Shitshow. Gegen Genozid und Pinkwashing am ESC!

Diese Woche findet der Eurovision Song Contest in Wien statt. Mit dabei: das israelische Regime, welches gerade einen Genozid an Palästinenser:innen verübt, während es einen imperialistischen Angriffskrieg führt und dabei unbeteiligte Länder bombadiert und Land einnimmt.

2022 hatte der ESC kein Problem damit, Russland aufgrund des Angriffskriegs gegen die Ukraine auszuschließen. Das zeigt: Beim ESC geht es nicht um Frieden, sondern um gemeinsame geopolitische Interessen: Russland mordet nicht im Interesse des westlich-imperialistischen Blocks, Israel schon.

Beim ESC ging es nie “nur” um Musik. Dieses Mal erst Recht nicht. Das Regime und seine Lakaien feiern die Teilnahme bereits als internationale Legitimation für ihre mörderische Politik. Zurecht boykottieren einige Länder den diesjährigen Song Contest - und es ist kein Wunder, dass statt ESC-Größen wie Jay Jay oder Conchita sich diesmal nur C-Promis für die Moderation gefunden haben. Auch die Jury der diesjährigen Biennale in Venedig hat durch ihren kollektiven Rücktritt gezeigt, wie man angesichts der Teilnahme von Kriegstreibern an Kulturevents Rückgrat bewahrt.

Bürgermeister Michael Ludwig hingegen zeigte sein wahres Gesicht, als er palästinasolidarischen Demonstrant:innen mit massiver Polizeirepression drohte und ankündigte, keine Kosten zu scheuen, um den Auftritt Israels am ESC zu ermöglichen. Die Hetze gegen den Widerstand weisen wir aufs Schärfste zurück: Es geht nicht um “Einschüchterung” oder gar “Bedrohung” einzelner Song Contest-Besucher:innen, sondern um konkrete Kritik an der Politik. Als vorwärts stehen wir in Solidarität mit den Protesten gegen die Teilnahme Israels am ESC.

Die Teilnahme Israels ist jedoch nur ein Symptom eines tiefer liegenden Problems. Der ESC funktioniert seit Jahrzehnten als Legitimationsevent für westlich-imperialistische Interessen unter dem Deckmantel von Musik, Party und Toleranz. Andererseits konnte die queere Bewegung ihn zumindest zum Teil für sich reklamieren und zum Vehikel realer Fortschritte und Errungenschaften machen.

Spätestens jetzt ist für die Bewegung jedoch der Zeitpunkt gekommen, ihre Unabhängigkeit von Big Business-Events wie dem ESC oder Corporate Prides zu behaupten - denn gerade die Teilnahme Israels zeigt, was Pinkswashing in der Praxis bedeutet: Die Legitimierung imperialistischer Gewalt hinter fortschrittlichen (und profitablen) “Vibes”.

Ein Ausschluss Israels wäre ein wichtiger symbolischer Erfolg für die Palästina-Bewegung - aber tatsächlich hätte sich am Charakter des ESC wenig geändert. Denn die Staaten, die ihn nach wie vor für sich nutzen, sind nur um Weniges besser: In Polen und Ungarn grassieren Queerfeindlichkeit und Antisemitismus. Deutschland und Österreich sind die Hochburgen des antimuslimischen Rassismus. Auch in Britannien und Frankreich greifen Rechtsextreme nach der Macht.

Der gesamte westliche Block ist dabei, das größte Aufrüstungsprogramm der Geschichte durchzuführen und überall wird die militaristische Propaganda lauter. Unter solchen Bedingungen kann es keine staatlich organisierten, “harmlosen” internationalen Kulturevents geben - sie müssen zu Schauplätzen des Widerstands werden, gerade auch, um die Errungenschaften zu verteidigen, für die sie eine zeitlang nutzbar waren.

 

Deshalb: beteiligt euch an den vielfältigen Protesten anlässlich des ESC!

15.5. | 16:00-24:00 | Maria-Theresien-Platz
SongProtest - Event mit politischen Reden und Kulturbeiträgen

16.5. | 14:00 | Christian-Broda-Platz
Großdemo zum ESC-Finale

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