50 Jahre Mondlandung

Stefan Gredler

Houston, wir haben ein Problem: Den Kapitalismus.

Im Juli 1969 setzten die US-Amerikaner Armstrong und Aldrin als erste Menschen ihre Füße auf den Mond. Während für Millionen Menschen Science Fiction wahr wurde, sollte es auch der erste Schritt zur Eroberung des Weltalls sein.

Die TV-Bilder der ersten Schritte am Mond beschlossen ein Jahrzehnt des Wettlaufs zwischen den USA und der Sowjetunion. Die Wissenschaft (Weltraumforschung, Software-Entwicklung, Solarenergie, Satelliten-Technik) profitierte nachhaltig vom 'space race' im Kalten Krieg. Einerseits war die Raumfahrt ein Bereich, wo ehemalige Nazi-Ingenieure (z.B. Wernher von Braun) Zuflucht und Amnestie finden konnten – tatsächlich auf beiden Seiten. Andererseits erkämpften sich zunehmend Frauen wichtige Plätze in Forschung & Technik, was die aufkommende Frauenbewegung der 60er Jahre widerspiegelte. Ohne der genialen Software von Margaret Hamilton wäre es wohl zum Abbruch der Apollo 11-Mission gekommen.

Doch sowohl den US-Eliten als auch der stalinistischen Bürokratie ging es primär um Militär-Strategie und Prestige im Kalten Krieg. Der erste Satellit, der erste Affe/Hund/Mensch im All, die erste harte Mond-Landung ... und dann der erste Spaziergang am Mond. Es war ein Propaganda-Wettkampf, in dem über den technischen Fortschritt die Überlegenheit des jeweiligen Systems bewiesen werde sollte. Dabei fuhr die UdSSR zwar mehr Einzelsiege ein (Sputnik, Laika, Gagarin sowie Valentina Tereschkowa als erste Frau im All), aber eben nicht den Hauptpreis.

Obwohl die Mondlandung den Sieg des Kapitalismus symbolisieren sollte, beweist sie doch das Gegenteil. Der "sich selbst regulierende" 'freie Markt' hätte im 60er-Jahrzehnt niemals die Unsummen stemmen können (bzw. wollen), die der US-amerikanische Staat in Form von Subventionen in die NASA pumpte. 1964 betrugen diese nämlich mehr als 5% des gesamten Haushaltes! Das entspräche 200 Milliarden im Jahr 2017.

Nach der Mondlandung und auch nach dem Zusammenbruch des Stalinismus wurde es still (noch stiller) im Weltall. Seit einigen Jahren entdecken jedoch milliardenschwere Kapitalist*innen das All und starten einen neuen Wettlauf. Elon Musk (Tesla) träumt davon, mit seinem Unternehmen Space-X den Mars zu besiedeln. Und auch Jeff Bezos (Amazon) will mit „Blue Origin“ Güter und Tourismus in den Weltraum bringen. Während diese düsteren Gestalten die Arbeiter*innen ihrer Unternehmen auspressen, präsentieren sie sich als schillernde Weltraum-Eroberer. Ja, die Ingenieurskunst (z.B. wieder-landende Raketen) ist beeindruckend und die Idee packend, das Weltall zu besiedeln. Doch dafür braucht es keine Großkonzern-Bosse, die auf diesem Planeten unsere Existenzgrundlage zerstören. Dafür braucht es eine Welt frei von Armut, Krieg, Klimakrise und Hunger. Der Kapitalismus ist für die Zerstörung unseres Planeten verantwortlich. Mit diesem System wird die Menschheit keine interplanetarische Zivilistation gründen, sondern zu einer Spezies, die vom Aussterben bedroht ist.

 

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