Kanada - Organisierte Hotelbeschäftigte gewinnen den Kampf um ihren Lebensunterhalt

von Brendan, Sam, Ray and Mason (Socialist Alternative, ISA in Kanada)

Die Mitglieder von Unite Here Local 40 haben einen wichtigen Sieg errungen. Über 500 entlassene Arbeiter*innen in den Hotels Hyatt, Pinnacle und Westin haben sich endlich das "Recht auf Wiedereinstellung" erkämpft, d.h., sie werden zu ihrem früheren Lohn mit den gleichen erworbenen Leistungen wieder eingestellt.

 

Die Verträge der Arbeiter*innen garantierten bisher, dass vorübergehend entlassene Beschäftigte ihren Arbeitsplatz zurückerhalten, wenn das Geschäft wieder zunimmt, aber nur für bis zu 12 Monate. Natürlich rechnete niemand mit einer Pandemie, die die Branche für mehr als ein Jahr lahmlegen würde. Die Arbeiter*innen haben zu Recht argumentiert, dass diese Wiedereinstellungsrechte unter den gegebenen Umständen verlängert werden sollten, aber die Hotels haben sich geweigert, dies zu tun. Auch die NDP-Regierung war trotz der Appelle der Arbeiter*innen nicht bereit, einzugreifen. Anstatt aufzugeben, organisieren sich die Arbeiter*innen der Hotels in Vancouver und schlagen zurück und haben nun einen wichtigen Sieg im Kampf um die Verteidigung ihrer Arbeitsplätze errungen.

 

Dieser Sieg ist ein Grund zum Feiern! Mitglieder der Socialist Alternative haben mit Unite Here protestiert, mit ihnen gefastet und zuletzt an der gezielten Boykottkampagne mitgewirkt, die den Zugeständnissen der Hotels vorausging. Wir werden weiterhin für und mit den Arbeiter*innen in den Hotels kämpfen, in denen die Verträge noch nicht durchgesetzt wurden. Ein Sieg für die Beschäftigten ist ein Sieg für alle.

 

 

Hotels nutzen die Pandemie aus, um Arbeiter*innen zu ersetzen.

 

 

Als die Pandemie im letzten Jahr die Tourismusbranche lahmlegte, begannen die Hotels, die Situation auszunutzen, um langjährige Arbeiter*innen zu entlassen und sie durch neue Arbeiter*innen zu niedrigeren Löhnen zu ersetzen. Wie wir im letzten Sommer berichteten, traten Arbeiter*innen der Gewerkschaft Unite Here Local 40 vor dem Parlamentsgebäude in einen Hungerstreik und forderten die NDP-Regierung auf, einzugreifen, um ihre Arbeitsplätze zu schützen. Aber Arbeitsminister Harry Bains weigerte sich mit mehr als symbolischen Gesten darauf zu reagieren.

 

 

Die Hotels weigerten sich, die Wiedereinstellung zu verlängern, während sie gleichzeitig CEWS-Gelder der Bundesregierung ablehnten, die die Arbeiter*innen auf der Lohnliste halten sollten (CEWS-Gelder sind staatliche Lohnzuschüssen, Anm. d. Übers.). Und im Dezember 2020, weniger als eine Woche nachdem "Coast Hotels" Dutzende von langjährigen Arbeiter*innen entlassen hatte, besaß die NDP-Regierung die Frechheit, 105 Millionen Dollar an Hilfsgeldern für den Tourismussektor anzubieten, ohne irgendwelche Vorgaben zum Schutz der Arbeitsplätze! Die angeblich arbeitnehmerfreundliche NDP-Regierung findet es offensichtlich viel einfacher, sich für die Interessen von Eigentümer*innen und Manager*innen einzusetzen, als den Arbeiter*innen zu helfen, deren Lebensunterhalt auf dem Spiel steht.

 

 

Ab Herbst 2020 verlangten die großen Hotels in Vancouver, dass die Arbeiter*innen, mehrere Teile ihres Vertrags dauerhaft aufgeben müssten,

 

um überhaupt über die Ausweitung von Rückkehrrechten zu diskutieren zu können. Dazu gehörten die Streichung ihrer Krankenversicherung und die Abschaffung bestimmter Arbeitsplätze bei gleichzeitiger Zusammenlegung anderer, so dass eine Person die Arbeit von zwei oder drei erledigen müsste! Diese Änderungen wären vor der Pandemie völlig unvertretbar gewesen. Das zeigt, wie hart die Arbeiter*innen kämpfen müssen, um ihre Errungenschaften zu behalten und wie rücksichtslos das Management jede Gelegenheit nutzen wird, um sie zurückzunehmen.

 

Arbeiter*innen wehren sich 

 

 

Im Januar und Februar 2021 organisierten sich die Arbeiter*innen in ihren Gewerkschaften, um sich gegen das Management zu wehren. Unite Here Local 40 reichte eine Sammelklage gegen Pan Pacific wegen rücksichtsloser Massenentlassungen von Langzeitbeschäftigten ein, woraufhin die Arbeiter*innen mit überwältigender Mehrheit für den Beitritt zur Gewerkschaft stimmten. 97 Prozent der Arbeiter*innen im Hilton Vancouver Metrotown stimmten für einen Streik und riefen anschließend die Öffentlichkeit zum Boykott des Hotels auf. Danach stimmten 91 Prozent der Arbeiter*innen im Pacific Gateway Hotel für den Streik.

 

 

Ein wichtiges Element der Strategie der Gewerkschaft und der Arbeiter*innen im Kampf um ihre Rückkehrrechte war die Kund*innenboykottkampagne. Bei dieser Kampagne wurden die wichtigsten Kund*innen der Hotels angerufen, um die Situation zu erklären, ihre Fragen zu beantworten und sie zu bitten, die Hotels zu drängen, die Rückkehrrechte der Arbeiter*innen zu verlängern. Fünfundzwanzig Arbeiter*innen und Freiwillige, darunter auch Mitglieder von Socialist Alternative Canada, waren an dieser Kampagne beteiligt.

 

 

Die Hotels waren durch diese neue Taktik eindeutig verunsichert und verlangten bald, dass die Arbeiter*innen und die Freiwilligen ihre Kunden nicht mehr anriefen. Im Gegenzug würden sie die Rückkehrrechte bis zum Sommer 2022 verlängern, aber nur, wenn die Arbeiter*innen alle Kürzungen des Vertrags akzeptieren, die sie von Anfang an gefordert hatten! Die Gewerkschaft weigerte sich und antwortete, dass das neue Angebot nur akzeptiert würde, wenn die Vertragsänderungen zeitlich begrenzt wären (bis zum Ende der Pandemie).

 

 

Die Arbeiter*innen und Freiwilligen verstärkten die Boykottkampagne, indem sie weiterhin die wichtigsten Kunden der Hotels anriefen und nachhakten. Einige Hotels versuchten, mit rechtlichen Schritten zu drohen, aber die Arbeiter*innen ließen sich nicht abschrecken. Es war nur eine Frage von Tagen, bis die Westin, Hyatt und Pinnacle Hotels den Forderungen der Gewerkschaft nachgaben. Die Rückkehrrechte wurden bis zum Sommer 2022 verlängert und die Kürzungen des Vertrages werden nur so lange gelten, bis die Hotels wieder zu 60 Prozent ausgelastet sind, woraufhin der vorherige Vertrag wieder in Kraft treten wird.

 

 

Die Schlacht gewonnen, nicht den Krieg

 

 

Die Arbeiter*innen mögen einen Sieg errungen haben, aber das bedeutet nicht, dass der Krieg vorbei ist. Es gibt noch weitere Hotels, die der Ausweitung der Rückkehrrechte nicht zugestimmt haben, und viele Arbeiter*innen wurden bereits entlassen. Die Arbeiter*innen im Pan Pacific sind gerade der Gewerkschaft beigetreten, haben aber nun die riesige Aufgabe vor sich, ihren ersten Vertrag zu erstreiten. Mehr Arbeiter*innen und Freiwillige müssen an die Telefone und auf die Straße gehen, um den Druck aufrechtzuerhalten. Andere Gewerkschaften und Gewerkschaftsgruppen müssen sich zu Wort melden und sich mit den Arbeiter*innen der Hotels solidarisieren, bis alle Beschäftigten das Recht haben, an ihren Arbeitsplatz zurückzukehren, mit guter Bezahlung und sicheren Arbeitsbedingungen.

 

 

Am 8. März nahmen Arbeiter*innen und Befürworter*innen von Unite Here Local 40 an einer Kundgebung in der Innenstadt von Vancouver teil, bei der die Gewerkschaft ihre "BC's Unequal Women-Kampagne" startete. Im Rahmen der Kundgebung und der Kampagne erzählen Frauen ihre Geschichten, darunter auch Immigrant*innen und alleinerziehende Mütter. Viele sind seit Jahrzehnten in der Hotelbranche tätig, und einige stehen kurz vor der Pensionierung. Das sind die Arbeiter*innen, die die Hotelbranche erfolgreich gemacht haben, und jetzt werden sie vom Management vor die Tür gesetzt und stehen vor dem Nichts.

 

 

Es liegt also noch ein langer Weg vor den Arbeiter*innen im Hotelgewerbe, aber die Bedeutung dieses Sieges darf nicht unterschätzt werden. Der von den Arbeiter*innen der Hotels Westin, Hyatt und Pinnacle errungene Deal wird ein mächtiger Präzedenzfall und eine Hilfe in der Kampagne sein. Socialist Alternative Canada ist stolz darauf, zum Sieg der Arbeiter*innen im Hotelgewerbe beigetragen zu haben und wird sie auch weiterhin im laufenden Kampf unterstützen.

 

 

 

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