Lehrstellenmangel

Jugend ohne Zukunft?
Ali Kropf

Die Jugendbewegung der Punks in den 70iger Jahren klebte sich selbst den Nimbus der NO FUTURE-Generation an. Die heutige Jugend braucht das gar nicht mehr zu tun, denn dafür, daß sie keine Zukunft mehr hat, kümmern sich bereits andere. Da sind die Unternehmer, die Hand in Hand mit den Politikern aller Schattierungen den Bildungsbereich zusammenkürzen. So wird bereits an Modellen herumgebastelt, bei denen sich nur mehr eine Elite leisten kann, gute Bildung und Ausbildung zu bekommen.
Die Wirtschaft nützt das permanente Zurückweichen der Gewerkschaft zu einem neuerlichen Angriff auf die Lehrausbildung. Mit der Reduktion der Lehrstellen und damit dem Abdrängen von Jugendlichen in die Arbeits- bzw. Perspektivlosigkeit, versucht sie, die Gewerkschaft und die Regierung zu neuen Zugeständnissen zu erpressen. Wirtschaftskammer-Präsident Maderthaner will die Streichung der Lehrlingsentschädigung für die Dauer der Berufsschulzeit. Nun weiß aber jeder, der die Berufsschule im Block, das bedeutet pro Jahr 2 Monate anstatt einmal wöchentlich, besucht hat, daß das Lehrlingsgehalt oftmals nicht einmal ausreicht, um die Internatskosten zu decken. Zwar ist der Betrieb verpflichtet, die Differenz zwischen Lehrlingsentschädigung und Internatskosten zu bezahlen, nur bleibt dann noch die Frage offen, wovon man die zwei Monate leben oder die Fahrtkosten nach Hause bezahlen soll. Nach den Plänen der Unternehmer soll das AMS die Kosten der Lehrlingsentschädigung für die Dauer der Berufsschulzeit übernehmen. Das bedeutet ein weiteres Abputzen der Unternehmer und eine Umverteilung von unten nach oben, denn mit den Beiträgen der Beschäftigten sollen die Lehrlinge bezahlt werden.
Aber damit noch nicht genug sollen die Arbeitsschutzbestimmungen für Lehrlinge weiter aufgeweicht werden. So droht Erich Lemler, Bundessektionsobmann für Handel in der Wirtschaftskammer, bereits: „Wenn das Jugendbeschäftigungsgesetz nicht geändert wird, muß man damit rechnen, daß viele Betriebe Dienstverhältnisse nach dem Ende der Probezeit auslaufen lassen“. Das würde bedeuten, daß die rund 3000 seit dem heurigen Schul-ende eingestellten Handelslehrlinge im September wieder auf die Straße gesetzt werden. Was diese Jugendlichen dann machen sollen, weiß keiner, denn nach einer Studie des AMS werden heuer im September ohnedies bereits rund 12.000 Jugendliche ohne Lehrstelle dastehen. Die Regierung präsentiert in bereits regelmäßigen Abständen „Lehrlingspakete“, die aber bis auf weitere Begünstigungen für Betriebe, die noch Lehrlinge ausbilden und moralische Appelle an die Wirtschaft nichts beinhalten. Geändert hat sich aber an der tristen Situation für Jugendliche, die einen Lehrplatz suchen, bis dato nichts. Nun hat sich Bundeskanzler Klima selbst in das Schaufenster gesetzt, indem er jedem Jugendlichen, der keinen Lehrplatz findet, eine Stelle in überbetrieblichen Lehrwerkstätten verspricht. Was davon zu halten ist, wird sich zeigen, Illusionen haben wir in dieses Versprechen jedenfalls keine, das auffällig an die Pensionsversprechen von Altkanzler Vranitzky erinnert.
Die Schaffung von überbetrieblichen Lehrwerkstätten wäre sicherlich ein Schritt in die richtige Richtung, da man in den wenigsten Fällen von einer wirklichen „Ausbildung“ in den Betrieben sprechen kann. Der Haken an Klimas Versprechen ist aber, daß die Unternehmer aus der Verantwortung genommen werden, die Kosten für die Berufsausbildung mitzutragen. Daher treten wir für überbetriebliche Lehrwerkstätten ein, die durch eine „Ausbildungssteuer“ in der Höhe von 2% der betrieblichen Wertschöpfung finanziert werden.
Die Gewerkschaftsjugend soll die aktuelle Diskussion um den Lehrstellenmangel dazu benutzen das Thema Berufsausbildung, die schlechte soziale Situation der Lehrlinge in die Öffentlichkeit zu bringen. Presseaussendungen sind dazu zu wenig.

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