Deutschtrainer*innen haben die Nase voll

Deutschtrainer*innen haben die Nase voll

AMS-Maßnahmen werden zunehmend nicht nur für Arbeitslose zur Qual: Auch die Kursleiter*innen leiden unter prekären Arbeitsbedingungen. So ist es für Deutschtrainer*innen in solchen Kursen üblich, nicht nur in der Klasse zu stehen und Deutsch als Zweitsprache unterrichten, sondern auch als verlängerter Arm des AMS mit endlosem Papierkram zu kämpfen, während man „nebenbei“ Lebensläufe für alle Kursteilnehmer*innen erarbeiten muss – und das Ganze für einen Niedriglohn. Dazu kommt, dass jede Unterrichtsstunde vor- und nachbereitet werden muss – der Kollektivvertrag (BABE) sieht hier aber nur eine schwammig formulierte „angemessene“ Arbeitszeit voraus. Das bedeutet in meinem Fall, dass für 30 Stunden in der Klasse 4 Stunden Vor- und Nachbereitungszeit (VNZ) angerechnet werden: 7 ½ Minuten pro gehaltener Stunde. Es ist unmöglich, in so wenig Zeit sinnvollen Unterricht zu gestalten – für Gruppen, in denen die verschiedensten Erstsprachen, Altersgruppen und Lerntypen zusammenkommen. Der Rest der Arbeit wird dann eben in der Freizeit erledigt, unbezahlt.

Verständlicherweise rumort es bei vielen Kolleg*innen: „Das ist alles so ein Scheiß hier, ich will endlich einmal richtig streiken!“ meinte ein Kollege letztens in einer kurzen und gehetzten Pause zu mir. Mit dem Wunsch ist er nicht alleine. Doch es ist ein Teufelskreis: Die Gewerkschaft interessiert sich kaum für schlecht organisierte Bereiche – die jedoch vor allem deshalb schlecht organisiert sind, weil die Gewerkschaft sich nicht dafür interessiert. Doch immer mehr Kolleg*innen nehmen das nicht länger hin. In den Initiativen „Deutschlehrende in der Erwachsenenbildung“ (DiE) und der „IG DaZ“ organisieren sich kritische und kämpferische Kolleg*innen und Betriebsrät*nnen. Bei einem Treffen von DiE im Jänner wurden Forderungen beschlossen, für die es sich zu kämpfen lohnt: Vor allem eine bessere Einstufung aller Trainer*innen sowie 30 Minuten Vor- und Nachbereitungszeit pro Stunde. Für den Start der KV-Verhandlungen am 19.2. wurde eine Protestaktion beschlossen. Außerdem solidarisiert sich DiE mit dem Kampf der Kolleg*innen im SWÖ-KV: Gegenseitige Unterstützung ist notwendig, um endlich Verbesserungen zu erkämpfen!

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