Vamed: Profite auf Kosten der Beschäftigten

Sonja Grusch

Ursprünglich war die Vamed ein Teil der Verstaatlichten in Österreich. Dann wurde sie verkauft und ist heute eines jener Unternehmen, die von dem Privatisierungs- und Ausgliederungsprozess im Gesundheitswesen profitiert. Weltweit investiert die Vamed, heute mehrheitlich in deutschem Besitz, im Krankenhaus-, Gesundheits- und Wellnessbereicht. Und wie das konkret abläuft, wird am Beispiel der CFM in Berlin deutlich.

Profite gehen über alles

2006 wurde der „nicht-medizinische“ Bereich der Charite, eines der größten Spitäler Europas, in Berlin ausgegliedert. Und zwar in die CFM (Charite Facility Management). Seither hat sich die Charite 168 Millionen Euro erspart. Da sich die Arbeit nicht reduziert hat – die Beschäftigten der CFM sind u.a. für die Reinigung der Operationsräume, der Toiletten etc zuständig – wurde einfach bei den Löhnen „gespart“. Da die CFM nur zu 49% der Charite, aber zu 51% einen privaten Konsortium gehört, müssen neben den Einsparungen auch noch Gewinne eingefahren werden. Im Fall der Vamed nicht zu gering. Ihre Gewinne belaufen sich auf mehrere dutzend Millionen Gewinn pro Jahr. Die Vamed ist das größte Privatunternehmen im Konsortium der Privaten das die Mehrheit im Aufsichtsrat der CFM hat und ist damit direkt verantwortlich für die Hungerlöhne bei der CFM.

Die CFM-Beschäftigten haben seit 2006 keine Kollektivverträge mehr. Sie wurden in Änderungskündigungen gedrängt und die ehemals unbefristeten Jobs wurden in vielen Fällen in auf ein Jahr oder kürzer begrenzte Verträge umgewandelt. Die Stundenlöhne sanken dramatisch. Nach Auskunft des Managements liegt der durchschnittliche (!!!!) Stundenlohn bei 6,58 Euro. Das bedeutet auch, dass viele KollegInnen weniger als den in diesem Bereich vorgesehenen Mindestlohn von 6,50 Euro verdienen.

Gesundheit wird riskiert

Die Vamed macht ihre Gewinne also nicht nur auf dem Rücken der Beschäftigten, sondern auch der PatientInnen. Und auch wenn die KollegInnen ihr Bestes geben, so sind doch mies Bezahlung und extremer Stress eine schlechte Ausgangslage für keimfrei geputzte Operationsräume. Um die Gewinne zu steigern riskiert die Vamed-Leitung auch die Gesundheit der PatientInnen!

Widerstand in Berlin

Doch die KollegInnen der CFM wehren sich. Im Mai dieses Jahres streikten sie gemeinsam mit den KollegInnen der Charite. Ziel war ein Kollektivvertrag. Doch die bisherigen Verhandlungen dienen wohl eher der Verschleppung als einem Eingehen auf die Bedürfnisse und Forderungen der Beschäftigten. Seit 12. September sind nun die CFM-Beschäftigten erneut im Streik. Ihre Ziele: endlich ein KV, ordentliche Bezahlung und Arbeitszeiten und die Rückführung in die Charite.

Solidarität in Österreich

Am Montag den 10. Oktober veranstaltete die Vamed in Wien eine Pressekonferenz. Sie wollten sich als Schöngeister präsentieren, die das Lesen in ihren Wellness-Einrichtungen, konkret in der Therme Oberlaa in Wien 10, fördert. Abgesehen davon, dass der Eintritt in die Therme selbst ein kleines Vermögen kostet ist der Stundenlohn, den die Vamed ihren Beschäftigten bei der CFM zahlt so niedrig, dass um die 6,58 kaum ein Buch gekauft werden kann! Aber wer soviel Geld durch Hungerlöhne spart, kann natürlich ein bisschen in die Imagewerbung stecken. Die SLP organisierte eine Aktion direkt vor der Kurhalle um Gäste und JournalistInnen, die zur Pressekonferenz gingen, zu informieren. Vertreter des Managements kamen aufgescheucht heraus, liefen wie die aufgeschreckten Hasen herum und waren sichtlich verärgert über die Aktion. Mittels – recht lauter – Anlage informierten wir rund 45 Minuten lang – Anzugträger schauten erbost aus einem Fenster, hinter dem wohl die Pressekonferenz geplant war. Eine MitarbeiterIn, die wohl selbst ähnlich mies bezahlt wird wie die KollegInnen in Berlin, nahm eines unserer Flugblätter und meinte „Super das ihr da seid, heute ist eh eine Pressekonferenz“ und einige Gäste der Therme reagierten ebenfalls sehr positiv auf die Aktion. Am meisten Sorge bereitet den Damen und Herren der Vamed wohl die Tatsache, dass die österreichischen KollegInnen, die ja auch nicht gerade fürstlich bezahlt werden, dem Beispiel der deutschen KollegInnen folgen könnten...

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