Zentralmatura: Ungenügend, setzen!

Moritz Erkl

Die erste „Schlacht“ ist geschlagen und die Verantwortlichen jubeln. Bildungsministerin Heinisch Hosek (SPÖ) erklärt sich „sehr zufrieden“, nun gehe es nur noch um spezifische Verbesserungen, um die Schulen „noch schülerfreundlicher“ zu machen (Faymann). Dieses Freudenbild droht jedoch zu kippen, wenn man die Ausreißer der „positiven“ Bilanz ins rechte Licht rückt.

Eins vorneweg: die Individualität der SchülerInnen wird noch mehr reduziert. Dies ist zwar nichts neues, doch die Zentralmatura erleichtert es ungemein, Jugendliche losgelöst von ihren persönlichen Fähigkeiten und Begabungen zu katalogisieren und nach wirtschaftlichen Interessen abzuurteilen. Vor diesem Hintergrund ist es wenig verwunderlich, wenn LehrerInnen das Bedürfnis haben, ihren SchülerInnen bei den Prüfungen zu helfen, also zu schummeln. Wir finden Solidarität und Gruppenarbeiten ja durchaus gut. Doch ist es im konkreten Fall eher der (berechtigten) Angst geschuldet, dass SchülerInnen durchfallen könnten. Ein Armutszeugnis für die Zentralmatura.

Angesichts der technischen Pannenserie sind eine Vielzahl an LehrerInnen und SchülerInnen wütend über das „zukunftbringende“ Modell der „neuen, besseren“ Matura. Um ein vergleichbares Abschneiden sicherzustellen, wurden die Prüfungsfragen diesmal wohl eher leicht gehalten, manche meinen, diese wären zu „stumpfsinnig“ (Rudolf Taschner).

So haben die meisten SchülerInnen in Mathematik mit einem „Befriedigend“ abgeschlossen (35,9%), nur 12% mit einem „Sehr Gut“. Das sind keine signifikanten Änderungen zur Matura in den vergangenen Jahren (ohne den Zusatz „Zentral“). Schwierig wird es für die AbsolventInnen dennoch, da viele weiterführende Ausbildungen, z.B. an Fachhochschulen nur jene SchülerInnen mit einem Einserschnitt aufnehmen.

Als Fazit bleibt zu sagen: Die Zentralmatura führte zu keiner Verbesserung, da sie am grundlegenden System nichts ändert. Nach wie vor erleben wir Bulimielernen (Detailwissen reinfressen, auskotzen, vergessen!), Millionen fließen in Nachhilfe, Unterrichtsstunden werden gekürzt und LehrerInnen diffamiert. Und die Betroffenen (SchülerInnen und LehrerInnen) haben nichts mitzureden. Für Heinisch Hosek und Co. bleibt nur ein „Nicht genügend“!

 

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