Politik raus aus der Schule?

Moritz Bauer

Immer wieder wird eine „politikfreie Schule“ gefordert, zumeist aus dem Umfeld FPÖ- oder ÖVP-naher Jugend- und Schüler*innenorganisationen. Letztes Jahr beispielsweise rund um Proteste gegen die schwarz-blaue Regierung, jüngst anlässlich der Fridays for future, der Schüler*innenstreiks für‘s Klima.

Begründet wird die Forderung meist damit, die Schüler*innen vor „politischer Meinungsmache“ und „Indoktrination“ schützen zu wollen. Damit werden nicht nur alle Schüler*innen als naiv und unmündig abgestempelt, sondern auch alles, was in der Schule passiert, als unpolitisch und objektiv dargestellt. Doch „Politik raus aus der Schule“ heißt eigentlich „Unsere Politik rein in die Schule“. Denn auch der Lehrplan und natürlich auch Lehrer*innen sind politisch. Wenn im Programm von Schwarz-Blau steht, man wolle „wirtschaftliche Kompetenz und unternehmerisches Denken“ als Teil der Lehrpläne etablieren oder im Wertekodex für Kindergärten des Welser FPÖ-Bürgermeisters steht, „[d]as Feiern von christlichen Festen soll […] Brauchtum, Tradition, Werte und Gemeinschaft näherbringen“, dann ist das ganz klar politische Propaganda in der Bildung. Damit werden Kinder & Jugendliche an die (wortwörtlich) herrschenden Ideen herangeführt, die sie übernehmen sollen. Und auch die Lehrer*innen haben natürlich ihre eigene Meinung und vertreten diese, sind also weder neutral noch objektiv.

Aber warum fordern Wirtschaftsorientierte und Reaktionäre dann „Objektivität“? Einerseits wollen sie damit ihre Ideologie als „objektiv“ darstellen, als richtig. Und andererseits wollen sie unliebsame Ideen aus den Schulen fernhalten. Nicht umsonst richtet sich die Forderung nach „politikfreier Schule“ zumeist gegen Linke, die rund um Schulen Flyer und anderes politisches Material verteilen. Aber Schüler Union (ÖVP), Ring Freiheitlicher Jugendlicher und Konsorten wollen natürlich nicht jegliche Politik aus der Schule verbannen. Sie wollen, dass die Politik über den Unterricht und ihnen genehme Leute gemacht wird, also von Lehrer*innen und Direktor*innen mit der „richtigen“ Ideologie. Während wir offen auftreten und zugeben, dass wir politisch sind, wollen sie Schüler*innen weiterhin ihrer versteckten Propaganda aussetzen.

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