Sechs Euro, ein Kinderpunsch und kalte Füsse

Shona Thompson

Eine Bekannte betreut bis spät abends einen Stand am Weihnachtsmarkt. Vielen macht die Arbeit anfangs Spaß, weil sich die BesucherInnen gut gelaunt durch die Märkte tummeln. Oft ist aber nichts los – in der Hütte zu lesen oder das Handy zu gebrauchen, ist aber untersagt.Bitterkalt ist es immer, oft regnet es auch und trotz eines kleinen Heizstrahlers sind die Füße am Ende des Tages eiskalt. Gearbeitet wird sechs Tage die Woche jeweils neun Stunden (=54 Stunden). Angestellt ist meine Bekannte allerdings für 1.100 Euro netto für eine 40-Stunden Woche. Wie genau die Abrechnung von Arbeits- und Überstunden durchgeführt wird, ist vielen unklar. Als die Kasse nicht stimmte, musste sie den fehlenden Betrag aus eigener Tasche begleichen. Umgeben von Köstlichkeiten bekommt sie nur einen gratis Kinderpunsch täglich. Hinter der kleinen Bude steht eine große Firma, in ihrem Fall das Gastronomieunternehmen Eleven Gastro und Service Gmbh, die u.a. auch das Salettl im Alten AKH in Wien betreibt. Als sie krank wurde, wurde sie gekündigt, „durfte“ dann aber wieder arbeiten, als sie wieder gesund war – wie großzügig. Apropos: Ein Punsch kostet 3,80. Nach einem Tag hat so ein Stand 2000 Euro eingenommen. 

 

 

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