Rote Seitenblicke: "El Chapo" als Vorbild für Arme?

Jens Knoll

„Mission erfüllt: Wir haben ihn“ - so die mexikanischen Behörden nach Festnahme von Joaquín „El Chapo“ Guzmán, dem bekanntesten Drogenkartellboss Mexikos. Er selbst stammt aus einer sehr armen Familie. Sein Kartell zählt zu den größten Verbrecherorganisationen der Welt. Seit den 1980ern verdiente er Millionen durch Drogenschmuggel, Schutzgelderpressung, Menschenhandel und ähnlich ekelhafte Geschäfte. Hollywoodreif floh er mehrmals mit Hilfe von korruptem Personal aus Hochsicherheitsgefängnissen.

Die gewaltigen sozialen und wirtschaftlichen Probleme Mexikos sowie die damit verbundene Korruption ermöglichten ihm erst den Aufstieg. Heute kontrollieren sie praktisch Teile im Norden des Landes. Dort herrscht neben dem Gewaltmonopol des Staats auch das der Kartelle - in beiden Fällen werden die Menschen brutal beherrscht und ausgebeutet. Der „Krieg gegen Drogen“, forderte seit 2005 weit über 70.000 zivile Opfer. Die Ärmsten werden von Staat und Kartellen als Söldner verdingt, um sich gegenseitig zu erschießen. Der brutale und menschenverachtende Staat hat den brutalen und menschenverachtenden Kartellboss El Chapo zu einer Art Star werden lassen – eine „vom Tellerwäscher zum Millionär“ Geschichte, bloß mit Kokain und Auftragsmorden. Doch die HeldInnen der mexikanischen Revolution mit ihrem Kampf gegen imperialistische Bevormundung und Großgrundbesitzer und mit den durchgeführten Verstaatlichungen sind die besseren Vorbilder im Kampf gegen schwerreiche Industrielle, korrupte Beamte und Drogenbosse.

 

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