Irak: Zehn Jahre danach

Jan Rybak

Nicht nur die Lügen über die Gründe für den Irakkrieg (Massenvernichtungswaffen, atomare Ambitionen, Verbindungen mit al-Qaida) sind wie ein Kartenhaus zusammengefallen. Das gleiche gilt auch für den Irak selbst. Die Statistiken sprechen für sich. 143.800 - 637.400 IrakerInnen (niedrigste bis höchste Schätzung) sind dem Krieg, der Besatzung und dem de-facto Bürgerkrieg zum Opfer gefallen. Die Koalition verlor 4.805 Soldaten. Wirtschafts-Nobelpreisträger Joseph Stiglitz schätzt die Gesamtkosten des Krieges auf ca. 3 Billionen (!) USD.

Seit 2003, ungebrochen durch den Abzug der US-Truppen tobt im Irak ein bisher ungekannter sektiererischer Konflikt. Die Versprechen von Stabilität, Demokratie und Wohlstand des Jahres 2003 wirken heute mehr denn je als Verhöhnung der Realität. Darum ging es auch nie; interessant waren von Anfang an die Erdölreserven des Irak und Kontrolle über ein potenziell gefährliches regionales Machtzentrum. Was bleibt 10 Jahre danach? Westliche Ölkonzerne haben zwar weiterhin lukrative Verträge, die Regierung al-Maliki stützt sich jedoch auf die schiitische Mehrheit und ist zunehmend ein Klient der Ayatollahs in Teheran. Das Land versinkt in sektiererischer Gewalt mit täglichen Anschlägen und ethnischen Säuberungen.

Alle Versprechungen und Konzepte der westlichen Herrschenden sind gebrochen und gescheitert. Gibt es einen Ausweg aus dem Kreislauf von Krieg, Bürgerkrieg und Elend? Letztlich kann nur eine gemeinsame Bewegung von ArbeiterInnen und Jugendlichen aller religiösen und ethnischen Gruppen einen gangbaren Weg zeigen. Das heißt nicht, die Menschen in nationale Grenzen zu zwingen: wenn z.B. die kurdische Bevölkerung einen eigenen Staat haben will, hat sie das Recht dazu! Entscheidend ist aber der gemeinsame Kampf der ArbeiterInnen für demokratische und soziale Rechte, die Verstaatlichung des Erdöls unter demokratischer Kontrolle und die Verteilung des Reichtums an die Bevölkerung, demokratische Selbstverteidigungskomitees gegen sektiererische Angriffe, multiethnische/-religöse Gewerkschaften und eine gemeinsame sozialistische ArbeiterInnenpartei sind die einzigen Möglichkeiten, um einen Ausweg aus dem Albtraum an Euphrat und Tigris zu ermöglichen.

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