Syrien - Ein Land im Chaos des Krieges

Menschen flüchten vor sozialer Katastrophe und Krieg. Kriegstreiber profitieren. Mehr Bomben ändern nichts!
Stefan Gredler

Seit 2011 tobt in Syrien ein blutiger Bürgerkrieg. Bis jetzt ist kein Licht am Ende des Tunnels zu erkennen, im Gegenteil, die Lage verschlimmert sich von Tag zu Tag. Während zahlreiche lokale Kräfte von verschiedensten Seiten finanziert und bewaffnet werden, (regional-) imperialistische Staaten nicht nur indirekt, sondern auch vermehrt direkt in den Krieg eingreifen, tragen vor allem die syrische ArbeiterInnenklasse, die Landbevölkerung, die Armen und die Jugend die schwere Last des blutigen Konflikts. Sie sind es, die am meisten unter Krieg, Terror und der bitteren sozialen Lage leiden.

2013 lebten 75% der Bevölkerung in Armut. Bis heute ist diese Zahl weiter gestiegen. Die letzten offiziellen Studien zur sozialen, ökonomischen und politischen Lage wurden 2014 veröffentlicht. Die Wirtschaft liegt vollkommen am Boden. Große Teile der Industrie wurden zerstört, genauso wie die Infrastrukturen von Spitälern, Telekommunikation und besonders des Bildungsbereiches. In dem ehemaligen Vorzeigeland der Bildung im arabischen Raum ist es mehr als der Hälfte der schulpflichtigen Kinder und Jugendlichen unmöglich, in die Schule zu gehen. 2013 besuchten in Städten wie Ar-Raqqa, der Hochburg des IS in Syrien, oder im seit Beginn des Krieges hart umkämpfte Aleppo, 94% bzw. 90% der Kinder nicht die Schule. Syrien hat eine extrem junge Bevölkerung, denn über 50% der sind unter 24. Besonders ihre Zukunft wird in den Schrecken des Krieges geraubt.

Durch den rasanten Anstieg der Preisen von Grundnahrungsmitteln, dem ökonomischen Zusammenbruch und das Morden von allen Seiten werden immer mehr Menschen zur Flucht getrieben. Offiziell haben über vier Millionen Menschen das Land verlassen, 7,6 von rund 21 Millionen (Gesamtbevölkerung 2010) Menschen sind innerhalb der syrischen Grenzen geflohen. Es sind die Nachbarländer Syriens, welche die meisten Flüchtlinge aufnehmen. Alleine der Libanon, flächenmäßig acht mal kleiner als Österreich und mit einem fast 17 mal kleineren BIP, hat seit Beginn des Bürgerkriegs 1,5 Millionen SyrerInnen aufgenommen. Doch auch in den riesigen Flüchtlingslagern haben die Menschen keine Perspektive auf eine bessere Zukunft. Sie sind Gefangen zwischen Elend und Elend. Die EU errichtet Grenzzäune, kürzt die Hilfsgelder für die Flüchtlingslager und schickt stattdessen gemeinsam mit ihren Komplizen Flugzeuge um „Frieden“ herbei zu bomben.

Die soziale Krise ist ein wesentliches Zahnrad im Motor, der den Bürgerkrieg am Laufen hält.

Die einzige stabile Einkommensquelle, die es aus der Zeit vor dem Konflikt noch gibt, sind die Gehälter durch das Assad-Regime. Seit 1971 an der Macht, hat sich dieses einen riesigen Staatsapparat aufgebaut, um sich seine diktatorische Herrschaft zu sichern. Dort, wo die Regierung heute keinen Einfluss mehr hat, sind es die zahlreichen verschiedenen Banden, Terrorgruppen und Rebellen, die mit Geld lokal-/imperialistischer Mächte finanziert werden und somit Sold auszahlen können. Auch der IS lockt mit Geld & Autos. Abgesehen von finanzieller Unterstützung von Verwandten aus dem Ausland, ist oft die einzige Möglichkeit an Geld zu kommen, sich einer der Milizen anzuschließen. Viele kämpfen und morden also nicht aus Überzeugung, sondern auch um zu überleben und dafür zu sorgen, dass die Familie Nahrungsmittel kaufen kann. Weitere Bomben imperialistischer Mächte werden an dieser Situation nichts ändern, sondern neben der sozialen Katatrophe noch die ethnisch-religiöse Spaltung vertiefen. Es gilt daher, Sand ins imperialistische Getriebe zu streuen, nicht Öl ins Feuer zu gießen.

 

Erscheint in Zeitungsausgabe: 

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