Börsenkrach 1997

Tiger wankt - Weltwirtschaft schwankt!
Sonja Grusch

Der Herbst ist keine gute Jahreszeit für die Börsen - 1929 und 1987 war dies der Zeitpunkt für Zusammenbrüche. Pünktlich, 10 Jahre nach dem Börsenkrach von 1987, geriet auch 1997 im Oktober die Finanzwelt in Aufregung. Ausgehend von Südostasien kam es auf allen Börsen zu tiefen Einbrüchen. Schlagartig wurde rund eine Billion Dollar vernichtet (das entspricht etwa der halben Jahreswirtschaftsleistung von Deutschland). Eine „heilsame Korrektur“ wie US-Notenbankchef Greenspan meint? Aber auch wenn die (österreichischen) Medien versuchen so zu tun, als ob nichts geschehen wäre, sind die Auswirkungen des jüngsten Börsenkrachs weitreichend.
Seit Juni wurden die Probleme der südostasiatischen Staaten, wie z.B. Singapur, Taiwan, Südkorea - bis jetzt nannte man sie Tiger - offensichtlich. Eine Währung nach der anderen wurde abgewertet. Während man im Juli und August noch versuchte, dies als „regionale Probleme“ abzutun, wurden die weitreichenden Auswirkungen spätestens am 23. Oktober mit dem Zusammenbruch der Hongkonger Börse sichtbar. Es folgten Einbrüche an der Wall Street in New York, in London und an allen anderen wichtigen Häusern. Darauf setzte eine Kapitalflucht aus Lateinamerika und Osteuropa ein (US-Investoren haben bereits 4 % ihres Geldes aus Brasilien abgezogen). Die japanische Wirtschaft ist extrem gefährdet, in den USA werden die Wachstumszahlen nach unten revidiert und auch an der österreichischen Börse kam es just zu jenem Zeitpunkt zu Einbrüchen, als man via div. Werbespots versuchte Aktien schmackhaft zu machen.

Nicht Irrsinn sondern System

Seit zehn Jahren kletterten die Börsenkurse in schwindelerregende Höhen. Die Werte, die an den Börsen gehandelt werden, entsprechen keinen realen Werten mehr. So war es nur eine Frage der Zeit, wann die spekulative Blase zerplatzte. Die „naturgemäß“ panikartige Reaktion der Spekulanten verschlimmerte die Situation weiter. Nach dem Schock sei jetzt aber wieder alles in Ordnung, denn die Basis der Wirtschaft ist ja angeblich gesund. So einfach lauten die Erklärungen der kapitalistischen Wirtschafts“experten“. Die Wahrheit sieht allerdings anders aus: Nicht ein paar irre Spekulanten sind schuld -  auch nicht die Überhitzung der Finanzmärkte an sich - sondern die Weltwirtschaft steht insgesamt auf wackeligen Beinen. Wenn die ökonomische Grundlage nicht stimmt, dann können sich auch die Börsen auf Dauer nicht stabil halten. Durch die fortschreitende Verflechtung der Finanzmärkte und das enorme Tempo der Finanztransaktionen („Globalisierung“) können die Effekte von Börseneinbrüchen noch weniger als in der Vergangenheit auf Länder oder Regionen beschränkt  bleiben und von einzelnen Regierungen beeinflußt werden. Der ganz normale Wahnsinn des Kapitalismus betrifft die ganze Welt.

Schwache Weltwirtschaft

Hintergrund ist die immer krisenhaftere Entwicklung der Weltwirtschaft - in erster Linie im Bereich der Produktion. Seit Mitte der 70er Jahre sind die Zuwachsraten von einem Konjunkturzyklus (darunter versteht man den Wechsel von Aufschwung - Abschwung - Aufschwung) zum nächsten immer schwächer geworden. Von einer soliden wirtschaftlichen Basis kann bei einem Wachstum von nur 3 % in den USA, 1,5 % in Japan und 1,7 % in der EU kaum gesprochen werden. Lag das Wachstum der entwickelten kapitalistischen Staaten in den 80ern bei schwachen 2,8 % pro Jahr so sank dieser Wert in den 90ern sogar noch auf 1,8 % ab. Im Vergleich zum Nachkriegsaufschwung (1950-73), als es Wachstumsraten von jährlich 4,5 % gab, sind diese Werte extrem niedrig. Es wird - gemessen daran, was sich die Menschen leisten können, nicht daran, was sie brauchen - zu viel produziert (das nennt man „Überproduktionskrise“, die klassische Krisenform des Kapitalismus). Die Profite steigen zwar, aber die Profitrate (die anzeigt ob sich die Investition „rentiert“) sinkt, die Konkurrenz wird immer größer. Die Wachstums- und Produktivitätsraten und die Investitionen sind aber niedriger als in den 80er Jahren und liegen weit unter jenen der Nachkriegsboomjahre. Profite werden heute v.a. durch die verstärkte Ausbeutung der Arbeitskraft erhöht. Die Kapitalisten weichen vom produktiven Sektor in den spekulativen Bereich aus. Sie „spielen“ lieber an den Börsen, weil hier mehr Geld zu erwarten ist. Dieses Spiel hat aber, wenn die völlig überhitzten Börsen zusammenbrechen, drastische Auswirkungen auf die gesamte wirtschaftliche Entwicklung -also z.B auch auf die industrielle Produktion. Aus dem Spiel wird Ernst.

Das Ende der Modelle

Die Entwicklung der „Tiger-Staaten“ in Südostasien wurde über ein Jahrzehnt als Modell präsentiert. (Das war aber nicht das erste Modell. Seit Bestehen des Kapitalismus wurden verschiedene Teile der Welt als Modell für sein Funktionieren präsentiert: Europa - USA - Lateinamerika - Japan.) Die „Tiger“ entwickelten sich von wirtschaftlich unterentwickelten Agrarstaaten zu High-Tech-Produzenten mit enormen Wachstumsraten. Südostasien konnte seinen Anteil am Welthandel von 17 % (1950) auf 40 % (1997) ausbauen. Da der Boom aber v.a. durch ausländischen Kapitalzufluß finanziert war, wurde die Rückzahlung der Kredite durch das Steigen des Dollars verteuert. In Südostasien stürzte seit August in einer Art Dominoeffekt ein Staat nach dem anderen in die Krise, angefangen von Thailand, Malaysia, den Philippinen, Indonesien und Südkorea bis Hong-kong und Singapur. Die Koppelung der nationalen Währungen an den Dollar wurde gelöst, um die eigene Wirtschaft zu stärken und die Krise abzufangen. Letztlich stellte sich das aber als Auftakt zum Crash dar. Die Börsen stürzten um bis zu 40 % ab, viele der Staaten standen kurz vor der Zahlungsunfähigkeit.
Selbst Südkorea, das bereits in die „oberste Liga“ vordrang und die elftgrößte Wirtschaft ist, mußte heuer bereits eine Reihe von Mega-Konkursen erleben. Bisher haben 6 der 30 größten Gesellschaften Bankrott gemacht, darunter das Firmenkonglomerat Kia, der Stahlriese Hanbo und der Spirituosengigant Jinro. Südkorea hat Auslandsschulden von 110 Mrd. Dollar, davon 66 Mrd. kurzfristige Kredite, die im Laufe des nächsten Jahres fällig sind. Wenn überhaupt, so können diese nur mittels massiver finanzieller Hilfe durch den Internationalen Währungsfonds (IWF) zurückgezahlt werden.
Als letztes Modell gilt China mit seinem schier unendlich scheinenden Absatzmarkt und seinen konkurrenzlos billigen Arbeitskräften. 1994 war der Yuan um 35 % abgewertet worden, um den eigenen Exporten auf dem Weltmarkt einen Vorteil zu verschaffen. Auch das war - wegen der dadurch sinkenden Exporte der anderen südostasiatischen Staaten - ein Grund für die jetzige Krise. Denn nun mußten diese Staaten ihrerseits abwerten, um ihre Waren absetzen zu können. Die Krise der Tiger könnte aber für China, dessen eigenes Wachstum auch ins Trudeln geraten ist, selbst Schwierigkeiten bedeuten. Einerseits gehen 11 % seiner Exporte in die betroffenen Länder, andererseits führt deren Abwertung wieder zu verschärfter Konkurrenz.

Japan als Retter?

Die USA versucht Japan zu drängen, als regionaler Retter aufzutreten (Sie selbst können aufgrund der eigenen immensen Schulden - 1,3 Billionen Dollar - nicht eingreifen). Clinton fühlt sich bemüßigt, zu erklären, Japan solle seine Inlandsnachfrage stimulieren. Dabei „vergißt“ er allerdings, daß Japan eben das seit mehreren Jahren in insgesamt fünf (keynsianischen) Interventionspaketen erfolglos versucht hat.
Konnte Japan 1987 noch eine zentrale Rolle bei der Stabilisierung der Weltwirtschaft spielen, so sind die Voraussetzungen heute alles andere als günstig, da Japans Wirtschaft seit mehren Jahren stagniert. Anfang der 90er zerplatzte in Japan eine Grund- und Bodenspekulationsblase, aus der noch immer uneinbringbare Schulden in Milliardenhöhe existieren. Dazu kommen noch Exportausfälle in die „Tigerländer“ (46 % aller japanischen Exporte gehen in andere asiatische Länder) und die neuhinzugekommenen nichteintreibbaren Schulden der kolabierten Tigerstaaten von tausenden Milliarden Dollar. Der Zusammenbruch des Yamaichi Wertpapierhauses (Japans größter Konkurs seit dem 2. Weltkrieg) und das panikartige (die Bürgerlichen nennen das „rasche“) Reagieren des Staates, machte die Schwäche der japanischen Wirtschaft deutlich. Da die Kapitalbasis der meisten Banken ausgehöhlt ist, sind weitere Einbrüche nicht auszuschließen. Ein Zusammenbruch Japans aber, der zweitgrößten Wirtschaft der Welt, bliebe nicht ohne Folgen für die gesamte Weltwirtschaft.

Alle sind betroffen

Die Krise in Südostasien kann nicht als regionales Problem abgetan werden. Auch wenn die unmittelbaren Effekte in dieser Region am stärksten sind, so sind doch durch die enorme Ausdehnung des Welthandels und durch die Verflechtung der Finanzmärkte die Folgen für die gesamte Weltwirtschaft enorm.
Auch auf den Finanzmärkten in Lateinamerika könnte ein neuer Krisenherd entstehen. Da Brasilien und Argentinien ihre Währungen ebenfalls an den Dollar gekoppelt haben, lockt das Währungsspekulanten an. Brasilien mußte im November bereits die eigene Währung durch Intervention des Staates stützen, die Börsenkurse sind um 40% eingebrochen. Es ist nicht ausgeschlossen, daß auch lateinamerikanische Währungen abgewertet werden, um auf den Exportmärkten bestehen zu können. Das könnte nach Südostasien eine weitere Abwertungsspirale in Gang setzen, die zwar die Exporte für diese Staaten erleichtert, aber gleichzeitig durch die Schwächung der Währungen im Vergleich zum Dollar (in dem die meisten Schulden bezahlt werden müssen) die Verschuldung erhöht.
Von zentraler Bedeutung ist die weitere Entwicklung der US-Wirtschaft (die 20,7 % des Welt-BIP produziert). Diese befindet sich trotz jahrelangem „Aufschwung“ in einer schwachen Position, denn das magere Wachstum der letzten Jahre schlug sich im Dienstleistungssektor, nicht aber in der Produktion nieder, was sich u.a. in der niedrigen Investitionsquote von nur 16 % ausdrückt. Sofern überhaupt Arbeitsplätze geschaffen wurden, so im überwiegenden Fall unsichere, schlechtbezahlte Arbeitsverhältnisse - man spricht von den „working poor“. Außerdem muß die USA ebenso wie Europa mit Exportrückgängen, einem Abzug v.a. des japanischen Kapitals (Japan hat in der ganzen Welt rund eine Billion Dollar angelegt) und in Folge einem Rückgang beim Wirtschaftswachstum rechnen. 20 % aller US-Exporte gehen nach Südostasien, 12 % nach Japan. Im Oktober ‘97 fielen die Bestellungen für langlebige Güter bereits um 0,3 %. Experten schätzen, daß die jetzigen Einbrüche und die damit verbundenen Exportrückgänge das US-BIP um rund 1 % verringern werden. Horst Köhler, der Präsident des Deutschen Sparkassenverbandes rechnet mit einem Minus im erwarteten Wirtschaftswachstum für Deutschland 1998 um 0,3-0,5 %.
Die Weltwirtschaft ist insgesamt in einer Periode der Depression, von langfristiger Stagnation der Produktivkräfte - also einer dauerhaften Niedergangsphase. Obwohl es weiterhin zyklische Auf- und Abschwünge und in einigen Regionen auch reales Wachstum geben kann, befindet sich der Kapitalismus in einer schwächeren Position, in dem seine gesamten Widersprüche überdeutlich an die Oberfläche kommen.

Schlechte Ausgangslage

Der Börsenkrach von 1997 wird für die Weltwirtschaft weit schwerer zu verkraften sein, als jener von 1987. Damals war die Ausgangslage günstiger, Japan und Deutschland verfügten noch über große Reserven, die sie zur Stabilisierung einsetzen konnten. Der jetzige Crash aber folgt auf eine Periode von äußerst magerem „Wachstum“ (bzw. Stagnation in Japan), das noch dazu mit steigender Massenarbeitslosigkeit einhergeht. Der Zusammenbruch des einzigen wirklichen Wachstumsbereichs der Weltwirtschaft (Asien erzielte 60-65 % des Wachstums im Weltoutput zwischen 1990 und 1995) verschlechtert die Situation weiter. Der Sturz der Aktienkurse wird sehr reale Auswirkungen haben, vor allem weil die Nachfrage zurückgeht. Außerdem schätzen Experten, daß ein Rückgang der Aktienkurse um 10 %, um 1 % weniger Investitionen bedeutet. Weniger Investitionen aber können das Wirtschaftswachstum bremsen oder sogar stoppen.
Es ist jetzt zu erwarten, daß es zu einer weiteren Verlangsamung des Wirtschafts“wachstums“ kommen wird. Eine Reihe von Faktoren (vor allem wie sich die US-Wirtschaft entwickelt) sind von zentraler Bedeutung dafür, wann die kommende Rezession eintrifft, wie tief sie sein wird und ob der jetzige Börsenkrach sogar zur Krise führt.
Ein weiterer Faktor, der die Situation zuspitzen könnte, ist die Wahrscheinlichkeit, daß, im Gegensatz zur Rezession 1990-93, die in den USA, Japan und Europa zeitlich versetzt eintrat, eine kommende Rezession synchron, also de facto überall gleichzeitig, einsetzen wird.
Auch wenn auf den Börsen zu einem großen Teil mit fiktivem Kapital gehandelt wird, sind die Auswirkungen eines Börsenkrachs doch sehr real. In den USA haben 43 % aller Haushalte Aktien, der durchschnittliche Haushalt hat 40 % seiner Ersparnisse an der Börse investiert. Insgesamt stecken 3,3 Billionen Dollar in Pensionsfonds. Ein Börsenkrach kann für diese Menschen das Ende jeglicher Altersversorgung bedeuten, ebenso wie in Chile, wo die gesamte Altersversorgung in Aktien angelegt ist. (Auch in Österreich will man uns zur Zeit einreden, von der staatlichen Pensionsversicherung abzugehen, und zumindest teilweise in Pensionsfonds auszuweichen. Das bringt zwar billiges Geld für die Kapitalisten, aber auch unsichere Pensionen für uns.)
Düstere Aussichten. Aber es geht nicht darum, ein Krisenszenario zu zeichnen und Panik zu verbreiten, sondern darum, die Lage der Weltwirtschaft realistisch einzuschätzen. Der Jubelchor des Kapitals hat bereits zu lange seine Lügen verbreitet.

„Neokolonialismus“?

Die ersten Auswirkungen des Crash können wir bereits beobachten. Mit Hilfe des IWF versucht der US-Imperialismus wieder, verstärkten Einfluß in Südostasien zu erlangen. Offiziell „hilft“ der IWF diesen Staaten, um ihre Wirtschaft zu stützen. Geschätzt wird, daß alleine 100 Mrd. Dollar für Südostasien (das ist doppelt soviel wie bei der Finanzkrise in Mexiko 1995) gebraucht werden. Aber diese Unterstützung läßt sich der IWF teuer bezahlen - mittels verstärkter Abhängigkeit.
IWF und Weltbank verlangen die Öffnung der Finanzmärkte, weitgehende Liberalisierung und Stellenabbau. Dies führt in der Praxis zu einem Ausverkauf der regionalen/nationalstaatlichen Banken. Im Fall Mexikos waren nach der „Rettung“ 4 der 5 großen heimischen Banken unter ausländischem Einfluß.
In Südkorea verlangen IWF und Weltbank die Schließung bzw. Zusammenlegung und Rationalisierung bei den Banken. In Thailand wurden bereits 58 von 91 heimischen Fi- nanzinstituten geschlossen. Bis zu zwei Drittel der Beschäftigten sollen gekündigt werden.
Fernost-Experte David Roche von der Beratungsfirma “Independent Strategie” meinte gar, daß Thailand nur bei einer Verringerung des Lebensstandards von 20-25 % eine Chance hätte.
In Südkorea will der IWF sein „Rettungspaket“ rechtzeitig zu den Präsidentschaftswahlen am 18. Dezember fertig haben. Und auch wenn dieses Paket sicher nicht unumstritten sein wird, so könnte eine allgemeine Stabilisierung der Situation doch dem Kandidaten der regierenden Partei (der ein Vertreter der Liberalisierung ist) nützen.

Die sehr realen Auswirkungen

Der internationale Sekretär der unabhängigen südkoreanischen Gewerkschaft KCTU, Yoon Young-mo, befürchtet, daß Regierung und große Unternehmen den IWF nutzen, um eine Verschlechterung der Arbeitsgesetzgebung, besonders der Kündigungsbedingungen, zu erreichen. Nutzten diese bisher die „Globalisierung“ als Argument für Lohn- und Sozialabbau, so haben sie nun mit dem Börsenkrach und in dessen Folge dem IWF einen „überzeugenden“ Partner. Der Zusammenbruch von Yamaichi in Japan kostet voraussichtlich 7000 Arbeitsplätze. In ganz Südostasien werden Millionen Arbeitsplätze vernichtet werden. Der ABB-Konzern hat bereits angekündigt, „als Ergebnis der Regionalkrise in Südostasien, in Europa 10.000 Arbeitsplätze ab(zu)bauen“.
In Brasilien wurde ein Notprogramm verabschiedet, um das Vertrauen der ausländischen Geldanläger zurückzugewinnen. Das Paket beinhaltet neben einer Erhöhung der Einkommenssteuer und der Benzinsteuer auch Abgaben auf neue Autos und Bier sowie eine Pensions“reform“ und den Abbau von 33.000 Stellen im öffentlichen Dienst.

Regionalismus und Protektionismus

Die Regierungen der einzelnen Staaten versuchen, auf den Crash zu reagieren. Während die Kapitalisten in den letzten Jahren immer einen Rückzug des Staates forderten, verlangen sie nun - da sie in Schwierigkeiten sind - dessen Unterstützung. Sie wollen aus der Staatskasse (also durch unsere Steuergelder) saniert werden. Im Gegensatz zur „Globalisierung“ der letzten Jahre können wir in Zukunft wohl einen verstärkten Regionalismus bzw. in manchen Fällen sogar einen Rückzug auf die Nationalstaaten sehen. Einerseits wird von den wirtschaftlich schwächeren und nun geschwächten Staaten verlangt, sich zu öffnen, (um als Absatzmärkte für die entwickelten kapitalistischen Staaten zu dienen) andererseits versuchen die entwickelten kapitalistischen Staaten ihre eigenen Märkte zu schützen. Eine neue Welle des Protektionismus, auch von Seiten der schwächeren Staaten (wie z.B. in Lateinamerika) ist nicht ausgeschlossen.

Weg mit dem Kapitalismus!

Während die Reichen dieser Welt nicht wirklich unter dem Börsenkrach zu leiden haben (Bill Gates hat immer noch Milliarden), wird die ArbeiterInnenklasse hart davon getroffen. Sie ist es, die unter Sparpaketen, Sozialabbau, Entlassungen und einem Verlust ihres sauer verdienten Geldes leidet. Das Bild vom „Sieger“ Kapitalismus hält nicht mehr - sein Versagen wird überdeutlich. Vor allem unter Jugendlichen, aber auch in immer größeren Schichten der ArbeiterInnenklasse wird sich auf dieser Grundlage ein anti-kapitalistisches Bewußtsein entwickeln. Der Kapitalismus hat nicht gesiegt, er ist bloß übergeblieben. Nun gilt es, ihm endlich den Todesstoß zu verpassen. Überall auf der Welt gibt es Bewegungen von ArbeiterInnen, von Landlosen und von Jugendlichen gegen den ganz alltäglichen kapitalistischen Wahnsinn. Der Widerstand findet ständig auf allen Kontinenten in zahllosen Kämpfen statt. Das Komitee für eine Arbeiter-Inneninternationale (KAI/CWI) hat es sich zum Ziel gesetzt, diese Kämpfe zu vernetzen und gemeinsam mit den verschiedenen Organisationen der ArbeiterInnenklasse und Jugend den Kampf für eine andere - eine bessere - Gesellschaft zu führen.

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