Klima retten = Kapitalismus abschaffen!

Um den Planeten Erde für die Menschheit noch halbwegs zu erhalten, müssen wir ihn vor dem Kapitalismus retten.
VORWÄRTS SCHWERPUNKT

2015 haben 196 Staaten in den "Pariser Klimaverträgen" beschlossen, Maßnahmen zu setzen, um die Erderwärmung bei ca. 1,5° Celsius halten zu können. Aktuelle Erkenntnisse der Polarforschung deuten darauf hin, dass selbst damit der langfristige Totalverlust des Grönland-Eises nicht gesichert sein dürfte. Nichtsdestotrotz: Um innerhalb einer solchen "+2°C-Welt" bleiben zu können, müsste der fossile CO2-Ausstoß sofort und nicht erst "in der Zukunft" massiv zurückgefahren werden.

Es mangelt nicht an Ideen und Konzepten. Die grundlegenden Techniken, um Energie aus direkter Sonneneinstrahlung, Wind, Wasserkraft und Biomasse zu nutzen, sind seit Jahrzehnten bekannt. Alle relevanten Anwendungen sind bereits verfügbar. Es bräuchte auch keine Übergangstechnologien mehr. Die heute erzielbaren Wirkungsgrade und Kosten-Nutzen-Rechnungen sind tief beeindruckend. Die diversen Schwachstellen und Kinderkrankheiten von Systemen der erneuerbaren Energieträger gehören der Vergangenheit an.

Die Förderung des öffentlichen gegenüber dem privaten Verkehr wäre ebenso möglich und vor allem nötig. Produkte könnten langlebiger und solider gebaut werden. Firmen könnten sehr genau planen, was gebraucht wird. Eine solche Planung – wenn sie demokratisch organisiert in der gesamten Wirtschaft und nicht nur in konkurrierenden Firmen geschehen würde – könnte Unter- und Überproduktionen verhindern. So müssten keine Nahrungsmittel mehr weggeworfen werden. Die neuesten Technologien könnten eingesetzt werden, um Energie zu sparen. Dass all das nicht angegangen wird, hat seine Gründe im herrschenden Wirtschafts- und Gesellschaftssystem.

Die jetzige Wirtschaft läuft gleichzeitig geplant und chaotisch ab. Die einzelnen Unternehmen planen intern sehr genau, aber ohne sich mit anderen zu koordinieren. So kommt es zu Engpässen oder Überschuss. Es wird auch nicht geschaut, was tatsächlich gebraucht wird, sondern was profitabel verkauft werden kann. Und bei den Kosten berücksichtigen Unternehmen immer nur die unmittelbaren Produktionskosten, während die Folgekosten für die Gesellschaft auf ebendiese abgewälzt werden. Der Kapitalismus ist offensichtlich nicht in der Lage, die Umwelt zu retten und angesichts der Klimakrise entsprechend radikal zu handeln. Er kann es nicht, da er sich selbst in Frage stellen müsste.

Um den Planeten für die Menschheit noch halbwegs zu erhalten, müssen wir ihn vor dem Kapitalismus retten. Denn wenn nur 100 Unternehmen weltweit für mehr als 70% des Treibhausgas-Ausstoßes seit 1988 verantwortlich sind, zeigt dies, dass unser Bemühen sinnlos sein wird, wenn sich dort nichts ändert. Es ist letztlich alles eine Frage, wem die Wirtschaft gehört. Damit wir sicherstellen können, dass die Wirtschaft so funktioniert, wie es für Mensch und Natur sinnvoll und erträglich ist, muss sie uns gehören. Wir brauchen die Enteignung der großen Konzerne und ihre Überführung in Gemeineigentum. Wenn sie uns - der gesamten Gesellschaft - gehören, dann müssen und können wir auch entscheiden, was in welcher Menge und wie produziert wird. Dazu brauchen wir demokratische Strukturen, die die gesamte Wirtschaft und Gesellschaft durchdringen. Das geht weit über den bürgerlichen Parlamentarismus hinaus. Eine solche sozialistische Gesellschaft könnte sowohl nachhaltig produzieren als auch Armut, Krieg und Elend wirkungsvoll zurückdrängen.

In einer demokratisch geplanten Wirtschaft, in der wir alle mitentscheiden, wären effektiver Umwelt- und Klimaschutz möglich, weil es keine Klasse an Ausbeuter*innen mehr gäbe, die ein Interesse an der Zerstörung des Planeten für Profit hat. Wir können einen massiven Ausbau des öffentlichen Verkehrs sichern und so den Privatverkehr weitgehend unnötig machen. Wir können Jobs in Wohnnähe (oder nachhaltigen Wohnraum in Jobnähe) schaffen, somit langes Pendeln verhindern und mehr Freizeit schaffen. Wir können unnötige oder schlechte Produkte durch langlebige und nachhaltige ersetzen. Wir können alle technischen Möglichkeiten nutzen und neue schaffen, um Energie zu sparen, Schadstoffe zu reduzieren, ökologischere Produkte oder Produktionsabläufe einzusetzen, die derzeit aus Profitgründen in den Schubladen bleiben. Nur auf der Grundlage einer demokratischen Planung in einer von echter Demokratie durchdrungenen Gesellschaft besteht die Chance, dass wir weltweit mit den Folgen des Klimawandels halbwegs zurecht kommen werden. Langfristig können verursachte Schäden teilweise wieder verringert werden, wenngleich auch vieles nicht mehr rückgängig gemacht werden kann.

Umweltschutz wird gerade von Rechten, die den Klimawandel gerne leugnen (oder sogar als positiv verklären), oft als modernisierungsfeindlich dargestellt. Ja, es gibt mitunter diese Umweltschutzaktivist*innen, die meinen, dass wir wieder auf vorindustrielle Lebens- und Produktionsweisen zurückkehren sollten. Das ist nicht nur unrealistisch, unter anderem weil die Infrastruktur der Industriegesellschaft erhalten werden muss, um Katastrophen während ihres Verfalls zu verhindern, sondern auch schlichtweg nicht wünschenswert. Saubere Spitäler, die Möglichkeit zu reisen, warme Wohnungen, gute Ernährung, das Internet etc... Auf all das wollen wir zu Recht nicht verzichten. Ein Leben in Würde, wo alle unsere Grundbedürfnisse gestillt sind, ist unser aller Recht. Wir sind für eine Gesellschaft, in der alle Menschen haben, was sie brauchen. Damit meinen wir aber nicht, dass alle mit dem SUV herumfahren oder noch mehr Wegwerfprodukte erzeugt werden.

Die Antwort auf die Frage, ob Menschen in einer demokratischen, ökologischen, sozialistischen Gesellschaft auf etwas verzichten müssen, lautet also: Ja und Nein. Für die Mehrheit der Menschen wird eine solche Gesellschaft eine deutliche Verbesserung ihres Lebens bringen, weil Hunger, Krieg und Ausbeutung langfristig abgeschafft werden können. Verzichten müssen v.a. jene, die jetzt unverschämt reich sind und auf Kosten anderer leben. Aber auch unser aller Leben wird sich verändern. Ohne Dauerwerbung der Modeindustrie, der Telekomindustrie, ohne Betrug der Autoindustrie werden wir andere Dinge wertschätzen als den Kauf von ständig neuer Kleidung sowie neuen Autos und Handys. Ohne profitorientierte Tourismusindustrie, die uns einredet, ständig von A nach B jetten zu müssen oder sich auf ein Kreuzfahrtschiff zu pferchen, können wir Arten zu Reisen und Urlaub machen entwickeln, welche unser Bedürfnis nach dem Erkunden des Planeten mit dessen Bedürfnissen miteinander in Einklang bringen. Wenn wir in diesem Zusammenhang von "Wachstum" sprechen, dann meinen wir etwas ganz anderes als die Kapitalist*innen. Für sie bedeutet es immer, um des Profites wegen mehr zu produzieren und dafür Mensch und Umwelt auszubeuten. Wir meinen ein Wachstum an Lebensqualität: gesundes Essen und Umwelt, stressfreies und selbstbestimmtes Arbeiten ohne langes Pendeln, soziale Sicherheit und Möglichkeiten für Freizeitgestaltung.
Mit einer sinnvollen Planung und dem Einsatz aller technischen Möglichkeiten wird es möglich sein, dass jeder Mensch auf dem Planeten ein gutes Leben hat, ohne dass dabei der Planet zerstört wird.

Erscheint in Zeitungsausgabe: 

Der Wahnsinn des Kapitalismus

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