personal und einen höheren Personalschlüssel auf allen Stationen, insbesondere wenn sie zukünftige Pflegende ausbilden.
Bezahlte Ausbildung ist nötig und möglich! Die Rate der Ausbildungsabbrüche wird gesenkt, weil Studierende nicht mehr durch Nebenjobs zusätzlich belastet sind. Finanzielle Absicherung während der Ausbildung ist bei Polizist*innen möglich. Für Pflegende sollte es bei Bedarfsprognosen, die davon ausgehen, dass bis 2030 72.900 Pflegende mehr benötigt werden, erst recht möglich sein.

 

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