Gamestop: Das System austricksen?

Sorry, die Welt kann nicht am Finanzmarkt verbessert werden, egal wie clever man trickst…
Peter Hauer

Ende Jänner explodierte die Aktie des Spiele-Händlers Gamestop. Der Grund: Die Investment Firma Melvin Capital spekulierte auf einen Fall der GameStop-Aktie. Aber auf dem Online-Forum Reddit „organisierten“ sich Kleinanleger*innen und kauften kollektiv über die Trading-App Robinhood Aktien. Dadurch stieg die Gamestop-Aktie von ca. 18$ auf 347$. Für Melvin Capital bedeutet das einen Verlust von 12,5 Milliarden $ und man musste von Investment-Firmen gerettet werden. Als Reaktion auf den massiven Anstieg sperrte Robinhood die Aktie, um Anleger*innen und sich selbst vor Schaden zu bewahren. Der wahre Grund ist eher, dass Robinhood, auch wenn es der Name suggeriert, nicht eine Umverteilung von Unten nach Oben zum Ziel hat (Kleinanleger*innen verlieren im Schnitt ca. 1/4 des eingesetzten Kapitals).
Der Coup sorgte für verständliche Schadenfreude gegen „die Großen“ – endlich hatten mal die „Kleinen“ profitiert. So stellt sich die Frage ob Apps wie Robinhood die Möglichkeit für eine gerechtere Verteilung des Reichtums bieten? Kann man egoistische Finanzhaie in den Griff bekommen, indem man sie mit ihren eigenen Waffen schlägt? Die kurze Antwort: Nein.
1. Kam die Trade-Initiative nicht „von unten“. Vielmehr nutzte Keith Gill, ein YouTuber und „zufälligerweise“ lizenzierter Finanzprofi, die Reddit-User und ihre Wut über die „großen“ für kurzzeitige Profite (und hat jetzt wegen Verstößen gegen das Wertpapiergesetz Ermittlungen am Hals).
2. Die Umverteilung war nur punktuell und nur einzelne Akteur*innen konnten Profit machen, andere erlitten enorme Verluste. Der 20 jährige Student Alex Kearns fiel auf die Propaganda herein, dass jedeR mit Aktien reich werden könne – und zerbrach am Horror-Minus am Konto.
3. Auch wenn sich hier Kleinanleger*innen organisierten, so fehlt Arbeiter*innen das Geld, um sich Aktienpakete zu kaufen. Das fette Geld geht nur mit großen Paketen und Reserven, um einen Kurssturz aussitzen zu können. Die „kleinen“ aber haben monatliche Ausgaben fürs Überleben und keine Rücklagen – ihre Einlagen sind Spielgeld für die „Großen“.
4. Im Gegensatz zu Arbeiter*innen verfügt der Aktienmarkt über Bailout-Mechanismen, die die Kapitalist*innen vor Schaden und „unachtsamem Gambling“ schützt.
5. Aktuell werden die Blasen auf den Finanzmärkten wieder größer. Aktien repräsentieren kaum reale Werte, sondern Wetten von Kapitalist*innen darauf, wie sich etwas entwickelt. 
Nach „ethischen Aktien“ (viel Öko, keine Waffen) ist das jüngste Beispiel eines, das Illusionen schürt, man könne dem System ein Schnippchen schlagen. Der Aktienmarkt als Instrument für eine Gesellschaft, in der man frei von irgendwelchen Zwängen leben kann, ist eine Illusion. Dass auch die Reddit-Gambler*innen keine soziale Ader haben, zeigte sich, als wenige Tage später im selben Forum vorgeschlagen wurde, Süd-Afrika für Profite finanziell zu ruinieren.

 

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