Krise trifft auf Jugend

Severin Berger

(Junge) Menschen können sich das Leben nicht mehr leisten: In Bereichen des täglichen Bedarfs sind die Teuerungen noch massiver als die Gesamtinflationsrate zeigt und gleichzeitig werden weder Sozialleistungen noch Löhne in jugenddominierten Branchen ausreichend erhöht. Natürlich gibt es auch jene, die das nicht so hart trifft: die kommen jedoch meist aus gutbürgerlichem Haus und sind so selten auf eigenen Verdienst, Familien- oder Studienbeihilfe angewiesen.

Besonders staatliche Unterstützungsmaßnahmen zeigen das Versagen der Politik: Seit Jänner 2018 wurde die Familienbeihilfe nicht mehr erhöht, die Studienbeihilfe wird in diesem Semester erstmals seit 5 Jahren angehoben (mit Werten, die im Frühjahr schon beschlossen wurden) - eine wirkliche Anpassung dieser Leistungen an die Inflation soll aber laut Regierung frühestens 2023 folgen.

Viele Bosse wissen genau, wie sie aus dieser Misere Profit schlagen: Sollten junge Menschen Ansprüche an Arbeitsbedingungen oder Lohn stellen, werden sie einfach nicht eingestellt denn die nächsten Bewerber*innen steht oft schon, aus der Not heraus, vor der Tür. In “jungen” Branchen - z.B. Gastronomie, Hotellerie oder Krankenpflege - sind Probleme wie schlechte Arbeitsbedingungen, unzureichender Lohn, Sexismus und Arbeitssicherheit sehr offensichtlich. Illegale Beschäftigung ist in Sektoren mit vielen jungen Beschäftigten besonders hoch. Zusätzlich befinden sich über 40% der jungen Erwerbstätigen in atypischen Beschäftigungen - heißt: befristet, Leih-/Zeitarbeit oder geringfügig beschäftigt.

Junge Menschen sind, im Gegensatz zum Vorurteil, keineswegs faul - viele, besonders aus ärmeren Schichten, sind darauf angewiesen zu arbeiten und das oft neben oder statt einer Ausbildung, was die Situation für die Zukunft oft verschlechtert. Die Teuerungen werden immer mehr Jugendliche dazu zwingen, sich in horrende Arbeitsverhältnisse zu begeben.

Mehr und mehr junge Menschen verstehen aber auch, dass es, im Angesicht der massiven Krisen, so nicht ohne Veränderung des Systems weitergehen kann. Diese Erkenntnis führt zu Unmut und Widerstand, Widerstand, den wir in vielen Bereichen immer deutlicher spüren und der nicht einfach wieder verpuffen wird. 

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