Höhere Löhne = höhere Preise?

Wie wir gegen Inflation kämpfen
Laura Rafetseder

Vor den Lohnrunden im Herbst haben die Unternehmen vor höheren Lohnabschlüssen gewarnt - "um die Konjunktur nicht zu gefährden". Nun argumentieren sie, dass angesichts der Teuerung von 3,6 Prozent im Dezember keine Lohn-Preis-Spirale in Gang gesetzt werden dürfe. Nur: Die Armutsspirale nach unten ist ihnen dabei egal.

Sinkende Lohnquote, stagnierende Reallöhne

Die Herbstlohnrunde hat für die bisherigen Abschlüsse scheinbar relativ gute Ergebnisse erzielt - auf den ersten Blick.  Die Metaller - mit 3,6% (plus 200,- Euro Einmalzahlung) - befinden sich an der Spitze,  die übrigen Abschlüsse liegen aber bereits meist um oder  sogar unter 3%. Das ist zwar mehr als in den letzten Jahren. Angesichts der Gewinnsteigerungen in vielen Branchen im Jahr 2007 trotzdem ein Schlag ins Gesicht für die Beschäftigten. Denn selbst die höchsten Abschlüsse blieben unter Minister Buchingers (!) Forderung von 4%.  Und: Die Lohnquote (das ist der Anteil der Löhne und Gehälter am Bruttoinlandsprodukt) ist seit 1999 von 72 % auf 64,5% 2007gesunken, und wird von 2007 auf 2008 vermutlich weiter auf 63,9 sinken  (Quelle: Statistik Austria, AK OÖ). Deutlicher kann die defensive Lohnpolitik der Gewerkschaften in der Vergangenheit nicht ausgedrückt werden.

Wie aussagekräftig ist die Inflationsrate wirklich?  

In Österreich betrug die Inflationsrate im Dezember 2007 bei 3,6 Prozent, der höchste Wert seit 1993 (Quelle: ÖNB). Die "gefühlte" Inflation ist aber wesentlich höher.  Die Inflationsrate wird auf Basis eines Warenkorbs berechnet, in dem auch Güter eingeschlossen sind, die sich niedrige Einkommen nicht leisten können. Laut Verbraucherpreisindex stiegen die Lebensmittelpreise in den ersten 10 Monaten 2007 um durchschnittlich 3,6%, im November sogar um 6,6%. Die Waren sind außerdem unterschiedlich stark gewichtet - das heißt Wohnen macht zum Beispiel für viele einen höheren Anteil der Ausgaben aus, als im Warenkorb berücksichtigt. Für die niedrigen Einkommen bedeutet das, dass sie viel stärker von Preissteigerungen bei Lebensmitteln und Waren, die die Grundbedürfnisse abdecken, betroffen sind. Wenn also die Löhne nur um die Inflationsrate steigen, sinkt in Wirklichkeit die Kaufkraft der niedrigen Einkommen. Was für die Löhne gilt, gilt natürlich auch für Sozialleistungen - gerade Leistungen, die als Fixbeträge ausgezahlt werden, werden nicht regelmäßig an die Inflation angepasst. Das Pflegegeld z.B. ist seit 1994 real gesunken: Pflegegeld-BezieherInnen der Stufe 1 mussten einen Kaufkraftverlust von 34,31% hinnehmen (Quelle: Ö. Hilfswerk).

Lohn-Preis-Spirale??

Die Wirtschaft warnt vor höheren Lohnabschlüssen mit der Begründung, dass das die Preise weiter in die Höhe treiben würde.  Die sogenannte "Lohn-Preis-Spirale" wird dabei von den Unternehmen als Schreckgespenst benützt, um die ArbeiterInnenklasse von höheren Lohnforderungen abzuhalten. Tatsächlich reduzieren höhere Löhne zunächst lediglich die Profite der Unternehmen. Ob das durch Preissteigerungen an die ArbeiterInnen weitergegeben wird, ist eine Frage des Kräfteverhältnisses zwischen beiden Seiten. Geringere Lohnerhöhungen oder gar ein Einfrieren der Löhne wären demnach auch kein wirksames Mittel gegen Inflation, sondern in erster Linie ein Abwälzen des Problems auf die ArbeiterInnenklasse. Genau das ist übrigens z.B. durch die "Lohn und Preisabkommen" in Österreich am Beginn der Zweiten Republik.

Gleitende Lohnskala – Reallohnsteigerung – Vergesellschaftung!

Was ist also die sozialistische Antwort auf Preissteigerungen? Letztlich kann man gegen die Inflation aus Sicht der ArbeitnehmerInnen nur mit der Forderung nach einer gleitenden Lohnskala kämpfen. Etwas Ähnliches gab`s lange Zeit in Italien, aber auch teilweise in Österreich in den ersten Jahren nach dem ersten Weltkrieg - in einer Phase wo die ArbeiterInnenbewegung trotz Wirtschaftskrise in der Offensive war. Damit werden die Löhne in jedem Fall automatisch um die Inflationsrate erhöht. Darüberhinaus gilt es Lohnabschlüsse zu erzielen, die eine tatsächliche Verbesserung des Lebensstandards auch spürbar machen - also Reallohnerhöhungen. Damit würde letztlich auch die Lohnquote - und damit die Position der Klasse in der Gesellschaft - verbessert. Für die Gewerkschaft war es lange Jahre ein Ziel, auch die Produktivitätssteigerungen abgegolten zu bekommen. Auch von diesem Ziel haben sie sich offensichtlich verabschiedet. Um Inflation dauerhaft zu bekämpfen wäre eine - sozialistische - Wirtschaft nötig, in der es nicht um Profite, sondern um Bedürfnisse geht.

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