Sozialarbeit gegen Sozialstaat

Ein Zivildiener

Seit Herbst '15 bin ich Zivildiener. Ich arbeite im Kindergarten, und in diesem Umfeld aus „Spiel und Spaß“ vergeht die Zeit wie im Fluge. Natürlich ist die Arbeit trotzdem sehr anstrengend und ich bin auch nach angenehmen Arbeitstagen immer sehr froh über den Feierabend.
Der Einblick in den Beruf ist eine wertvolle Erfahrung, aber dafür muss man auch auf eine Menge Geld verzichten: Der Lohn fällt für Zivildiener recht bescheiden aus. Mein Stundenlohn von 2,50 Euro ist jedenfalls keine große Motivation, täglich um sechs Uhr in der Früh aus dem Bett zu springen! Da kommt selbst bei den 40 Stunden, die ich wöchentlich aktiv bei den Kindern bin, nicht viel zusammen.
Meine Vorgesetzten geben offen zu, dass sie sich durch die Zivildiener die Löhne für ordentlich angestellte, ausgebildete PädagogInnen sparen. So wurde ich des Öfteren gebeten, mir in den Weihnachtsferien nicht frei zu nehmen, da man ansonsten eineN PädagogIn bezahlen müsste. DieseR würde Zuschläge bekommen, während an meinen 2,50 Euro nicht gerüttelt werden muss. Der Staat und die Trägervereine kürzen. Dass das letztendlich auf Kosten der Kinder geht, wenn ausgebildete PädagogInnen durch Zivildiener ersetzt werden, wird kaum vor einem verheimlicht. Wieso sollte es auch? Schließlich bekommt im Kapitalismus auch sonst niemand Arbeit, wenn nicht irgendwer daran verdient.

Erscheint in Zeitungsausgabe: 

Nachrichten aus dem Quarantäne-Kapitalismus

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