Lohnerhöhungen in der Slowakei - unser Gewinn!

Der Arbeitskampf der KollegInnen in Ruzomberok aus Sicht einer jungen Sozialistin

In den letzten Jahren drängten immer mehr Unternehmen auf den osteuropäischen Markt: Billiglöhne, märchenhaft niedrige Steuern und schwache Gewerkschaften scheinen gute Profite zu garantieren. Neusiedler/ Mondi - ein multinationaler Konzern mit Werken und Verkaufstellen  in Ungarn, Israel, Österreich und anderen Ländern - ist ein solches Unternehmen. Im slowakischen Ruzomberok tobt seit einiger Zeit ein heftiger Arbeitskampf zwischen dem Konzern und Teilen seiner dortigen Belegschaft.

Stellenabbau und Hungerlöhne

Als Mondi/Neusiedler das Werk übernommen hatte, versprachen sie die Einstellung von 400 neuen Beschäftigten bis 2006. Doch anstatt diesem Versprechen nachzukommen, ist die MitarbeiterInnenzahl von 2.400 auf 2.200 gesunken. Gleichzeitig hat Mondi weltweit einen Gewinn von ca. 1.596 Mrd. Dollar (2003) gemacht. Dazu kommt noch, dass die ArbeiterInnen im sowakischen Werk nur etwa 20% des Gehalts ihrer Österreichischen KollegInnen bekommen: 250 Euro pro Monat, bei Lebenshaltungskosten in der Region Bratislava von 90 % des EU-Schnitts.

ArbeiterInnen wehren sich verzweifelt

Unter diesen Umständen haben einige ArbeiterInnen im September 2004 eine Unterschriftenliste für eine Erhöhung der Stundenlöhne um 50 Kronen (das sind 1,25 Euro) pro Stunde organisiert. Inzwischen haben bereits 1223 ArbeiterInnen des Werks für Lohnerhöhungen unterschrieben. Die Antwort auf diese Initiative waren Einschüchterungen der MitarbeiterInnen durch Management und die offizielle Gewerkschaft, sowie die Kündigungen von 5 Leuten, welche die Liste organisiert hatten. Vor allem hat die offizielle Gewerkschaft diesen Kündigungen nicht widersprochen, weshalb den Kollegen nichts anderes übrig blieb, als eine neue Gewerkschaft zu gründen: Die  ZOO-Papier. Die Firmenleitung reagierte darauf mit der Entlassung von weiteren 14 Aktivisten. Die ZOO-Papier erfüllt alle Kriterien, die eine Gewerkschaft erfüllen muss und ist somit offiziell anerkannt - wie übrigens dutzende andere Gewerkschaften in der Slowakei. Nur die Firmenleitung ist nicht bereit, auch nur Verhandlungen mit der ZOO-Papier aufzunehmen. Sie will den Konflikt aussitzen und hat die fünf mittellosen Kollegen auf 20 Mill. Kronen (ca. 500.000 Euro) “Schadenersatz” verklagt!

Was geht uns das an?

Immer wieder sind ArbeiterInnen in Österreich davon betroffen, dass Firmen in Länder abwandern, wo sie billiger produzieren können bzw. sie verwenden die Zweigstellen in den anderen Ländern, um hier bei uns den Lohn drücken zu können, nach dem Motto: “Regt euch nicht über Überstunden oder euer Gehalt auf, wir könnten auch abwandern und dann habt ihr gar keinen Job mehr.” Deshalb ist es für die Unternehmensleitung ziemlich wichtig, dass sie Werke in verschiedenen Ländern gegeneinander ausspielen kann. Interessant ist auch zu wissen, dass z.B in der Unternehmensleitung im Mondi Werk in Ruzomberok der Österreichische Industriellenvereinigte Veit Sorger das Sagen hat. Nun stellt sich die Frage: “Warum sollte er die Ausbeutung, die er in der Slowakei betreibt, nicht auch bei uns einführen?” Aus diesem Grund ist es gerade in der heutigen Zeit des sogenannten Lohndrückens sehr wichtig, sich mit den ArbeiterInnen anderer Werke zu solidarisieren, das heißt ihren Arbeitskampf zu unterstützen. Denn wenn die ArbeiterInnen z.B. in der Slowakei genauso viel verdienen würden wie wir, dann müssten wir nicht in ständiger Angst leben, dass die Unternehmen in andere Länder abwandern. Wir rufen deshalb vor allem die betroffenen österreichischen Gewerkschaften – wie Druck, Journalismus, Papier und die Gewerkschaft der ChemiearbeiterInnen – auf, die KollegInnen in der Slowakei solidarisch zu unterstützen!

Österreichische GewerkschafterInnen sind solidarisch mit den slowakischen KollegInnen und fordern:

 

  • Die Wiedereinstellung der 14 jüngst Gekündigten sowie der fünf ursprünglich gekündigten  AktivistInnen
  • Ein Ende der Kündigungen 
  • Sofortige Aufnahme von Verhandlungen über die ursprünglichen Forderungen der Beschäftigten sowie das von “ZOO Papier” geplante Sozialprogramm
  • Die offizielle Anerkennung der Vertretung der Beschäftigten, ZOO Papier

Forderungen aus dem Brief der SLP an Dr. Veit Sorger, Präsident der Industriellenvereinigung Österreich und Vorsitzender des Mondi Aufsichtsrates

 

Erscheint in Zeitungsausgabe: