NEIN zu Gewalt gegen Frauen

Nach den Ereignissen der Silvesternacht: Sind FPÖ & Co. jetzt die neuen Feministen?
Sarah Krenn

Die Silversternacht in Köln sorgt für viel Aufmerksamkeit in den Medien. Das Gute: Endlich wird über Gewalt gegen Frauen geredet. Das Schlechte: Selbsternannte Frauenschützer beginnen eine ekelhafte Hetzkampangne gegen Flüchtlinge, wie es sich FPÖ & Co. schon lange wünschen. Gerade konservative bis rechtsextreme Leute spielen sich nun als die Verteidiger von Frauenrechten auf. Was sehr absurd ist! Denn es sind doch genau diese Kräfte, die Frauen tagtäglich das Recht auf den eigenen Körper absprechen, die Frauenhäuser verbieten wollen (weil sie angeblich der Ehe schaden) und uns zurück an Herd und Kinder fesseln wollen. Und genau diese Leute, die uns sonst als Sexobjekt oder Mutter sehen, spielen sich nun als Beschützer vor dem "großen, bösen, fremden Mann" auf.

Dabei wird komplett außer Acht gelassen, dass 75% der Frauen in Österreich schon sexuelle Belästigung erlebt haben, ein Drittel sexuelle Gewalt und davon fast die Hälfte aus dem Bekanntenkreis und 25 % durch den eigenen Partner.

Das Feindbild vom triebgesteuerten frauenfeindlichem Moslem, welches Medien und die neuen Frauenverteidiger verbreiten wollen, hat nur wenig mit "Frauen schützen" zu tun. Wer Übergriffe auf Frauen verhindern will, muss bei der Frage beginnen, warum es auch in unserer christlich-abendländischen Gesellschaft so viele Übergriffe auf Frauen gibt. Warum Frauen nach wie vor im Durchschnitt 30% weniger als Männer verdienen. Und warum sexuelle Belästigung nach wie vor als Kavaliersdelikt oder sogar als „Kompliment“ gesehen wird.

Denn sexualisierte Gewalt gegen Frauen ist keine Sache der Religion oder der Kultur, sondern sie ist ein Auswuchs der kapitalistischen Gesellschaft (und vorheriger Klassengesellschaften), in der wir leben. Der Politik, die dringend nach einem Instrument gesucht hat, um die Stimmung gegen Flüchtlinge anzuheizen, um Zustimmung zu ihrer Abschiebepolitik zu bekommen, reagiert auch prompt. CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer rührt die Werbetrommel für „ein sofortiges Ende des Aufenthalts in Deutschland", Team Stronach Klubobmann Luger gibt sich angesichts von „tausenden jungen Männer“ besorgt. Vor wenigen Monaten noch sprach sich Markus Franz (damals Team Stronach, heute ÖVP) fürs „Pograpschen“ aus und erhielt dafür auch Rückendeckung aus der Partei. So zu tun, als ob sexualisierte Gewalt gegen Frauen importiert wäre, geht am Erleben von Frauen vorbei, die in Familie, Schule, Ausbildung, Job und beim Fortgehen ständig mit Gewalt und Übergriffen konfrontiert sind. FPÖ-Generalsekretär Kickl meint, dass sich unter den „ Zuwanderern auch einige befänden, die Frauen offenbar als Freiwild sehen”. Unter den Zuwanderern gibt es aber auch viele Frauen, die Opfer von (sexualisierter) Gewalt sind. Und Freiwild sind Frauen auch durch „hiesige“ Männer, wie die Berichte bei #aufschrei  zeigen. Und es war auch die FPÖ, die sich gegen den Paragraphen gegen das "Po-Grapschen" auf die Hinterbeine gestellt hat.

Das alles zeigt, dass es für die neuen „Frauenschützer“ nichts zu meckern gibt, wenn sich weiße Männer an Frauen vergehen. Aber sobald es jemand mit einer anderen Hautfarbe/Religion tut, fühlen sie sich um ihren Besitz betrogen.

Die Übergriffe in Köln sind ein Verbrechen ohne wenn und aber und stellen einen neuen traurigen Höhepunkt im alltäglichen Normalzustand dar! Wir kämpfen gegen Sexismus und sexualisierte Gewalt egal woher die Täter kommen. Und wir kämpfen mit unseren ausländischen KollegInnen gemeinsam für soziale Verbesserungen, höhere Löhne und gegen ein System, das Sexismus und Rassismus erzeugt.

Erscheint in Zeitungsausgabe: 

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