Rote Seitenblicke: G!lt

Michael Gehmacher

Fans des Düringer-Wahlprojekts „G!lt“ sind auf der Suche nach einer Alternative. Düringers Kandidatur ist aber das Gegenteil, und links schon gar nicht. Geschickt wird die Wut auf das herrschende System in die Unterstützung eines obskuren Ego-Unternehmens geleitet. Düringer ist typisch für den frustrierten, radikalisierten Kleinbürger, der Menschen davon abhält, das kapitalistische System ernsthaft zu bekämpfen. „G!lt“ hat kein Programm. Man weiß nicht, wen oder was man wählt. In einem Interview meinte Düringer, wenn es KandidatInnen von G!lt in den Nationalrat schaffen, sollten die dort „gar nichts“ von sich aus machen, sondern warten was von "den anderen" kommt und dann in den sozialen Medien über das Verhalten der Abgeordneten abstimmen lassen. Dazu sollen „Bürgerräte“ kommen, wer diese wählt, sucht man vergebens. Bezeichnenderweise wurden die KandidatInnen auch nicht von G!lt-Mitgliedern gewählt, sondern von Düringer ausgesucht. Um den Showeffekt zu erhöhen, werden aus den handverlesenen KandidatInnen die Wahllisten ausgelost. G!lt ist auch eine Finanzanlage: größere Summen müssen nicht gespendet, sondern können an G!lt geliehen werden. G!lt verspricht eine Verzinsung in Höhe des Nationalratswahlergebnis aus der Wahlkampfkostenrückerstattung. Vielleicht schon ein kleiner Fingerzeig, wohin es geht: Wer wenig Geld hat, spendet, arbeitet mit und bekommt MandatarInnen, von denen man nicht weiß, was sie im Parlament tun. Wer viel Geld hat, kann mit G!lt viel Geld verdienen.

 

 

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