Marx aktuell: Von Maschinen und Profiten

Nicolas Prettner

Im Kapitalismus wird nicht produziert, um zu konsumieren, sondern um Waren zu verkaufen. Waren werden gegeneinander, bzw. gegen Geld, ausgetauscht. Wert setzt also bereits eine (Tausch-)Beziehung zu anderen Dingen voraus: X ist immer so und so viel von Y wert. Marx erklärt, dass sich der Wert einer Ware aus der Summe der zu ihrer Herstellung gesellschaftlich notwendigen Arbeitszeit ergibt. Auch Arbeitskraft ist eine Ware: wir verkaufen sie jeden Tag für Lohn, den die KapitalistInnen zahlen. Unsere Arbeitskraft ist so viel wert, wie die Summe der Dinge, die wir brauchen, um täglich arbeiten zu können. So viel bekommen wir bezahlt. Wir arbeiten aber so lange, wie die KapitalistInnen die Arbeitskraft gekauft haben. In der Zeit produzieren wir mehr als den Wert unserer Arbeitskraft bzw. unseres Lohns: Wir produzieren Mehrwert, aus dem der Profit entsteht.

KapitalistInnen wollen eine möglichst hohe Profitrate erzielen. Das gewonnene Kapital soll möglichst groß sein im Verhältnis zum investierten Kapital. Marx erklärt, dass sich das eingesetzte Kapital aus dem konstanten Kapital (Produktionsmittel, wie Maschinen) und dem variablen Kapital (Löhne, für die sie menschliche Arbeitskraft kaufen) zusammensetzt. Das Verhältnis zwischen konstantem und variablem Kapital nennt Marx die organische Zusammensetzung des Kapitals.

Um konkurrenzfähig zu bleiben, müssen Unternehmen schnell, billig und viel produzieren. Das geht, indem sie das konstante Kapital auf Kosten des variablen Kapitals erhöhen – also indem Arbeitskräfte durch Maschinen ersetzt werden. Konstantes Kapital ist aber letztlich nur vergegenständlichte menschliche Arbeit: Maschinen übertragen den Wert, der in ihnen steckt, aufgeteilt auf die Produkte, die mit ihnen hergestellt werden – bis sie kaputtgehen. Sie schaffen Werte, aber nicht Mehrwert! Der wird nur vom variablen Kapital geschaffen, das zusätzlich eingesetzt wird. Da dieser Anteil sinkt, schrumpft auch der im Wert der Ware enthaltene Mehrwert. Auf längere Sicht sinkt somit auch die Profitrate. Marx beschreibt diesen „Tendenziellen Fall der Profitrate“ im 3. Band des „Kapital“:

„Jedes individuelle Produkt, für sich betrachtet, enthält eine geringre Summe von Arbeit als auf niedrigern Stufen der Produktion, wo das in Arbeit ausgelegte Kapital in ungleich größrem Verhältnis steht zu dem in Produktionsmitteln ausgelegten. [...] Diese erzeugt mit der fortschreitenden relativen Abnahme des variablen Kapitals gegen das konstante eine steigend höhere organische Zusammensetzung des Gesamtkapitals, deren unmittelbare Folge ist, dass die Rate des Mehrwerts bei gleich bleibendem und selbst bei steigendem Exploitationsgrad der Arbeit sich einer beständig sinkenden allgemeinen Profitrate ausdrückt.“

Dies lässt sich auch statistisch nachweisen. Das Verhältnis von investiertem zu gewonnenem Kapital war nach dem Ende des 2. Weltkriegs größer als heute. KapitalistInnen versuchen, dem entgegenzuwirken. Da wird dann der Arbeitsdruck erhöht, Pausen gestrichen, die Arbeitszeit verlängert, Reallöhne sinken, betriebliche Sozialleistungen werden gestrichen. Diese Maßnahmen können den Fall der Profitrate vorübergehend, aber nicht auf Dauer aufhalten.

 

 

Der gesamte Schwerpunkt zu „Industrie 4.0“ der 262. Ausgabe:

Die Industrie stirbt. Oder wird als Industrie 4.0 erneuert. Die Beschäftigten kommen dabei unter die Räder. Und kann mit neuer Technologie eine Krise verhindert werden?

  • Titelseite: Die Zukunft der Industrie? Von Albert Kropf

https://www.slp.at/artikel/die-zukunft-der-industrie-8588#

  • Hauptartikel: Sind Roboter krisenfest? Von Sonja Grusch

https://www.slp.at/artikel/sind-roboter-krisenfest-8589

  • Zahlen und Fakten von Georg Kummer:

https://www.slp.at/artikel/zahlen-und-fakten-zu-industrie-8590

  • Marx aktuell: Von Maschinen und Profiten von Nicolas Prettner

https://www.slp.at/artikel/marx-aktuell-von-maschinen-und-profiten-8591

  • Digitale Revolution – Soziale Reaktion? Von Thomas Hauer

https://www.slp.at/artikel/digitale-revolution-soziale-reaktion-8592

 

Erscheint in Zeitungsausgabe: 

Der Wahnsinn des Kapitalismus

Auch auf Facebook!

6.10.2017

Der Wahnsinn des Kapitalismus: immer wieder wird beklagt, es gäbe wegen der Sozialleistungen ja keinen "Anreiz" zu arbeiten. Jüngst äußerte sich auch Eliten-Kandidat Kurz diesbezüglich. Mal ganz...mehr