Sport: "Wir sind wir"

Katja Arthofer

Endlich können WIR wieder stolz auf Österreich sein: Das österreichische Ski-Team eilt angeführt von „Meißi“ und „Herminator“ von Sieg zu Sieg. Jeden Tag aufs Neue können wir es bis zum Abwinken in Kronen Zeitung, Täglich Alles und ORF lesen bzw. sehen, wie gut WIR sind. Die österreichische Seele lacht...
Vor allem die der österreichischen Unternehmer. Denn, wenn das Ski-Team erfolgreich ist, steigt die Anzahl der „Reserve-Hermis“ und somit die Umsätze: Das Snow-Business (Ski-Industrie, Fremdenverkehr,...) erwirtschaftet dieses Jahr die Rekordsumme von 170 Mill. Schilling.
Doch das ist nicht der einzig positive Effekt der Erfolge „unserer Ski-Asse“. Wir sitzen vor den Fernsehapparaten und identifizieren uns mit den strahlenden Siegern. Man kann teilhaben am Erfolg und fühlt sich gestärkt. Und das in einer Zeit, wo die/der durchschnittliche ÖsterreicherIn nichts zu feiern hat: Die Folgen der Sparpakete sind für die kleine Frau und den kleinen Mann deutlich spürbar, die Arbeitslosigkeit liegt mit 7,1 % auf einer Rekordmarke, durch Pleiten und Schließung von Kaindl, Schu-Ski, Bärenbatterie ... verlieren viele weitere ihren Arbeitsplatz. Obwohl wir also zu den Verlierern gehören, wird uns über die Erfolge von Maier & Co suggeriert, daß wir eigentlich Gewinner seien...
Der „Nationalstolz“ wird über sportliche Leistungen immer wieder aufgebaut und damit wird von den eigentlichen Problemen abgelenkt. Gesellschaftliche Gegensätze werden überdeckt: Wir sollen glauben, daß wir mit den österreichischen Skimulitmillionären mehr gemein haben, als mit türkischen, jugoslawischen,... ArbeiterInnen und Jugendlichen. Dafür wurden und werden erstere ja sogar durch Steuervergünstigungen belohnt.
Weniger ins Konzept passen dann allerdings die Gesundheits- und Umweltschäden, die der Spitzen-sport mit sich bringt....

Mehr zum Thema: 
Erscheint in Zeitungsausgabe: 

Nachrichten aus dem Quarantäne-Kapitalismus

Auch auf Facebook!

25.03.2020

Die Coronoa-Krise trifft alle, aber nicht alle gleich  Aktuell rücken die Lebens- und Arbeitsrealitäten von uns allen näher zusammen. WAS wir konkret für einen Job machen ist gerade...mehr