Keine Pflegeausbildung ohne Geld!

Ella, Auszubildende in der Pflege

Wie auf der ganzen Welt, nehmen bei uns die Proteste im Gesundheitsbereich zu – auch in der Ausbildung
Gerade wegen Corona ist der Pflegemangel in aller Munde. Als Auszubildende spricht man natürlich mit Kolleg*innen im Studium und auf den Stationen. Dabei wird schnell klar, dass wegen schlechter Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen Pflegende regelmäßig ihre Ausbildung abbrechen und den Beruf verlassen. Die Rate dieser Abbrüche steigt und wie viele der Absolvent*innen wirklich in der Pflege zu arbeiten beginnen, ist unklar. Nachgewiesen ist aber, dass Pflegepersonen durchschnittlich nur 6 Jahre im Beruf bleiben. Aus einer Studie von 2018 geht auch hervor, dass für Jugendliche der Pflegeberuf an Attraktivität verliert.
Kein Wunder, wenn man sich die Arbeits- und Ausbildungsrealität ansieht. Als Studierende arbeiten wir während unserer 3-jährigen Ausbildung 1 Jahr in Form von Praktika unbezahlt. Und zwar 1850 Stunden oder 231 Tage. Gleichzeitig zahlen wir rund 460.- pro Semester für die Ausbildung. Für viele ein großer Betrag, der alle 6 Monate ein Loch in die eh schon mageren Kontostände frisst. Wir sind erwachsen, haben oft einen eigenen Haushalt, manche sogar Kinder. Deswegen müssen viele „nebenbei“ jobben. Das ist eine große Belastung und viele müssen die Ausbildung abbrechen. Oder aber sie steigen erschöpft in einen Berufsalltag ein, der physisch und psychisch Höchstleistung abverlangt.
Trotzdem sind einige von uns verrückt genug, in der Pflege zu arbeiten. Das bedeutet aber nicht, dass wir die derzeitigen Bedingungen hinnehmen. Ganz im Gegenteil. Wir sind mitten drin und erleben damit nicht nur was falsch läuft, sondern sehen auch was notwendig wäre, um unsere Situation und damit Hand in Hand die Versorgung von Patient*innen zu verbessern. Wenn wir Veränderung wollen, müssen wir allerdings selbst aktiv werden und uns organisieren. Genau das passiert unter Pflegenden an ihrem Ausbildungsplatz, aber auch unter Ärzt*innen in Ausbildung. Wir sind uns der Lage bewusst, denn: Die Gesellschaft braucht uns als zukünftige Pflegende und wir brauchen gute Arbeits- und Ausbildungsbedingungen.

 

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