Rapid nach dem Sturm

Management versucht Publikum auszutauschen und Fans zu kriminalisieren
Christian Bunke

Nachdem am 22. Mai während des Wiener Derbys einige Hundert Rapid Fans den Platz gestürmt hatten, folgte eine massive Diffamierungskampagne in den Medien gegen Fußballfans, gefolgt von Hausdurchsuchungen und Strafverfolgung.

Für den Platzsturm gab es unterschiedliche Gründe, darunter die schlechte sportliche Lage des Clubs sowie auch eine lange Verkettung unbeliebter Entscheidungen der Vereinsspitze. Der Platzsturm wird innerhalb der Rapid Fanszene durchaus selbstkritisch gesehen. Nicht zu entschuldigen ist das gegenseitige Bewerfen mit pyrotechnischen Gegenständen, wie es Einzelne aus beiden Fanlagern während der Ereignisse taten.

Der Platzsturm war spontan und nicht organisiert. Das Gerede in den Medien von bürgerkriegsähnlichen Zuständen, die angeblich durch „Hassgriechen“ orchestriert wurden, ist nicht nur rassistisch. Es verhöhnt auch Menschen in Ländern, die wirkliche Bürgerkriegsszenarien durchleben müssen.

Der Platzsturm lieferte Bilder, die nun Vorwand für Repressalien sind. Immer wurde auch auf die Familien hingewiesen, in deren Interesse man bei Rapid aufräumen müsse. Natürlich sollen alle Altersgruppen ohne Gefahr ins Stadion gehen können! Gefahr ging am 22. Mai allerdings eher durch wahllos gesprühtes Tränengas der Polizei aus.

Hier kann man auch sehen, was Jugendliche in Österreich erwartet wenn sie über die Stränge schlagen oder sich z.B. gegen die Kürzungspolitik der Regierung wehrt: Wegen einer Aktion bei der kein Mensch verletzt wurde, laufen Strafverfahren gegen Fans, die diese ins Gefängnis bringen und Existenzen zerstören können.

Rapidfans haben sich in der Initiative „United We Stand“ zusammengeschlossen, um gegen diese Maßnahmen zu protestieren und wieder einen Dialog mit dem Verein zustande zu kriegen. Fangruppen fürchten berechtigter weise, dass bei Rapid die Sozialstruktur der Fans ausgetauscht, also nur noch zahlungskräftiges Publikum angelockt werden soll. So etwas darf nicht Schule machen! Fans aller Clubs müssen ihre Rivalitäten beiseite legen und notfalls gemeinsam gegen solche Maßnahmen vorgehen.

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