Verhandlungen beim Werbe-KV

Verhandlungen beim Werbe-KV: Für 4% eine echte IST-Erhöhung und Nein zu Arbeitszeitflexibilisierung!
Laura Rafetseder, Ersatzbetriebsrätin in einem österreichischen Medienbetrieb im Werbe-KV, Irene Mötzl, Betriebsrätin Wohnservice Wien (ebenfalls Werbe-KV)

Proteste während den KV-Verhandlungen 2017

Ende November 2017 haben wieder die Lohn- und Gehaltsverhandlungen für die Wiener Beschäftigen der Werbewirtschaft begonnen. In den letzten Jahren waren immer wieder Mobilisierungen rund um den sogenannten "Werbe-KV“ nötig. Der Werbe-KV, an sich bereits Ausweich-KV für Unternehmen die dort gar nicht hingehören, stand von Arbeitgeberseite immer wieder unter Beschuss. Sowohl 2012 wie auch 2017 konnte durch Mobilisierungen, wie öffentliche Betriebsversammlungen, ein KV-Abschluss erkämpft werden. Diese Mobilisierungen zeichneten sich durch kämpferische Stimmung und gute Beteiligung durch die KollegInnen aus. Die Art und Weise, wie die Abschlüsse erzielt wurden - hinter verschlossenen Türen, ohne Einbindung der KollegInnen die gekämpft hatten - hat aber dazu beigetragen, dass Forderungen der KollegInnen, wie jene nach einer IST-Erhöhung (dh viele KollegInnen die über dem Mindestlohn bezahlt werden, erhalten die KV-Erhöhung nicht weitergereicht) nicht umgesetzt wurden oder dass faule Kompromisse eingegangen wurden. 2017 ist der Abschluss sogar ohne Rücksprache mit den BetriebsrätInnen der Branche erfolgt. Das hat viele KollegInnen (zu recht) sehr wütend gemacht und Vertrauen in die Gewerkschaft gekostet. Aber gerade wenn es Kampfmaßnahmen braucht, ist Vertrauen in die Gewerkschaft notwendig! Wir brauchen demokratische Gewerkschaften in denen die Meinung der Mitglieder auch zählt!

Nicht zuletzt auf Druck der Arbeitgeber wurde vergangenes Jahr ein Reformprozess für den KV vereinbart, in dem das Rahmenrecht neu verhandelt werden sollte. Reformen sind etwas Gutes, wenn sie Verbesserungen bedeuten - wenn ein „KV neu“ z.B. eine IST-Lohnerhöhung oder Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohn beinhaltet. Solche Verbesserungen dürfen jedoch nicht gegen Verschlechterungen in anderen Bereichen eingetauscht werden. Es steht zu befürchten, dass die Arbeitgeber Verschlechterungen in den KV hineinverhandeln wollen, z.B. bei der Arbeitszeit. Arbeitgeber zahlreicher Branchen versuchen derzeit "Flexibilisierungen" zulasten der Beschäftigten in die KVs zu bekommen. Gerade jetzt verspüren sie Rückenwind, wo die politische Großwetterlage im Zeichen von Angriffen auf die Rechte von Beschäftigten steht, wie der von der Regierung angekündigte 12h-Tag. Ein glaubwürdiger Kampf gegen die Ausweitung der Arbeitszeitgrenzen ist schwer möglich, wenn hier von Gewerkschaftsseite Zugeständnisse an die Arbeitgeber gemacht würden.

Selbst wenn das Verhandlerteam der Arbeitgeberseite diesmal ein freundlicheres Gesicht aufsetzen würde: Wir müssen uns darauf vorbereiten, dass wir auch diesmal wieder kämpfen müssen, um Angriffe zu verhindern. Die Forderungen der ArbeitnehmerInnenseite sollte sein: 4% Gehaltserhöhung, eine Erhöhung auch der tatsächlichen „IST-Gehälter“ anstatt nur der KV-Mindestlöhne sowie ein deutliches Nein zu jeder Form von Verschlechterungen bei den Arbeitszeiten. Wir brauchen, um diese Forderungen durchzusetzen, einen Mobilisierungsplan, der an den Kämpfen der letzten Jahren anschließt:

  • Eine Organisierungskampagne um auch jene KollegInnen zu erreichen, die noch nicht gewerkschaftlich organisiert sind, und um über den Stand der Verhandlungen zu informieren.

  • Proteste auf der Straße sowie

  • Öffentliche Betriebsversammlungen im Rahmen eines Aktions- und Streiktages.

Um eine spürbare Gehaltserhöhung und eine gute "IST-Regelung" zu erreichen, braucht es wirtschaftlichen Druck aus den Betrieben. Kampfmaßnahmen wie z.B. Streiks sind aber kein Kinderspiel - besonders in einer zersplitterten und schwer zu organisierenden Branche. Die beteiligten KollegInnen riskieren viel. Für eine erfolgreiche Durchführung von Streiks müssen die Bedenken vieler KollegInnen im Vorfeld ernst genommen und ausgeräumt werden. Aktive KollegInnen, BetriebsrätInnen und die Gewerkschaft GPA-djp sollten daher beginnen, die Belegschaften über die Notwendigkeit von Streiks aufzuklären und den konkreten Ablauf von Streiks vorzubereiten. Je besser vorbereitet und je demokratischer ein Arbeitskampf ist, um so größer ist die Beteiligung und damit wird er erfolgreicher und auch „sicherer“ für die Beteiligten. Schon die Vorbereitungsarbeiten würden den UnternehmerInnen zeigen, dass es uns mit einer spürbaren Gehaltserhöhung und der Durchsetzung einer IST-Regelung ernst ist.

Die Vergangenheit hat gezeigt: Mit Druck aus den Betrieben können wir erfolgreich sein. Mit Protesten im Rücken lässt es sich am besten verhandeln. Um eine demokratische Entscheidung der Betroffenen zu ermöglichen, dürfen Abschlüsse nicht hinter verschlossenen Türen zu Stande kommen, sondern sollten nach einer demokratischen Debatte auf Betriebsversammlung einer Urabstimmung aller betroffenen KollegInnen unterzogen werden.

Die Erfahrung hat gezeigt: man kann KollegInnen nicht beliebig anknipsen (also für Aktionen mobilisieren) und dann wieder ausknipsen (die Mobilisierung beenden ohne die KollgeInnen zu fragen, ob sie mit dem Ergebnis zufrieden sind). Wir Beschäftigte wollen Ergebnisse sehen wenn wir kämpfen, wir wollen über diese Ergebnisse gut informiert werden und darüber entscheiden können ob wir mit dem Ergebnis einverstanden sind!

Laura Rafetseder, Ersatzbetriebsrätin in einem österreichischen Medienbetrieb im Werbe-KV, Irene Mötzl, Betriebsrätin Wohnservice Wien (ebenfalls Werbe-KV)

(Der Artikel gibt die Ansicht der Autorinnen wieder)

 

 

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