Nordirland: Schiffswerft besetzt

Brettos

Die Werft „Harland and Wolff“ in Belfast gibt es seit mehr als 150 Jahren und ist für den Bau der Titanic bekannt. Früher war sie eine der größten im Hafen von Belfast. Doch der Rückgang im Schiffbau plus schlechter Managemententscheidungen haben die Jobs bereits vom historischen Höchststand von 30.000 auf 130 reduziert. Der Eigentümer ging Anfang 2019 in Konkurs. Die Schließung drohte, wenn kein neuer Käufer gefunden würde. Darum besetzten Ende Juli die Beschäftigten die Werft und forderten eine Verstaatlichung, um die Werft und ihre Arbeitsplätze zu retten.

Aber Verstaatlichung kann keine Übergangslösung sein bis ein neuer privater Käufer gefunden wird. Es ist notwendig, das öffentliche Eigentum unter demokratischer Kontrolle der Beschäftigten und der Gesellschaft dauerhaft zu sichern. Die Nachfrage nach Schiffen ist zurückgegangen, aber es wäre möglich, die Docks und Fähigkeiten der Beschäftigten zu nutzen, um den Klimawandel zu bekämpfen. Einige Offshore-Windturbinen wurden dort bereits produziert, und mit Investitionen und Umbauten könnten sie auch Wellenkraftwerke oder Gezeitenkraftwerke produzieren.

Dies sind einige der wichtigsten Ideen, die von Aktivist*innen der Sozialistischen Partei (Schwesterorganisation der SLP in Irland) in den Kampf eingebracht wurden. Abgeordnete der SP schlossen sich den Arbeiter*innen an, und die Sozialistische Partei half auch, einen Protest vor der britischen Botschaft in Dublin zu organisieren sowie internationale Unterstützung von Gewerkschaften und Betriebsräten. Es ist bezeichnend, dass dieser Kampf Protestant*innen und Katholik*innen in Nordirland vereint hat, wo das religiöse Sektierertum die Arbeiter*innenklasse historisch geteilt hat. So ist beispielsweise Susan Fitzgerald, Mitglied der SP und Verantwortliche in der Gewerkschaft Unite, eine Katholikin aus dem Süden, wird aber als führend im Streik uneingeschränkt von allen Kolleg*innen akzeptiert.

Es ist offen, was als nächstes passieren wird, aber es ist wahrscheinlich, dass der Staat versucht, einen privaten Investor zu finden anstatt zu verstaatlichen. Doch die Arbeiter*innen haben gezeigt, dass es möglich ist, den Verlust von Arbeitsplätzen zu stoppen, wenn wir uns organisieren und kämpfen.

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