Nie wieder Josefstadt!

Ausbau von Jugendzentren und Betreuungseinrichtungen statt Spar- und Law & Order-Politik!
Sebastian Kugler

Ein 14-Jähriger wird im Wiener Jugendgefängnis Josefstadt vergewaltigt und misshandelt. ÖVP-Justizministerin Karl fällt dazu nur „Strafvollzug ist kein Paradies“ ein. Der Gipfel: Das Opfer war nur in U-Haft und nicht einmal verurteilt! Die Missstände im österreichischen Jugendstrafvollzug sind längst bekannt wie alte und neue Skandale zeigen.

Anstatt die Ursachen von Kriminalität zu bekämpfen, setzt der Staat immer mehr auf Law & Order, speziell bei Jugendlichen. Und das, obwohl die Jugendkriminalität in den letzten Jahrzehnten massiv zurückging! Gab es 1980 noch 8.763 Verurteilungen, waren es 2012 nur noch 2.562. Aber damals wurden nur durchschnittlich 25% der Verurteilten ins Gefängnis geschickt. 2012 waren es schon 60,3%! Und Karl besitzt die Frechheit, zu behaupten, der Jugendstrafvollzug funktioniere „so gut wie nie zuvor“!
Wegsperren ins Gefängnis hilft nicht gegen Kriminalität. Fast 40% in Österreich werden rückfällig. Unter den 14-17 Jährigen sind es sogar 62,2%. Doch in Zeiten der Krise spart der Staat genau dort, wo Jugendliche besonders getroffen werden: Jugendzentren müssen mangels Förderungen zusperren. „Rat auf Draht“ wird eingespart. 2009 und 2010 kürzte die Regierung dem Bewährungshilfe-Verein „Neustart“ die Mittel. Statt dem Gefängnis-Horror braucht es echte Jobs, und Geld für Jugend- und Sozialeinrichtungen.

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