Gewerkschaften wieder Sinn geben

Warum Herr Foglar angesichts einer immer stärkeren FPÖ den ÖGB nicht mit der SPÖ verwechseln sollte.
Franz Neuhold, Betriebsrat

Das Profil-Interview mit ÖGB-Chef und SPÖ-Mitglied Erich Foglar vom 30. April enthält den Aufruf, eine Koalition mit der FPÖ anzudenken. Foglar muss natürlich wissen, dass ein bedeutender Teil der FPÖ-Entscheidungsträger Gewerkschaften ablehnt und sogar deren Abschaffung fordert. Aber lassen wir das mal beiseite und glauben ihm, dass er Menschen von der FPÖ zurückgewinnen und die Gewerkschaften als Interessensvertretung der ArbeitnehmerInnen wieder stärken will.
Doch während sich Foglar an die SPÖ klammert, verstehen wir vollkommen, dass sich viele Menschen von der SPÖ abwenden. Dass dies zur Stärkung der FPÖ führt, ist Folge der Untätigkeit und Alternativlosigkeit der Gewerkschaften gegen die neoliberalen Angriffe der letzten 30 Jahre plus Skandale um Spekulation mit Mitgliedsgeldern.
Um Menschen zurückzugewinnen, die von Sozialabbau und miesen Zukunftsaussichten genug haben, braucht es Organisierung gegen Kürzungen und die kapitalistische Krise. Würden die Gewerkschaften bei Zielpunkt, Servus-TV & Co. kämpferisch gegen Jobverlust und Millionäre auftreten und die betroffenen KollegInnen – egal welcher Herkunft oder Religion - in die Kampagne demokratisch einbinden, würde das Solidarität und gewerkschaftliche Glaubwürdigkeit stärken. Die FPÖ würde immer öfter gezwungen sein, zu offenbaren, dass sie letztlich nur eine Partei der Reichen, Banken und Konzerne ist. Eine solche Haltung wird die Gewerkschaft allerdings auch in Opposition zur ebenso pro-kapitalistischen SPÖ bringen.
Es ist gut möglich, dass diese SPÖ aus machtpolitischen Gründen bundesweit eine Koalition mit der FPÖ eingehen wird. Nun: was ist dann die Aufgabe einer Gewerkschaft, wenn zwei Parteien, die bisher schon für Sozialabbau-Politik bekannt waren, miteinander … höchstwahrscheinlich Sozialabbau betreiben werden? In solch einer Situation könnten Gewerkschaften wieder cool werden! Kollege Foglar muss sich dann entscheiden, ob er ernstzunehmender Gewerkschafter oder SPÖ-Privilegienritter ist.

 

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