Kinosterben

Stirb langsam
Martin Birkner

Das Wiener Opernkino ist das vorerst letzte Opfer des Wiener Kinosterbens. Weitere werden folgen. Die Gründe: Multiplex-Lawine, quasi Constantin-Monopol und ein ungerechtes Vergnügungssteuersystem...
Kaum für Schlagzeilen sorgen derzeit leider die Turbulenzen in Wiens Kino-Landschaft: Dabei geben diese genug Grund dafür:  Das Opernkino wurde über Nacht zugesperrt und es gibt Gerüchte einer Fusion der im Eigentum der Stadt Wien befindlichen KIBA-Kette mit dem privaten Riesen Constantin. Constantin domininiert jetzt schon den österreichischen Kinomarkt, was zur Folge hat, daß es außerhalb Wiens kaum mehr Qualitätsfilme zu sehen gibt. Hollywood rules. Das soll jetzt auch in Wien so werden. 14 (!) Multiplex-Kinos sind geplant, 4 davon bereits im Bau - und Constantin mischt kräftig mit. Die Folge wäre eine Verdoppelung (!) der Kinositzplätze in Wien - die Qualität des Gebotenen wird sich wohl kaum verdoppeln. In nahezu allen Bundesländern sind ebenfalls Großkinotempel in Planung bzw. bereits in Bau.
Kleine (Programm-)Kinos können da finanziell nicht mehr mithalten; vergnügungssteuerbefreit z.B. sind nur „Prädikatsfilme“ - das kostet zehntausend Schilling und macht selbst den Titanic-Schmarrn „sehenswert“, im Gegensatz zu neuen österreichischen Filmen, bei denen sich die Kinos das „Kaufen“ von Prädikaten dank der österreichischen Förderungspolitik nicht leisten können. Allein die geplante Fusion der städtischen KIBA mit Marktbeherrscher Constantin zeigt, wie ernst es den Stadtpolitikern mit Qualität und Vielfalt des kulturellen Angebotes ist.
Was aber steckt hinter dem Zauberwort „Multiplex“? Es geht dabei nicht lediglich um massenkompatible Unterhaltung mittels Hollywood-Einheitsbrei, sondern mindestens genauso wichtig ist die „maximale Einbindung des Kinobesuches in einen wirtschaftlich rentablen Gesamtzusammenhang“. Das heißt, nicht nur Kinomultis, sondern auch Gastronomiebetriebe, Einkaufszentren, Spielhallen und Computershops dürfen das freizeithungrige Publikum in riesigen, sterilen Gebäudekomplexen an den Stadträndern „verwöhnen“ und nebenbei ein bißchen Geld verdienen. Montag bis Sonntag, von früh bis spät, da wird von den Angestellten schon einiges an „Flexibilität“ abverlangt. Schöne neue Unterhaltungsindustriewelt.
Noch gibt es in Wien Raum für neue/kritische/avantgardistische Filme und die Viennale, aber wie lange noch? 9 Wiener Kinos sind akut von der Schließung bedroht! Es besteht also dringender Handlungsbedarf. Notwendig sind nicht nur schöne (grüne) Worte, sondern Menschen, die (Klein-)Kinosterben und Multiplex-Arbeitsbedingungen nicht tatenlos zusehen wollen.

Erscheint in Zeitungsausgabe: 

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