Marx aktuell: Lenins Imperialismustheorie ist hochaktuell

Theresa Reimer

Der Austromarxist Rudolf Hilferding veröffentlichte 1910 mit „Das Finanzkapital“ ein wesentliches Werk zur Imperialismustheorie, dass auch eine Grundlage für Lenins oder Bucharins Analyse darstellte. Hilferding beschreibt darin die Entwicklungen der fortgeschrittenen kapitalistischen Staaten, von einem konkurrierenden Kapitalismus hin zum Monopolkapitalismus, also den Aufstieg von Aktiengesellschaften und Finanzkapital. Durch multinationale Akteure wie Konzerne und Banken werden kleine Unternehmen verdrängt und es kommt zur Monopolisierung (als dominanten Trend, was nicht bedeutet, dass es nicht auch Klein- und Mittelunternehmen gibt). Jeder Winkel der Welt ist dem Kapitalismus unterworfen, auch wenn in vielen Gegenden noch feudale und mittelalterliche Herrschaftsstrukturen regieren.

Lenin hat diese Ansätze in „Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus“ noch weiter entwickelt. Er erklärt, dass der Imperialismus das monopolistische Endstadium des Kapitalismus sei und es zu einer Ablösung der freien Konkurrenz kapitalistischer Unternehmen kommt. "Der Imperialismus ist der Kapitalismus auf einer Entwicklungsstufe, auf der die Herrschaft der Monopole und des Finanzkapitals sich herausbildet, der Kapitalexport eine hervorragende Bedeutung gewonnen, die Verteilung der Welt durch die internationalen Trusts begonnen hat und die Aufteilung des gesamten Territoriums der Erde zwischen den größten kapitalistischen Ländern abgeschlossen ist." (Lenin 1917, Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus).

Lenin charakterisiert Imperialismus u.a. als Verschmelzung des Bankkapitals mit dem Industriekapital zum Finanzkapital. Doch das ändert nichts an der Krisenhaftigkeit des Kapitalismus. Besonders in Krisenzeiten ist die Schaffung neuer Märkte oder Rückgewinnung dieser mithilfe von Krieg für das Kapital überlebensnotwendig. Fehlen diese Märkte im Produktionssektor, so weicht man auf die Finanz- und Aktienmärkte aus. Für die Debatte über Syrien besonders wichtig ist die Analyse, dass im imperialistischen Stadium des Kapitalismus die einzelnen kapitalistischen Staaten als verlängerter Arm „ihrer“ Unternehmen auf der Suche nach neuen Märkten in Konflikt mit anderen imperialistischen Mächten kommen. Russlands Kredite an Syrien sind Ausdruck des imperialistischen Kapitalexports. Die Konflikte zwischen den verschiedenen Akteuren in Zusammenhang mit Syrien haben weder etwas mit Religion, noch mit Menschenrechten zu tun, sondern folgen der ökonomischen Notwendigkeit der imperialistischen Staaten. Es geht um Einfluss, (potentielle) Zugriff auf Märkte und aktuell um Stabilität. Wichtig ist, dass alle wichtigen marxistischen TheoretikerInnen Imperialismus nicht nur als ein Zeichen der militärischen Dominanz mancher weit entwickelten kapitalistischen Staaten über andere sehen, sondern gerade die ökonomischen oder auch geopolitischen Faktoren eine wichtige Rolle spielen. Doch die internationalen monopolistischen, kapitalistischen Verbände und Staaten, die den Weltmarkt unter sich aufteilen bzw. um eine Neuaufteilung streiten, sind auch bereit, diese Ansprüche militärisch durchzusetzen – auch das ein wesentlicher Punkt in Lenins Imperialismustheorie.

Erscheint in Zeitungsausgabe: 

Der Wahnsinn des Kapitalismus

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