Brasilien: Landvertreibungen – Großgrundbesitzer brennen Häuser nieder

Dringender Aufruf für internationale Unterstützung und Solidarität
socialistworld.net

Es folgt ein Bericht von Survival International über gewaltsame Zwangsräumungen von Guarani/Kaiowa IndianerInnen von ihrem Landbesitz in Ñanderú Marangatú, Bezirk Antonio João, Mato Grosso do Sul, Brazil.

Über einhundert Beamte der Staatspolizei haben gestern Morgen die Guarani-Kaiowa IndianerInnen in Ñanderú Marangatú, Mato Grosso do Sul, zur Räumung ihres Landes gezwungen. Seit März 2005 war Ñanderú Marangatú offiziell als Land der Guarani-Kaiowa anerkannt. Jedoch haben Großgrundbesitzer diesen Beschluss vor dem höchsten Gericht Brasiliens angefochten.

Im Tiefflug überwachten Polizeihubschrauber die Aktion, in der 400 IndianerInnen gezwungen wurden, das Gebiet zu verlassen. Brasiliens Präsident Lula hatte die Regelung über die neue Grenzziehung in Ñanderú Marangatú im März unterzeichnet, nachdem die Guarani viele Jahre auf einem winzigen, neun Hektar großen Grundstück leben mussten und dafür kämpften, ihr altes Gebiet wieder zugesprochen zu bekommen. Die Unterschrift des Präsidenten ist i.d.R. der endgültige Schritt, wenn es um Neuregelungen von Grenzen geht.

Die Zwangsräumung lässt das neuerlich wieder auftretende Phänomen von Erschöpfung und Unterernährung unter den Guarani ansteigen. Dieser Volksstamm war zu Beginn des Jahres bereits in den Schlagzeilen, als Dutzende von Kindern an Unterernährung gestorben aufgefunden wurden – eine Folge des Landmangels.

Die IndianerInnen wurden nun genötigt, in ein 30 Hektar großes Areal in Ñanderú Marangatú umzuziehen. Viele müssen ihre Hütten direkt am Straßenrand aufbauen, da nicht genügend Platz für alle vorhanden ist. Den Großteil des letzten Jahres verbrachten die IndianerInnen damit, die Ernte auf dem rechtlich zugestandenen Gelände vorzubereiten.

Einer der Guarani teilte Survival today Folgendes mit: „Hubschrauber flogen sehr tief über das Gelände. Kinder schrien und weinten. Drei Menschen, die zu schwach waren, mussten in ein Krankenhaus gebracht werden. Jeder weinte und stand in brütender Sonne am Straßenrand. Wir haben nichts zu essen. Als die Polizei nicht da war, haben die Großgrundbesitzer all unsere Lebensmittel, unsere Kleidung und Papiere verbrannt. Sie haben fünfzehn Häuser niedergebrannt. Das einzige, was wir noch besitzen, sind die Kleider, die wir tragen.“

„Es war schrecklich. Es war nicht friedlich, wie die brasilianische Presse schreibt. Es war das Schlimmste. Alle sind traumatisiert. Ich war dort und habe alles gesehen. Die Leute sagen, sie werden Selbstmord begehen.“

Zwei Journalisten vom niederländischen Staatsfernsehen wurden während der Zwangsräumung verhaftet.

Bitte sendet Emails/Faxe/Briefe an die folgenden Adressen, um die sofortige Rücknahme der Zwangsräumungen und Rückkehr der Guarani auf das ihnen zuerkannte Land einzufordern:

Brasilianische Botschaft in Wien

Am Lugeck 1/V/15,
A-1010 Wien
Tel: (0043)-(01) - 51 20 631
Fax: (0043)-(01) - 51 38 374
Email der Botschaft: mailto:ausbrem@xpoint.at

Brasilianische Botschaft in Berlin

Wallstrasse 57
10179 – Berlin
Tel.: 030-72628-0 und 030-72628-200
Fax: 030-72628-320
E-Mail: brasil@brasemberlim.de

Österreichische Botschaft in Brasilien

Av. das Naçoes, Lotes 40
70426 Brasilia
Tel. 0055 (0)61 243 31 11

Deutsche Botschaft in Brasilien

Embaixada da República Federal da Alemanha
Caixa Postal 030
70415-900 Brasilia DF
Brasilien

               

Minister Nelson Jobim,

Presidente do Supremo Tribunal Federal
(Präsident des Obersten Gerichtshofs)

Email: mailto:mjobim@stf.gov.br

Senhor Luiz Ignacio da Silva,

President of the Federal Republic of Brazil,
Palácio do Planalto
70150-900 Brasília, DF,
Brasilien
Fax: (++ 55 61) 411-2222
Email: mailto:protocolo@planalto.gov.br

Mehr zum Thema: 

Nachrichten aus dem Quarantäne-Kapitalismus

Auch auf Facebook!

25.03.2020

Die Coronoa-Krise trifft alle, aber nicht alle gleich  Aktuell rücken die Lebens- und Arbeitsrealitäten von uns allen näher zusammen. WAS wir konkret für einen Job machen ist gerade...mehr