Mensch & Sozialismus

Peter Regner

Der Mensch ist doch sowieso zu schlecht für den Sozialismus...?
“Schaut euch doch um! Die Menschen arbeiten doch alle nur, weil sie müssen – für den Sozialismus wären sie viel zu faul, zu gierig und überhaupt geht der Mensch doch den Weg des geringsten Widerstandes, eurer ist viel zu mühsam...” Diese und weitere Fragen habe nicht nur ich mir in den Diskussionen vor meinem Beitritt zur SLP gestellt.

Die „Machbarkeit” des Sozialismus ist einer der am häufigsten angesprochenen Punkte. Nicht verwunderlich in einer Welt, in der auf der einen Seite manche so viel Reichtum besitzen, dass es für sie kaum möglich ist, alles auszugeben und wo Unsummen beispielsweise für Waffen und Militär aufgewendet wird. Und auf der anderen Seite kann sich die restliche Menschheit glücklich schätzen, wenn sie genug zu Essen hat.

Sind schlechte Eigenschaften angeboren?

Trotzdem, auch wenn vieles im jetzigen System darauf hindeutet, ist es nicht selbstverständlich und “normal”, dass mensch nur arbeitet, wenn mensch muss. Oder dass mensch nach immer mehr strebt, auch wenn mensch selber schon lang genug hat und andere aber viel zu wenig. Ebenso dass mensch immer den Weg des geringsten Widerstandes geht (“weil sonst hätten wir doch schon längst den Sozialismus..”).
Das gesellschaftliche Sein bestimmt das Bewusstsein, wie schon Marx gesagt hat. Es ist heutzutage im Kapitalismus notwendig, die “Ellbogentaktik”, die einem bei der Erziehung mitgegeben wird, einzusetzen. Wer ein bisschen zu solidarisch, freundlich oder mit zu viel Gewissen lebt, hat schlechtere Überlebenschancen im Kapitalismus; einem System, das auf Konkurrenz basiert. Es kann sich niemand leisten, nicht gierig zu sein, weshalb es oft zur Selbstverständlichkeit wird, unsolidarisch zu handeln. In so einer Welt ist es eher verwunderlich, dass es neben den vielen “Sozialkrüppeln” auch noch Menschen gibt, die für karitative Zwecke spenden und/oder freiwillige Arbeit verrichten.

“Ich würde im Sozialismus nicht freiwillig arbeiten...”

Kinder sind neugierig, sie wollen alles untersuchen, entdecken und produktiv tätig sein. Erst wenn ihnen x-mal (verbal oder tatsächlich) auf die Finger geklopft wird, ihnen gesagt wird, “sei nicht so neugierig” oder “sitz still”, werden ihnen diese Verhaltensweisen regelrecht ausgetrieben.
Allerdings ist es richtig, dass die Arbeiten und die Arbeitsbedingungen, die es im Kapitalismus gibt, dazu führen, dass Menschen sie lieber nicht verrichten. Sie sind oft gesundheitsschädlich, stressig und unangenehm. Wie gerne jemand eine Arbeit macht, hängt auch davon ab, ob es sich um nützliche, erfüllende und gesellschaftlich anerkannte Arbeit handelt. Im Kapitalismus fragt niemand, was die Bevölkerung braucht oder nicht. Es wird nur Profitbringendes produziert. Im Sozialismus wird die Arbeitszeit drastisch reduziert werden. Denn es werden nur notwendige Dinge produziert werden und diese mit den besten technologischen Mitteln.

Kapitalismus entspricht dem menschlichen Naturell?

Vor allem durch globale Protestbewegung und Klassenkämpfe gibt es immer mehr ArbeiterInnen und Jugendliche, die sich für sozialistische Ideen interessieren. Es herrscht jedoch ein Mangel an praktischer Erfahrung mit Kämpfen und Bewegungen, mit Solidarität und der Stärke der ArbeiterInnenbewegung. Die 80er und insbesondere die 90er Jahre mit dem Zusammenbruch der stalinistischen Staaten und der Propagandaoffensive des Kapitals (“Neue Weltordnung”) haben dem Bewusstsein von ArbeiterInnen und Jugendlichen einen Stempel aufgedrückt. Das ist der Hauptgrund für die vielen Zweifel an der Machbarkeit des Sozialismus. Außerdem werden diese Zweifel auch von den Bürgerlichen als Propagandamittel genutzt, die uns zu beweisen versuchen, dass der Kapitalismus die einzige funktionierende, dem menschlichen Naturell entsprechende Gesellschaftsordnung ist. Tatsächlich ist aber nicht der Mensch zu schlecht für den Sozialismus, sondern der Kapitalismus zu schlecht für den Menschen.
Als SLP erachten wir es für wichtig, Antworten auf diese Fragen zu geben und haben deshalb gemeinsam mit unserer deutschen Schwesterorganisation SAV eine Broschüre herausgegeben: “Ist der Mensch zu schlecht für den Sozialismus? – 10 Fragen und 10 Antworten” Im Detail werden folgende Fragen behandelt:

  • Zu gierig?
  • Zu faul?
  • Von Natur aus gewalttätig?
  • ArbeiterInnenklasse?
  • Reformen reichen doch?
  • Wollt ihr den Ostblock?
  • Demokratie?
  • Keine Individualität?
  • Rassismus & Sexismus?
  • Geringster Widerstand?
Erscheint in Zeitungsausgabe: 

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