Schräges Verständnis von Freiheit

Larry Flynt
David Mum

Pornographie als Befreiung von sexueller Unterdrückung, jede Menge Klischees eines Amerikas, wie es sich selbst gern sieht und banale, peinliche Dialoge: Larry Flynt - die nackte Wahrheit. So einen Film Ende der 90er Jahre zu drehen ist dabei das einzig Skurrile bzw. Bemerkenswerte.
Der “Held” Larry Flynt ist Nachtklubbesitzer und hat übrigens schon mit jedem “seiner Mädchen” geschlafen. Laut Drehbuch waren darauf alle absolut scharf, denn außer „vögeln“ haben sie sowieso nichts im Kopf. Da ist auch nichts dabei, wenn Larry im Whirlpool neben seiner Freundin schnell mal ein “Mädchen” entjungfert, was alle, sie eingeschlossen, begeistert und amüsiert.
Mit der Herausgabe des Magazins Hustler, eines Pornoheftes der schlimmsten Sorte, entwickelt sich Larry zum „Kämpfer für die Pressefreiheit“. Die Reduktion der Frau auf ihre Vagina bringt da einzig und allein heuchlerische und verkorkste christliche Puritaner und das Establishment auf die Barrikaden und Larry wird im Kampf um sein Magazin zum Kämpfer zur Rettung jener Freiheit, die Amerika zu einem wunderbaren Land gemacht hat.
Nach einem Attentat, das ihn auch in der Lendengegend lähmt und an den Rollstuhl fesselt, wird der Film auch noch dramatisch: Drogensucht, Tod seiner AIDS-kranken Frau und ein jahrelanges Gerichtsverfahren gegen einen Fernsehpriester. Am Schluß hat er dann alle vor der bösen, reaktionären Zensur gerettet. Danke, Larry.
Der Handlung entspricht auch die künstlerisch Umsetzung des Films. Die Dialoge zwischen Larry und seiner Frau sind banal, theatralisch und nach 10 Minuten langweilig. Alle Pornogegner sind reaktionäre, korrupte Heuchler. Eingebaut sind noch der amerikanische Mythos der unbegrenzten Möglichkeiten. Larry Flynt: vom Tellerwäscher zum Millionär, aufgewachsen in ärmsten Verhältnissen in einer Hütte ohne Elektriztät “arbeitet” er sich vom analphabetischen Schwarzbrenner mit seinem Hustlermagazin  zum Multimillionär hoch  - und natürlich setzt sich am Ende der ehrliche Larry gegen das Böse durch.
Die Freiheit, die er meint, für die er alles riskiert und viel verlor, besteht übrigens darin, u.a. folgendes darzustellen: Farbige, die wie Hunde an ihren Penissen herumgeführt werden, Massenvergewaltigungen auf Billardtischen, kotbeschmierte Frauen oder solche, die in Fleischwölfen verenden. Die Freiheit, sexistische und rassistische Abbildungen kapitalistisch in Profit zu verwandlen ist ein kostbares Gut.   
Aber Gott sei Dank wird die Jugend Amerikas vor Alkohol unter 21 und Nikotin bewahrt und wird auch sonst Puritanismus hochgeschrieben.

Erscheint in Zeitungsausgabe: 

Nachrichten aus dem Quarantäne-Kapitalismus

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