Mit Keynes zum krisenfreien Kapitalismus?

Nikita Tarasov

Bürgerliche ÖkonomInnen suchen nach Auswegen aus der Krise, um das Bestehen des Kapitalismus zu sichern. Die Ideen von John Maynard Keynes (1883-1946) werden oft als Wegweiser gepriesen. Der Kern des Keynesianismus: In regelmäßigen Abständen muss der Staat eingreifen, um Angebot und Nachfrage auszugleichen, er muss antizyklisch handeln, um die „Dellen“ der Krisen auszubeulen. Senkung der Arbeitslosigkeit und die damit verbundene Steigerung der Kaufkraft scheinen dabei zentral. Die zahlungsfähige Nachfrage muss gesteigert werden, damit die Wirtschaft wieder brummt. Dafür sind alle Mittel recht: staatliche Beschäftigungsprogramme, Anreize für Unternehmen, Ankurbelung der Kriegsproduktion etc. Keynesianismus wird oft als „links“ gesehen. Doch dieser Schein trügt. Und dabei lassen wir seine Sympathien mit der „ausgeprägteren staatlichen Führung“ der Nazis im Dritten Reich im Hintergrund. Oder seine Befürwortung von Kriegsproduktion und folglich Krieg.

KeynesianerInnen ignorieren wesentliche Merkmale des Kapitalismus. So hat Keynes (auch Piketty) keinen wissenschaftlichen Begriff von Wert oder Kapital. Er ignoriert die Arbeitswerttheorie (die Lehre, das in einem Produkt so viel Wert steckt, wie menschliche Arbeit zur Herstellung nötig war), die schon bei Smith und Ricardo gefunden werden kann und von Marx vollendet wurde. Marx nennt das „Vulgärökonomie“. Ohne Werttheorie gelangen Keynes & Co nur zu oberflächlichen Betrachtungen von Waren und deren Austausch. Seine Lösungen liegen daher auch nicht im Produktionsprozess, sondern bleiben an der Oberfläche, im Tauschprozess; daher auch seine Fixierung auf Zins, Angebot und Nachfrage. Die Quelle der Ausbeutung, die Aneignung unbezahlter Arbeit („Mehrwert“), interessiert Keynes ebensowenig, wie der Lebensstandard der ArbeiterInnenklasse.

Diese unbezahlte Mehrarbeit der ArbeiterInnen muss als Profit realisiert werden, um Kapital zu vermehren. Die Ware muss verkauft werden. Weil alle so handeln müssen, kommt es zu Überproduktion. Um die Konkurrenz auszustechen, müssen KapitalistInnen durch den Einsatz von Maschinen mehr und effizienter produzieren. Dadurch untergraben sie jedoch die Quelle des Mehrwerts, den nur menschliche Arbeit schaffen kann. Sie haben somit ständig gegen den „tendenziellen Fall der Profitrate“ zu kämpfen.

Krisen sind in der „DNA“ des Kapitalismus angelegt: „In schneidenden Widersprüchen, Krisen, Krämpfen drückt sich die wachsende Unangemessenheit der produktiven Entwicklung der Gesellschaft zu ihren bisherigen Produktionsverhältnissen aus. Gewaltsame Vernichtung von Kapital, nicht durch ihm äußre Verhältnisse, sondern als Bedingung seiner Selbsterhaltung, ist die schlagendste Form, worin ihm der Rat gegeben wird, abzutreten und einer höheren Stufe der sozialen Produktion Platz zu machen.“ (Karl Marx, Grundrisse, S. 635f)

Krisen lassen sich überwinden – wenn die Wirtschaft demokratisch geplant wird. Ohne Privateigentum an Produktionsmitteln und Konkurrenz kann der Bedarf gesamtgesellschaftlich ermittelt und gedeckt werden. Technischer Fortschritt und Produktivitätssteigerungen können dann endlich im Interesse von Mensch und Umwelt genutzt werden.

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