Marx aktuell: Umweltschutz ist Politik für ArbeiterInnen

Manuel Schwaiger

Es ist gerade die ArbeiterInnenklasse, die am meisten unter der kapitalistischen Zerstörung der Umwelt leiden muss. KapitalistInnen können es sich leisten, z.B. dem Smog oder vielen Folgen der globalen Erwärmung zu entfliehen.

Die lohnabhängige Mehrheit der Weltbevölkerung ist jedoch der Umweltzerstörung und ihren gesundheitlichen Folgen beinahe schutzlos ausgeliefert. Verknappung natürlicher Ressourcen stellt für Werktätige, Land- und Besitzlose in ärmeren Staaten bereits eine unmittelbare Gefahr für Leib und Leben dar. Schon Marx und Engels erkannten die Wichtigkeit der Umweltfrage. So schrieb Engels 1876: „Und so werden wir bei jedem Schritt daran erinnert, daß wir keineswegs die Natur beherrschen [...] sondern daß wir mit Fleisch und Blut und Hirn ihr angehören und mitten in ihr stehn [...]“ („Anteil der Arbeit an der Menschwerdung des Affen“)

Dennoch wird MarxistInnen oft vorgeworfen, sie würden die Umweltfrage ignorieren oder unterbewerten. Der Marxismus sei fortschrittsgläubig und wachstumsfanatisch. Dieser Vorwurf speist sich hauptsächlich aus der Umweltpolitik des Stalinismus und der zweiten reformistischen Strömung, der Sozialdemokratie. Die Führung beider Strömungen orientierte sich mehr an den Interessen der jeweils Herrschenden als an jenen der ArbeiterInnenklasse. Als aber die ArbeiterInnenklasse Russlands vor beinahe 100 Jahren unter den marxistischen Bolschewiki die Macht übernahm, revolutionierte sie auch die Umweltpolitik. Erstmals wurden Naturschutzgebiete geschaffen. Die Forschung im Umweltbereich wurde massiv gefördert, im ganzen Land entstanden unabhängige Umweltorganisationen. Das endete schnell, als Stalin und seine Bande die Macht übernahmen: Die stalinistische Bürokratie hob Umweltschutzmaßnahmen auf und ermordete kritische UmweltwissenschaftlerInnen. Mangels demokratischer Mitbestimmung kam es unweigerlich zu Planungsfehlern. So wurden bei der Planung örtliche geografische Unterschiede oft kaum berücksichtigt. Die Folge dieser autoritären Politik war eine unglaubliche Verschwendung natürlicher Ressourcen. Der Stalinismus reagierte auf solche Schwierigkeiten mit immer riskanteren und noch umweltschädlicheren Megaprojekten. Das ging so weit, dass die Bürokratie einige der folgenreichsten Umweltkatastrophen zu verantworten hatte – etwa den Super-GAU in Tschernobyl.

Eine demokratische Planwirtschaft aber ist notwendige Grundlage einer umweltfreundlichen Wirtschaft. Denn die Kurzsichtigkeit und Krisenanfälligkeit des „freien“ Marktes verhindert bzw. verzögert den Einsatz neuer, umweltfreundlicher Technologien.

Marxistische Umweltpolitik unterscheidet sich sowohl vom Kapitalismus, in dem die Umwelt der Profitmaximierung und der Idee des freien Marktes geopfert wird, als auch vom Stalinismus, in dem Planungsfehler Umweltzerstörung in großem Ausmaß unumgänglich machen und die Natur aus ideologischen Gründen jeden Wert verliert. MarxistInnen stehen für eine Gesellschaft, in der die Wirtschaft den Interessen der Menschen dient und von diesen demokratisch kontrolliert wird. Die sinnlose und kurzsichtige Vergeudung unserer natürlichen Ressourcen und die Gefährdung der Gesundheit von Milliarden Menschen durch Umweltzerstörung hätten in so einer sozialistischen Planwirtschaft keinen Platz.

 

Erscheint in Zeitungsausgabe: 

Nachrichten aus dem Quarantäne-Kapitalismus

Auch auf Facebook!

25.03.2020

Die Coronoa-Krise trifft alle, aber nicht alle gleich  Aktuell rücken die Lebens- und Arbeitsrealitäten von uns allen näher zusammen. WAS wir konkret für einen Job machen ist gerade...mehr