Josef Cap: einmal als Tragödie und einmal als Farce

Fabian Lehr

Schon Marx sagt, dass sich alle historischen Ereignisse zweimal ereignen, einmal als Tragödie und einmal als Farce. Das scheint sich Josef Cap zu Herzen zu nehmen. 1983 zog er durch einen Vorzugsstimmenwahlkampf in den Nationalrat ein - damals als viele begeisternder linker Hoffnungsträger. Heute, als abgehalfterter, entzauberter Zyniker vom rechten Flügel der Partei, versucht er es noch einmal: mit entgegengesetzten Vorzeichen. Damals brauchte man eine noch unkompromittierte, überzeugend klingende linke Stimme. Mit der Parteiführung hadernde linke WählerInnen sollten dadurch weiter an die Partei gebunden und von der Unterstützung neuer Linksprojekte (damals die Grün-Vorläufer Alternative Liste) abgehalten werden. Heute gerät die SPÖ durch Abwanderung ihrer WählerInnenschaft zur FPÖ zunehmend in eine Existenzkrise. Da setzt man offensichtlich auf einen mit markigen law and order-Positionen auftretenden Rechtskandidaten, um WählerInnen zu halten, die ansonsten zur FPÖ übergingen. In beiden Fällen übernimmt Josef Cap die Rolle, gestern als Vorzeige-SP-Linker, heute als Vorzeige-SP-Rechter. Ob Cap von Anfang an nur Opportunist war oder im Laufe der (gutbezahlten) Zeit zum zynischen Karrieristen geworden ist, ist dabei nebensächlich. Die von der SPÖ frustrierte und empörte wegschmelzende Basis wird sich freilich wenig darum kümmern. Und eine Verzweiflungsgeste wie die Vorzugsstimmenfarce einer politisch so ruinierten Gestalt wie Cap wird die Partei eher weiter diskreditieren als ihren Verfall zu bremsen.

 

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