Barrieren so weit das Auge reicht

Margarita Döller

Im März finden in Russland die olympischen Winterspiele für Menschen mit besonderen Bedürfnissen statt. Sieht man sich deren Situation in Russland an, kann man das kaum glauben. Die angeblich barrierefreien neuen Hotels und Einrichtungen in Sotschi und Umgebung dienen der Imagepolitur und kommen mehr den AthletInnen und TouristInnen als den rund 13 Millionen behinderten Menschen in Russland zugute. Menschen mit einer Gehbehinderung können oft nicht einmal das Haus verlassen. Für seh- und hörbehinderte Menschen fehlen die notwendigen Beschriftungen nach dem 2-Sinne-Prinzip (Signale/Hinweistafeln, die visuell und akustisch gekennzeichnet sind). Die UN-Konvention für Menschen mit Behinderungen beinhaltet dieses als zentralen Punkt der barrierefreien Gestaltung. Im Mai 2012 wurde sie auch von Russland ratifiziert. Praktisch ist die Teilhabe an der Gesellschaft (beinhaltet vor allem Zugang zu Bildung und Arbeit) für die Mehrheit der Behinderten nicht möglich. Die vorhandenen Gelder müssen in Maßnahmen zu Umsetzung der Barrierefreiheit fließen und nicht in Sportstätten, die nach Olympia keiner mehr braucht - und schon gar nicht in die vielen privaten Taschen.

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