Imperialismus im Abgrund Aleppo

Georg Maier

Wie viele Menschen bisher in den Trümmern der ehemals größten Stadt Syriens den Tod gefunden haben, weiß niemand. Schätzungen reichen von 40-60.000. Alle Beteiligten haben massive Verbrechen an der Zivilbevölkerung zu verantworten. Während sich die Aufmerksamkeit westlicher Medien auf die Barbarei des „Islamischen Staates“ konzentriert, tobt rund um Aleppo ein Stellvertreterkrieg, der die Grausamkeit des syrischen Bürgerkriegs ebenso wie seine Unlösbarkeit im Rahmen der imperialistischen Ordnung verdeutlicht. Die Ausweglosigkeit liegt u.a. darin, dass keine der beteiligen Kräfte in der Lage ist, einen militärischen, geschweige denn politischen Sieg davonzutragen. Jedes Mal, wenn bisher der Sieg einer Seite möglich erschien, führte dies zu einer weiteren Eskalation (z.B. den sunnitischen Milizionären folgten schiitische, dem russischen Bombardement antworteten US-Bomber etc.). Dazu kommen die Interessen der lokalen Regimes in der Türkei, Saudi Arabien, Iran, Qatar etc. Für den Großteil der Bevölkerung vor Ort bietet keiner der Beteiligten irgendeine Option für Frieden und ein menschenwürdiges Leben. 

Sowohl der US- als auch der russische Imperialismus haben profitable Interessen, die sie in Syrien verteidigen. Beide wissen, dass der Krieg nicht gewonnen werden kann und sehen das Land lieber komplett in Trümmern als der anderen Seite einen Vorteil zuzugestehen. Dabei sehen sich beide Seiten auch im Konflikt mit dem IS und Al-Qaida und bevorzugen die „Stabilität“ des unentschiedenen Bürgerkriegs als ein neues „Gleichgewicht des Schreckens“.  
Die syrische Bevölkerung hat weder vom russischen noch vom amerikanischen Imperialismus etwas zu erwarten. Die einzige Chance, Frieden zu bringen und den Menschen in Aleppo und Syrien ein menschenwürdiges Leben zu schaffen, liegt bei der internationalen ArbeiterInnenbewegung. Angefangen von lokalen nicht-sektiererischen Selbstverteidigungskomitees in der Region, bis hin zur Bewegung gegen Erdoğan, hin zu Protesten gegen die Kriegspolitik von Putin und Obama-Trump. Als SozialistInnen müssen wir den aufkommenden Protesten und Bewegungen in der Region eine sozialistische Perspektive geben. Der Bürgerkrieg ist international; das muss die Antwort auf ihn auch sein. 

 

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